Zeitzeugen über Pater Werenfried – Teil 2

Um die Erinnerung an unseren Gründer lebendig zu halten, suchen wir nach Zeitzeugen von Pater Werenfried van Straaten, die Fotos, Dokumente oder Anekdoten im Zusammenhang mit dem Speckpater oder seinem Werk zur Verfügung stellen können.

Wir bitten daher alle, die über eine Begegnung mit Pater Werenfried berichten können, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Herzlichen Dank im Voraus.

 

“Jeder Deutsche sollte seine Bücher lesen”

Der “Speckpater”, wie sein Ehrenname bei Millionen einen Klang hat, ist auf dieselbe Stufe zu stellen, wie Mutter Teresa. Jedenfalls bei uns Deutschen, wo er sein weltumfassendes Liebeswerk begann, als unser Volk am “Nullpunkt” angelangt war. Tausenden von Kindern, die gewiß nicht überlebt hätten und an Hungerödem und Tbc elend zugrunde gegangen wären, hat er das Leben gerettet.

Er ging in die primitiven Lager und zog dann von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf in Holland und Flandern und bat und bettelte, vorerst um “Verzeihung und Liebe” bei den von Hass gegen die Deutschen erfüllten Herzen. Er überzeugte in erschütternden Predigten und Darlegungen von der unaussprechlichen Not der Menschen, insbesondere der Kinder, die ja völlig unschuldig litten. Er besuchte die überfüllten Flüchtlingslager und schrieb und predigte und beschwor die Landsleute, doch zu helfen.

Es wird heute kaum ein mensch ermessen, was es heißt, wenn Mütter, deren Männer und Söhne (wie in Vinkt 1940, 80 Männer*) hingemordet wurden beim Einmarsch der Wehrmacht, wie diese leiderfüllten Witwen nach Werenfrieds Predigten die beinahe übermenschliche Größe fanden und Bekleidung und Fahrräder für die einst so verhassten “Mofs” spendeten.

Nach dem deutschen “Wirtschaftswunder” erweiterte er seine umfangreichen Hilfsaktion in Osteuropa und darüber hinaus überallhin, wo es hungernde Menschen gibt – “unsre Brüder”, wie Werenfried sagt. Jeder Deutsche sollte seine zwei Bücher lesen: “Sie nennen mich Speckpater” und “Wo Gott weint”, um nur in etwa zu ermessen, was dieser Mensch leistet und was er insbesondere für unser Volk getan hat.

Mit Recht nennt man ihn den “Größten Heiligen des 20. Jahrhunderts”.

Maria Pustejovsky, Tegernsee (1988)

* Tatsächlich waren es sogar 86 Personen (Die Red.).

“Was ich brauche, ist Speck!”

Ich stehe kurz vor meinem 79. Geburtstag. Pater Werenfried starb an meinem Geburtstag, am 31. Januar. Ich kann mich noch gut an die Anfänge von KIRCHE IN NOT erinnern. Ich stamme aus Kleve am Niederrhein und dort hießen viele Menschen van Straaten oder Willemsen. Eines Tages hörte ich im Radio, wie Pater Werenfried in seiner Heimat mit den Leuten “Fraktur” redetet. Er rief den Leuten zu, dass man nicht in Überfluss leben kann, wenn nebenan Kinder hungerten.

Er sagte auch, dass er mit Geld in Deutschland nichts anfangen könne. “Was ich brauche ist Speck!” Daher hat er ja später seinen Beinamen “Speckpater” bekommen. Ich hatte von dieser Spende nichts erhalten, weil es für mich nicht notwendig war, denn mein Vater ein Geschäft und konnte viel tauschen. Nach der Währungsreform zog Pater Werenfried durch unser Land, und die Menschen haben sein Wirken nicht vergessen.

Ich erinnere mich noch gut an seine Predigt im Kölner Dom. Danach ging er mit seinem berühmten Hut durch die Kirche. Es war unglaublich, was da alles zusammen kam: Viele hatten sogar ihren Schmuck spontan hineingeworfen. Trotz vieler Widerstände ließ er sich nicht entmutigen. Möge er in Frieden ruhen!

Edmund Zabel, Oberkirch

Pater Werenfrieds neunzigster Geburtstag

Pater Werenfrieds Geburtstag war ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Die Feier der heiligen Messe im Dom zu Limburg und das Verlesen der Grußadressen aus aller Welt. Den nachhaltigsten Eindruck aber hat die Begegnung mit Pater Werenfried auf mich gemacht, als er vor dem Dom mit seinem “Millionenhut” kollektierte. Ich legte meine Spende in den Hut, er bedankte sich, worauf ich ihm erwiderte, wir hätten ihm zu danken. Diesen Blick und dieses Charisma werde ich nicht mehr vergessen.

Ich habe mich oft gefragt, wie es Pater Werenfried kurz nach dem Krieg gelungen ist, so umfassende Hilfe bei den damals verfeindeten Völkern für Deutschland zu erbetteln. An diesem tag ist es mir klar geworden. ich bin froh und glücklich, dass der HERR mir diese Begegnung gewährt hat.

Immer habe ich den Millionenhut vor Augen, wenn ich Projekte von KIRCHE IN NOT unterstütze. Durch Pater Werenfried und KIRCHE IN NOT ist es jedem Christen möglich, Gottes Wort zu verbreiten und den notleidenden Brüdern und Schwestern in aller Welt zu helfen. Niemand kann sich herausreden, er hätte nicht gewusst, wie man helfen kann.

Der Geburtstag von Pater Werenfried wird mir ähnlich wie mein Erstkommuniontag am Weißen Sonntag 1963 unlöschbar ins Herz eingegraben sein.

Karl-Heinz Krämer, Frankfurt am Main

“Selig die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen.”

Pater Werenfried in einem vietnamesischen Flüchtlingslager
(Ende der Siebzigerjahre)

Als Vertriebener aus dem Riesengebirge fühle ich mich meiner Heimat noch stark verbunden. Welch eine Freude, als ich in der Januarausgabe meiner Heimatzeitung las, dass der “Speckpater” Werenfried van Straaten im Januar seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert hat. Sogleich erwachte in mir die Erinnerung an die Zeit, als ich Fahrer eines der legendären Kapellenwagen war:

Ich kehrte im Mai 1950 nach sechsjähriger russischer Kriegsgefangenschaft, davon dreieinhalb in Sibirien, in der Nähe von Tomsk, heim zu meinen Eltern und Geschwistern. Gesundheitlich war ich total ruiniert und brauchte ein volles Jahr zur Genesung und Erholung. Ende 1951 hielt ich schon Umschau nach einem Arbeitsplatz.

Da ich auf dem väterlichen Bauernhof groß geworden war und schon 1941 zur Wehrmacht kam, hatte ich keinen Beruf erlernt. Unser Pfarrer, Pater Albin Reimann, hatte davon erfahren und wusste auch, dass Heimatvertriebene, Spätheimkehrer und Kriegsversehrte bei der Arbeitssuche bevorzugt werden sollten. Er ließ mich rufen und riet mir, eine Bewerbung an das “Priesterreferat” in Königstein zu schreiben.

Und so wurde ich im Frühjahr 1952 als Fahrer in Königstein eingestellt.

Ich fand großen Gefallen an meiner Arbeit. Man war nicht nur Fahrer, sondern übte sich in allen anfallenden Arbeiten, war “Mädchen für alles”. Unsere “fahrenden Kirchen” fuhren durch ganz Deutschland. Zwei Jahre war ich Fahrer eines Kapellenwagens. Eine von Prälat Kindermann, des Leiters des Vaterhauses für die Vertriebenen und des Priesterseminars in Königstein, unterzeichnete Empfehlung ermöglichte es mir, eine Dauerstellung zu finden. Auch deshalb blicke ich gerne zurück auf die Zeit, als ich für den “Speckpater” durch Deutschland fuhr.

Alois Fiedler, Mittenaar-Bicken

Geschenk eines Freundes der Kirche in Not

Geislingen, am 6. Oktober 1989

Hochwürdiger Herr Pater,

vor über dreißig Jahren hörte ich Sie in geislingen zum ersten mal predigen, vor zwei Jahren durfte ich Sie in München beim Jubiläum (Anm.: 40 Jahre Kirche in Not – die Redaktion) erleben. Und morgen wird es das dritte Mal sein.

Ein Leben lang arbeitete ich in der Württembergischen Metallwarenfabrik. Vor vielen Jahren entwarf Prof. Baum aus Köln einen Messkelch mit Patene, den die “WMF” fertigte. Die Cuppa ist hart eingelötet, das Material ist Alpacca, unternickelt und schwer vergoldet. Diesen Kelch wollte ich dem Sohn eines Schulfreundes schenken, der Theologie studierte. Leider erreichte er sein Ziel nicht. Dann bereitete sich der Bruder meiner Schwiegertochter bei den Jesuiten auf den Priesterberuf vor, auch er scheiterte.

Ehe ich nun meine Augen schließe, möchte ich doch, dass der Kelch in gute und treue Hände kommt. So möchte ich Ihnen den Kelch schenken und Sie bitten, ihn einem würdigen Priester weiterzuleiten, der dann am Altare Gottes für einen armen Sünder beten möge.

Mit vielen guten Wünschen für Ihr Werk und freundlichen Grüßen

Ihr sehr ergebener
Name ist der Redaktion bekannt

Antwort Pater Werenfrieds

Königstein, 10.10.89

Lieber Herr …,

den kostbaren Kelch habe ich bewundert, Ihren Brief mit Rührung gelesen. Ich hoffe, dass ich Sie auch das dritte Mal nicht enttäuscht habe. Die Pilger haben mich nicht enttäuscht: die Kollekte betrug insgesamt – bei fünf Predigten – etwas 30.000 DM. Der Mensch ist besser als wir denken.

Jetzt möchte ich Ihnen herzlich danken für das herrliche Geschenk, das Sie vorher zweimal verschenken wollten, wobei Sie zweimal enttäuscht wurden. – Dieses Mal wird es gut gehen: Am 20. Oktober wird in Rom der neue Bischof von Minsk vom Papst geweiht. Vorige Woche habe ich ihn kennen gelernt: Monsignore Kondrusiewicz. Er ist bettelarm, hat noch keine Kathedrale, keine Kirchen, nur vier Friedhofskapellen und eine handvoll Priester. Er ist nach dem nach Solowki verbannten und später in den Westen abgeschobenen Bischof … (???, Name?) der erste katholische Bischof von Minsk. Wir haben ihm Mut gemacht und Hilfe zugesagt.

Ein Mitarbeiter geht nach Rom und wird ihm nach der Weihe den Kelch mit der Übersetzung Ihres Briefes überreichen. bestimmt wird er – wie auch ich – dankbar für Sie beten.

Gott segne und behüte Sie!

Werenfried van Straaten

Dank des Bischofs

Rom, 20.10.1989

Sehr geehrter Herr Schenk,

ich habe von Pater Werenfried den Kelch gerade am tag meiner Bischofsweihe erhalten. Meine Freude darüber ist groß. Wenn ich den Kelch in Zukunft gebrauche, werde ich stets für Sie und Ihr Anliegen beten. Dankeschön und möge der Segen Gottes Sie stets im Leben begleiten.

Gerne gebe ich Ihnen auch meinen bischöflichen Segen.

Thaddaeus Kondrusiewicz, eppus nominatus Minscensis

Ein Kelch

Sehr geehrter Herr Doktor Schwadorf,

Sie haben mir eine große Freude mit Ihrem Brief vom 20. Oktober 1994 und dem Geschenk des Kelches gemacht. Soeben komme ich aus Frankreich zurück, ich werde am kommenden Wochenende in Wien im Stephansdom predigen. Aber ich möchte Sie nicht auf meine Antwort warten lassen, und beeile mich, Ihnen zwischen zwei Predigtreisen ein ganz herzliches Vergelt’s Gott zu sagen.

Welch wundersame Reise hat dieser Kelch hinter sich. Wer hat mit ihm einmal im fernen Russland die Liturgie gefeiert? Auf welchem Altar hatte er seinen Platz? Wie ist er in einer wirren Zeit aus einer russisch-orthodoxen Kirche in die Hände eines gläubigen Katholiken bis nach Meckenheim in Deutschland gekommen? Und warum soll sich nun der Kreis wieder schließen, indem er durch Ihre Veranlassung wieder zurück in eine orthodoxe Gemeinde gebracht wird? Offensichtlich haben diesen Kelch Menschen bewahren können, die in ihrer Gläubigkeit seine Bestimmung nicht missbraucht und ihn zu einem “Kriegsgewinn” abgestempelt haben.

“Ein Ausdruck unseres Willens zur Versöhnung”

Dieser Kelch ist nicht nur ein Zeichen von Gottes Gnade uns Schutz. Indem Sie mir den Auftrag geben, ihn einer orthodoxen Gemeinde in Russland “wiederzugeben”, ist er sichtbar Ausdruck unseres Willens zur Versöhnung und gegenseitigem Einvernehmen mit unserer orthodoxen Schwesterkirche. Ich habe in meinem ECHO DER LIEBE in der 7. Ausgabe von meinen Erlebnissen mit dem Erzbischof Feodosi von Omsk in Atschair berichtet.

Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers, in dem unzählige Gefangene vieler Völker und Religionen den Tod fanden, soll ein Kloster, eine Kathedrale, ein Pilgerheim, ein Waisenhaus und ein Altersheim gebaut werden. “Es wird eine Gedenkstätte sein, wo für die Toten und ihre Henker gebetet und die Erinnerung an die Gräuel der Stalinzeit für die Nachwelt erhalten wird. Es wird eine geistliche Burg des Gebetes und der Buße sein, wo unzählige Russen den Sinn und die Lehren aus mehr als siebzig jahren Schreckensherrschaft, Schwachheit, Verrat, Leiden, Unrecht und Lüge begreifen und mit der Vergangenheit ins Reine kommen sollen.”

Im kommenden Januar werde ich Erzbischof Feodosi erneut besuchen. Ich bin mir mit Ihnen sicher, dass der Platz für diesen Kelch diese byzantinische Gedenkstätte sein sollte.

Ich danke Ihnen von ganzem herzen, nicht nur für dieses Geschenk, sondern auch für Ihre treue Verbundenheit mit unserem Werk. Gott segne Sie.

Ihr Werenfried van Straaten OPraem.

Reiche Ernte

Castrop, 3. Juli 1956

Liebe Wohltäter!

In tiefster Dankbarkeit berichte ich euch, dass die Kollekte in Sankt Lambertus für die Ostpriesterhilfe am Sonntag, den 1. Juli, nicht weniger als 6.117,- DM eingebracht hat. Außerdem wurden erstaunliche Mengen wertvoller Sachspenden am Kapellenwagen abgegeben. Durch diese Großzügigkeit habt ihr den ringenden Kirchen im Entscheidungsgebiete Europas eine wesentliche Hilfe geleistet.

Und diese Liebe, wodurch ihr Gott und die Menschen erfreuet, wird stärker sein als Tod und Vernichtung, die uns bedrohen. Möge der Herrgott euch und eure Kinder reichlichst segnen um der Barmherzigkeit willen, welche ihr den Ärmsten der Seinen erwiesen habt!

Werenfried van Straaten

eingesandt von: Erich Rösch, Pfarrer a.D., Magen

Wie ein Blitz in die Herzen

Ich habe bis 1980 in der ehemaligen DDR gelebt. Da meine Eltern und Geschwister aus der Heimat vertrieben wurden, hatte ich durch meine Schwester, welche nach Köln verschlagen wurde, viel vom “Speckpater” erfahren, ebenso über die westlichen Sender. Als ich 1980 nach Westdeutschland kam, konnte auch ich mich am Spenden beteiligen.

Eines Tages wurden wir nach Kevelaer zu einer Begegnung mit Pater Werenfried eingeladen. Es waren wunderschöne Tage. Am Samstag Nachmittag war in der Basilika ein Gottesdienst, und Pater Werenfried wollte predigen. Es zog ein schweres Gewitter auf und der Blitz schlug in der Basilika ein. Es hat zwar nicht gebrannt, aber der Strom war ausgefallen. Mit Hilfe von Notaggregaten konnte die Messe dennoch gefeiert werden, auch wenn man in der vollbesetzten Basilika nicht alles verstehen konnte.

Pater Werenfried wurde überschüttet mit Spenden. Da viele die Predigt nur schlecht verstanden hatten, predigte Pater Werenfried am Sonntag im großen Rund noch mal. Und wieder flossen viele Scheine in den Hut. Pater Werenfried war sehr glücklich.

Anna Stolz, Köln

Der Bettler von Fatima

Im Jahre 1997 jährten sich zum achtzigsten Mal die Erscheinungen von Fatima. KIRCHE IN NOT bot im Oktober eine Flugreise nach Fatima an. Spontan meldete ich mich an und erlebte eindrucksvolle, unvergessliche Tage dort.

Einer der Höhepunkte unter anderen war die Ansprache von Pater Werenfried in der Halle von Fatima. Sein Bekenntnis und seine leidenschaftliche Rede vor vielen tausend Menschen begeisterte mich. Nach Beendigung der Veranstaltung setzte sich Pater Werenfried ins Foyer mit seinem Hut, der fast so berühmt wie er selbst ist. Er war umringt von einer Menschenmasse. Es war fast ein Glückfall für mich, mit meiner Kamera an ihn heranzukommen und einen Schnappschuss einzufangen.

Gabriele Weber, Ettlingen

Beeindruckende Begegnung

Ich bin ihm persönlich nur einmal begegnet, bei der Kollekte nach der Heiligen Messe im Limburger Dom anlässlich seines neunzigsten Geburtstags und hatte danach den Gedanken: Du bist einem Heiligen begegnet. Diese Begegnung werde ich nicht vergessen.

Karl-Heinz Krämer, Frankfurt am Main

Würdigung eines Lebenswerkes

Sein Lebenswerk ist für uns alle, die wir im Dienste an der Ausbreitung des Reiches Gottes stehen und den Menschen unserer Zeit Gottes Liebe weiterschenken wollen, ein leuchtendes Vorbild.

Pater Dietger Demuth, Geschäftsführer von “Renovabis”

Akten für die Armen

Nach dem Krieg zog der überall helfende Pater Werenfried van Straaten durch die Lande und sammelte Geld, Textilien, Lebensmittel und Altmaterialien, die er zu Geld machte. So wurde auch Anfang der Fünfzigerjahre in Lohmar Altpapier für den “Speckpater” gesammelt.

Auf Initiative von Kaplan Toni Ley und mit Billigung von Pfarrer Wilhelm Offergeld wurden “de Lehr’s Anton” mit Pferd und Wagen und einigen Messdienern zur Kirche bestellt. Es sollte der Speicher des alten Pfarrhauses geräumt werden, auf dem haufenweise alte Akten, Papiere und einige dicke Folianten lagen. “Das alles bekommt der Speckpater”, ließ uns Kaplan Ley wissen, “der mit dem Erlös armen Leuten hilft.”

Unter den Messdienern war auch ich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie stapelweise – offenbar ohne vorherige Sichtung – Akten, Papiere, Zeichnungen und etliche Bücher heruntergetragen und auf die Pferdekarre geworfen wurden. Kaplan Ley überwachte das Ganze und passte auf, dass keiner etwas entwendete.

Die Folianten waren alte, ausgemusterte, in Schweinsleder gebundene Bücher für den sakralen Gebrauch; es waren als Rötelzeichnungen gefertigte Entwürfe für die damalige Ausmalung der Kirche dabei und viele Akten. Wahrscheinlich waren auch alle jene Akten dabei, die man heute im Pfarrarchiv vergebens sucht, wie Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert, Bauakten für den Umbau der Kirche im Jahr 1900 und sonstige Akten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Mir als Heimatkundler ist es ein Trost, dass damit bedürftigen Leuten geholfen wurde – aber vielleicht wurde damit auch Leben gerettet, und das würde schwerer wiegen als jegliche alten Akten.

Hans Dieter Heimig, Lohmar

30.Jun 2009 14:34 · aktualisiert: 12.Nov 2015 11:26
KIN / S. Stein