Ein wiedererstandener Wallfahrtsort

Die Geschichte der Maria-Hilf-Kirche bei Zuckmantel (Zlaté Hory)

Maria-Hilf-Kirche in Zuckmantel.

Maria-Hilf-Kirche in Zuckmantel.

Bis 1928 gab es in der Ersten Tschechoslowakischen Republik neben Böhmen und Mähren auch das Land Schlesien mit der Hauptstadt Troppau.

Es war der Teil Schlesiens, der nach den Kriegen des preußischen Königs Friedrich II. gegen Maria Theresia bei Österreich verblieben war und meist Österreichisch-Schlesien oder Sudetenschlesien genannt wird.

Teile dieses Gebietes gehörten kirchenrechtlich bis 1978 zum Erzbistum Breslau, wurden dann an die Erzdiözese Olmütz angegliedert und kamen 1996 zu der neu errichteten Diözese Ostrau-Troppau

Die Marienkirchen auf dem Burgberg bei Jägerndorf und in Friedeck wurden von Deutschen und Tschechen besucht, auch Maria Hilf bei Zuckmantel (Zlaté Hory), wo eine Kopie der Passauer Madonna von Lucas Cranach verehrt wurde. Alte Ansichtskarten und Andachtsbildchen sowie Wallfahrtslieder und eine eigene Litanei bezeugen die besondere Bedeutung. Zuckmantel liegt im Osten der Tschechischen Republik, direkt an der Grenze zu Polen.

Gottesdienst in der Maria-Hilf-Kirche in Zuckmantel mit Teilnehmern der gemeinsamen Wallfahrt von Kirche in Not und dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien.

Gottesdienst in der Maria-Hilf-Kirche in Zuckmantel mit Teilnehmern der gemeinsamen Wallfahrt von Kirche in Not und dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien.

Die Geschichte der Maria-Hilf-Wallfahrtstätte in Zuckmantel geht zurück auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als 1647 die Einwohner vor den einfallenden schwedischen Heeren in die umliegenden Wälder flohen.

Unter ihnen befand sich die schwangere Anna Thannheiser. In ihrer Verzweiflung bat sie Gott um Hilfe und die Jungfrau Maria um Fürbitte. Sie wurde erhört, gebar einen Sohn, nannte ihn Martin und gelobte, ein Bild der Muttergottes malen zu lassen.

Erfüllung eines Gelübdes

Dieses Gelübde konnte jedoch erst ihre Enkelin erfüllen. Sie gab das Marienbildnis in Auftrag. Es war angelehnt an die Passauer Madonna von Lucas Cranach d. Ä. und wurde 1718 an einer Tanne genau am Geburtsort ihres Vaters Martin Thannheiser angebracht. Als im darauffolgenden Jahr der Schneider Samuel Richter von einer sonderbaren Lichterscheinung berichtete, mit der das Bildnis bei seinem Besuch umgeben gewesen sei, errichtete man für das Gnadenbild eine Kapelle.

Marienbildnis in Zuckmantel.

Marienbildnis in Zuckmantel.

Der Ort wurde jetzt zu einem Ziel vieler Pilger. In den ersten zehn Jahren berichten Quellen allein von fünf wundersamen Heilungen, die sich ereignet haben sollen.

1729 wurde das Bildnis in einer feierlichen Prozession von der Wallfahrtskirche in die Pfarrkirche von Zuckmantel überführt; der Gnadenort erhielt später ein ähnliches Bildnis. Eine weitere Belebung erfuhr der Wallfahrtsort, als sich 1830 der Erzpriester Philipp Dittrich in Zuckmantel niederließ.

Die noch zunehmenden Pilgerströme brachten ihn auf den Gedanken, anstelle des hölzernen Kirchleins eine steinerne Kirche zu bauen. Sie wurde 1841 eingeweiht und später mit einem Kalvarienberg, der „Heiligen Stiege“ und einer Kapellengruppe ergänzt.

Die Anziehungskraft des Gnadenorts strahlte jetzt auch auf die polnischen und tschechischen Gläubigen der Region aus. Bis zum Zweiten Weltkrieg kamen jährlich bis zu 100 000 Wallfahrer nach Maria Hilf.

Den Krieg überstand die Wallfahrtskirche unbeschadet. Schwerer wog der Verlust der deutschen Gläubigen, die nach 1945 aus ihrer schlesischen Heimat vertrieben wurden. Mit Beginn der kommunistischen Ära in der Tschechoslowakischen Republik 1948 begann die Zeit der Kirchenverfolgung. Im Jahr 1954 wurden Wallfahrten verboten. Ein Dekret der kommunistischen Machthaber untersagte Gottesdienste in der Wallfahrtsstätte.

Blick auf die Maria-Hilf-Kirche in Zuckmantel.

Blick auf die Maria-Hilf-Kirche in Zuckmantel.

Das Areal verfiel und wurde am 24. November 1973 sogar gesprengt. Weil sich die Sprengleute aus einem nahen Bergbau sich weigerten, dies zu tun, mussten die Kommunisten dafür Fachleute aus Brünn holen.

Über viele Jahre lagen die Trümmer herum, Teile der Kirche wurden vom Unkraut überwuchert. Bereits bald nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft wurde am 22. April 1990 der Grundstein für eine neue Kirche für Zuckmantel von Papst Johannes Paul II. in dem Wallfahrtsort Velehrad geweiht. Am 23. September 1995 konnte die neue Kirche in Zuckmantel eingeweiht werden. 12 000 Pilgern aus Deutschland, Polen, Tschechien und der Slowakei waren dabei.

Pfarrer Adolf Schrenk (1931-2011).

Pfarrer Adolf Schrenk (1931-2011).

Dieser Wiederaufbau ist maßgeblich auch dem Pfarrer Adolf Schrenk (1931-2011), einem der aktivsten sudetendeutscher Heimatpriester, zu verdanken. Er war Diözesanvertriebenenseelsorger im Erzbistum Bamberg und Herausgeber des Klara-Briefes zu Ehren der aus seinem Heimatort stammenden Mystikerin Klara Fietz.

Den Seligsprechungsprozess für Schwester Klara, der in Rom abgeschlossen ist, hat Pfarrer Schrenk auch als Vizepostulator betreut.

In seiner Pfarrei Weilersbach bei Forchheim hat er die 1946 am Altvater abgebrannte Heidebrünnel-Kapelle errichten lassen. Seit 1993 hat er sich unermüdlich dafür eingesetzt, dass die von den Kommunisten zerstörte und gesprengte Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Zuckmantel nach der Wende wieder aufgebaut werden konnte.

Sie ist heute wieder ein Pilgerort für Tschechen, Polen und Deutsche. Eine Tafel in der Gnadenstätte erinnert in Dankbarkeit an das Lebenswerk Pfarrer Schrenks.

Prof. Dr. Rudolf Grulich/Volker Niggewöhner

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8.Jul 2016 09:09 · aktualisiert: 9.Apr 2018 11:14
KIN / S. Stein