Ein Leben für die Armen

Zum 100. Geburtstag des Speckpaters am 17. Januar

Pater Werenfried van Straaten mit Ferkel auf dem Arm

Der „Speckpater” mit einem Ferkel.

Pater Werenfried van Straaten lebte mit Gott. Die heilige Messe, das Gebet, seine Treue zum Papst, seine Arbeit, seine Briefe, seine Predigten, seine Reisen, seine Begegnungen mit Politikern und Bankern – alles, was er tat, galt diesem großen Anliegen: Seelen retten, Menschen zum Vater führen, das Reich der Liebe ausweiten bis in die letzten Winkel der Erde. Nur so kann Frieden sein.

Werenfried – Kämpfer für den Frieden: Sein Name war Programm. Er kämpfte gern und immer, gegen Widerstände, gegen Krankheit und Müdigkeit, gegen sich selbst.

Seinen Wohltätern – nie hat man ihn von Spendern reden hören – bekannte er: „Gott hat mir eine schwere Aufgabe gegeben und dabei vor meinen Schwächen und Sünden die Augen zugedrückt. Öfters hat Er mich vor unüberwindliche Schwierigkeiten gestellt und sie dann selbst gelöst. Er hat mir ein maßloses Vertrauen ins Herz gelegt, und Er hat es niemals enttäuscht. Er hat mir viel genommen und noch mehr gegeben, und jedesmal, wenn ich unklug oder aufsässig, wehrlos oder machtlos war, hat Er bewiesen, dass Er selbst unser Werk leitet.”

Pater Werenfried in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo).

Pater Werenfried reist 1965 nach Zaire (heute Demokratische Republik Kongo).

So dachte Werenfried, so liebte er, so half er zahllosen Brüdern und Schwestern der verfolgten Kirche. Vier Jahre vor seinem Tod, gezeichnet von den Folgen eines Schlaganfalls und eines Herzinfarkts, wandte er sich seinen Wohltätern zu wie ein Heerführer, der in die letzte Schlacht zieht, oft geschlagen, aber ungebrochen.

Es waren Worte, die nicht nur wie ein Tagesbefehl klangen; es war eine Devise für die Ewigkeit: „Vor dreiundsechzig Jahren habe ich das Gelübde der Armut abgelegt und das Wenige, das ich hatte, den Armen geschenkt. Ich behielt nur meine Stimme, die überall um Hilfe gerufen hat, und die Feder, mit der ich Bettelbriefe schreibe. Ich habe nichts auf die hohe Kante gelegt für unerwartete Nöte. Ich habe kein anderes Kapital als Eure guten Herzen. Herzen von Heiligen und Herzen von Sündern. Für alle gilt das Gesetz der Liebe. Nach diesem Gesetz dürft Ihr Euer Herz nicht vor Euren Brüdern in Not verschließen!”

Pater Werenfried sammelt Spenden mit seinem berühmten Millionenhut.

Pater Werenfried sammelt Spenden mit seinem berühmten Millionenhut.

Viele Antworten auf solche Appelle auf dem „Schlachtfeld der Liebe” waren heldenhaft. Aus Frankreich schrieb ihm eine Wohltäterin: „Von ganzem Herzen schicke ich Ihnen meine Gabe. Es ist nicht viel, aber mehr kann ich nicht tun. Meine Tochter hat fünf Kinder, und der Mann hat sie verlassen, mein Sohn lebt von Sozialhilfe, eine andere Tochter hat eine Behinderung, beim zweiten Sohn leidet die Frau seit Monaten an Depressionen, und ich selbst bin seit 36 Jahren verwitwet. Gott hat mir immer geholfen, deshalb will ich auch helfen, selbst wenn es nur wenig ist. Beten Sie für mich.”

Pater Werenfried predigt

Pater Werenfried van Straaten bei einer Predigt.

Die Verlassenen, die Kranken, die Notleidenden, die Kleinen und Demütigen – das war die Armee des Pater Werenfried van Straaten. Das ist die Armee der Wohltäter auch heute, eine Armee der Liebe.

Natürlich hat sie auch andere, weniger Notleidende in ihren Reihen. Was zählt, ist die Bereitschaft zu helfen und zu kämpfen in den Reihen dieser virtuellen Armee. Ihre Waffen sind die Liebe für die Armen und der Sinn für Gerechtigkeit, Waffen, die nie stumpf werden und die umso mehr Kraft spenden, je mehr man sie gebraucht.

Als Werenfried noch in der Abtei von Tongerlo Theologie studierte, meinte nach einem dürftigen Examen der Professor, dass Werenfried beim nächsten Mal erheblich mehr Punkte haben müsste. Wieviel, wollte Werenfried wissen. „Zwanzig von zwanzig möglichen”, antwortete der Professor. Bei der nächsten Prüfung hatte Werenfried zwanzig Punkte und unter die Arbeit den Satz geschrieben: „Zehn genügen mir, der Rest ist für die Armen” — so hielt er es, ein Leben lang.

17.Jan 2013 08:35 · aktualisiert: 22.Jan 2013 15:30
KIN / S. Stein