„Die Menschen haben zunehmend Angst”

Gewalt im westafrikanischen Burkina Faso breitet sich aus

Junge Mutter aus Burkina Faso mit einem Kind.

Junge Mutter aus Burkina Faso mit einem Kind.

In dem bisher als vorwiegend ruhig und friedlich eingestuften Land Burkina Faso im Westen Afrikas haben die Angriffe auf Ordensschwestern und Priester zugenommen.

Angesichts einer Häufung gewaltsamer Überfälle hätten beispielsweise sieben Ordensfrauen der Kongregation „Missionsschwestern vom Lande“ ihre Missionsstation mit Kindergarten und Ambulanz in dem Dorf Kompienbiga aufgegeben, berichtet Pater Soubeiga vom Orden der „Missionsbrüder vom Lande“ gegenüber KIRCHE IN NOT.

Vier von ihnen lebten nun in dem Haus des Männerzweiges des Ordens, das in der Stadt Pama im Südosten des Landes liegt. Die anderen drei Ordensfrauen sind in das benachbarte Togo geflüchtet, um dort ihre Ausbildung zu beenden. „Wir wissen nicht, wann sie zurückkehren können. Das ist hart“, sagt Schwester Thérèse, Oberin der Kommunität, die in Kompienbiga gelebt hat.

Verlassene Missionsstation in Kompienbiga.

Verlassene Missionsstation in Kompienbiga.

Auslöser der Flucht der Schwestern war ein Vorfall im Januar 2019. Eines Nachmittags seien acht bis zehn vermummte und bewaffnete Männer in die Ambulanz der Missionsstation gestürmt und hätten Schwester Victorine bedroht, wie Pater Soubeiga informierte.

Sie verlangten von der Ordensfrau, ihnen Medikamente zur Behandlung ihrer verletzten Kämpfer zu geben, aber Schwester Victorine hatte keinen Zugang zur Apotheke. Daraufhin hätten die Männer alles zerstört und sich letztlich bei den Medikamenten selbst bedient.

Schwestern wollen so bald wie möglich zurückkehren

Seit 25 Jahren hatten die Schwestern in der Gemeinde Kompienbiga gelebt. Sie betrieben neben der Krankenstation auch einen Kindergarten mit etwa 40 Kindern und eine Schneiderei, um fünf junge Menschen als Schneider auszubilden. Eine Rückkehr der Ordensfrauen ist ungewiss. „Wir wollen so früh wie möglich zurückkehren, um fortzusetzen, was wir begonnen haben“, betont Schwester Thérèse. „Bitte beten Sie für uns.“

Schwestern aus Burkina Faso.

Schwestern aus Burkina Faso.

Nach Pater Soubeiga haben die gewalttätigen Übergriffe in Pama ab März 2017 begonnen. Auch Minen-Explosionen, die auf Polizisten abzielen, häuften sich. Die Lage in Kompienbiga habe sich seit dem vergangenen Sommer verschärft, so Schwester Thérèse.

Minen-Explosionen, Entführungen und Mord

„Angreifer dringen regelmäßig in die Dörfer ein, versammeln die Bevölkerung und brüllen den Menschen Befehle zu. Die Menschen haben zunehmend Angst.“ Wer hinter dieser Ausweitung der Gewalt steckt, ist unbekannt. Man spreche von Söldnern, aber manche Terroristen seien eindeutig Einheimische, weil sie perfekt die lokalen Sprachen sprächen, vermutet Pater Soubeiga.

Auch wenn es bereits mutmaßlich zu einem Mord und zu Entführung eines Priesters gekommen ist, richtet sich die Gewalt nicht gezielt gegen Katholiken.

Prozession in Burkina Faso.

Prozession in Burkina Faso.

„Als Katholiken sind wir am meisten gefährdet, da wir eine leicht identifizierbare und zentralisierte Institution repräsentieren. Mit einem Angriff auf einen Priester trifft man ein ganzes Gebiet“, erklärt Pater Soubeiga. „Die Folgen für Protestanten und Muslime wären nicht dieselben, da ihre Gemeinschaften zerstritten sind und zahlreichen Pastoren und örtlichen Imamen unterstehen.“

Feier der Osternacht nicht möglich

Derzeit herrschen strenge Sicherheitsmaßnahmen in Pama durch die Polizei. Es gibt auch eine Ausgangssperre. In manche Gegenden seiner Pfarrei darf Pater Soubeiga derzeit nicht reisen. Besonders bedauert er einen Umstand: „Was die nähere Zukunft angeht, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die Osternacht nicht feiern können.“

Burkina Faso, das frühere Obervolta, liegt im Westen Afrikas. Etwas mehr als die Hälfte sind Muslime. Rund 24 Prozent gehören den christlichen Kirchen an.

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10.Apr 2019 13:08 · aktualisiert: 10.Apr 2019 13:10
KIN / S. Stein