Patronin und Brückenbauerin

Die Bedeutung der heiligen Hedwig für Polen und Deutsche

Hedwig-Statue in der Klosterkirche von Trebnitz.

Hedwig-Statue in der Klosterkirche von Trebnitz.

Die heilige Hedwig wird als Patronin von Schlesien verehrt. Ihre Wurzeln liegen jedoch in Bayern. Sie kam um das Jahr 1174 auf Schloss Andechs am Ammersee auf die Welt. Mit zwölf Jahren wurde sie bereits mit Herzog Heinrich I. von Schlesien vermählt, der auch unter dem Namen Heinrich der Bärtige bekannt ist.

Während er sich dem Aufbau und der Sicherung des Landes widmete und deutsche Siedler in das slawische Gebiet einlud, kümmerte sich die fromme Hedwig um arme und kranke Menschen und unterstützte verschiedene Orden bei der Gründung von Niederlassungen.

Im Jahr 1203 gründete ihr Ehemann das erste Frauenkloster auf schlesischem Boden. Vermutlich bewog ihn seine Frau dazu, denn die erste Äbtissin in Trebnitz (Trzebnica) wurde eine Lehrerin Hedwigs. Im Jahre 1219 wurde die Kirche geweiht.

In einem Schreiben der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtskollegen aus dem Jahr 1965 heißt es: „Sie ist im 13. Jahrhundert die größte Wohltäterin des polnischen Volkes in den damaligen Westgebieten des Piastenpolens, in Schlesien, geworden. Es steht historisch ziemlich fest, dass sie, um dem polnischen einfachen Volk dienen zu können, sogar die polnische Sprache lernte.”

Blick von der Oder aus auf den Breslauer Dom.

Blick über die Oder auf den Breslauer Dom.

Hedwig hatte einige private Schicksalsschläge zu überwinden: Sechs ihrer sieben Kinder starben schon früh, im Jahr 1238 auch ihr Mann. Nach dem Tod ihres letzten Sohnes, Heinrich II., im Jahr 1241 zog sich Hedwig in das Kloster Trebnitz nördlich von Breslau zurück, wo sie im Oktober 1243 starb.

Schon bald nach ihrem Tod und der Heiligsprechung im Jahr 1267 strömten polnische und deutsche Pilger zu ihrer Grabstätte in Trebnitz. Auch heute ist sie für viele noch ein beliebtes Ziel. In dem oben genannten Schreiben der polnischen Bischöfe wird die Heilige als bester „Ausdruck eines christlichen Brückenbauers zwischen Polen und Deutschland” angesehen.

Hedwigstatue auf der Dombrücke in Breslau.

Hedwig-Statue auf der Dombrücke in Breslau.

Die deutschen Bischöfe schrieben in ihrer Antwort an die polnischen Amtskollegen: „Es berührt uns tief, dass wir in der Verehrung der heiligen Hedwig vereint sind, die deutschen Geblütes und doch ─ wie Sie schreiben ─ die größte Wohltäterin des polnischen Volkes im 13. Jahrhundert war.

Diese hellen Seiten des polnisch-deutschen Verhältnisses in der Geschichte verdanken wir ohne Zweifel unserem gemeinsamen christlichen Glauben.“

Auch Papst Johannes Paul II. stellte 1983 in einer Predigt während einer Messe in Breslau die besondere Bedeutung der heiligen Hedwig heraus. Sie sei „eine Grenzgestalt, die zwei Nationen miteinander verbindet: die deutsche und die polnische Nation. Sie verbindet sie im Verlauf vieler Jahrhunderte einer Geschichte, die zwischen Deutschen und Polen oft schwierig und schmerzhaft war.”

Der Papst zitierte dann einen Sohn der schlesischen Erde, der zugleich erster Metropolit von Breslau nach dem Zweiten Weltkrieg war“, nämlich Kardinal Boleslaw Kominek. „Unmittelbar an der Dombrücke in Breslau, die auf die Piasteninsel führt, steht die in Stein gehauene Hedwig.

Sie steht auf der Brücke, die das östliche und westliche Ufer der Oder verbindet. Alle, die auf sie zukommen, heißt sie, auf sich schauen und daran denken, dass alle Brüder sind, auf welchem Ufer sie auch immer wohnen mögen.

Kloster Trebnitz.

Kloster Trebnitz.

Vereint in dieser Brüderlichkeit Christi, grüßen wir einander. Das Geheimnis Christi auf dem Altar und die Brüderlichkeit der Menschen, auf welchem Ufer sie auch immer wohnen, hat uns heute im Namen des Herrn zusammengeführt. Wir bitten unsere Patronin von Schlesien, sie möge uns bei der Heiligsten Dreifaltigkeit den Frieden, die Eintracht und die Brüderlichkeit in der menschlichen Familie des Volkes und der Nation erwirken.“

Heute ist Trebnitz eine polnische Kleinstadt, die durch Neubesiedlung aus Ostpolen noch nicht die Einwohnerzahl von 1939 erreicht hat. Bei der Besetzung durch die Russen 1945 wurde die Stadt völlig niedergebrannt, aber die Kirche und das Kloster blieben unversehrt.

Die Basilika von Trebnitz ist ein prächtiger Barockbau, der in den Jahren 1697 bis 1726 an der Stelle des mittelalterlichen Gebäudes errichtet wurde. Er gehört zu den bedeutendsten Basiliken Schlesiens. Nur ein romanisches Tympanon aus dem Jahre 1230 erinnert noch über dem Westportal an die ursprüngliche Gestalt der Kirche.

Das Grabmal der heiligen Hedwig in der Basilika von Trebnitz.

Das Grabmal der heiligen Hedwig in der Basilika von Trebnitz.

Das Innere der Kirche, ein Backsteinbau mit Trägern und Dekorationen aus Haustein und mit seinem kostbaren Altar, birgt das Hedwigsgrab. 14 Säulen stehen auf einem mächtigen marmornen Unterbau. Sie tragen ein Dach, auf dem der Erzengel Michael den Drachenteufel besiegt. Unter dem Baldachin liegt die aus Alabaster gehauene Figur der Heiligen.

Auf dem sich an das Grabmal anschließenden Altar ruht in einem Silberreliquiar das Haupt Hedwigs. Heute feiern auch deutsche Katholiken, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, hier Messen in deutscher Sprache. Polen und Deutsche stehen über 70 Jahre nach Kriegsende vor einem neuen Anfang.

Prof. Dr. Rudolf Grulich

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Schlagworte:
Breslau · Hedwig · Heilige · Johannes Paul II. · Polen · Trebnitz
27.Jul 2016 09:39 · aktualisiert: 3.Sep 2019 08:02
KIN / S. Stein