“Dem Frieden im Heiligen Land dienen”

16 Karmelitinnen beten am „Geburtsort der Kirche“

Priorin Marie-Agnes (rechts), Schwester Agathe (links) und ihre Mitschwestern heißen täglich Gäste im Paternoster-Karmelitinnenkloster in Jerusalem willkommen.

Priorin Marie-Agnes (rechts), Schwester Agathe (links) und ihre Mitschwestern heißen täglich Gäste im Paternoster-Karmelitinnenkloster in Jerusalem willkommen.

Der Karmel auf dem Ölberg liegt auf dem Gelände der Pater-Noster-Kirche, die an der Stelle steht, an der Jesus seine Jünger das Vaterunser gelehrt haben soll. Hier beten 16 Karmelitinnen. KIRCHE IN NOT hat die Schwestern mit Bauhilfe unterstützt. Ein Feature von Oliver Maksan.

„Herzlich willkommen in unserem neuen Empfangszimmer“, sagt Schwester Agathe freundlich. Die Ordensfrau ist Ökonomin des Klosters der Karmelitinnen auf dem Ölberg in Jerusalem. Erst kürzlich wurde der Eingangsbereich zum Kloster neu gestaltet. „Kirche in Not“ hat die Schwestern dabei unterstützt.

Ein neues Empfangszimmer wurde ebenso eingerichtet wie ein überdachter Zugangsbereich. Alles ist sauber und hell. „Die Umbauten helfen uns, Besucher besser zu empfangen“, so die junge Französin. „Wir verlassen zwar das Haus nicht, aber viele Menschen kommen zu uns. Dass wir sie jetzt besser empfangen können, dafür sind wir den Wohltätern von ,Kirche in Not‘ sehr dankbar. Wir können ihnen am besten durch unser Gebet danken.“

Bei dem im 19. Jahrhundert errichteten Karmel auf dem Ölberg handelt es sich um das älteste Kloster des Ordens im Heiligen Land. Es liegt auf dem Gelände der Pater-Noster-Kirche. Zahlreiche Pilger besuchen täglich das Heiligtum, wo die Stelle verehrt wird, an der Jesus seine Jünger das Vaterunser gelehrt haben soll.

Der Text des Gebets hängt dort in zahlreichen Sprachen auf kunstvollen Tafeln an den Wänden. „Unser Herr Jesus Christus hat hier auf dem Ölberg gebetet. Das trägt unser Gebet“, erklärt Schwester Agathe. „Wir leben nach der Spiritualität der heiligen Theresa von Avila. Sie hat Wert auf die Betrachtung der heiligen Menschheit Christi gelegt. Hier im Heiligen Land, besonders aber hier in Jerusalem, ist es leicht, sich Jesus vorzustellen. Hier hat er sich gefreut, aber auch gelitten und ist schließlich am Kreuz gestorben.“

Schwester Agathe vor der früheren Baustelle im Empfangsbereich des Paternoster-Karmelitinnenklosters, der mit Unterstützung von KIRCHE IN  NOT renoviert wurde.

Schwester Agathe vor der früheren Baustelle im Empfangsbereich des Paternoster-Karmelitinnenklosters, der mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT renoviert wurde.

Das Paternoster-Kloster liegt im arabischen, überwiegend muslimisch geprägten Osten Jerusalems. „Ich bin immer wieder neu davon berührt, wie heilig Jerusalem den Gläubigen verschiedener Religionen ist. Wir hören hier den Muezzin zum Gebet rufen, aber auch die Geräusche der Bar Mitzwa-Feiern der Juden. Wie sehr wünschten wir uns, dass Gerechtigkeit und Friede herrschten.“ Mit den Muslimen im Viertel kommen die Schwestern gut klar. „In Frankreich schaut man uns Schwestern schräg an, wenn wir im Habit auf die Straße gehen. Hier ist das anders. Man respektiert uns. Als eine libanesische Mitschwester verstarb, haben muslimische Nachbarn sogar Blumen gebracht“, berichtet Schwester Agathe.

Die oft von Gewalt und Hass bestimmte Realität des Heiligen Landes geht derweil trotz der hohen Klostermauern nicht spurlos an den Schwestern vorbei. „Wir bekommen schon mit, dass es hier in der Gegend immer wieder zu Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern kommt. Direkt vor unserer Tür fliegen dann Steine. Das geht uns natürlich nahe. Wir lieben ja schließlich Jerusalem und das Heilige Land. Durch unser Gebet wollen wir dem Frieden im Heiligen Land dienen.“

Doch die Schwestern beten nicht nur für das Heilige Land. „Wir sind hier am Geburtsort der Kirche. Wir beten deshalb für die großen Anliegen der Kirche und des Papstes.“ Die Anliegen der Pilger kommen aber auch nicht zu kurz. „Besucher aus aller Welt hinterlassen auf kleinen Zetteln in der Grotte, in der Jesus mit den Aposteln gebetet haben soll, ihre Intentionen. Wir nehmen das auf. Einmal im Monat feiert ein Priester auch eine Messe in diesen Anliegen“, so Schwester Agathe.

Die Kontemplation bestimmt das Leben der Schwestern. „Unser Tag ist genau geregelt. Gemeinsame Gebetszeiten wechseln sich ab mit Arbeit.“ Zu den Aufgaben der Schwestern gehören der Empfang der Besucher, Ornamentenstickerei, das Trocknen von Blumen, die Herstellung von Konfitüre und anderer Spezialitäten.

16 Ordensfrauen aus aller Welt leben in dem Kloster. „Das ist eine gute Personalstärke. Wir ziehen vor allem Kandidatinnen aus dem Ausland an. Wir hätten aber gerne mehr einheimische Schwestern“, sagt die Ordensfrau. „Wir hoffen, dass die im Mai erfolgte Heiligsprechung unserer palästinensischen Mitschwester Mirjam von Abellin uns im Heiligen Land neue Aufmerksamkeit bringt.“

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31.Aug 2015 11:06 · aktualisiert: 31.Aug 2015 11:08
KIN / Administrator