Ein notwendiges Erwachen

Der Direktor unseres französischen Büros zu den Anschlägen vom 13. November

Marc Fromager, Direktor des französischen Nationalbüros von KIRCHE IN NOT.

Marc Fromager, Direktor des französischen Nationalbüros von KIRCHE IN NOT.

Die Terroranschläge vom 13. November in Paris markieren einen Wendepunkt. Wir befinden uns im Krieg und wir alle stehen im Fadenkreuz. Ein radikaler Islamismus will unseren Tod, unseren körperlichen Tod, aber vor allem unseren geistigen.

Das Ziel der Terroristen: unser Verzicht – dass wir auf weitere Bombardierungen der IS-Stellungen verzichten, dass wir auf unsere Selbstverteidigung verzichten, dass wir auf jegliche Form des Widerstands verzichten.

Wir müssen standhalten – körperlich, geistig und geistlich. Auch wenn sich über die wahre religiöse Motivation der Terroristen streiten lässt: Sie geben vor, „im Namen Gottes“ zu handeln.

Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen eine religiöse Antwort geben. Wir dürfen die Dimension Gottes nicht außer Acht lassen, wenn wir die religiösen Fanatiker überwinden wollen. Wir müssen unsere christliche Identität wiederentdecken und vertiefen.

Die Kathedrale „Notre Dame“ in Paris.

Die Kathedrale „Notre Dame“ in Paris.

Christus allein kann der drohenden Gefahr Einhalt gebieten. Gewalt ruft Gegengewalt hervor, und Krieg verursacht Rache und Hass. Wir dürfen uns nicht in diesen Teufelskreis hineinbegeben. Als Christen sind wir aufgerufen, zu vergeben und sogar unsere Feinde zu lieben.

Das bedeutet nicht, den Terroristen freie Hand zu lassen oder sie von ihrer Schuld freizusprechen. Es gibt legitime Ansprüche auf Verteidigung und Gerechtigkeit, die durchgesetzt werden müssen. Aber diese Instrumente funktionieren nicht, wenn wir nur bei den Symptomen ansetzen.

Unsere Feinde hassen uns und unsere Werte. Wir müssen uns verteidigen, aber wir müssen uns auch Respekt verschaffen. Dazu müssen unsere Werte respektabel sein. Sind sie das immer? Geben wir zu, dass wir bisweilen durch ein depressives Sich-Verschließen gegenüber der Transzendenz und einen nihilistischen, dekadenten Lebensstil Anlass für Zurückweisung und Ablehnung geben.

Die Kapelle „Unsere Liebe Frau von der Wundertätigen Medaille“ in der Rue du Bac in Paris.

Die Kapelle „Unsere Liebe Frau von der Wundertätigen Medaille“ in der Rue du Bac in Paris.

Frieden beginnt in unseren Herzen. Diesen Frieden müssen wir bezeugen und mit unseren Mitmenschen teilen. Natürlich müssen wir diesen Frieden auch gegenüber den Muslimen zeigen, heute vielleicht mehr denn je.

Mitten in dieser gegenwärtigen Lage dürfen wir aber auch jene christlichen Brüder und Schwestern nicht vergessen, die auf der ganzen Welt um Christi willen leiden – in Pakistan, China, Nigeria, Syrien, Nordkorea, im Irak und in vielen anderen Ländern.

Vor allem die Christen aus dem Nahen und Mittleren Osten haben uns schon lange gewarnt, dass die Gewalt auch uns erreichen wird. Von ihnen können wir lernen, wie wir auf diese Gefahren antworten und wie wir die Hoffnung bewahren können.

KIN / S. Stein