„Vielen Dank für die Sorge um unser Land”

Die aktuelle Lage auf Sri Lanka nach den Anschlägen vom Ostersonntag

Pater Malaka Leonard Fernando aus Sri Lanka.

Pater Malaka Leonard Fernando aus Sri Lanka.

Pater Malaka Leonard Fernando aus Sri Lanka leitet die Vizeprovinz der Franziskaner vom Dritten Orden „Unsere Liebe Frau von Lanka“.

Er wohnt nur wenige hundert Meter entfernt von der Kirche St. Sebastian in Negombo-Katuwapitiya.

Dort explodierte am Ostersonntag eine der Bomben, die nach aktuellen Polizeiangaben über 250 Menschen in den Tod rissen und rund 500 Personen verletzten. Ursprünglich waren die Behörden von einer noch höheren Opferzahl ausgegangen.

Maria Lozano von der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT sprach mit Pater Fernando über die Lage nach den Anschlägen und wie die Kirche versucht, eine Gewaltspirale zu verhindern.

MARIA LOZANO: Wie haben Sie von dem Anschlag erfahren?
PATER MALAKA LEONARD FERNANDO: Ich habe am Ostersonntag um sieben Uhr morgens die heilige Messe in einer nahegelegenen Kirche gefeiert. Als sie zu Ende war, erfuhr ich von den sechs aufeinanderfolgenden Explosionen in drei Kirchen und drei Hotels.

Die zerstörte St.-Sebastian-Kirche in Negombo (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Die zerstörte St.-Sebastian-Kirche in Negombo (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF befinden sich unter den Getöteten mehr als 47 Kinder. Ihr Orden betreibt auch eine Schule. Sie ist wenige Kilometer von Negombo, einem der Anschlagsorte, entfernt. Wie geht es den Kindern?
Die Menschen in Sri Lanka haben in den fast 30 Jahren Bürgerkrieg einiges erlitten. Wir dachten, in Sri Lanka herrsche jetzt Frieden. Die Bombenanschläge haben alle unsere Hoffnungen zunichtegemacht.

„Kinder verstehen nicht, was geschehen ist”

Eine beträchtliche Zahl der Kinder wurde Opfer der Anschläge. Die Kinder sind unschuldig. Sie können nicht verstehen, was geschehen ist. Die meisten von ihnen haben Angst. Die Schulen werden einige Tage geschlossen bleiben.

Nach den Anschlägen mit vielen Todesopfern werden die Leichen in Massengräbern beigesetzt (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Nach den Anschlägen mit vielen Todesopfern werden die Leichen in Massengräbern beigesetzt (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Ist ein Angehöriger von Ihnen oder aus den Familien der Kinder in Ihrer Schule unter den Getöteten?
Meine Angehörigen sind nicht betroffen. Aber viele meiner Freunde wurden verletzt. Einige sind gestorben.

Christen als menschliche Zielscheibe

Wie haben die Christen auf die Anschläge reagiert?
Einerseits hören die Christen in Sri Lanka immer auf ihre Hirten, die zu Gewaltlosigkeit aufrufe. Darum fügen sie anderen keinen Schaden zu. Andererseits sind die meisten von ihnen verängstigt, weil mehrheitlich Christen Zielscheibe der Anschläge waren. Die Polizei führt weiter Razzien durch. Die Ermittler haben eine Verdächtige im Zusammenhang mit den Terroranschlägen festgenommen.

Malcolm Kardinal Ranjith, der Erzbischof von Colombo, segnet Särge der Opfer der Anschläge vom Ostersonntag.

Malcolm Kardinal Ranjith, der Erzbischof von Colombo, segnet Särge der Opfer der Anschläge vom Ostersonntag.

Am Dienstag nach Ostern fand in Katuwapitiya die Trauerfeier für die Getöteten statt. Sie wurde von Malcolm Kardinal Ranjith, dem Erzbischof von Colombo, geleitet. Was hat er den Menschen gesagt?
Neben der tiefen Trauer und dem Mitgefühl für die Hinterbliebenen hat der Kardinal in seiner Botschaft die Menschen aufgefordert, ruhig zu bleiben und keine Selbstjustiz zu üben. Darüber bat er die Menschen, in diesen Notzeiten großzügig zu sein und für die Verwundeten Blut zu spenden.

Welche Botschaft möchten Sie an die Öffentlichkeit richten?
„Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg.“ Lassen Sie uns alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Gewalt zu vermeiden und friedlich zu leben. Vielen herzlichen Dank für Ihre Sorge um unser Land, gerade auch im Gebet. Gott segne Sie!

Helfen Sie den Menschen in Sri Lanka

Albert Malcolm Kardinal Ranjith, Erzbischof von Colombo, tröstet einen Mann, der einen Angehörigen bei den Anschlägen verloren hat (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Albert Malcolm Kardinal Ranjith, tröstet einen Mann, der einen Angehörigen bei den Anschlägen verloren hat (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Sri Lanka seit Jahren bei. So hat unser Hilfswerk zum Beispiel den Wiederaufbau zerstörter Kirchen nach dem Bürgerkrieg unterstützt.

Aktuell fördert KIRCHE IN NOT unter anderem die kirchliche Bildungs- und Beratungsarbeit, Versöhnungsinitiativen zwischen den Volksgruppen und das kirchliche Leben in Pfarreien, Klöstern und Priesterseminaren. Diese Unterstützung gehen nach den Anschlägen intensiv weiter.

Dazu bitten wir Sie um Ihre Spende – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Sri Lanka

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KIN / S. Stein