Bourbonengräber in Slowenien

Wallfahrtskirche und Kloster Kostanjevica nahe der Stadt Nova Gorica

Der Hauptaltar im Kloster Kostanjevica/Slowenien: Die Gottesmutter mit dem Jesuskind.

Der Hauptaltar im Kloster Kostanjevica/Slowenien: Die Gottesmutter mit dem Jesuskind.

Seit 1947 ist die alte, bis 1919 österreichische Stadt Görz geteilt: Auf der italienischen Seite liegt die Stadt Gorizia und auf slowenischer Seite das slowenische Nova Gorica (Neu-Görz).

Über der Stadt steht auf einem 143 Meter hohen Hügel das Franziskanerkloster Kostanjevica mit einem prachtvollen Ausblick auf die Altstadt und Burg Görz und den Berg Sabotin sowie die Marien-Wallfahrtskirche auf dem Monte Santo.

Aber auch Kostanjevica ist ein Marienwallfahrtsort mit einem Gnadenbild auf dem Hauptaltar und einem Fresko von Leonardo Rigo, das ebenfalls die Gottesmutter von Kostanjevica darstellt. Ein Deckenbild auf dem Kirchenschiff zeigt die Krönung Mariens, gemalt vom furlanischen Maler Giovanni Moro.

Die erste Kirche entstand 1623, als Graf Heinrich Matthias von Thurn (1567-1640) eine Kapelle baute, in der er das Gnadenbild übertrug und den Karmeliten daneben ein Kloster schenkte. Kaiser Joseph II. vertrieb 1781 die Karmeliten.

Blick auf die italienische Stadt Gorizia.

Blick auf die italienische Stadt Gorizia.

Im Jahre 1811 wurden Kirche und Kloster den Franziskanern übergeben, die noch heute Kostanjevica betreuen. Wie der nahe gelegene Monte Santo, der Heilige Berg bei Görz, wurde im Ersten Weltkrieg auch die Kirche in Kostanjevica zerstört, aber zwischen 1924 und 1929 wieder aufgebaut, als das Gebiet zu Italien gehörte.

Heute ist das Kloster ein anerkanntes slowenisches Kulturdenkmal, und zwar als geistiges Zentrum der Kirche und als kultureller Schatz wegen seiner berühmten Klosterbibliothek. Dieser Bücherschatz ist benannt nach Pater Stanislav Škrabec (1844-1918), der als größter slowenischer Linguist des 19. Jahrhunderts gilt und insgesamt 42 Jahre dort lebte.

Krypta mit bedeutenden Sarkophagen

Das Kloster war von 1950 bis 1964 auch Sitz des Apostolischen Administrators für den jugoslawischen Teil der seit 1947 geteilten Diözese Triest. Dann wurde der Sitz nach Koper in Istrien verlegt. Erst 1977 erhob der Vatikan nach dem Vertrag von Osimo die Apostolische Administratur zur Diözese Koper, die zur slowenischen Kirchenprovinz Laibach (Ljubljana) gehört.

Kostanjevica ist aber auch von europäischer Bedeutung, denn in der Krypta der Wallfahrtskirche ruhen die letzten Mitglieder der französischen Königsfamilie der Bourbonen. Sie wurden durch die Juli-Revolution 1830 aus Frankreich vertrieben, gingen zuerst nach Schottland und später nach Prag.

Der Sarkophag von König Karl X., König von Frankreich und Navarra (1757-1836).

Der Sarkophag von König Karl X., König von Frankreich und Navarra (1757-1836).

Als Gäste des Grafen Coronini kamen sie nach Görz, wo der König auch starb und als Begräbnisort die Kirche von Kostanjevica wählte. Ex-König Karl X. starb 1836 im Palazzo der Grafen Coronini in Görz an der Cholera. Durch sein Grab und die Gräber seiner Angehörigen wurde der Ort zum „Kleinen St. Denis“.

Der älteste Sohn Karls X., Ludwig XIX., war Herzog von Angoulême und starb ebenfalls in Görz im Palast des Grafen Strassoldo. Die Weiterführung des Könignamens Ludwig geht zurück auf den 1793 mit der Guillotine hingerichtete König Ludwig XVI., dessen Sohn einem Handwerker übergeben wurde und an einem unbekannten Ort starb. Er wurde nach der Hinrichtung von den Anhängern des Königtums als König Ludwig XVII. anerkannt.

Bezug zur Französischen Revolution

Als nach dem Ende der Herrschaft Napoleons das Königtum in Frankreich wiederhergestellt wurde, nahm der König daher den Namen Ludwig XVIII. an, um den verschollenen Prinzen zu ehren. Ähnlich nannte sich der Neffe Napoleons Napoleon III., obwohl der Sohn Napoleons nie Kaiser war.

Ludwig XIX. wurde 1824 König. In der Krypta von Kostanjevica finden wir auch den Sarg der Gemahlin Ludwigs XIX., Maria Theresia Charlotte, die eine Tochter Ludwig XVI. und dessen Gemahlin Marie Antoinette war, der Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Die 1778 geborene Maria Theresia Charlotte hatte als Einzige der Königsfamilie die Französische Revolution überlebt.

Das Kloster Kostanjevica.

Das Kloster Kostanjevica.

Heinrich, der Enkel von Karl X., war der letzte Vertreter der französischen Linie der Bourbonen, als König wäre er Heinrich V. gewesen. Er starb 1883 als Graf von Chambord.

Seine Gemahlin war die Erzherzogin von Österreich-Este Maria Theresia Beatrice Gaetana, deren Verdienst es war, dass alle Bourbonen, die ins Exil gingen, in derselben Gruft ruhen. In der Krypta ruht auch die Schwester von Heinrich V., die nach dem gewaltsamen Tode ihres Gatten Karl III. von Parma als Regentin für ihren minderjährigen Sohn regierte.

Seit dem EU-Beitritt Sloweniens im Januar 2004 spürt man nicht mehr, dass Görz geteilt ist. Wie vor dem Ersten Weltkrieg sind die Grenzen gefallen. So sind die Bourbonengräber und die Wallfahrtskirche Kostanjevica leicht erreichbar und immer einen Besuch wert, so wie auch der nahe gelegene Heilige Berg, der italienisch als Monte Santo und slowenisch als Sveta gora bekannt ist.

Prof. Rudolf Grulich 

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

30.Jun 2015 08:33 · aktualisiert: 9.Apr 2018 11:29
KIN / S. Stein