Gedanken für den Jahreskreis von Pater Werenfried van Straaten:

Zum 1. Advent

Gott ist weg

Pater Werenfried

Pater Werenfried.

Einst schwebte der Geist Gottes erschaffend über den Wassern, und alles war sehr gut. Nimmt man aber den Geist weg aus dem Menschen, dann ist er kein Mensch mehr. Er ist ein Wrack oder eine Bestie, vor der man sich in acht nimmt oder die man gar in eine Irrenanstalt einsperrt.

Und verjagt man den alles lenkenden und alles beseelenden Geist Gottes aus der Gesellschaft, dann fällt die Welt ins Chaos zurück. Die Schöpfung wird eine wahnsinnige Bestie, die ihre eigenen Kinder auffrisst. Nacht über der Erde. So weit sind wir gekommen.

Gott ist weg. Aber jeder Mensch ist auch die Tür, durch die er zurückkommen will. Einst kam er durch die Menschwerdung Jesu Christi zurück. Jetzt aber sucht er in Millionen Menschen Zugang zu dieser Zeit. Sein Tag steht bevor.

Gott kommt in die Welt, wenn wir ihm in unserem Herzen Wohnung geben. Wenn wir ihn in seinem Gesetz der Liebe annehmen. Wenn wir Mariens Aufgabe erfüllen: Jesus zu empfangen und in uns zu tragen, so dass er das Herz unseres Lebens wird. Dann wird er den himmlischen Vater mit unserem ganzen Herzen, mit unserer ganzen Seele und mit all unseren Kräften lieben.

Dann wird seine Liebe, seine Güte, sein Mitleid mit den Menschen durch uns hindurch wie ein Licht in die Welt strahlen. Dann wird er durch unsere Augen lächeln, mit unseren Händen helfen, in unserer Gestalt sein erlösendes Leben von dereinst von neuem leben.

Dann sind wir die Türen, die zehntausend, hunderttausend, die Millionen von Türen, die weit aufgerissenen Pforten, durch die er, der Friedensfürst, der Gott-mit-uns, in seine Welt, in sein Reich einzieht.

(entnommen aus „Werenfried van Straaten — Bettler für Gott. Autobiographische Aufzeichnungen und ausgewählte Gedanken des Speckpaters”)

7.Nov 2008 17:00 · aktualisiert: 27.Nov 2017 15:25
KIN / S. Stein