Sri Lanka: Christen sind traumatisiert

Delegation von KIRCHE IN NOT hat das Land nach den Anschlägen an Ostern besucht

Veronique Vogel, Indien-Referentin bei KIRCHE IN NOT.

Veronique Vogel, Projektreferentin bei KIRCHE IN NOT.

„Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock. Die Anschläge an Ostern haben viele Leute an den Ausnahmezustand zur Zeit des Bürgerkriegs erinnert.“

Dieses Fazit zieht die Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT, Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag hat sie Sri Lanka besucht.

Eine Delegation von KIRCHE IN NOT reiste Mitte Mai in die Region um die Hauptstadt Colombo und die Stadt Negombo.

Dort hatten die meisten Anschläge auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag stattgefunden. Dabei kamen mindestens 253 Menschen zu Tode. Rund 500 wurden verletzt.

Die Behörden machen eine lokale islamistische Gruppe für die Taten verantwortlich. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Es waren ja gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.

Die Angst vor weiteren Anschlägen sei weiterhin sehr groß, berichtet Vogel: „Es ist bekannt, dass mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

Angst vor weiteren Anschlägen

Seit dem 21. Mai seien die Kirchen im Land wieder geöffnet, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie schon in Panik geraten, wenn sie eine Kirchenglocke läuten hören. Das zeigt, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“

Schutz durch das Militär unmittelbar nach den Anschlägen.

Schutz durch das Militär unmittelbar nach den Anschlägen (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Es gebe jedoch auch die gegenteilige Erfahrung: Viele Menschen, die von den Anschlägen selbst betroffen waren oder Angehörige verloren haben, zeichnete ein enormer Lebenswille und ein starker Glaube aus.

Enormer Lebenswille und starker Glauben

„Die Leute verstehen nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist. Sie wollen keinen neuen Bürgerkrieg mehr, sondern setzen sich für dauerhaften Frieden ein“, betont Vogel.

Gläubige beten in der von den Bombenanschlägen beschädigten St.-Sebastian-Kirche in Negombo. Sie wird bereits saniert.

Gläubige beten in der von den Bombenanschlägen beschädigten St.-Sebastian-Kirche in Negombo. Sie wird bereits saniert.

Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith, ruft die Bevölkerung immer wieder dazu auf, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte zu verüben.

„Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest.

Der Besuch eines Franziskanerklosters in Negombo habe sie besonders beeindruckt: Es befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo allein mindestens 100 Menschen bei den Bombenattacken getötet wurden.

Die Franziskaner seien sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen, so Vogel. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Helfen Sie den Menschen in Sri Lanka

Albert Malcolm Kardinal Ranjith, Erzbischof von Colombo, tröstet einen Mann, der einen Angehörigen bei den Anschlägen verloren hat (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Albert Malcolm Kardinal Ranjith, Erzbischof von Colombo, tröstet einen Mann, der einen Angehörigen bei den Anschlägen verloren hat (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).

Der Inselstaat Sri Lanka hat rund 22 Millionen Einwohner, darunter 70 Prozent Buddhisten, über zwölf Prozent Hindus, rund zehn Prozent Muslime und acht Prozent Christen.

KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Sri Lanka seit Jahren bei.

Das Hilfswerk fördert unter anderem den Bau kirchlicher Gebäude, sichert den Lebensunterhalt für Priester und ihre Gemeinden durch Mess-Stipendien, unterstützt die Verbreitung christlicher Literatur, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten und das kirchliche Leben in den Pfarreien.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Sri Lanka

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12.Jun 2019 13:27 · aktualisiert: 13.Jun 2019 13:34
KIN / S. Stein