Indien: Christen nach Wahlausgang in Sorge

Seit einigen Jahren nehmen Übergriffe auf religiöse Minderheiten zu

Brennende Barrikade vor einer Kapelle bei Unruhen im Bundesstaat Orissa (heute: Odisha) 2008 in Indien.

Brennende Barrikade vor einer Kapelle bei Unruhen im Bundesstaat Orissa (heute: Odisha) 2008 in Indien.

Der erneute Sieg der hindu-nationalistische Regierungspartei BJP bei den Parlamentswahlen sei „ein Grund für Frustration und Angst für Minderheiten in Indien“.

Dies erklärte ein kirchlicher Gesprächspartner, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, gegenüber KIRCHE IN NOT.

Das Wahlergebnis habe viele Menschen in Indien in einen Schockzustand versetzt.

„Wir können nicht glauben, was passiert ist. Selbst in den Bundesstaaten und Bezirken, in denen die Umfragen weit ungünstiger für BJP waren, haben sie mehr Sitze eingenommen als vorhergesagt“, erklärte der Gesprächspartner.

Medien und Wahlbeobachter erhoben schwere Vorwürfe, wonach elektronische Wahlsysteme manipuliert und gezielt Stimmen gekauft worden seien.

Eine christliche Prozession in Indien (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

Eine christliche Prozession in Indien (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

Letzteres bestätigt auch die anonyme Quelle gegenüber KIRCHE IN NOT: „Ich habe gesehen, wie hunderte Tagelöhner vor der Wahl zusammengerufen wurden. Jeder erhielt 300 Rupien (umgerechnet etwa vier Euro) von der nationalistischen Volkspartei.“

 BJP errang die absolute Mehrheit

Das Ergebnis der indischen Parlamentswahlen war am 23. Mai bekannt gegeben worden. Die BJP errang demnach die absolute Mehrheit. Die rund 900 Millionen Wahlberechtigten haben dadurch eine weitere fünfjährige Amtszeit von Ministerpräsident Narendra Modi ermöglicht. Modi führt seit 2014 die Regierung.

Bei einem Rosenkranzgebet in Indien.

Bei einem Rosenkranzgebet in Indien.

„Die vergangenen fünf Jahre mit Modi an der Macht waren sehr schwierig und haben uns viele Sorgen gemacht. Wir befürchten, dass die nächsten fünf Jahre noch schlechter werden“, erklärte die anonyme Quelle.

Der Sieg der BJP versetze die religiösen Minderheiten Indiens in einen „Alarmzustand“. Es bestehe die Sorge, dass Christen und Muslime weiterer sozialer und religiöser Diskriminierung ausgesetzt seien, erklärte der Gesprächspartner.

Seit Jahren nehmen in Indien religionsfeindliche Übergriffe zu. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT verzeichnet allein für die Jahre 2016 und 2017 mindestens 197 Getötete und über 4000 Verletzte bei Übergriffen auf religiöse Minderheiten.

Zunehmende Übergriffe auf religiöse Minderheiten

Einer der jüngsten Übergriffe ereignete sich am 26. März 2019 in der katholischen Schule von Chinnasalem im südostindischen Bundesstaat Tamil Nadu, etwa 300 Kilometer südöstlich von Bangalore. Hinduistische Fundamentalisten stürmten die Schule „Little Flower“ und versuchten, die dort tätigen Ordensschwestern zu ermorden.

Studenten an einem indischen Priesterseminar.

Studenten an einem indischen Priesterseminar.

Das amerikanische „Pew Research Center“ stufte Indien 2018 als das Land mit der größten Feindseligkeit gegenüber religiösen Minderheiten ein.

In Indien leben etwa 30 Millionen Christen, das sind rund 2,3 Prozent der Bevölkerung. Der Großteil gehört der katholischen Kirche an. 17,2 Prozent der Einwohner Indiens bekennen sich zum Islam, gut 80 Prozent sind Hindus.

„Hinduistischer Nationalismus will keine Veränderung”

Eine Ursache für die Gewalt gegen Christen sieht die anonyme Quelle im sozialen Engagement der Kirche. Sie sei eine der wenigen Institutionen, die gegen die Ausbeutung der unteren Bevölkerungsschichten vorgehe. „Der hinduistische Nationalismus will keine Veränderung in der sozialen Struktur“, sagte der Gesprächspartner.

Gläubige in einer Kapelle in Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

Gläubige in einer Kapelle in Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

Der Wahlsieg der BJP gebe auch wirtschaftlich Anlass zur Sorge. Der rasante Aufschwung der vergangenen Jahre komme nicht überall an. „Die einfachen Bevölkerungsschichten werden vernachlässigt, und die Reichen sind die einzigen, die profitieren.“

Wirtschaftlicher Aufschwung kommt nicht überall an

Es sei sehr gefährlich geworden, sich regierungskritisch zu äußern, erklärt der Ansprechpartner, der KIRCHE IN NOT nahesteht, seine Bitte um Anonymität. „Die Welt muss wissen, dass die Situation schlimm ist. Die vergangenen fünf Jahre waren bereits voller Angst, und wir fragen uns, wie die Zukunft aussehen wird.“

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3.Jun 2019 13:49 · aktualisiert: 3.Jun 2019 14:38
KIN / S. Stein