Länderbericht Bosnien-Herzegowina

Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka.

Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka.

Einwohner:
3, 76 Millionen

Fläche:
51 197 qkm (etwas größer als Niedersachsen)

Religion:
Muslime: 55,4 Prozent
Christen: 41 Prozent (darunter 464 000 Katholiken)
Religionslose: 3,6 Prozent

Die Religionsfreiheit wird im Land im Allgemeinen respektiert. Es gibt jedoch Beschwerden über Restriktionen, die bestimmten Minderheitengruppen von den bosnischen Behörden auferlegt werden. In einigen Teilen Bosniens gibt es immer noch Fälle von Gewalt und Missbrauch, die religiös motiviert sind.

Die religiösen Oberhäupter von Minderheitengruppen in Sarajewo, Banja Luka und Mostar klagen weiterhin über Diskriminierung durch Beamte lokaler Behörden, insbesondere, wenn es um die Nutzung ihres Besitzes für religiöse Zwecke geht. Ihnen wird auch kein angemessener Schutz vor Vandalismus und Schikane gewährt.

Im Januar 2009, zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres, hat das Bildungsministerium der Serbischen Republik für alle Schüler der ersten Sekundarstufe probeweise das Unterrichtsfach „Kultur der Religionen“ eingeführt.

Die Baptistengemeinde klagt weiterhin über Probleme beim Versuch, die Allianz Protestantisch-Evangelikaler Kirchen in Bosnien und Herzegowina zu registrieren. Laut Angaben des Justizministeriums liegt das Problem darin, dass das Gesetz den Begriff „Allianz“ nicht formal anerkennt.

Das Problem illegaler Errichtung religiöser Gebäude besteht weiterhin. Eine nicht zugelassene serbisch-orthodoxe Kirche in der Stadt Konjevic Polje bleibt trotz der Entscheidung des Ministeriums für Stadtplanung aus dem Jahr 2004, das Gebäude abzureißen oder zu entfernen, geöffnet. 2007 hatten die Serbisch-Orthodoxen die Entscheidung theoretisch akzeptiert, aber bislang ist noch nichts geschehen.

Am 20. Februar ordnete ein Gericht in Banja Luka an, dass die Regierung der Serbischen Republik und die Stadt Banja Luka als Entschädigung für die Zerstörung von 16 Moscheen während des Krieges von 1992–1995 eine Summe in Höhe von ca. 42,6 Millionen US-Dollar zu zahlen habe. Am 17. März 2009 legte die Regierung Berufung gegen dieses Urteil ein.

Ende April 2009 wurde in dem östlich gelegenen Dorf Divic eine serbisch-orthodoxe Kirche, die auf dem Grundstück einer zerstörten Moschee errichtet worden war, ohne weitere Probleme entfernt. Glücklicherweise ist die Zahl der Angriffe auf religiöse Symbole, Geistliche und religiöses Eigentum in den drei ethnischen Hauptgebieten stark zurückgegangen. Dennoch sind serbisch-orthodoxe Symbole immer noch Objekt von Angriffen.

So verbrannten beispielsweise Unbekannte in der Stadt Tuzla am 6. Januar, am Abend des orthodoxen Weihnachtsfestes, die Nationalflagge in der orthodoxen Kathedrale. Das Kirchengebäude erhielt Polizeischutz rund um die Uhr.

Vandalen beschädigten auch katholische Stätten. In der Woche vom 23. März 2009 wurden die Fenster der katholischen Kirche St. Lukas in Novi Grad, einer der Stadtgemeinden von Sarajewo, dreimal beschädigt. Dies war der 16. Angriff seit 2005.

Jüdisches Eigentum wurde ebenfalls durch Vandalismus beschädigt. Am 15. Februar 2009 tauchten in Sarajevo Graffiti auf, die das Hakenkreuz mit dem Davidsstern verbanden. Am 7. und 8. Januar 2009 tauchten während einer der zahlreichen Krisen im Gazastreifen antisemitische Graffiti in Mostar auf.

Diskriminierung bleibt nach wie vor ein schwerwiegendes Problem, vor allem in drei Bereichen: Diskriminierung von Nichtserben in mehrheitlich von Serben bewohnten Gebieten, von Nichtkroaten in West-Herzegowina und von Nichtbosniaken in Zentralbosnien.

Quellen:
Forum 18 News Service
Human Rights Watch
Human Rights Without Frontiers
L’Osservatore Romano
OSZE
Radio Vatikan
Reuters
United States

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

19.Aug 2009 12:27 · aktualisiert: 28.Mai 2014 14:36
KIN / S. Stein