„Übergriffe auf Christen werden zügelloser”

Priester aus Nigeria über die aktuelle Lage in seinem Heimatland

John Bakeni, Priester aus Nigeria.

John Bakeni, Priester aus Nigeria.

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht.

Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. KIRCHE IN NOT arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von KIRCHE IN NOT berichten.

Christen protestieren gegen die zunehmenden Fulani-Attacken.

Christen protestieren gegen die zunehmenden Fulani-Attacken.

Roman Kris vom christlichen Online-Jugendmagazin „firstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

ROMAN KRIS: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?
PFARRER JOHN BAKENI: 
Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört.

„Sicherheit verschlechtert sich”

Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Diese Kirche in Nigeria wurde an Weihnachten 2012 von Boko Haram zerstört.

Diese Kirche in Nigeria wurde an Weihnachten 2012 von Boko Haram zerstört.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?
Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt.

Unsicherheit und Angst

Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst.

Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Williams Kaura Abba organisiert in Kajuru die Verteilung von Lebensmitteln an Menschen, die vor den Angriffen der Fulani geflohen sind.

Williams Kaura Abba organisiert in Kajuru die Verteilung von Lebensmitteln an Menschen, die vor den Angriffen der Fulani geflohen sind.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?
Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden.

„Wir erwarten, dass der Staat uns beschützt”

In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

John Bakeni berichtete auf der Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Dokumentation „Christen in großer Bedrängnis” von KIRCHE IN NOT Deutschland über die Lage in Nigeria.

John Bakeni berichtete auf der Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Dokumentation „Christen in großer Bedrängnis” von KIRCHE IN NOT Deutschland über die Lage in Nigeria.

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von KIRCHE IN NOT und anderen Organisationen.

Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?
Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?
Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können.

„Beten Sie für uns”

Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

Helfen Sie der Kirche in Nigeria

Kinder aus Nigeria.

Kinder aus Nigeria.

Für KIRCHE IN NOT ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent.

Unser Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps.

Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Nigeria

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4.Jun 2019 09:41 · aktualisiert: 4.Jun 2019 09:42
KIN / S. Stein