Eine winzige Minderheitenkirche

Papst Franziskus besucht am 2. Oktober das Land Aserbaidschan

Die Flame Towers, moderne Wahrzeichen von Baku.

Die Flame Towers, moderne Wahrzeichen von Baku.

Aserbaidschan - auf der einen Seite die Berge des Kaukasus, auf der anderen Seite das Kaspische Meer. Direkt am Ufer des riesigen Sees liegt die Hauptstadt Baku mit rund zwei Millionen Einwohner.

Die Stadt ist vielschichtig und sehenswert: eine Altstadt mit engen Gassen, antiken Gebäuden und alten Moscheen, mit Stadtteilen aus der Zeit des ersten Öl-Booms im frühen 20. Jahrhundert und supermodernen Gebäuden des neuen Öl-Booms wie den markanten Flame Towers.

Das Land ist reich, sehr reich sogar, dank des Öls. Ähnlich wie in Dubai wollte man auch hier künstliche Inseln schaffen und die Stadt erweitern. 95 Prozent der Ressourcen kommen aus dieser Energie. Doch der niedrige Ölpreis blieb nicht ohne Folgen: Großprojekte wie die U-Bahn-Erweiterung wurden ausgesetzt.

Als die Schwestern der Mutter Teresa 2006 in das Land kamen, um den Armen zu dienen, bekamen sie die Antwort, dass es keine armen Menschen in Aserbaidschan gäbe. Die Vergessenen des Systems gibt es aber doch. Sie trauern der Zeit der Sowjetunion nach, in der jeder das Existenzminimum erhielt.

Eine Moschee in Baku. Aserbaidschan ist überwiegend muslimisch geprägt.

Eine Moschee in Baku. Aserbaidschan ist überwiegend muslimisch geprägt.

Aserbaidschan ist zu 97 Prozent muslimisch, davon sind aufgrund des Einflusses des Nachbarlandes Iran zwei Drittel Schiiten. Das Land ist jedoch einer der am meisten säkularisiertesten Staaten inmitten einer islamischen Welt. Als ehemalige Sowjetrepublik hat das Land 70 Jahre Kommunismus und religiöse Unterdrückung kennengelernt. Um die Jahrtausendwende war das religiöse Leben dort sehr schwach und die Gesellschaft stark säkularisiert. Heute noch ist der Islam eher unauffällig.

Die Sunniten bilden in Aserbaidschan eine Minderheit von geschätzten 15 bis 30 Prozent. Jeglicher Radikalisierungsversuch wird von der Regierung beobachtet: Diese ist wahrscheinlich nicht nur gegenüber der Religion als solche misstrauisch geblieben, sondern weiß auch von der Gefahr einer Ausbreitung angesichts der aktuellen Lage im Nahen Osten.

Katholische Kirche in Baku.

Katholische Kirche in Baku.

Obwohl sie kaum mehr als zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, bilden die Orthodoxen die zweitwichtigste Religionsgruppe. Waren sie in der Vergangenheit eine knappe halbe Million, sank ihre Zahl auf 200 000, als nach der Unabhängigkeit 1991 die Hälfte der Russen das Land verließ. Hier hat die orthodoxe Kirche eine Eparchie mit rund fünfzehn Gemeinden. Sie pflegt gute Beziehungen zur katholischen Kirche.

Zur Zeit des ersten Öl-Booms wurde 1912 eine katholische Kirche gebaut. Doch mit Ankunft der Bolschewisten wurde sie 1920 wieder geschlossen. In den frühen Dreißigerjahren wurde sie zerstört. Von den damals 10 000 Katholiken war nur ein Dutzend älterer Gläubiger übrig geblieben, als die katholische Kirche 1992 zurückkam.

Heute zählt die Gemeinde 300 einheimische und 1000 ausländische Gläubige, darunter 300 Philippiner. Im Durchschnitt kommen pro Woche 500 Personen zusammen.

Da die Kirche anfänglich als eine „Missionierungssekte” angesehen wurde, kam der Besuch von Papst Johannes Paul II. der Kirche zugute. Der Präsident gab anschließend ein Stück Land an die Kirche weiter, die es der Unbefleckten Empfängnis widmete. Eine große Statue der heiligen Jungfrau Maria steht direkt vor der Kirche und zieht viele Menschen an, auch viele Muslime, vor allem Frauen.

Vladimir Fekete, Apostolischer Präfekt für Aserbaidschan, vor einer Statue des heiligen Papstes Johannes Paul II.

Vladimir Fekete, Apostolischer Präfekt für Aserbaidschan, vor einer Statue des heiligen Papstes Johannes Paul II.

Zur katholischen Kirche in Aserbaidschan zählt eine einzige Gemeinde mit einer Kirche und einer Kapelle. Sie werden von sechs Priestern betreut. Zu dieser kleinen Gemeinschaft kommen fünf Ordensschwestern der Missionarinnen der Nächstenliebe und zwei Salesianerinnen.

In Sankt Petersburg fand am 29. Mai 2016 die Diakonweihe des künftig ersten aserbaidschanischen Priesters statt – eine sehr gute Nachricht für die Kirche in Aserbaidschan. Es sind wahrscheinlich die ersten Knospen dieser diskreten und missionarischen Präsenz.

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KIN / S. Stein