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Asia Bibi: Treffen mit einer Ikone der Religionsfreiheit

Asia Bibi: Treffen mit einer Ikone der Religionsfreiheit

27.02.2020 aktuelles
Während eines Frankreichaufenthalts hat Asia Bibi dort politisches Asyl beantragt. Mitarbeiter des französischen Zweigs des weltweiten päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT konnten mit der pakistanischen Christin sprechen.

 

von Thomas Oswald, KIRCHE IN NOT Frankreich

Asia Bibi im Februar 2020 in Paris. © KIRCHE IN NOT
Asia Bibi sieht müde aus. Interviews und Empfänge bestimmen die wenigen Tage, die sie in Frankreich verbringt. Dennoch lächelt sie tapfer in die Kameralinsen der Fotografen und gibt eine ganze Serie von Interviews. „Ich habe es ja den Medien zu verdanken, dass ich noch lebe“, sagt sie.

 

Das Ende ihres Kreuzwegs hat sie insbesondere der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet zu verdanken, die als eine der ersten auf das Schicksal der pakistanischen Christin aufmerksam gemacht hat. Bibi nennt sie „meine Schwester“. Mit ihr zusammen hat sie jetzt ihre Autobiographie „Endlich frei!“ verfasst, die vor wenigen Wochen in französischer Sprache erschienen ist.

Das Buch erzählt, wie die einfache Bäuerin Asia Bibi zu einer weltweiten Ikone der Religionsfreiheit und des Widerstands gegen den islamischen Fundamentalismus wurde. Neun Jahre verbrachte Bibi im Gefängnis, nachdem sie von Nachbarn der Gotteslästerung beschuldigt worden war. Ihr drohte die Hinrichtung.

Die französische Journalistin Anne-Isabelle Tollet zusammen mit Asia Bibi. © François Thomas

Tödliche Wirkung eines absurden Gesetzes

Die strengen Blasphemiegesetze werden in Pakistan oft zur Begleichung offener Rechnungen in persönlichen Streitigkeiten herangezogen. Die Folgen sind fatal: Sie „verschwinden“ im Gefängnis, oft für viele Jahre. Manche haben angeblich Suizid begangen. Einige, die freigesprochen wurden, sind von der wütenden Menschenmenge gelyncht worden.

Die internationale Aufmerksamkeit und der Druck von Medien und Öffentlichkeit retteten Asia Bibi vor diesem Schicksal. Der pakistanische Oberste Gerichtshof sprach sie in einer Berufungsverhandlung im Oktober 2018 endgültig frei. Doch ihre Ausreise wurde durch zahlreiche Zwischenfälle verzögert. Erst im Mai 2019 erreichte Asia Bibi ihr Exil in Kanada – auch hier hat es erst internationaler Druck möglich gemacht. In Pakistan gibt es nun einen „Präzedenzfall Asia Bibi“. Die Blasphemiegesetze sind zwar immer noch in Kraft. Aber jeder Ankläger geht ein Risiko ein, wenn er auf sie zurückgreift, um jemandem zu schaden.

Polizist vor einer Kirche in Pakistan. © KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik

„Es gab keine Trennung zwischen Christen und Muslimen“

„Ich hätte mir nie vorstellen können, berühmt zu werden“, sagt Asia Bibi leise. Sie erzählt von ihrer glücklichen Kindheit in Pakistan: „Ich habe mit unseren muslimischen Nachbarn gespielt, es gab keine Trennung.“ Mit acht Jahren getauft, konnte sie ihren Glauben ohne Schwierigkeiten leben. Sie erinnert daran, dass es in ihrer Heimat eine lange christliche Tradition gibt: „Seit über tausend Jahren leben in Pakistan Christen“.

Doch als Jugendliche erlebt sie, dass religiöse Spannungen wachsen. Sie hört von Attacken gegen Christen. Einige werden vom aufgebrachten Mob gelyncht. Es kommt auch vor, dass muslimische Männer junge Christinnen entführen, sie zur Konversion zwingen und heiraten.

Asia Bibi erlebt auch, dass viele Muslime Christen als unrein betrachten. Diese Ansicht ist es, die ihr Leben am 14. Juni 2009 auf den Kopf stellt. Bei der Arbeit mit muslimischen Nachbarn wird sie gebeten, Wasser zu holen. Sie schöpft Wasser in ein großes Gefäß und trinkt daraus, ehe sie es den anderen bringt.

Eine der Frauen weigert sich zu trinken, weil Asia das Wasser nun „unrein“ gemacht habe. Asia Bibi verteidigt sich mit dem Hinweis, dass der Prophet Mohammed mit einem solchen Verhalten gewiss nicht einverstanden wäre. Sie bekommt zur Antwort, dass sie gerade Blasphemie begangen hätte. Es folgen Gefängnis, die Flucht ihrer Familie vor den Fundamentalisten, die Verurteilung zum Tod durch Erhängen, ein juristisches Tauziehen, das erst 2019 glücklich endet. Asia Bibi wird nicht wütend, wenn sie über diese schreckliche Zeit spricht, sie ist nur traurig und müde.

Pakistanische Christinnen beim Gebet. © KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik

Es gibt noch weitere „Asia Bibis“

Sie weiß, dass sie kein Einzelschicksal ist. Deshalb möchte sie die ihr entgegengestreckten Mikrofone nutzen, um für die Menschen die Stimme zu erheben, die in Pakistan noch immer wegen Blasphemie inhaftiert sind. Ihre Stimme wird fester: „Während meiner Haft habe ich die Hand Christi gehalten. Ihm verdanke ich, dass ich das durchstehen konnte. Habt keine Angst!“

Ihre neu entfachte Lebendigkeit lässt die charakterstarke Frau erahnen, die zehn Jahre schrecklicher Prüfungen nicht zu Fall gebracht haben. Eine Frau, die niemals zugestimmt hat, sich von ihrer Familie zu trennen oder ihren christlichen Glauben aufzugeben. Das hatte man nach der Verhaftung von ihr gefordert, um einer Verurteilung zu entgehen.

Ihr Heimatland Pakistan musste Asia Bibi jedoch verlassen. Sie hofft, eines Tages zurückkehren zu können: „Das ist meine Heimat, ich liebe Pakistan leidenschaftlich!“. In der Zwischenzeit hofft sie in Frankreich Zuflucht zu finden. „Ich habe hier viel Zuneigung gefunden. Ich denke, es wäre gut, hier zu leben.“

Bitte helfen Sie

KIRCHE IN NOT unterstützt die bedrängten christlichen Gemeinden Pakistans und finanziert unter anderem Anwaltskosten für Christen, die wegen Blasphemie angeklagt sind. Helfen Sie mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Pakistan

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