Länderbericht Bosnien-Herzegowina

Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka.

Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka.

Einwohner:
3, 86 Millionen

Fläche:
51 197 qkm (etwas größer als Niedersachsen)

Religion:
Muslime: 60 Prozent
Christen: 35 Prozent (darunter 468 000 Katholiken)
Religionslose: 5 Prozent

In ihrer Präambel und in Artikel 2, Paragraf 3, legt die Verfassung von Bosnien und Herzegowina das Recht auf Religionsfreiheit fest, das im Allgemeinen respektiert wird. In der Praxis dagegen und sehr oft in Gebieten mit gemischter ethnischer Bevölkerung gibt es ernste Zwischenfälle von Diskriminierung gegen die Mitglieder bestimmter Gruppen. Muslime, Katholiken und orthodoxe Serben berichten alle
von vielen Fällen von Aggression und religiöser Intoleranz.

Bei den traditionellen religiösen Gruppen ist die Anzahl der praktizierenden Gläubigen relativ gering; aber es gibt dennoch einige Gegenden, wo die religiöse Praxis intensiver ist, etwa bei den kroatischen katholischen Gemeinden in ihren besonderen ethnischen Enklaven in Bosnien und Herzegowina.

Katholiken kämpfen um ihr Überleben

In Bosnien sind Katholiken eine Minderheit; sie sind in der schwierigen Lage, in einer Umgebung, die mehr und mehr durch den Islam bestimmt wird, um ihr Überleben kämpfen zu müssen, also in der Bosniakisch-kroatischen Föderation oder da, wo sie nicht willkommen sind, wie in der Serbischen Republik.

Für viele Muslime in Bosnien ist die Religion zugleich ein Zeichen ihrer ethnischen Identität, auch wenn ihre wirkliche religiöse Praxis sich auf einen gelegentlichen Besuch in der Moschee und einige wenige Gelegenheiten (Geburt, Hochzeiten und Todesfälle) beschränkt. Es gibt acht Muftis in den größeren Städten wie Sarajewo, Tuzla, Mostar und Banja Luka.

Im Laufe des Jahres 2006 war das Parlament nicht in der Lage, eine Übereinkunft über einen Gesetzentwurf zu offiziellen Feiertagen (religiöser und staatlicher Art) zu erzielen. Die Lokalbehörden erkennen im Allgemeinen die Tage als offizielle Feiertage an, die von den Mitgliedern der zahlenmäßig größten religiösen Gruppe als solche angesehen werden.

Das Gesetz zur Religionsfreiheit regelt die Erlaubnis für religiöse Gruppen und erklärt das Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit in Bosnien. Im Justizministerium wurde ein einheitliches Register für alle Religionen geschaffen, während das Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlinge alle Verletzungen von Religions- und Gewissensfreiheit dokumentiert.

Separatistischer Druck

Laut der derzeitigen Gesetzgebung kann jede Gruppe mit mindestens dreihundert erwachsenen Mitgliedern eine neue Kirche oder religiöse Gemeinschaft gründen, indem sie beim Justizministerium einen schriftlichen Antrag stellt. Das Ministerium muss innerhalb von dreißig Tagen nach Antragseingang über die Erlaubnis entscheiden. Bei Nichterteilung kann eine Eingabe beim Ministerrat gemacht werden.

Separatistischer Druck wird oft durch religiöse Elemente unterstützt. Beispielsweise forderte der serbisch-orthodoxe Bischof von Trebinje, Grigorije, im Juni 2007 ein Referendum für die Unabhängigkeit der Republika Srpska, der serbisch regierten Einheit innerhalb von Bosnien und Herzegowina, vom bosnischen Staat.

Im Jahr 2006 beschlossen die Lokalbehörden verschiedene Wege, den hauptsächlichen religiösen Gemeinschaften finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Die Religionsgemeinschaften bekommen tendenziell dort die meiste finanzielle Unterstützung, wo ihre Mitglieder am zahlreichsten sind.

Eltern haben das Recht, ihre Kinder aus religiösen Gründen in Privatschulen einzuschreiben. Viele Städte und Gemeinden haben konfessionelle Schulen, islamisch, katholisch oder serbisch-orthodox. Aber die “Europaschulen” der katholischen Kirche haben sich zum Ziel gesetzt, zu Versöhnung und Toleranz zwischen den nationalen Gruppen und Religionen in Bosnien beizutragen.

Forderungen nach Rückgabe von Besitz

Die vier größten Religionsgemeinschaften im Land fordern schon seit geraumer Zeit die Rückgabe oder Entschädigung für ihren Besitz, der vom kommunistischen Regime konfisziert oder verstaatlicht worden war. Die staatliche Kommission für Restitution arbeitet an einem einheitlichen Gesetzentwurf zu diesem Thema für den gesamten Staat. Derzeit fällen die verschiedenen Lokalbehörden die Entscheidung in Ermangelung einer solchen Regelung.

Am 19. April 2007, nach sechsjähriger Arbeit unterzeichneten der Heilige Stuhl und die bosnische Regierung ein Konkordat, der den juristischen Status der katholischen Kirche in Bosnien regelt. Der Vertrag wurde durch Erzbischof Alessandro d’Errico, den apostolischen Nuntius in Sarajewo für den Heiligen Stuhl, und von Ivo Miro Jovíc, dem kroatischen Mitglied des Staatspräsidiums, für Bosnien und Herzegowina unterzeichnet.

Der Osservatore Romano berichtete am 28. April über dieses Ereignis. Die Vereinbarung erkennt die Unabhängigkeit der beiden Parteien ebenso an wie ihren Willen zur Zusammenarbeit. So wurde das juristische Rahmenwerk für die Beziehungen zwischen dem Staat und dem Heiligen Stuhl geschaffen.

Die lokale Exekutive ist immer noch ein großes Hindernis für die Verteidigung des Rechts auf Religionsfreiheit für die Minderheiten. Beispielsweise verhaftet die Polizei selten die Verantwortlichen für Vandalismus gegen religiöse Gebäude oder für Angriffe auf die Geistlichen der verschiedenen Kirchen oder Gemeinschaften. Auf lokaler Ebene erzwingen die Behörden manchmal Beschränkungen für religiöse Riten und Zeremonien.

Angriffe auf religiöse Symbole

Beispielsweise verweigert die serbische Bevölkerung immer wieder den Muslimen in der serbisch-dominierten Gemeinde Bratunac die Erlaubnis, einen Friedhof oder ein Mahnmal auf dem Grund und Boden gegenüber und um die Moschee herum zu bauen. Bratunac hat im Jahr 1992 durch das Massaker an 600 Menschen, die meisten von ihnen Muslime, darunter der lokale Imam, traurige Berühmtheit erlangt.

Im Laufe des Jahres 2007 hat die Anzahl der Angriffe auf religiöse Symbole, Gebäude und Geistliche auch zugenommen. Die katholische Kirche, die serbisch-orthodoxe Kirche, die protestantische und die muslimische Gemeinschaft sind gleichermaßen Objekte von Aggression und Vandalismus.

Die Führer der wichtigsten Religionen treffen sich weiterhin im Interreligiösen Rat von Bosnien und Herzegowina, wo sie zusammenarbeiten, um die substanziellen und die gelegentlichen Konflikte lösen zu helfen. Besonders die katholische und die orthodoxe Kirche treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Themen und Ideen zu besprechen und hoffen dabei, dass dies sie zu einer wachsenden Nähe führt.

Während der Woche des ökumenischen Dialogs im April 2007 leitete der Führer der katholischen Kirche in Bosnien und Herzegowina, Kardinal Vinko Puljic, den Gottesdienst in der orthodoxen Kathedrale in Sarajewo und Metropolit Nikolaj, der Führer der serbisch-orthodoxen Kirche in Bosnien und Herzegowina, leitete einen Gottesdienst in der katholischen Kathedrale derselben Stadt. Ebenso traf sich der katholische Bischof Ratko Peric von Mostar mit dem Mufti von Mostar, Seid Effendi
Smajkic.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit - Bericht 2008. Stand: 2008)

19.Aug.2009 12:27 Uhr · aktualisiert: 9.Feb.2010 12:25 UhrKIN / S. Stein

Website & Medien durchsuchen

Sitemap | Hilfe | Privatsphäre | Kontakt

Die Medienbox von KIRCHE IN NOT

TippsMediensucheEinstellungen
DSL (ab 384 Kbps) ISDN (128 Kbps)

Bosnien - Stütze der Schwachen
Doku über die mühsame Aufbauarbeit der katholischen Kirche zehn Jahre nach dem Bürgerkrieg
Rubrik: Dokumentationen & Reportagen
Länge: 25:15

Der Mensch ist besser als wir denken, Teil 3
Letzter General des Kalten Krieges - Hilfe für die verfolgte Kirche in Osteuropa
Rubrik: KIRCHE IN NOT

Der gute Mensch von Saratow - Bischof Clemens Pickel
Clemens Pickel ist Bischof in Saratow, einer Diözese in Südrussland, viermal so groß wie Deutschland
Rubrik: Dokumentationen & Reportagen
Länge: 29:15

Das Schiff Gottes
Auf den Flüssen Wolga und Don bringen Kapellenschiffe Glauben und die Sakramente zu den Menschen
Rubrik: Dokumentationen & Reportagen
Länge: ca. 25 min.

Bulgarien - Leben im Verborgenen
Film über das Leben von Schwestern im Karmel vom Heiligen Geist in Sofia.
Rubrik: Dokumentationen & Reportagen
Länge: 42:47

Polen - ein rotes Meer
Doku über die Schiffskirche von Nowa Huta, Symbol des polnischen Kampfes für Glaubensfreiheit
Rubrik: Dokumentationen & Reportagen
Länge: ca. 28:00 - 2005

Wende im Osten - Rückkehr des Glaubens? Teil 1: Russland
Clemens Pickel, der Bischof von Saratow, berichtet über das Glaubensleben in Russland
Rubrik: Weltkirche aktuell
Länge: 35:03

Wende im Osten - Rückkehr des Glaubens, Teil 2: Ukraine
Weihbischof Bohdan Dzyurakh über die leidvolle Geschichte der Ukraine und die gr.-kath. Kirche
Rubrik: Weltkirche aktuell
Länge: 39:22 - 2009


Meistbesuchte Seiten

JPG - 2.66 KBSuchen Sie Hilfe im Gebet?
Zünden Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze für persönliche Anliegen an.

JPG - 3.32 KBDie Kinderbibel
Auflage: etwa 48 Millionen Exemplare in 162 Sprachen. Hier bestellen: » mehr…

JPG - 4.2 KBDie Homepage der Kinderbibel
Hier online in 50 Sprachen lesen. » mehr…

JPG - 2.34 KBAngelusgebet für Europa
Beten auch Sie mit für ein christliches, geeintes Europa! »mehr…

JPG - 2.42 KBDas Beichtmobil
Mit dem “fahrenden Beichtstuhl” machen wir auf die Beichte aufmerksam. » mehr…

GIF - 10.101

GIF - 3.85 KB

GIF - 4.41 KB

Kostenloser Newsletter:

Informationen über die Notlagen
der Weltkirche, aktuelle Tipps zu Veranstaltungen, zu Radio- und Fernsehsendungen und neuem Medienmaterial.

Hier erreichen Sie uns:

Kirche in Not / Ostpriesterhilfe
Deutschland e.V.

Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon 089 - 64 24 888-0
Telefax 089 - 64 24 888-50
info@kirche-in-not.de

SpendenPater Werenfried