„Am Kreuz scheiden sich die Wege”

Impuls zur Fastenzeit von Pater Werenfried van Straaten von 1998

Pater Werenfried van Straaten am Schreibtisch.

Pater Werenfried van Straaten an seinem Schreibtisch.

Liebe Freunde!

Bei den Römern begann das Jahr im März. Der Frühling war der Anfang, der Winter das Ende. Seit Christi Geburt feiern wir Neujahr, wenn die Natur tot ist.

Sie ist aber nicht tot, sie schläft – wie das Töchterchen des Jairus. Gott nimmt sie bei der Hand. Genauso hoffnungsvoll ist der Gedanke an Karfreitag, als Christus am Kreuz gestorben ist, um am Ostermorgen aufzuerstehen.

Bald kommt die Passionszeit, die mit dem Verrat des Judas angefangen hat. Von ihm sagt Jesus: „Für jenen Menschen wäre es besser, wenn er nicht geboren wäre.“

Jener Mensch war derselbe, den es ärgerte, dass Maria Magdalena die Füße Jesu gesalbt hatte: „Warum wurde dieser Balsam nicht für 300 Dinare verkauft und das Geld den Armen gegeben?“

Beschädigtes Kreuz des St.-Georg-Klosters in Mossul (Foto: Jaco Klamer/KIRCHE IN NOT).

Beschädigtes Kreuz des St.-Georg-Klosters in Mossul (Foto: Jaco Klamer/KIRCHE IN NOT).

Diese Frage hört sich sehr christlich an. Dennoch ist es die Frage eines Verräters, der weder den Herrn noch die Armen liebt. Denn in seiner Kritik an der maßlosen Liebe der Magdalena distanziert er sich von Jesus, der kein anderes Ziel hat, als sich aus Liebe bis zur Torheit des Kreuzes zu opfern.

„Jesus opferte sich aus Liebe”

Ein „vernünftiger“ Messias, ein König oder ein Wundertäter war für Judas akzeptabel, nicht aber ein gekreuzigter. Darum hat er unter dem Deckmantel christlicher Worte das Kreuz Christi abgelehnt.

So ist er der Vater all derer geworden, die wegen ihrer vermeintlichen Weisheit die Torheit Christi nicht ertragen und im Namen eines der Welt angepassten Christentums das Kreuz wegdiskutieren.

Viele koptische Christen in Ägypten haben sich ein Kreuz tätowieren lassen.

Viele koptische Christen in Ägypten haben sich ein Kreuz tätowieren lassen.

Eine Seelsorge, in der das Kreuz und die Selbstverleugnung, das mühsame Gebet und die demütigende Beichte, der Bruch mit der Welt und der Kampf gegen die gefallene Menschennatur totgeschwiegen werden, ist unchristlich.

„Das mühsame Gebet und die demütigende Beichte”

Der Seelsorger, der über die Nachfolge des Gekreuzigten schweigt, verrät Christus, wie fromm und klug seine Worte auch klingen.

In der Grabeskirche in Jerusalem.

In der Grabeskirche in Jerusalem.

Denn am Kreuz scheiden sich die Wege der Getreuen und der Verräter, die Wege derer, die sich mit der Welt versöhnen, und jener, von denen Christus gesagt hat: „Weil ihr nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, deshalb hasst euch die Welt!“

Es ist unchristlich, diesem Hass um jeden Preis entkommen zu wollen. Es ist auch unklug. Denn die Aussöhnung mit der Welt ist ebenso wenig eine Gewähr für das Glück, wie der Hass dieser Welt eine Quelle des Unglücks sein muss. Denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

Die „Weisheit“ des Judas führte zum Selbstmord, während die Torheit des Kreuzes uns den Frieden mit Gott und das göttliche Leben geschenkt hat.

Diesen Frieden und die Gnade, das Leben Gottes treu zu bewahren, wünscht euch von ganzem Herzen

Pater Werenfried van Straaten

6.Mrz 2019 08:51 · aktualisiert: 6.Mrz 2019 09:39
KIN / S. Stein