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Antonia Willemsen: Ein Leben für die Kirche in Not

Antonia Willemsen: Ein Leben für die Kirche in Not

Langjährige Generalsekretärin und Vorstandsvorsitzende wird 80

07.05.2020 aktuelles
„Es war nicht geplant, es war nicht vorgesehen, es ist mir passiert.“ Antonia Willemsen fasst ihren Einsatz für die bedrängte und verfolgte Kirche so zusammen, wie es auch Pater Werenfried van Straaten häufig tat.

 

Der Gründer von KIRCHE IN NOT war ihr Förderer und Motivator, sie seine rechte Hand, Vertraute und Mitkämpferin über fast ein halbes Jahrhundert. Für Willemsen war Pater Werenfried auch Nennonkel; eigentlich war er ein Cousin ihrer Mutter,

Antonia Willemsen (zweite v. l.) bei einer Feier der Ordensgemeinschaft „Töchter der Auferstehung“ in der Demokratischen Republik Kongo. Der Orden wurde von Pater Werenfried mitgegründet.
Geboren wurde Willemsen am 11. Mai 1940 in Eindhoven – einen Tag nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande. Ein wuchtiges Vorzeichen für ihre spätere Lebensaufgabe in einem Werk, das sich in seiner Entstehungsphase der Aussöhnung mit den Feinden von einst widmen sollte.

 

Pater Werenfried trat zu Weihnachten 1947 mit einem Artikel in der Hauszeitschrift seiner Prämonstratenser-Abtei Tongerlo/Belgien eine Lawine der Hilfsbereitschaft für die heimatvertriebenen Deutschen los – die junge Antonia war von Anfang an in ihrem Sog.

Wolgograd im Oktober 2004: Antonia Willemsen bei der Einweihung eines orthodoxen Kapellenschiffs, das nach Pater Werenfried benannt ist.
Nicht nur die Besuche des „großen, weißgekleideten Ordensmannes“ bei der Familie beeindruckten sie, sondern auch die Tatkraft ihres Verwandten, der eines Tages mit einem mächtigen Kapellenwagen zur Seelsorge an den Heimatvertriebenen vorgefahren kam.

 

Südamerika war ihre besondere Passion

1960 trat Willemsen selbst ihren Dienst bei der „Ostpriesterhilfe“ an, so der damalige Name des Hilfswerks. Es war mittlerweile nach Rom übergesiedelt und begann seine Hilfe für bedrängte Christen in anderen Erdteilen auszuweiten. Südamerika wurde eines ihrer ersten Aufgabenfelder – und eine Passion ein Leben lang.

Antonia Willemsen ist 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.
„Freiheit war mir immer wichtig“: Nach zehn Jahren ging Willemsen zurück in die Heimat, eine neu Aufgabe lockte. Doch der Sog von KIRCHE IN NOT war stärker.

 

30 Jahre Generalsekretärin von KIRCHE IN NOT

Als eine Stelle als rechte Hand Pater Werenfrieds nicht besetzt werden konnte, kam sie 1972 zurück, „zähneknirschend“, aber eine Berufung spürend, die sich auf Ehe und Familie verzichten ließ – „obwohl es viele Angebote gab“, wie sie wissen ließ.

30 Jahre diente sie KIRCHE IN NOT als Generalsekretärin, knüpfte Kontakte, wo die Kirche zum Schweigen verdammt worden war und erschloss Hilfsmöglichkeiten, wo Diktaturen und Kriege Wege verschlossen. Und wenn es nötig war, betätigte sie sich auch als Schwimmlehrerin für junge Ordensfrauen am Bukavu-See im Kongo.

Antonia Willemsen und ihr Nennonkel Pater Werenfried van Straaten im Januar 2000.
Neben dieser Hilfsarbeit waren auch Willemsens Managerqualitäten gefragt: Sie organisierte den personellen Ausbaus des Werks ebenso wie den Umzug der Zentrale nach Königstein im Taunus und den Aufbau der ersten Nationalbüros von KIRCHE IN NOT, von denen es heute weltweit 23 gibt.

 

Entwicklung reger Medienarbeit

Da sich selbst die härtesten Diktaturen schwertun, gegen Radio- und Fernsehwellen vorzugehen, entwickelte KIRCHE IN NOT unter Federführung von Antonia Willemsen eine rege Medienarbeit.

Lange war sie Vorsitzende des „Catholic Radio und Television Network“ (CRTN), das bis heute Zeugnisse der bedrängten Kirche und Hilfen zum geistlichen Leben weltweit zugänglich macht.

Von 2006 bis 2014 war Antonia Willemsen (rechts) Vorstandsvorsitzende von KIRCHE IN NOT Deutschland. Karin Maria Fenbert, die damalige Geschäftsführerin von KIRCHE IN NOT Deutschland, bedankt sich bei ihr für ihren jahrenlangen Einsatz.
Nach der politischen Wende in Osteuropa wurde aus der diskreten Hilfe für die Kirche hinter dem Eisernen Vorhang eine mühsame, aber erfolgreiche Aufbauarbeit.

 

Hinzukam die Aussöhnung mit der russisch-orthodoxen Kirche, auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Johannes Paul II. – und gegen viele Widerstände, von innerhalb wie außerhalb des Werks. Willemsen packte auch diese Aufgabe mutig und entschlossen an.

- Antonia Willemsen
Im neu errichteten griechisch-katholischen Priesterseminar von Lemberg/Ukraine, einem der größten Hilfsprojekte von KIRCHE IN NOT, gibt es eine regelrechte „Willemsen“-Galerie. Fotos, die sie bei Besuchen, Eröffnungen oder Einweihungen zeigen.
Im Jahr 2013 wäre Pater Werenfried van Straaten 100 Jahre alt geworden. Bei einer Veranstaltung im Kloster Helfta (Sachsen-Anhalt) im Juli 2013 erzählte Antonia Willemsen über ihr Verhältnis zu Pater Werenfried.
Der Dank der Projektpartner, unzähliger Bischöfe, Priester und Ordensleute ist bis heute lebendig – weit über Osteuropa hinaus. Weltliche wie kirchliche Auszeichnungen zeugen davon.

- Antonia Willemsen
2005, zwei Jahre nach dem Tod Pater Werenfrieds, ging Antonia Willemsens Zeit als Generalsekretärin zu Ende, nicht jedoch ihr Einsatz für das Werk: Von 2006 bis 2014 war sie ehrenamtliche Vorsitzende von KIRCHE IN NOT Deutschland.

 

Der Bau eines Fernsehstudios für die Evangelisierungsarbeit fiel ebenso in diese Amtszeit wie auch die historische Begegnung zwischen Kurt Kardinal Koch und dem russisch-orthodoxen Metropoliten Hilarion Alfejew beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ 2011, der von KIRCHE IN NOT Deutschland veranstaltet wurde.

Besondere Begegnung auf dem Internationalen Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ 2011 in Würzburg: Antonia Willemsen mit Kurt Kardinal Koch und dem russisch-orthodoxen Vertreter, Metropolit Hilarion Alfejew.
Im Ruhestand in die alte Heimat Eindhoven zurückgekehrt, gehört ein Termin fest zu ihrem Jahreslauf: Das Jahresgedächtnis an Pater Werenfried van Straaten in Köln, dem „großen, weißgekleideten Mann“, der ihr Leben und Arbeiten geprägt hat.

 

Ruhestand in ihrer alten Heimat

„Wir müssen den Leuten helfen, wo es um mehr geht als um Entwicklungshilfe“: Dieses Credo lebt in Willemsens Lebenswerk KIRCHE IN NOT weiter.

Die heute Päpstliche Stiftung hat sich der nach wie vor der pastoralen Hilfe verschrieben, dem „Hunger der Seele“, der heute so brennend ist wie in den Anfangsjahren. Dabei gilt, was die Jubilarin so auf den Punkt bringt: „Die Kirche darf keine Insel sein. Sie muss strahlen.“

Danke, Antonia Willemsen!

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