„Es lebe Christus, der König”

Zum 90. Todestag des seligen Michael Pro am 23. November

Miguel Pro kurz vor seiner Exekution.

Seliger Pater Michael Pro (1891-1927).

Wahrscheinlich hat nur die Generation der heute über 60-Jährigen im Firmunterricht noch Beispiele von Glaubensmut junger Katholiken während der Verfolgung in Mexiko gehört.

Dabei war es eine der härtesten Kirchenverfolgungen des 20. Jahrhunderts. Die lange andauernde Unterdrückung der Kirche in Mexiko schien ein Ende zu nehmen, als 1929 die Regierung unter Präsident Portes Gil einen „Modus Vivendi” versprach, dem auch Rom zustimmte.

Dennoch flammte die Verfolgung bald wieder auf, und in einzelnen Bundesstaaten wurden alle katholischen Priester vertrieben. Als der englische Schriftsteller und Konvertit Graham Greene das mittelamerikanische Land bereiste, erlebte er diese Situation, die er in seinem Roman „Die Kraft und die Herrlichkeit“ schilderte.

Seit der Unabhängigkeit Mexikos im Jahr 1823 ist die Geschichte des Landes von Wirren und Bürgerkriegen geprägt. Allein bis zur Erschießung des Habsburgers Maximilian als Kaiser von Mexiko 1867 erlebte der mittelamerikanische Staat 36 Verfassungen und 72 Staatsoberhäupter.

Die Kathedrale in Mexiko-City.

Die Kathedrale in Mexiko-Stadt.

Obgleich im Kampf für die Unabhängigkeit gegen Spanien auch Geistliche wie der Kreole Miguel Hidalgo (erschossen 1811) und der Mestize J. M. Morelos (erschossen 1815) ihr Leben ließen, setzten sich liberale, antikirchliche freimaurerische Politiker durch.

Kirchen und Klöster geplündert

Bereits 1822 wurde das kirchliche Eigentum der Indianermissionen verstaatlicht, 1833 der Klerus von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen. Seit 1857 kann man von Verfolgung und versuchter Vernichtung der Kirche sprechen: Das Kirchengut wurde beschlagnahmt, Kirchen und Klöster geplündert. 1874 wurden die kirchlichen Feiertage abgeschafft, geistliche Kleidung und religiöse Feiern außerhalb der Kirche waren verboten.

Taufe in Mexiko.

Taufe in Mexiko.

Unter Präsident Porfirio Diaz erholte sich die Kirche bis 1911 wenigstens etwas, weil einige Orden zurückkehren durften und sich der Klerus reorganisierte. Unter Francisco Madero (1911-1913) konnten sogar eine katholische Nationalpartei und verschiedene katholische Verbände gegründet werden. Doch es kam in den folgenden Jahren zu einem neuen Bürgerkrieg.

Priester von staatsbürgerlichen Rechten ausgeschlossen

Als sich 1915 Venustiano Carranza als Präsident durchsetzte, verbot dieser in der „Verfassung von Queretaro“ das Studium in geistlichen Anstalten, ebenso den Zölibat und das Ordenswesen sowie alle gottesdienstlichen Handlungen außerhalb der Kirche.

Gottesdienst in Mexiko.

Gottesdienst in Mexiko.

Alle Priester wurden von ihren staatsbürgerlichen und politischen Rechten ausgeschlossen. Die einzelnen Bundesstaaten hatten das Recht, die Zahl der Priester zu bestimmen.

1919 setzte zwar Carranza diese Bestimmungen als „unzeitgemäßen Fanatismus“ außer Kraft, aber nach seinem Tod 1920 flammte der Kulturkampf wieder auf, um unter Präsident Plutarco Elias Calles wieder zur brutalen Verfolgung zu werden.

Als 1926 die mexikanischen Bischöfe einen Hirtenbrief gegen diese Verfolgung erließen, verschärfte Calles noch alle Maßnahmen. Allein im Jahre 1926 wurden über 100 Priester getötet. Gegen den Willen der Bischöfe kam es in manchen Landesteilen zu Aufständen der Bevölkerung gegen die Regierung, was zu noch mehr Repressalien führte.

Verbot der Sakramentenspendung

Das Schicksal von Michael beziehungsweise Miguel Agustin Pro (1891-1927) spiegelt die leidvolle Geschichte jener Zeit. Er trat als 20-Jähriger bei den Jesuiten ein, aber da das Kloster geschlossen wurde, musste er sein Studium im Ausland fortsetzen. 1925 wurde er zum Priester geweiht.

Priesterweihe in Mexiko.

Priesterweihe in Mexiko.

Als Pro 1926 nach Mexiko zurückkehrt, tobt der Kirchenkampf. Trotz des Verbotes der Sakramentenspendung arbeitet er als Priester und lässt sich auch durch zweimalige Verhaftung nicht abschrecken.

Nach einem versuchten Anschlag auf den Präsidenten wird Pater Pro verhaftet und zum Tode verurteilt. Er ruft vor der Erschießung „Es lebe Christus, der König” und breitet seine Arme aus wie Christus am Kreuz. Seine einzige Schuld war sein Priesteramt.

„Es lebe Christus, der König”, waren die letzten Worte von Pater Miguel Pro SJ vor seiner Hinrichtung.

„Es lebe Christus, der König”, waren die letzten Worte von Pater Miguel Pro SJ vor seiner Hinrichtung.

Papst Johannes Paul II. hat Michael Pro am 25. September 1998 seliggesprochen. Der Gedenktag des Märtyrers ist der 23. November, sein Todestag.

Ein kurzer „Modus vivendi” von 1929 ermöglichte die Rückkehr der Bischöfe und Zulassung von Priestern, so dass in beschränktem Maße wieder Gottesdienste möglich waren. Aber schon 1931 begann die Regierung von neuem mit Übergriffen und 1934 mit erneuter Ausweisung aller Bischöfe.

Durch den Roman „Die Kraft und die Herrlichkeit“ von Graham Greene ist diese Verfolgung noch im Bewusstsein Europas gewesen.

Auch in seinen autobiografischen Skizzen „Fluchtwege“ und dem Buch „Gesetzlose Straßen“ schildert Greene persönliche Eindrücke „von einem kleinen Teil Mexikos zu einer bestimmten Zeit, dem Frühjahr 1938, kurz nachdem das Land durch Präsident Calles – im Namen der Revolution – die wütendsten Glaubensverfolgungen erlitten hatte, die es in der Welt seit der Regierungszeit Elisabeth I. gegeben hatte. In Tabasco und Chiapas schwebten die Verfolgungen noch weiter.“

Kinder aus Mexiko lesen in der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Kinder aus Mexiko lesen in der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Greene erlebte, dass in Tabasco alle Kirchen zerstört waren. In Las Casas standen sie noch, aber es war „keinem Priester erlaubt, sie zu betreten, und da es in der Karwoche war, zelebrierten die Indianer aus den Bergen seltsame Gottesdienste. Sie suchten sich an das zu erinnern, was man sie gelehrt hatte – Brocken seltsam ausgesprochenen Lateins und merkwürdige, unkanonische Gebärden.“

„In der Region Tabasco waren alle Kirchen zerstört”

Der Autor hatte „mit eigenen Augen gesehen, mit welcher Inbrunst die Bauern in den priesterlosen Kirchen beteten, ich hatte an Meßopfern in Dachräumen teilgenommen, bei denen man aus Angst vor der Polizei die Sanctusglocke nicht zu läuten wagte“.

Die Zahl der mexikanischen Märtyrer jener Jahre ist groß. Unter den über 5000 Opfern sind 300 Priester. Ihr Zeugnis ist heute vergessen.

Professor Rudolf Grulich 

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22.Nov 2017 08:18 · aktualisiert: 22.Nov 2017 14:04
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