„Gott dahin bringen, wo kein Seelsorger ist”

Ordensfrauen betreuen Menschen in entlegenen Gebieten Lateinamerikas

Mutter Maria Lujan vom Orden der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“.

Mutter Maria Lujan vom Orden der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ (Foto Jacques Berset/KIRCHE IN NOT).

„Schnell, das müsst ihr gesehen haben! Die Mutter Jesu kommt!“ Die Dorfbewohner im Bezirk Canindeyú im Südosten Paraguays kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Noch nie hatten sie Ordensfrauen mit Schleier gesehen; sie kannten das nur von Darstellungen der Gottesmutter Maria.

„Und das ist keine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert, das war 1999“, erzählt Mutter Maria Luján vom Orden der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ – einer Gemeinschaft, deren Wurzeln auf deutsche Missionare aus Hiltrup zurückgehen.

Sie wurde 1961 in Peru gegründet. Ihr Charisma: dort leben und arbeiten, wohin monate- oder sogar jahrelang kein Priester hinkommt.

Genau das ist der Fall in der Pfarrei „Unsere Liebe Frau vom Karmel“ in Villa Ygatimi an der Grenze zu Brasilien. Sie ist eine von 38 Pfarreien der Diözese Ciudad del Este, die ein Gebiet der Größe Belgiens umfasst, aber nur 12 Priester hat. Nur selten kann einer von ihnen Villa Ygatimi mit seinen 20 000 Gläubigen und fast 100 entlegenen Außenstellen besuchen.

In der Regenzeit sind viele Straßen im Bistum Chaco/Paraguay fast unbenutzbar.

In der Regenzeit sind Straßen in einigen Regionen Paraguays fast unbenutzbar.

Erschwerend kommt hinzu: Die Straßen sind schlecht, bei Regen kaum passierbar. „Drei bis vier Mal im Jahr kommt ein Priester. Innerhalb einer Woche besucht er die die umliegenden Dörfer, feiert die heilige Messe und hört Beichte, manchmal einen ganzen Tag lang“, erzählt Mutter Lujan.

In der übrigen Zeit übernehmen die Ordensfrauen die Pfarreiarbeit: Mit besonderer bischöflicher Erlaubnis spenden sie die Taufe, assistieren bei der Eheschließungen und halten Beerdigungen. Sie feiern Wortgottesdienste, besuchen die Kranken, halten Unterricht für die Kinder und Einkehrtage für die Erwachsenen.

Ordensfrauen übernehmen auch Pfarreiarbeit

„Unsere Schwestern betreuen Menschen, die nicht einmal eine Postanschrift haben. Sie wirken an Orten, an die nie ein Politiker, ein Sozialarbeiter oder kaum eine Hilfsorganisation kommt“, erzählt die Oberin.

KIRCHE IN NOT unterstützt die Arbeit der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ seit vielen Jahren. Die Gemeinschaft zählt heute 400 Schwestern auf 38 entlegenen Missionsstationen in Paraguay, Bolivien, Peru und weiteren lateinamerikanischen Ländern. Sie nennen ihre Niederlassungen „Patmos“ nach der griechischen Insel, auf die der Überlieferung nach der Apostel Johannes verbannt wurde.

Um die Gläubigen in abgelegenen Regionen zu besuchen, ist ein guter Geländewagen notwendig - manchmal geht es sogar nur mit einem Pferd weiter.

Um die Gläubigen in abgelegenen Regionen zu besuchen, ist ein guter Geländewagen notwendig – manchmal geht es sogar nur mit einem Pferd weiter (Foto: Jacques Berset/KIRCHE IN NOT).

„Dort, wo die feste Straße endet, beginnt unser Auftrag“, erzählen die Schwestern von Villa Ygatimi lachend. Von dort bis zur am weitesten entfernten Filiale ihrer Pfarrei sind es 41 Kilometer. „Das stellt unsere altgedienten Geländewagen auf harte Proben – und notfalls nehmen wir ein Pferd oder gehen zu Fuß.“

Am meisten habe sie berührt, so Mutter Lujan, als ein Dorfbewohner zu ihr sagte: „Es ist wunderbar, dass Gott uns besucht, dass er so weit reist, um bei uns einfachen Menschen zu sein!“ Der Hunger der Menschen nach Gott sei groß.

„Hunger nach Gott ist groß”

„Als wir hier ankamen, war die Kirche schmutzig. Die Menschen haben kaum am Pfarrleben teilgenommen. Alkohol und Drogen waren ein großes Problem.“

Zuerst hätten die Schwestern Einkehrtage angeboten und Vorträge gehalten. Nun herrsche eine größere Solidarität unter den Bewohnern. Arme und kranke Menschen würden von der ganzen Dorfgemeinschaft besser betreut. Auch die Abwanderung in die Städte – für viele Menschen der Weg in die Verelendung – habe sich verlangsamt. „Die Menschen haben wieder Zukunftshoffnung.“

Schwester in Peru leitet ein kirchliches Begräbnis.

Eine Schwester in Peru leitet ein kirchliches Begräbnis.

Eine Hoffnung, die sich mehr und mehr auch Sekten zu Nutze machen, die vor allem aus Brasilien kommen. Sie haben die entlegenen Dörfer als Missionsgebiete für sich entdeckt, locken mit Wohltaten für die Armen und Heilungsversprechen für die Leidenden. Die Schwester sehen das mit Sorge.

Tiefer Glaube und große Marienfrömmigkeit

„Ein Pastor zwingt die Menschen zum Gottesdienstbesuch, wenn sie ihn um Lebensmittel bitten. Sie gehen hin – und kommen dann trotzdem zu unseren Sonntagsgottesdiensten. Die Menschen lassen auch ihre Kinder katholisch taufen, weil sie einen tiefen Glauben und eine große Marienfrömmigkeit haben“, erzählt eine Schwester. Die Treue und Anhänglichkeit der Menschen seien beeindruckend.

Dennoch ist für die Ordensfrauen eines klar: Sollte die Gemeinde einen festen Pfarrer bekommen, würden sie ihre Niederlassung sofort auflösen und an einen anderen Ort ziehen. „Das ist ja gerade unser Charisma: Gott dorthin zu bringen, wo kein Seelsorger ist!“

So können Sie helfen

Um die Arbeit der Schwestern und die Arbeit der Kirche in Paraguay unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter oder an folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Paraguay

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23.Feb 2017 10:19 · aktualisiert: 23.Feb 2017 10:48
KIN / S. Stein