„Was kommt als Nächstes?”

Christen im Heiligen Land sorgen sich nach Brandanschlag auf ein Kloster in Israel

Weihbischof William Shomali.

Weihbischof William Shomali (Foto: Ilona Budzbon/KIRCHE IN NOT) .

Nach einem Brandanschlag auf das katholische Brotvermehrungskloster in Tabgha in Israel sind die Christen im Heiligen Landes in großer Sorge. Weihbischof William Shomali vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem äußerte sich gegenüber KIRCHE IN NOT bestürzt.

Vor dem Hintergrund einer Reihe ähnlicher Vorfälle in den vergangenen Jahren sagte er: „Das ist eine echte Eskalation anti-christlicher Gewalt. Von einem kleinen Feuer, das wenig Schaden hinterlässt, zu einem größeren Feuer und schließlich zu einer Brandstiftung, die großen Schaden und sogar Tötung verursachen will. Wir müssen leider fragen: Was kommt als Nächstes?”

Unbekannte hatten im Juni Feuer in der von deutschsprachigen Benediktinern bewohnten Klosteranlage gelegt. Dabei waren im Eingangsbereich der Kirche und am Kloster selbst erhebliche Schäden entstanden. Teile der Anlage brannten vollständig aus. Ein Mönch und eine Mitarbeiterin mussten wegen vermuteter Rauchvergiftung im Krankenhaus behandelt werden.

Verkohlte Decke nach dem Brand im Kloster in Tabgha.

Verkohlte Decke nach dem Brand im Kloster in Tabgha (Foto: Lateinisches Patriarchat).

Das am See Genezareth gelegene Kloster und die Brotvermehrungskirche, die an das Brotvermehrungswunder Jesu erinnern, gehören zu den meistbesuchten christlichen Pilgerstätten im Heiligen Land.

Bereits im April 2014 war die Anlage Ziel vandalischer Übergriffe. Die Täter des jüngsten Brandanschlags haben ein Graffito in hebräischer Sprache hinterlassen. Auf eine Wand des Klosters war der Satz „Alle Götzen werden vernichtet werden” aufgesprüht worden. Es handelt sich dabei um ein Zitat aus einem jüdischen Gebet. Die Polizei geht daher von jüdischen Extremisten als Tätern aus und ermittelt in diese Richtung.

Blick vom Kloster auf den See Genezareth.

Blick vom Kloster auf den See Genezareth.

Führende Repräsentanten Israels verurteilten die Tat. Staatspräsident Reuven Rivlin sagte, dass eine derart schreckliche Schändung einer alten und heiligen Stätte des Gebets ein Angriff auf das Leben in Israel sei. „Israel als Staat und als Gesellschaft ist verpflichtet, die heiligen Stätten aller Glaubensrichtungen zu schützen”, so Rivlin.

Premierminister Benjamin Netanjahu sagte, dass der Brandanschlag ein Angriff auf „uns alle” gewesen sei. „In Israel ist die Religionsfreiheit eines unserer Grundprinzipien und gesetzlich garantiert. Die Verantwortlichen müssen mit der ganzen Härte des Gesetzes rechnen. Hass und Intoleranz haben keinen Platz in unserer Gesellschaft”, so Netanjahu. Zahlreiche Minister und Knesset-Abgeordnete äußerten sich ähnlich.

Die katholische Bischofskonferenz des Heiligen Landes sprach von einem Verbrechen, das das Zusammenleben der Religionen im Heiligen Land belaste.

Einweihung des Klosters durch Joachim Kardinal Meisner im Mai 2012.

Einweihung des Klosters durch Joachim Kardinal Meisner im Mai 2012.

Weihbischof Shomali sagte KIRCHE IN NOT, dass in Israel viele Anhänger des jüdischen Glaubens die Tat sofort verurteilt hätten: „Ich neige nach wie vor dazu zu denken, dass die Tat nur von einer sehr kleinen und aggressiven Gruppe verübt wurde. Ich kann nicht alle Israelis in denselben Topf werfen.

Denn es gibt liberale und tolerante Juden, solche, die es weniger sind, und schließlich diejenigen, die Nicht-Juden hassen. Meine Sorge ist, dass die Radikalen zahlenmäßig mehr werden und der Grad ihrer Intoleranz zunimmt.”

KIRCHE IN NOT beteiligte sich am Neubau des Klosters, der 2012 eingeweiht wurde. Der Neubau in dem erdbebengefährdeten Gebiet war nötig geworden, weil das alte Gebäude aus den 1950er-Jahren vom Einsturz bedroht war.

So können Sie den Christen im Nahen Osten helfen:

10.Jul 2015 08:53 · aktualisiert: 10.Jul 2015 13:16
KIN / S. Stein