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„Asia Bibi ist ein Symbol für moralische Geradlinigkeit“

„Asia Bibi ist ein Symbol für moralische Geradlinigkeit“

Journalistin spricht über Auswirkung des Falls auf die pakistanische Gesellschaft

14.02.2020 aktuelles
Die französische Journalistin Anne-Isabelle Tollet war eine der ersten, die auf das Schicksal der pakistanischen Christin Asia Bibi aufmerksam gemacht hat. Sie hat sich intensiv mit dem Fall beschäftigt und das „Internationale Komitee Asia Bibi“ ins Leben gerufen.

 

Asia Bibi war 2010 als erste christliche Frau wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Sie wurde im Februar 2019 freigesprochen. Asia Bibi konnte nach Kanada ausreisen und hat seitdem die Öffentlichkeit gemieden.

Nun veröffentlicht sie mit Anne-Isabelle Tollet ein Buch über die Geschichte ihrer Inhaftierung, das in Frankreich erscheint. Thomas Oswald von KIRCHE IN NOT Frankreich hat mit Tollet gesprochen.

Asia Bibi (links) und Anne-Isabelle Tollet (Foto: François Thomas).
KIRCHE IN NOT: Welche Auswirkungen hatte das Schicksal von Asia Bibi auf die pakistanische Gesellschaft?
ANNE-ISABELLE Tollet: Das Thema Asia Bibi spaltet. Die große Mehrheit der Pakistaner ist froh, dass diese unschuldige Frau dem Tod durch den Strang entkommen ist. Die radikalen Islamisten, die Rache verlangen, sind in der Minderheit. Aber sie machen wesentlich mehr Lärm als die anderen.

 

Man kann es der schweigenden Mehrheit nicht verübeln, dass sie nichts sagt. Die Menschen wissen, dass die Radikalen zu allem bereit sind. Aus diesem Grund war es notwendig, dass ausländische Medien sich des Falls annahmen, um das Schicksal Asia Bibis zu verändern.

Ehemann und Tochter von Asia Bibi.
Aber hat die internationale Medienberichterstattung Asia Bibi nicht erst recht in Gefahr gebracht?
Hätten die Medien Asias Fall nicht publik gemacht, wäre sie heute tot. Aber es stimmt auch, dass wir Journalisten sie durch unsere Berichterstattung für die Extremisten zu einem Symbol gemacht haben. Wir mussten geschickt vorgehen.

 

Vor diesem Hintergrund hat das „Internationale Komitee Asia Bibi“ hat einen Brief an Papst Franziskus geschrieben, in dem wir ihn baten, ausschließlich gemeinsam mit hochrangigen muslimischen Geistlichen zu intervenieren.

Sicherheitskontrolle vor einer Kirche in Pakistan
Ist sich Asia Bibi dessen bewusst, dass sie zum Symbol geworden ist?
Ihr wurde das in dem Augenblick bewusst, als sie nach ihrem Freispruch das Gefängnis verlassen konnte. Sie ist zutiefst erstaunt, „wie ich, ein kleines Bauernmädchen, noch dazu Christin, zu einer Persönlichkeit werden konnte, die in der ganzen Welt bekannt ist“. Das ist eine schwere Bürde, denn es hindert sie daran, im Verborgenen zu bleiben.

 

„Asia Bibi blieb ihrem christlichen Glauben treu”

Aber ihre Geschichte hilft den Pakistanern, die dem Blasphemiegesetz ausgesetzt sind. Asia Bibi ist zudem ein Symbol für moralische Geradlinigkeit. Obgleich sie am Tag ihrer Verhaftung hätte freikommen können, wenn sie zum Islam übergetreten wäre und ihre Familie aufgegeben hätte, blieb sie doch ihrem Glauben treu.

Eine Ordensfrau aus Pakistan zündet eine Kerze an.
Ist Asia Bibi also ein Präzedenzfall für Menschen, die aufgrund des Blasphemiegesetzes inhaftiert sind?
Es gibt aktuell weitere „Asia Bibis“ in pakistanischen Gefängniszellen. Jemand aus dem Westen kann sich nur schwer vorstellen, was dieses Gesetz bedeutet. Es ist eine ständige Bedrohung: Man kann sich jederzeit darauf berufen, um eine Auseinandersetzung zu regeln.

 

„Blasphemiegesetz ist eine ständige Bedrohung”

Seitdem jedoch der Oberste Gerichtshof Asia Bibi freigesprochen hat, kann die falsche Anklage auf den Kläger zurückfallen. Das hat nach meiner Überzeugung erheblichen Einfluss darauf, wie häufig dieses Gesetz in Anspruch genommen wird.

Immer wenn ein neuer Fall verhandelt wird, nehmen jetzt auch die pakistanischen Journalisten Bezug auf Asia Bibi. So wird es schwieriger, die Menschen, auf denen der Verdacht der Blasphemie lastet, verschwinden zu lassen.

- Anne-Isabelle Tellot
Wie sehen die Christen in Pakistan den Fall Asia Bibi?
Die Christen in Pakistan sind eine winzige Minderheit, drei Millionen von mehr als 200 Millionen Menschen. Sie wissen, dass sie leicht zur Zielscheibe von Extremisten werden können.

 

Diese greifen auch Muslime an, die im Verdacht stehen, zu moderat zu sein. Die Christen können sich daher nicht offen über die Freilassung Asia Bibis freuen. Aber natürlich haben sie die Entwicklung verfolgt, und es erfüllt sie mit Hoffnung.

Bitte helfen Sie

Um die Arbeit der Kirche in Pakistan weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Pakistan

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