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Gedanken zum Weihnachtsfest von Pater Werenfried van Straaten

Gedanken zum Weihnachtsfest von Pater Werenfried van Straaten

„Lasst uns die Liebe üben!”

21.12.2018 aktuelles
Liebe Freunde!
Es sind jetzt ungefähr die Tage, in denen Kaiser Augustus beschließt, die Volkszählung durchzuführen. Immer häufiger stehen der Ochs und der Esel sinnend an der Tränke. Das Stroh knistert ungeduldig. Die Hirten schnitzen ihre Flöten zurecht, und im Himmel üben die Chöre der Engel das „Gloria in excelsis deo“. Der Wirt in Bethlehem macht sein Herz noch härter als es schon war, und der Centurio des Herodes grinst blutrünstig, wenn er, ein Auge zugekniffen, der Schneide des Schwertes entlangguckt, das bald den Kindermord vollziehen soll …

Wie steht es aber um euch? Wisst ihr eigentlich, wie oft Weihnachten euch noch geschenkt wird als Gelegenheit, um mit Tränen der Reue alles abzuwaschen, was von der Welt und ihrem Schmutz an euch kleben blieb? Um die Krippe eures Herzens unbarmherzig sauber zu schrubben, so dass das gute alte Holz wieder sichtbar wird, aus dem Vater und Mutter und die Kirche euch zurechtzimmerten?
Krippe in der syrisch-katholischen Kirche in Aleppo (Syrien).
Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche in Bethlehem.
Befällt uns nie der heiligende Zweifel?

Das Licht wächst an. Die Propheten stehen, den Oberkörper gestreckt, die Arme weit geöffnet, und unaufhörlich steigt das „Rorate Coeli“ flehend zum Himmel, der verschlossen und dunkel über unseren Häuptern hängt. Gleich wird das Gewölk aufbrechen. Wie Honig wird die Süße heruntertropfen. Der Tau wird glitzern, und in dem neuen Licht wird der Erlöser herabsteigen. Sind wir dessen nicht allzu sicher? Befällt uns nie der heiligende Zweifel, dass Gott dieses Mal hinter der Finsternis verborgen bleiben könnte?
Stehen wir auch in unserem Herzen gestreckt? Flehen wir wirklich um Erbarmen, flach auf der Erde liegend, in der Finsternis, im Dunkel, das nur durch Gottes Licht erleuchtet werden kann?
Im Kirchenjahr ist alles so dicht zusammengedrängt. In wenigen Monaten, in der zerstiebenden Zeit von Weihnachten bis Ostern, gedenken wir der 33-jährigen größten Weltrevolution aller Zeiten, dieser wesentlichen Änderung unseres Geschickes durch den Werdegang des lieblichen Kindes von Bethlehem zum schrecklichen Zeichen des Widerspruches.

„Menschen interessieren sich mehr für ein Fußballspiel”

Millionen interessieren sich für diese alles bestimmende Verwandlung weniger als für ein Fußballspiel im Fernsehen … Und doch kommt auch für sie einmal der Herr, kommt der Tag, an dem der Menschensohn sie richten wird …
Darum ist das rührende „Stille Nacht“ durch seine Einseitigkeit ein wenig unzutreffend. Denn die allererste Weihnacht war die dramatischste Nacht der Weltgeschichte.
In dieser Nacht erschütterte Gottes Sturmbock die Burg der Bosheit so heftig, dass der Urfeind sofort seine ganze Streitmacht mobilisierte und mit unbekannter Erbitterung den Kampf gegen das Kind aufnahm.

Darstellung der Heiligen Familie auf einem Gemälde in Katar.
Pater Werenfried van Straaten an seinem Schreibtisch.
„Dramatischste Nacht der Weltgeschichte”

Es ist nicht gut, diesen kämpferischen Charakter der Heiligen Nacht zu vertuschen und wegen der Festfreude den Abgrund zwischen Christus und Herodes zu überbrücken. Deswegen beginnt die Christmette mit der grandiosen Beschreibung des Kampfes zwischen dem Messias und den Mächten der Finsternis.
So heißt es in Psalm 2: „Warum toben die Heiden? Was schmieden die Völker nichtige Pläne? … Der im Himmel wohnt, er lacht, ihrer spottet der Herr. Einmal aber spricht er zu ihnen im Zorn, schrecklich herrscht er in seinem Grimm sie an: Ich selber habe meinen König bestellt.“
Und Christus selbst kündigt den Ratschluss Jahwes: „Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du … Verlange von mir, und ich will zum Erbe dir geben die Völker … Du magst sie zerbrechen mit eisernem Zepter, wie irdene Krüge zerschlagen.“
Dieser gewaltige Christus, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, ist der Erlöser, auf den auch jetzt noch unzählige Opfer der Gewalt und des Unrechtes warten. Mit Nachdruck verkündet die Kirche am Vorabend des Festes die gute Nachricht: „Morgen wird das Unrecht von der Erde weggefegt.“

„Er kommt, wenn wir bereit sind, ihn aufzunehmen”

Wird Christus wirklich kommen? Ja, er kommt mit seiner Gnade, um stärker in uns zu leben. Er kommt, wenn wir bereit sind, ihn aufzunehmen und mit seiner Gnade mitzuwirken. Dann, aber nur dann, werden wir die Türe sein, durch die er in die Welt eintritt. Nur dann können wir ihm die Gestalt leihen, in der er selbst sichtbar wird.
Im Advent hören wir auch das Wort des heiligen Paulus (Phil 4,4): „Freut euch im Herrn allezeit. Noch einmal will ich es sagen: Freut euch! Euer gütiges Wesen sollen alle Menschen erfahren, der Herr ist nahe. Und der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus behüten.“

Freut euch im Herrn allezeit

Wie oft hat der Verfasser dieses Briefes dagegen gesündigt! Wie oft saß er in der Finsternis, und wie oft hat er dadurch vielleicht Menschen ins Dunkle starren lassen, wo die höllischen Gestalten der Angst und Mutlosigkeit aufsteigen. Verzeiht ihm.
Heute will er sich mit euch an den Worten „freut euch!“ satt sehen und satt trinken. Heute will er nur daran denken, dass es nur eine kurze Zeitspanne dauert, einen Augenblick, und dass der Herr bald kommt.

Der Herr, der seinen Frieden mit sich bringt, einen Frieden, der uns im lobenswerten Namen Jesu Christi bewahren wird.
So lasst uns die Augen schließen vor den Dingen, die groß scheinen und klein sind, vor den Dingen, die ausschlaggebend scheinen, aber wie Spreu im Wind vergehen. Und lasst uns die Liebe üben wie die Millionen Wohltäter, die ein halbes Jahrhundert lang der Kirche in Not geholfen haben. Und lasst uns bereit sein, die kleinen, die großen und die sehr großen Opfer zu bringen, ohne die unser Werk nicht überleben kann – um tief gebeugt das Heil Gottes zu erwarten, dass bald über unser sündiges Haupt regnen wird.

Krippe in Armenien.

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