Solidarität mit verfolgten Christen

Über 1000 Menschen kommen zu einem Aktions- und Gebetstag nach Augsburg

Pater Ziad Hilal SJ.

Pater Ziad Hilal SJ.

Bei einem Aktions- und Gebetstag haben am Sonntag rund 1000 Menschen in Augsburg für Religionsfreiheit demonstriert und für verfolgte Christen gebetet. Die Veranstaltungen standen unter dem Motto „Glaube braucht Bekenntnis – Verfolgte Christen brauchen Hilfe“.

KIRCHE IN NOT hatte den Tag in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, dem Assyrischen Mesopotamien-Verein, der Diözese Augsburg, der Evangelischen Allianz, dem Evangelisch-Lutherisches Dekanat, dem Suryoye Kultur- und Sportverein und der Syrisch-Orthodoxen Kirche Augsburg organisiert.

Auf Einladung von KIRCHE IN NOT berichtete zu Beginn des Aktionstags der aus Syrien stammende Jesuiten-Pater Ziad Hilal im Haus St. Ulrich von der Situation der Christen in Syrien.

Er schilderte, wie sich ein niederländischer Mitbruder in der zerstörten Altstadt von Homs für die Christengemeinde eingesetzt hat und im vergangenen Jahr ermordet wurde. Pater Frans van der Lugt sei nach Ausbruch des Krieges 2011 absichtlich nicht vor den Kriegswirren geflohen, sondern wollte bei seiner Gemeinde bleiben.

Podiumsgespräch über die Situation der Christen im Nahen Osten mit Moderator Berthold Pelster, Nahost-Referent Andrzej Halemba und Übersetzer.

Podiumsgespräch über die Situation der Christen im Nahen Osten mit Moderator Berthold Pelster, Nahost-Referent Andrzej Halemba und Übersetzer.

Außerdem sprach Pater Hilal über die Bedrohung der Christen durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“, die im August das Kloster Karjatein zerstörte, dessen Anfänge bis ins vierte Jahrhundert zurückreichen.

Danach stellte der Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT, Andrzej Halemba, klar, dass es im Islam verschiedene Glaubensrichtungen gebe, die sich gegenseitig bekämpfen. Sunnitische fundamentalistische Gruppen forderten, dass der Islam zu der Gestalt zurückkehre, die er im siebten Jahrhundert bei seiner Gründung durch Mohammed hatte.

Zerstörte Kirchen und Moscheen

Alle Andersdenkenden seien zu bekämpfen, also Christen, Jesiden oder auch Muslime, die weniger radikale Ansichten haben. Daher zerstöre der sunnitisch ausgerichtete „Islamische Staat“ nicht nur christliche Kirchen, sondern auch Moscheen gemäßigter Muslime.

Anschließend fand auf dem Rathausplatz eine einstündige Kundgebung statt, zu der rund 1000 Christen verschiedener Konfessionen kamen. Pater Hilal erinnerte in einer kurzen Ansprache daran, dass das Christentum in Syrien so alt sei wie das Christentum selbst.

Rund 1000 Augsburger versammelten sich auf dem Rathausplatz, um ihre Solidarität mit verfolgten Christen zu zeigen.

Rund 1000 Augsburger versammelten sich auf dem Rathausplatz, um ihre Solidarität mit verfolgten Christen zu zeigen.

In der Geschichte hätten die Christen eine herausragende Rolle in der syrischen Gesellschaft als Friedensvermittler zwischen muslimischen Gruppierungen gespielt. Er hoffe, dass die Hilfsbereitschaft der syrischen Christen den Grundstein für Frieden und Versöhnung im Land lege.

Andrzej Halemba erklärte, dass KIRCHE IN NOT den Christen in Syrien helfe, in ihrem Land zu bleiben, in dem seit vier Jahren Krieg herrscht. Er berichtete, dass er auf seinen drei Syrienreisen in diesem Jahr Christen begegnet sei, die zu ihren zerstörten Häusern zurückkehren konnten, um sie wieder aufzubauen.

Hauptredner der Kundgebung war der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Er wies darauf hin, dass der christlich geprägte deutsche Staat Muslimen die Möglichkeit einräume, ihre Religion frei auszuüben und Moscheen zu bauen. Umgekehrt forderte er muslimisch geprägte Staaten dazu auf, auch Christen das Recht einzuräumen, Kirchen zu errichten.

Der Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT, Andrzej Halemba, bei seiner Kurzansprache auf dem Rathausplatz von Augsburg.

Der Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT, Andrzej Halemba, bei seiner Kurzansprache auf dem Rathausplatz von Augsburg.

Gleichzeitig zeigte er sich besorgt über eine „rasch zunehmende Entchristianisierung“ Deutschlands. „Ich mache mir Gedanken, wenn es immer weniger Menschen gibt, die in die Kirche gehen.“

Der Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich erinnerte daran, dass das Recht auf freie Religionsausübung ein Grundrecht sei. Die Würde des Menschen werde verletzt, wenn die Religionsfreiheit nicht geachtet werde, wie etwa in Nigeria, Ägypten, Syrien, Pakistan oder dem Nordirak.

Der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl lobte die „bemerkenswerte Aufgeschlossenheit“ der Augsburger Bürger bei der Aufnahme von Flüchtlingen in den vergangenen Wochen.

Ökumenisches Kreuzweggebet im Dom.

Ökumenisches Kreuzweggebet im vollbesetzten Augsburger Dom.

Nach einem Schweigemarsch zum Augsburger Dom endete dort der Aktions- und Gebetstag mit einer einstündigen ökumenischen Kreuzwegandacht. Unter der Leitung von Bischofsvikar Prälat Bertram Meier beteten rund 600 Christen für ihre verfolgten Glaubensgeschwister weltweit.

Die 14 Betrachtungen zum Leiden und Sterben Jesu Christi trugen Andrzej Halemba, der evangelische Pfarrer Bernd Fischer, der syrisch-orthodoxe Pfarrer Aho Bulut und der Vorsitzende des Assyrischen Mesopotamien-Vereins, Suleyman Ögünc, vor. Die Kollekte kam Hilfsprojekten von KIRCHE IN NOT für Christen im Nahen Osten zugute.

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21.Sep 2015 17:11 · aktualisiert: 22.Sep 2015 08:30
KIN / S. Stein