Friaul und seine Heiligen

Historiker Rudolf Grulich über die Verehrung von Patronen in Norditalien

Kirchenfenster mit dem heiligen Hermagoras n der Pfarrkirche von Tarvisio.

Kirchenfenster mit dem heiligen Hermagoras n der Pfarrkirche von Tarvisio.

Seit der Reformation tut sich Deutschland schwer mit seinen Heiligen, denn die konfessionelle Teilung verhindert deutsche Nationalheilige des ganzen Volkes.

Ganz anders ist das in Italien, wo die Heiligenverehrung lebendig ist, wie zum Beispiel gleich hinter der österreichisch-italienischen Grenze in Tarvisio. Die Fenster der Pfarrkirche zeigen, dass die Heiligen nicht nur verehrt werden, sondern auch die Völker verbinden.

Es gibt in der Kirche vier bunte Fenster mit Aufschriften in Latein, Deutsch, Slowenisch und Furlanisch und jeweils zwei Heilige. Dem lateinischen „Laudate Dominum” sind die heiligen Fortunatus und Hermagoras zugeordnet, dem deutschen „Preiset den Herrn” der heilige Bischof Otto von Bamberg und Kaiser Heinrich II. Das Fenster mit der slowenischen Inschrift „Hvalite Gospoda” zeigt die Slawenapostel Cyrill und Method.

Das vierte Fenster ist Furlanisch beschriftet. Dort steht „Laudait signôr”. Das Furlanische ist eine mit dem Rätoromanischen der Schweiz und dem Ladinischen in Südtirol verwandten alpenromanischen Sprache. Seit 1999 ist sie in der Region Friaul-Julisch Venetien anerkannt und wird auch gefördert. Auf diesem Fenster sind als Heilige der Patriarch Paulinus und Karl der Große dargestellt.

Die Pfarrkirche in Tarvisio.

Die Pfarrkirche in Tarvisio.

Auf anderen Fenstern stehen die Abkürzungen P. A. 898-1782 und D. B. 1007-1759. Das bedeutet Patriarchatus Aquilejensis und Dominium Bambergensis. Tarvisio gehörte von 898 bis zur Aufhebung des Patriarchats kirchlich zu Aquileja, war aber von 1007 bis 1759 im Besitz der Bischöfe von Bamberg.

Als König Heinrich II. im Jahre 1007 das Bistum Bamberg gründete, stattete er es mit viel Besitz aus, der ihm oder seiner Frau Kunigunde gehörte, darunter war auch Tarvisio. 1014 wurde der deutsche König Heinrich in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt. Er wird ebenso wie der Pommernapostel Bischof Otto von Bamberg als Heiliger verehrt.

Der heilige Fortunatus von Aquileja war ein Diakon, der zusammen mit dem heiligen Hermagoras um 304 den Märtyrertod erlitt. Die Reliquien gelangten nach Aquileja. Der Ort Hermagor in Kärnten ist nach ihm benannt, ebenso der slowenische Hermagoras-Verein zur Förderung christlichen Schrifttums.

Fresko in der Pfarrkirche von Tarvisio.

Fresko in der Pfarrkirche von Tarvisio.

Die heiligen Slawenapostel Cyrill und Method wurden 1980 von Papst Johannes Paul II. zu Patronen Europas erhoben und werden im Osten, vor allem in der Slowakei, Tschechien, Slowenien und Kroatien verehrt. Die Verehrung Karls des Großen ist in Friaul lebendig, zudem aber auch in Prag, wo Kaiser Karl IV. zu seinen Ehren den Karlshof mit einer herrlichen Kirche bauen ließ.

Karl der Große holte den heiligen Paulinus von Aquileja nach Aachen, wo dieser als Theologe eine wichtige Rolle in der Karolingischen Renaissance spielte. Paulinus hatte seine Ausbildung in Cividale erhalten und dort später auch die Schule geleitet, ehe ihn Karl der Große an den Hof nach Aachen berief, wo er andere Gelehrte traf.

Karl machte ihn auch zum Patriarchen von Aquileja. Als solcher nahm Paulinus an der Synode in Frankfurt im Jahre 794 teil und war später als Gesandter Kaiser Karls beim Papst in Rom.

Heiliger Luigi (Aloisius) Scrosoppi, Patron der Fußballer.

Heiliger Luigi (Aloisius) Scrosoppi, Patron der Fußballer.

Das Martyrologium Romanum verzeichnet bei Aquileja einige Märtyrer aus der Zeit der Verfolgung in frühchristlicher Zeit. In Triest, dem römischen Tergeste, starb unter Kaiser Diokletian bei der letzten Verfolgung der heilige Justus.

Er ist Schutzpatron der Diözese und Stadt Triest. Es gibt aber auch in Friaul Statuen, Bilder und Altäre von neuen Heiligen, darunter auch der zwei Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

In Udine gibt es in der Kirche Maria del Carmine das Grab des heiligen Luigi (Aloisius) Scrosoppi, des Schutzpatrons der Fußballer. Der 1804 in Udine geborene und dort 1884 gestorbene Oratorianer wurde 1981 von Papst Johannes Paul II. selig- und 2001 heiliggesprochen.

Er zeichnete sich durch pastorales, karitatives und pädagogisches Wirken aus und seine Treue zur Kirche und der Bejahung von Ordnung und Recht, von Fairness und Anerkennung vernünftiger Regeln.

Deshalb ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Patron der Fußballer. Sein Bild findet sich nicht nur im sportbegeisterten Udine, sondern auch in vielen anderen Kirchen.

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

Schlagworte:
Friaul · Heilige · Italien · Rudolf Grulich · Wallfahrt
13.Jul 2015 08:55 · aktualisiert: 7.Apr 2018 15:35
KIN / S. Stein