„Von den Christen Afrikas lernen”

Afrika-Expertin von KIRCHE IN NOT über die Glaubensstärke der Kirche

Christine du Coudray, Afrika-Referentin bei KIRCHE IN NOT.

Christine du Coudray-Wiehe, Afrika-Referentin bei KIRCHE IN NOT.

Immer mehr Hilferufe von Priestern, Ordensleuten und Missionaren aus Afrika gehen bei KIRCHE IN NOT ein. Die christlichen Gemeinden auf dem Kontinent sind lebendig, werden aber häufig blutig verfolgt.

Auch ideologische Strömungen untergraben christliche Werte, die für den Zusammenhalt der afrikanischen Gesellschaft wichtig sind.

Christine du Coudray-Wiehe, Afrika-Expertin von KIRCHE IN NOT, sprach mit Tobias Lehner über die Herausforderungen – und warum die Kirche Afrikas ein Vorbild für die Welt ist.

TOBIAS LEHNER: Frau du Coudray-Wiehe, Sie arbeiten seit 25 Jahren für KIRCHE IN NOT. Wie hat sich die Hilfe für die Christen in Afrika in dieser Zeit entwickelt?
CHRISTINE DU COUDRAY-WIEHE: Als ich anfing, war der Fokus unserer Arbeit auf die Kirche in Osteuropa gerichtet. Pater Werenfried van Straaten hatte unser Werk gegründet, um der „Kirche des Schweigens“ hinter dem Eisernen Vorhang beizustehen.

Nach dem Fall der Mauer verbesserte sich langsam die Situation für die osteuropäische Kirche – die Wohltäter von KIRCHE IN NOT halfen großzügig dabei mit. So konnten wir nach und nach unsere Hilfe für die Christen auf der Südhalbkugel verstärken. Heute liegt in Afrika – neben dem Nahen Osten – der Schwerpunkt unserer Arbeit.

Eine Familie aus Uganda.

Eine Familie aus Uganda.

Eine weitere Initialzündung war, als der heilige Papst Johannes Paul II. 1994 eine Afrika-Synode einberief.

Mit den Worten „Christus wendet sich an Afrika“ wies der Papst darauf hin, dass die Kirche in Afrika zwar jung und dynamisch ist, aber arm, was Ausbildungsbedingungen und Infrastruktur angeht. Sie ist bedroht durch einen gewalttätigen Islamismus, aber auch durch westliche Ideologien, die darauf ausgerichtet sind, die traditionelle Familie zu zerstören.

Was ist damit gemeint?
Dazu ein persönliches Erlebnis: Ich war bei der ersten Afrika-Synode als Beobachterin dabei. Papst Johannes Paul II. hat über eine Stunde lang zu den Teilnehmern gesprochen, um sie vor den verheerenden Folgen der „Weltbevölkerungskonferenz“ von Kairo und der darauffolgenden „Weltfrauenkonferenz“ in Peking zu warnen, in der die Gender-Ideologie zur politischen Leitlinie gemacht wurde.

Junges Ehepaar aus Sambia.

Junges Ehepaar aus Sambia.

Wir erleben heute, wie unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Überbevölkerung und Ungleichheit ein neues Denken Einzug hielt – ein Programm, um eine neue, „postmoderne“ Gesellschaft zu schaffen.

Die heftigste Attacke richtet sich dabei gegen die Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Der Klassenkonflikt wird auf den Geschlechterkonflikt verlagert – das Ziel ist dasselbe: Die Gesellschaft spalten, die Gemeinschaft und die gegenseitige Verwiesenheit der Geschlechter zerstören.

Welche Folgen hat das für die Christen in Afrika?
Der Kampf gegen die Familie ist überall schädlich – aber die afrikanische Gesellschaft trifft er besonders hart. Hier ist die Gemeinschaft der Generationen und Geschlechter im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Aber es hat noch einen anderen Aspekt: Es wurde eine neue Sprache etabliert, die absichtlich vage bleibt.

Typisch für „entfremdete und kurzlebige Ideologien“, so hat es Robert Kardinal Sarah, der aus Guinea stammt und Leiter der Liturgiekongregation in Rom ist, auf den Punkt gebracht. Will eine Einrichtung staatliche Mittel erhalten, dann muss sie sich dieser ideologischen Sprache bedienen.

Frau mit Kind aus Nigeria (Foto: KIRCHE IN NOT/Jaco Klamer).

Frau mit Kind aus Nigeria (Foto: KIRCHE IN NOT/Jaco Klamer).

Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch im Bistum Wau im heutigen Südsudan. Ich bin dort mit den Leiterinnen von Kursen zusammengetroffen, die sich speziell an junge Frauen richtete. Ich ließ mir ihre Lehrbücher zeigen: Auf dem Titelbild war eine Frau abgebildet, die sich von der Erde erhebt und ihre Ketten abwirft. Und das sollte die Basis sein für das Zusammenleben von Eheleuten!

Gibt es Abhilfe?
Ich möchte mich auch hier wieder auf Kardinal Sarah beziehen. Er ruft immer wieder energisch dazu auf, einer zweiten Kolonialisierung durch solche destruktiven Ideologien Widerstand zu leisten. Er fordert, dem eine „afrikanische Denkweise“ entgegenzusetzen, die den Geboten Gottes folgt.

Und dieser Aufruf wird gehört! Über die Jahre haben uns viele Einrichtungen um Unterstützung gebeten, die sich für die kirchliche Ehe- und Familienlehre einsetzen. Aber es war schwer für uns, die fachliche Kompetenz ihres Lehrpersonals zu überprüfen oder die Qualität der Materialien, die sie verwenden.

Teilnehmer eines FAAF-Seminars in Benin.

Teilnehmer eines FAAF-Seminars in Benin.

Deshalb haben wir uns entschieden, sie zu ermutigen, der „Fédération Africaine de l’Action Familiale“ (FAAF) beizutreten, auf Deutsch: „Afrikanischer Verband der Familienaktion“.

Auf diese Weise verknüpfen wir die einzelnen Initiativen. Sie können Ideen austauschen und ihre Ehrenamtlichen gemeinsam ausbilden – und gemeinsam den Angriffen auf die kirchliche Lehre etwas entgegensetzen. Das ist jede Unterstützung wert.

Zur Gefahr für die Kirche Afrikas wird auch ein extremistischer Islam, der in manchen Gegenden immer brutaler vorgeht. Geht es für die Christen Afrikas um Leben oder Tod?

Junge aus Kenia mit einem Schaf. Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT.

Junge aus Kenia mit einem Schaf. Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT.

Nicht mehr oder weniger als für die Christen in anderen Ländern, die von extremistischer Gewalt überrollt werden, die sich vorgeblich auf die wahren Wurzeln des Islam beruft.

Es gibt da ein geflügeltes Wort: „Die Natur verabscheut das Vakuum“ – und das Vakuum, das wir in den christlichen Mutterländern durch religiöse Gleichgültigkeit und Unglauben hinterlassen, bereitet den Boden für einen islamistischen Extremismus.

Aber das Wachstum und die Glaubensstärke der Kirche in Afrika sind ein Gegengewicht zum Extremismus.

Ich komme gerade von einer Nigeria-Reise zurück. Dort habe ich erlebt, dass der Einsatz der Kirche für Wahrheit und Frieden, die Einheit der Priester und die Frömmigkeit der Laien eine echte Bedrohung für die Islamisten sind. Auch hier können wir von den Christen Afrikas viel lernen.

Sie haben wiederholt die Vorbildfunktion Afrikas angesprochen. Nicht umsonst trägt die Fastenaktion von KIRCHE IN NOT für die Christen Afrikas den Titel: „Ihr Glaube ist unsere Hoffnung“. Wie kann man dieses Charisma für die Gesamtkirche furchtbar machen?
Lange hat die afrikanische Kirche Unterstützung von Missionaren aus Europa erfahren. Heute hat sich die pastorale Situation im Grunde umgekehrt, die materielle aber nicht.

Junge Priester aus Kamerun.

Junge Priester aus Kamerun.

Die Zukunft der Kirche hängt in hohem Maße von der Ausbildung ihrer zukünftigen Priester ab. In Afrika und Asien wachsen die Berufungen. Deshalb unterstützen wir unter anderem die Priesterausbildung in Afrika so viel wie möglich.

Zum Beispiel ermöglichen wir diesen Sommer den Ausbildern im Priesterseminar von Madagaskar sechs Wochen in Rom zu verbringen, wo sie lernen, miteinander zu leben, zu beten und zu arbeiten. Dadurch werden viele priesterliche Berufungen gestärkt werden – die guten Früchte erntet die gesamte Kirche!

Helfen Sie der Kirche in Afrika

Unter dem Leitwort „Ihr Glaube ist unsere Hoffnung“ bittet KIRCHE IN NOT in der Fastenzeit um Spenden für die Christen Afrikas – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Fastenaktion Afrika

Besuchen Sie unsere Internetseite über die Kirche in Afrika.

Spenden per PayPal:

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31.Mrz 2017 08:41 · aktualisiert: 9.Mrz 2018 10:54
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