Hoch über der Adria

Professor Rudolf Grulich über den Heiligen Berg bei Görz

Eingang der Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg bei Görz.

Eingang der Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg bei Görz.

Als der pensionierte Pfarrer Alfred Hoppe 1913 in Wien sein Buch „Des Österreichers Wallfahrtsorte“ mit über 900 Seiten im Großformat veröffentlichte, reihte er die Wallfahrtsorte nach ihrer Bedeutung.

Da damals der häufige Empfang der Kommunion trotz der Bemühungen von Papst Pius X. noch selten war, beurteilte Hoppe die Pilgerorte nach der Zahl der jährlichen Kommunikanten.

In seinem Werk stellte er auch drei Heilige Berge vor und gab dem Heiligen Berg von Görz den ersten Platz vor dem Heiligen Berg von Olmütz in Mähren und vor dem Heiligen Berg bei Pribram in Böhmen. Damals gehörte Görz als Hauptstadt des Kronlandes Küstenland noch zu Österreich.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es ein Teil des Königreiches Italien und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görz geteilt. Die eigentliche Stadt blieb als Gorizia bei Italien, Neu-Görz kam als Nova Gorica zu Jugoslawien, auch der Monte Sante, der heute als Sveta gora slowenisch ausgeschildert ist.

Gnadenbild in der Kirche auf dem Heiligen Berg.

Gnadenbild in der Kirche auf dem Heiligen Berg.

1915 war Italien gegen das eigentlich mit ihm im Dreibund verbündete Österreich-Ungarn in den Krieg eingetreten. Ein blutiger Stellungskrieg mit zwölf Isonzo-Schlachten kostete Hunderttausende das Leben, hinterließ Ruinen und Zerstörung und machte auch die Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg dem Erdboden gleich.

Sie verdankte ihre Entstehung einer Erscheinung Mariens an die junge Hirtin Ursula im Jahre 1539. Pfarrer Hoppe beschreibt noch das Aussehen des alten Gotteshauses, das an der Stelle der Ursprungskapelle in nur fünf Jahren errichtet wurde und vom Generalvikar des Patriarchen in Aquileja die Weihe erhielt. 1717 wurde das Gnadenbild gekrönt, was einen alten Juden aus Görz, Moses Montefiore, bewog, sich taufen zu lassen.

Marienerscheinung im Jahr 1539

Kroatische Franziskaner aus Dalmatien betreuten die Wallfahrer, bis im Zuge der Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. auch die Wallfahrt zum Heiligen Berg unterbunden wurde, ja die Kirche sogar abgetragen werden sollte. Doch als der Kaiser 1790 starb, bestürmte das gläubige Volk seinen Nachfolger Leopold II. mit einem Majestätsgesuch, das am 15. Februar 1793 positiv beantwortet wurde, als der neue Kaiser Franz II. bereits dem 1792 verstorbenen Kaiser Leopold nachgefolgt war.

Die Kirche wurde wiederhergestellt und mehr als 50 000 Menschen waren auf dem 682 Meter über der Adria liegenden Berg bei der feierlichen Einweihung dabei. Unter der großen Marienstatue am Hauptportal wurden damals die Worte aus der Vulgata (Dtn 10,10) eingemeißelt: Ego autem steti in monte sicut prius. Der erste slowenische Kardinal, Erzbischof Jakob Missia (von 1898 bis 1902 Erzbischof von Görz) wollte auf dem Heiligen Berg begraben sein.

Blick vom Kloster Kostanjevica in Slowenien auf die italienische Stadt Gorizia.

Blick vom Kloster Kostanjevica in Slowenien auf die italienische Stadt Gorizia.

Pfarrer Hoppe weist in seinem Werk auf „Nächste Jubiläumsjahre“ hin. Er zählt auf:  für das Jahr 1917 das 200-jährige Jubiläum der Krönung, für 1939 das 400-jährige Jubiläum der Entstehung, für 1943 das 150-jährige Jubiläum der Wiederherstellung des Wallfahrtsortes und für 1944 das 400-jährige Jubiläum der Konsekration der ersten Kirche.

Er konnte nicht ahnen, dass nach dem Erscheinen seines Buches der Große Krieg ausbrechen würde, dem heute zum 100. Jahrestag Ausstellungen in Italien und Slowenien gewidmet sind, und dass seit 1941 auch der Zweite Weltkrieg Friaul, Julisch-Venetien und das Küstenland erfassen sollte. Hoppe spricht von 100 000 Pilgern im Jahr. Er erlebte damals noch 16 „stabile Devotionalienhändler“ und stellte fest: Die Frequenz des Wallfahrtsortes ist steigend. Es kam aber alles ganz anders!

Wallfahrtsmuseum zeigt Geschichte des Heiligen Berges

Die zehnte Isonzo-Schlacht tobte am Monte Santo und zerstörte das Heiligtum total. Bilder im Wallfahrtsmuseum geben einen Eindruck vom Ausmaß der damaligen Zerstörung. Vom 12. Mai bis 5. Juni dauerte die Schlacht, eine von zwölf Isonzo-Schlachten.

Die Soldaten des Kaisers – es war bereits der im Jahre 2004 seliggesprochene Karl I. – standen mit 210 Bataillonen und 1400 Geschützen einer mehr als doppelten Übermacht der Italiener mit 430 Bataillonen und 3800 Geschützen gegenüber. Ziel der Italiener war ein Durchbruch nach Triest.

Votivtafeln auf dem Heiligen Berg bei Görz.

Votivtafeln auf dem Heiligen Berg bei Görz.

Nach einem dreitägigen Trommelfeuer von Tolmein bis zur Adria erfolgte der Hauptangriff, der aber von den Österreichern zurückgeschlagen wurde. Der umkämpfte Monte Santo jedoch war mit seinen Ruinen in italienischer Hand.

Erst 1924 bis 1928 wurde der Wallfahrtsort nach Plänen des Görzer Architekten Silvano Barrida wieder aufgebaut, der auch die Pläne für die neue Kirche auf der Insel Barbana erstellte. Heute ist der Heilige Berg neben den Wallfahrtskirchen Brezje und Maria Neustift (Ptujska Gora) einer der drei größten Pilgerorte Sloweniens und wird von Slowenen und Italienern besucht. Auch die zahlreichen Votivbilder sind in italienischer und slowenischer Sprache.

Andachtsbilder und alte Postkarten im Wallfahrtsmuseum zeigen, dass früher auch deutschsprachige Pilger zum Heiligen Berg kamen, wie deutsche Postkarten mit „Grüßen vom Heiligen Berg bei Görz“ anschaulich belegen.

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

KIN / S. Stein