„Viel Bedarf für unsere Hilfe”

Interview mit dem Afrika-Referenten von KIRCHE IN NOT über die Kirche in Sambia

Tony Zender, Afrika-Referent bei KIRCHE IN NOT.

Tony Zender, Afrika-Referent bei KIRCHE IN NOT.

Sambia liegt im Süden Afrikas und ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Mehr als drei Viertel der Einwohner sind Christen, überwiegend Protestanten. Etwa 30 Prozent der 15 Millionen Einwohner sind katholisch.

Das bedeutet, dass die Gläubigen in dem dünn besiedelten Land weit verstreut leben. Die Gemeinden sind sehr groß, so dass Pfarrer nicht ständig vor Ort sein können. In ihrer Abwesenheit kümmern sich Katecheten um die Gläubigen. KIRCHE IN NOT unterstützt in Sambia unter anderem ein Ausbildungszentrum für Katecheten.

Über die Herausforderungen der Kirche und Seelsorge in Sambia berichtet der Afrika-Referent von KIRCHE IN NOT, Tony Zender.

Herr Zender, Sie sind gerade von einer Projekttreise nach Sambia zurückgekommen. Was ist Ihr Eindruck vom Land?
Sambia ist ein weitestgehend stabiles Entwicklungsland. Es gab in der Vergangenheit zwar einige politische Unruhen in der Übergangszeitz vom letzten zum jetzigen Präsidenten, aber weitestgehend ist das Land stabil.

Die staatlichen Autoritäten funktionieren – im Vergleich zu anderen Ländern in der Region – im Großen und Ganzen gut. Sambia ist auf einem guten Weg, aber es ist noch ein lang anhaltender Entwicklungsprozess, um die Lebensbedingungen zu verbessern.

Ein Markt am Straßenrand in Sambia.

Ein Markt am Straßenrand in Sambia.

Welchen Herausforderungen muss sich die Kirche in Sambia stellen?
Die Kirche sieht die Präsenz der evangelikalen Sekten besonders kritisch. Diese treten mit der Botschaft auf: „Wenn du zu uns kommst, wirst du schon im Diesseits belohnt, und je mehr du betest, desto reicher wirst Du.“ Das ist problematisch, weil auch viele Katholiken verlorengehen, aber die Kirche in Sambia versucht zu reagieren.

Was die Kirche vor allem benötigt, sind der Aufbau von Pfarrhäusern, Unterstützung der Motorisierung mit Autos oder Motorrädern, Fort- und Weiterbildung oder Exerzitien. Wir werden aber auch oft gebeten, Projekte zum Schutz der katholischen Familien zu unterstützen.

Seminaristen und junge geweihte Priester aus der Diözese Mansa.

Seminaristen und junge geweihte Priester aus der Diözese Mansa.

Unter welchen Umständen arbeiten die Priester in Sambia?
Was mich immer wieder beeindruckt, ist, wie einige Pfarrer ihren Dienst versehen, die an Orten leben, wo es keinen Strom gibt, wo sie vielleicht Wasser von einem Tank schöpfen und manchmal dort auch ganz alleine leben müssen. Sie dienen mir als Vorbild, in dem Sinne, dass sie sich ihrer Situation stellen.

Arbeiter auf einer Baustelle in einer Kirche in Sambia.

Arbeiter auf einer Baustelle in einer Kirche in Sambia.

Ich sehe viel Bedarf für unsere Hilfe, zum Beispiel mit Renovierungen, Bau von neuen Pfarrhäusern und Motorisierung. Wir wollen jungen Priestern Motorräder zukommen lassen, um die gut ausgebildeten, spirituell lebendigen Priestern zu den Menschen zu bringen.

An manche Orten können die Priester kaum gelangen. Viele gehen zu Fuß oder müssen mitgenommen werden. Die Bedingungen sind widrig. In der Regenzeit kommen sie mit dem Auto meist nicht weiter.

Ein Beispiel: Es gibt einen deutschen Missionar aus der Diözese Mainz, Pater Thomas. Wir konnten ihn bei unserer Reise nicht treffen, weil er Vertretung in einer Pfarrei hatte, die während der Regenzeit komplett von Wasser umschlossen ist.

Der Pfarrer, der die Gegend betreut, kann dann das Gebiet für drei bis vier Monate nicht verlassen – nur in einem Boot. Wenn die Straßen wieder passierbar sind, wird er dann für ein bis zwei Wochen vertreten; und an einem solchen Ort war eben gerade Pater Thomas.

Das ist auch ein schönes Vorbild, aber auch ein Beispiel, wie schwer manchmal Fortbewegung in Sambia sein kann.

Katechesezentrum des Bistums Mansa/Sambia.

Katechesezentrum des Bistums Mansa/Sambia.

Welcher Moment der Reise hat Sie besonders beeindruckt?
Das war der Besuch in einer entlegenen Pfarrei in der Diözese Mansa. Sie liegt in der ärmsten Region Sambias, im Norden des Landes. Wir wurden in einem Katecheten-Ausbildungszentrum empfangen, das KIRCHE IN NOT unterstützt. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Die Katecheten ziehen solange mit ihren Familien in kleine Häuser.

In der zweijährigen Ausbildung werden die Männer auf ihren Dienst als Katecheten vorbereitet, und die Frauen belegen weiterführende Kurse, um dann in den zukünftigen Gemeinden als Ausbilderinnen wirken zu können – in der Katechese, aber auch in der Hauswirtschaft, wie zum Beispiel Schneiderei.

Heilige Messe in Sambia.

Heilige Messe in Sambia.

Die Priester sind in den Pfarreien oft nur einige Tage im Quartal, manchmal auch nur einige Tage im ganzen Jahr anwesend. Die Katecheten betreuen dann die Gläubigen und dienen auch mit ihrer Familie als Vorbild.

Wenn ein Priester diese Entschlossenheit sieht, sich für die Kirche aufzuopfern, ist das auch für manche Priester motivierend.

Wir haben die Katecheten mit Fahrrädern unterstützt, damit sie mobil sind und ihrer Aufgabe besser nachkommen können. Das Ausbildungszentrum soll demnächst mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT renoviert werden.

Kann die Bevölkerung selbst diese Hilfe nicht leisten?
Die Kirche versucht ihr Bestes, um den Menschen näherzubringen, dass jeder Laie dazu berufen ist, die Kirche auch finanziell zu unterstützen. Es ist nicht mehr so wie früher, als die Missionare noch vor Ort waren. Die Kirche braucht jetzt die Hilfe eines jeden Gläubigen.

Zwar gibt es noch eine missionarische Präsenz aus Polen in einigen Gebieten Sambias und auch einige Kongregationen aus anderen Ländern, aber die Kirche wird mehr und mehr zur lokalen Kirche. Das ist ein notwendiger und guter Prozess, aber er ist natürlich mit einer Änderung der Einstellung verbunden.

Gläubige vor einer Kirche in Sambia.

Gläubige vor einer Kirche in Sambia.

Die Menschen müssen lernen, dass sie vom Herrn berufen sind, die Kirche zu unterstützen und dass jeder, egal wie arm er ist, seinen Beitrag dazu leisten sollte. Man darf aber nicht nur die finanzielle Seite sehen.

Wenn alle zusammen versuchen, die Kirche aufzubauen und wenn wir aus dem Geist des Opfers und der Entschlossenheit heraus handeln, so setzen wir ein Zeichen, dass wir es sind, die unsere Kirche tragen wollen, dann lässt der Herr der Kirche Gnaden zuteilwerden, die wir sonst nicht empfangen würden.

So können Sie helfen

Um der katholischen Kirche in Sambia weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden  – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

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Schlagworte:
Afrika · Interview · Katechese · Mansa · Sambia · Tony Zender
24.Aug 2017 09:52 · aktualisiert: 13.Nov 2017 11:47
KIN / S. Stein