Verfolgte Christen leben den Unterschied

Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember

Berthold Pelster, Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT.

Berthold Pelster, Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT.

Was haben der Trevi-Brunnen in Rom, Sacré-Cœur in Paris und die „Houses of Parliament“ (Westminster Palace) in London gemeinsam?

Alle drei Wahrzeichen erstrahlten in den vergangenen eineinhalb Jahren in rotem Licht, „Märtyrer-Rot“ als Zeichen der Solidarität mit verfolgten Christen. Gebetstreffen, Kundgebungen und Mahnwachen begleiteten die Aktionen. Organisator war KIRCHE IN NOT.

Der Präsident von KIRCHE IN NOT, Mauro Kardinal Piacenza, erklärte: „Die blutrote Farbe soll uns vor allem an eines erinnern: Die christlichen Märtyrer leisten Sühne für alle Menschen, auch für unsere Gleichgültigkeit und sogar für ihre Verfolger und Mörder. Das ist der große Unterschied!“

Der rot angestrahlte Westminster Palace in London, in dem sich die „Houses of Parliament“ befinden (Foto: ©Weenson Oo/picture-u.net).

Der rot angestrahlte Westminster Palace in London, in dem sich die „Houses of Parliament“ befinden (Foto: ©Weenson Oo/picture-u.net).

Seit sieben Jahrzehnten steht KIRCHE IN NOT an der Seite von verfolgten und notleidenden Christen, die den Unterschied leben: Sie erleiden Verfolgung und Tod, aber suchen ihn nicht. Sie wollen andere schützen und reißen sie nicht mit in den Tod. Sie versuchen, ihren Verfolgern zu vergeben. Das ist der christliche Unterschied!

Der christliche Unterschied

Auch das zu Ende gehende Jahr 2017 hat für Millionen Christen Bedrängnis, Not und Verfolgung gebracht: Sie werden verfolgt von religiösen Fundamentalisten. Manchmal ist das gepaart mit einem aggressiven Nationalismus, wie zum Beispiel in Indien.

Eine vom sogenannten „Islamischen Staat“ zerstörte Kirche in Karakosch/Irak (Foto: Jaco Klamer/KIRCHE IN NOT).

Eine vom sogenannten „Islamischen Staat“ zerstörte Kirche in Karakosch/Irak (Foto: Jaco Klamer/KIRCHE IN NOT).

Christen werden aber auch verfolgt von politischen Extremisten. Hundert Jahre nach der russischen Oktoberrevolution scheint für viele die „rote Gefahr“ gebannt. Warum aber wird dann Christen in kommunistischen oder sozialistischen Ländern das Leben so schwer bis unmöglich gemacht?

Die Liste der christlichen Märtyrer im Jahr 2017 ist lang. Hier fünf aktuelle Brennpunkte der Christenverfolgung:

Die islamistische Terrorgruppe „Boko Haram” konnte vom Militär zwar weitgehend zurückgedrängt werden. Trotzdem kommt es im Nordosten Nigerias fast täglich zu Selbstmordanschlägen. Seit einiger Zeit zwingt Boko Haram sogar Kinder dazu, sich in die Luft zu sprengen.

Noch immer werden Dörfer überfallen und geplündert und Menschen verschleppt. Rund zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Weil viele Bauern sich aus Furcht vor den Terroristen nicht mehr auf ihre Felder wagen, leiden die Menschen unter Hunger. Viele Kinder zeigen schwere Mangelerscheinungen.

In einem Flüchtlingslager im Bistum Maiduguri/Nigeria.

In einem Flüchtlingslager im Bistum Maiduguri/Nigeria.

Da die staatliche Hilfe weitgehend ausbleibt, hilft KIRCHE IN NOT den Diözesen, die Menschen zu versorgen. Ein größeres Gewicht wird jetzt auch auf Seelsorge und Therapie gelegt, denn die Menschen sind schwer traumatisiert.

Viele verfolgte Christen sind traumatisiert

In den vergangenen Monaten ist die terroristische Gewalt in Ägypten erneut aufgeflammt. Am 11. Dezember 2016 wurden bei einem Anschlag auf die Peter-und-Paul-Kirche in Kairo 29 Menschen getötet und 47 verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich der IS.

Am Palmsonntag schlugen die Extremisten erneut zu: In Alexandria entging der koptische Papst Tawadros II. nur knapp einem Bombenanschlag in seiner Kathedrale.

Viele koptische Christen in Ägypten haben sich ein Kreuz tätowieren lassen.

Viele koptische Christen in Ägypten haben sich ein Kreuz tätowieren lassen.

Eine weitere Bombe explodierte in der koptischen Sankt-Georg-Kirche in der Stadt Tanta nördlich von Kairo. Bei den Anschlägen wurden insgesamt 44 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt.

Am 26. Mai überfielen bewaffnete Terroristen nahe der Stadt Al-Minja einen Bus und erschossen 26 koptische Christen. Mehr als zwei Dutzend Personen wurden teils schwer verletzt. Auch in diesem Fall reklamierte der IS den Anschlag für sich.

Einfluss des IS auch in Südostasien

Vom IS beeinflusste und zum Teil finanzierte Terrorzellen breiten sich auch in Südostasien aus. Im Mai eroberten islamistische Rebellen die Stadt Marawi im Süden der Philippinen. Dabei besetzten und verwüsteten sie auch die katholische Kathedrale.

Brennende Häuser in Marawi © Sittie Ainah U Balt/KIRCHE IN NOT.

Brennende Häuser in Marawi © Sittie Ainah U Balt/KIRCHE IN NOT.

Rund 240 Menschen wurden als Geiseln genommen, darunter auch zahlreiche Christen. Auch der Generalvikar des Bistums fiel in die Hand der Islamisten und konnte erst im September befreit werden.

Mehr als 240 000 Menschen aus der mehrheitlich von Muslimen bewohnten Stadt und Umgebung ergriffen die Flucht vor dem Terror. KIRCHE IN NOT hilft den Flüchtlingen mit elementaren Dingen des täglichen Bedarfs.

Flüchtlingshilfe von KIRCHE IN NOT

In der kommunistischen Volksrepublik China treten zum 1. Februar 2018 verschärfte staatliche „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten” in Kraft. Der Staat erweitert damit seine Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten.

Gottesdienst in Shitai-Shexian/China.

Gottesdienst in Shitai-Shexian/China.

Schon im Vorfeld kam es zu Verschärfungen: An religiösen Stätten und Gebäuden wurden zahlreiche Überwachungskameras installiert; die Polizei führt zusätzliche Kontrollen während der Gottesdienste durch; selbst Drogenkontrollen mit Spürhunden müssen religiöse Versammlungen über sich ergehen lassen.

Düstere Zeiten für Chinas Christen

Diese verschärften Maßnahmen betreffen nicht nur die Untergrundgemeinden, sondern auch die staatlich registrierten religiösen Gruppen.

Religiöse Aktivitäten innerhalb von Untergrundgemeinschaften sind aus Sicht des Staates illegal und werden in Zukunft mit empfindlichen Geldstrafen geahndet. So ziehen für die Katholiken der Untergrundkirche düstere Zeiten herauf.

Zeremonie zu Beginn der Wiederaufbauarbeiten in der syrisch-katholischen Kirche von Karakosch.

Zeremonie zu Beginn der Wiederaufbauarbeiten in der syrisch-katholischen Kirche von Karakosch.

Im Irak feiern rund 28 000 Christen – mehr als erwartet – Weihnachten wieder in ihrer alten Heimat, den Ortschaften der Ninive-Ebene. KIRCHE IN NOT hat mit den lokalen Kirchenvertretern ein Wiederaufbauprogramm auf die Beine gestellt.

Wiederaufbauprogramm im Irak

Die Aufbruchstimmung hält an, aber es droht neues Ungemach: Die Auseinandersetzung zwischen Kurden und irakischer Regierung bringt die Christen in eine unheilvolle Situation, denn die territoriale Zugehörigkeit einiger Gebiete in der Ninive-Ebene ist umstritten.

„Die ausgeblutete christliche Gemeinde wird eine weitere Teilung nicht mehr verkraften“, warnen irakische Bischöfe.

Kinder in Aleppo erhalten Weihnachtsgeschenke, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT ermöglicht haben.

Kinder in Aleppo erhalten Weihnachtsgeschenke, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT ermöglicht haben.

Auch in Syrien kehrt etwas Normalität ein, doch der Krieg ist nicht vorbei. Gefechtslärm ist Alltag, die Versorgungslage angespannt. KIRCHE IN NOT hilft auch hier. Viele Christen sind skeptisch, was die Zukunft betrifft – denn eine gesellschaftliche Lobby haben sie nicht.

Ikone mit der Darstellung der Steinigung des heiligen Stephanus.

Ikone mit der Darstellung der Steinigung des heiligen Stephanus.

Darauf wies das Oberhaupt der syrisch-katholischen Kirche, Patriarch Ignatius III. Younan, hin: „Weil wir keine territorialen Ansprüche erheben und keine eigenen Sicherheitskräfte haben, meint jeder, wir seien mit allem einverstanden und man könne uns überrennen.“

Am 26. Dezember, dem Festtag des ersten Märtyrers Stephanus, begeht die katholische Kirche in Deutschland den Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen. In diesem Jahr bereits zum fünften Mal.

Leider aber führt das ernste Thema oft ein Randdasein neben der Weihnachtsfreude dieser Zeit.

Dabei gehört beides zusammen: Jubel über die Menschwerdung Gottes – und die Bereitschaft zum Zeugnis, selbst wenn es auf Ablehnung und Verfolgung stößt. „Auch Stillschweigen ist Sünde“, hat Papst Franziskus zum Thema Christenverfolgung einmal gesagt. Es ist Zeit, das Schweigen zu brechen!

Beten Sie für die verfolgten Christen

KIRCHE IN NOT bietet ein „Gebet für die verfolgte Kirche“ an. Es eignet sich zum persönlichen wie für das gemeinsame Gebet in der Gemeinde.

Das Gebetsblatt ist zum Preis von zehn Cent (zzgl. Versandkosten) in unserem Bestelldienst erhältlich oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München

Telefon: 089 / 64 24 888 0
Fax: 089 / 64 24 888 50

E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

Helfen Sie mit Ihrer Spende

Um weiter helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Verfolgte Christen

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18.Dez 2017 10:34 · aktualisiert: 6.Apr 2018 18:01
KIN / S. Stein