Maria, der Papst und die verfolgte Kirche

Predigt des heiligen Papstes Johannes Paul II. am 14. August 1983 in Lourdes

Papst Johannes Paul II.

Papst Johannes Paul II.

Johannes Paul II. war der erste, der als Papst nach Lourdes kam. Bei seinem Besuch im August 1983 hielt er eine Predigt, die Pater Werenfried van Straaten sehr beeindruckte.

Im „Echo der Liebe“ schrieb er damals: „Am späten Abend des 14. August 1983 hörte die Welt atemlos Johannes Paul II. zu, der in Lourdes am Ende der nächtlichen Lichterprozession in unverschleierten Worten und mit spürbarer Bewegung die ‚Hunderttausenden von Glaubenszeugen’, die jetzt um Christi Willen Verfolgung erleiden, dem Schutz Mariens anvertraute und auch unseren Gebeten und unserer liebevollen Sorge empfahl.

In dieser Predigt wollte der Papst aus dem Osten ganz sich selbst sein! Sogar unter seinen nächsten Mitarbeitern konnten einige ihre Überraschung oder Bestürzung nicht verbergen. Das einfache Volk verstand ihn.

An der Lourdesgrotte nahe der katholischen Kirche bei Doha/Katar.

An der Lourdesgrotte nahe der katholischen Kirche bei Doha/Katar.

Im Namen derer, die uns anvertraut sind, im Namen des verstorbenen Kardinals Mindszenty, der im Getriebe einer allzu menschlichen Diplomatie ein trauriges Ende fand, und im Namen so vieler, die allzu oft verkannt, totgeschwiegen und vergessen werden, danken wir ihm für seine mutigen Worte, die wir hier [...] wiedergeben.

„Die Magna Charta von KIRCHE IN NOT”

Diese erschütternde Ansprache bleibt fortan die Magna Charta unseres Werkes im Dienst der Verfolgten.“

Die Predigt von Papst Johannes Paul II. (leicht gekürzt):

Papst Johannes Paul II. betet im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima am 13. Mai 2000.

Papst Johannes Paul II. betet im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima am 13. Mai 2000.

In dieser friedlichen Nacht wachen wir. Wir wachen in der Erwartung, Mariens Verherrlichung zu feiern. Wir beten, aber nicht jeder still für sich, sondern als zahlreiches Volk, das dem auferstandenen Christus nachfolgt.

Wir helfen einander, klarzusehen; wir ermutigen einander, indem wir uns auf den Glauben an Jesus Christus stützen, auf sein Wort, das unsere Herzen erhellt. Jesus hat uns gesagt: „Lasst eure Lampen brennen“ (Lk 12,35): die Lampe des Glaubens, die Lampe des Gebets!

Mögen sich unsere Gebete vereinen, um wie die Flammen unserer Kerzen zu Gott emporzusteigen, um mit Maria ihm aus ganzem Herzen zu danken, und auch, um gemeinsam ein allumfassendes Bittgebet an ihn zu richten. Ja, für die ganze Welt wollen wir beten!

Gebet für die ganze Welt

In unser Gebet sollen alle Männer und Frauen eingeschlossen werden, die in irgendeinem Teil der Welt von Hunger oder anderen Plagen, von Verwüstungen des Krieges und von Vertreibung bedrängt sind; die Opfer des Terrorismus – sei er politisch oder nicht –, der gewissenlos unschuldige Menschen trifft; die Opfer von Hass, von jeder Unterdrückung und Ungerechtigkeit, von Menschenraub, Folterung und ungerechter Verurteilung.

Prayerbox „Beten für verfolgte Christen“.

Prayerbox „Beten für verfolgte Christen“. Sie ist in unserem Bestelldienst für drei Euro erhältlich.

Wir wollen für alle beten, deren Menschenwürde und fundamentalen Rechte in unerträglicher Weise missachtet und zertretet werden; für alle, deren berechtigte Freiheit des Denkens und des Handelns eingeschränkt wird, und schließlich für jene, deren legitime nationale Bestrebungen unterdrückt werden.

„Mögen die Opfer Trost und Stärkung erfahren!”

Möge sich die Haltung der Verantwortlichen ändern und mögen die Opfer Trost und Stärkung erfahren!

Als Christen liegt uns im Gebet auch die Weltkirche mit ihren geistlichen Anliegen am Herzen; wir kennen diese Anliegen, und ich komme oft darauf zurück: die Bekehrung, die Weitergabe des Glaubens, die Heiligkeit der gottgeweihten Seelen, die Berufungen, die Ausstrahlungskraft der christlichen Familien … .

Blick auf den zerstörten Ortskern von Batnaya in der Ninive-Ebene.

Blick auf den zerstörten Ortskern von Batnaya in der Ninive-Ebene.

Es gibt jedoch eine geistliche Not, die besonders bitter ist, worauf wir jetzt unser Gebet konzentrieren möchten: die Not jener Menschen, die für ihren Glauben leiden. Wir, die wir hier ohne jede Behinderung unseren Glauben zum Ausdruck bringen und beten können, müssen uns davor hüten, diese Brüder und Schwestern zu vergessen!

„Die verfolgten Glaubensgeschwister nicht vergessen”

Und das vor allem an diesem Wallfahrtsort Lourdes, auf den, seit die Gottesmutter hier die Hoffnung aufleuchten ließ, die Blicke der Christen in aller Welt gerichtet sind!

Als Papst, der die Sorge aller Kirchen trägt und über ihre Lage ständig informiert wird, lade ich euch ein, mit mir dieses Geheimnis der Verfolgung der Gläubigen zu betrachten; wir wollen das tun, indem wir uns mit Maria die Worte Jesu ins Gedächtnis rufen.

Lourdesgrotte auf dem Pfarreigrundstück. Neben der katholischen Pfarrei befindet sich eine große Moschee.

Lourdesgrotte auf dem Pfarreigrundstück der katholischen Pfarrei in Dubai/Vereinigte Arabische Emirate. Neben der katholischen Pfarrei befindet sich eine große Moschee.

„Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Mt 5,11-12). Diese Seligpreisung will ich hier in Lourdes vor dir, Mutter Christi und Mutter der Kirche ausrufen.

Verfolgung ist der Preis des Zeugnisses”

Gleichzeitig möchte ich in deiner Gegenwart alle versammeln, die in den verschiedenen Teilen der Welt „um Christi willen“ Verfolgung erleiden, alle, die „um meines Namens von allen gehasst werden“ (vgl. Mk 13,13).

Christus hat wiederholt von der Verfolgung seiner Jünger gesprochen. Er verheimlichte ihnen nicht, dass die Verfolgung der Preis des Zeugnisses (vgl. Lk 21,13) sein würde, das sie vor den Menschen zu geben hatten. Tatsächlich hatten sie Verfolgungen zu erleiden, seit sie begannen, die ihnen anvertraute Mission zu erfüllen.

Blick auf Jerusalem.

Blick auf Jerusalem.

Schon in Jerusalem waren die Apostel und die, die sich zu Christus bekannten, Verfolgungen ausgesetzt. Die ersten drei Jahrhunderte waren im Römischen Reich eine Zeit der Verfolgungen. Zu den Opfern zählten die Apostel Petrus und Paulus.

„Kirche ist auf dem Kreuz Christi geboren

Diese blutigen Verfolgungen wiederholten sich regelmäßig bis ins vierte Jahrhundert. Die Kirche ist auf dem Kreuz Christi geboren und inmitten der Verfolgungen gewachsen.

So war es in den Anfängen der Kirche im römischen Altertum. So war es auch später. Im Laufe der Jahrhunderte brachen an verschiedenen Orten Kirchenverfolgungen aus, und viele, die an Christus glaubten, gaben ihr Leben für den Glauben hin oder waren schlimmsten Folterungen ausgesetzt.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo.

Die Glaubensverfolgungen sind manchmal denen ähnlich, die das Martyrologium der Kirche schon in vergangenen Jahrhunderten beschrieben hat. Sie bestehen aus verschiedenen Formen von Diskriminierung der Gläubigen und der ganzen kirchlichen Gemeinschaft.

„Diskriminierungen trotz Religionsfreiheit”

Diese Diskriminierung gibt es manchmal, obwohl in der Gesetzgebung einzelner Staaten und in internationalen Dokumenten zu gleicher Zeit die Religions- und Gewissensfreiheit proklamiert wird.

In den Verfolgungen der ersten Jahrhunderte waren die üblichen Strafen: der Tod, die Deportation und die Verbannung.

Kinder vor einer Flüchtlingsbaracke in Zahlé, 55 Kilometer östlich von Beirut.

Kinder vor einer Flüchtlingsbaracke in Zahlé, 55 Kilometer östlich von Beirut.

Heute sind zum Gefängnis, zum Konzentrationslager, zur Zwangsarbeit und zur Vertreibung aus der Heimat weniger auffällige, aber dafür raffiniertere Strafen hinzugekommen: nicht der blutige Tod, sondern eine Art zivilen Todes; nicht nur die Absonderung in einem Gefängnis oder Lager, sondern die ständige Einschränkung der persönlichen Freiheit oder die soziale Diskriminierung.

Christliches Leben als Untergrundkirche

Es gibt heute Hunderttausende von Glaubenszeugen, meistens ignoriert und vergessen von der öffentlichen Meinung, deren Aufmerksamkeit völlig durch andere Ereignisse beansprucht wird; oft sind sie nur Gott bekannt. Jeden Tag ertragen sie Entbehrungen in den verschiedensten Gebieten der einzelnen Erdteile.

Philippinische Christen beim Gebet.

Philippinische Christen beim Gebet.

Es handelt sich dabei um Gläubige, die gezwungen sind, heimlich zusammen zu kommen, weil ihre religiöse Gemeinde nicht zugelassen ist.

Es handelt sich um Bischöfe, Priester und Ordensmänner, denen die Ausübung ihres heiligen Amtes in Kirchen oder öffentlichen Versammlungen verboten ist.

Es handelt sich um zerstreut lebende Ordensschwestern, denen es nicht gestattet ist, gemäß ihrer Berufung ein gottgeweihtes Leben zu führen.

Es handelt sich um edelmütige junge Männer, die am Eintritt in ein Priesterseminar oder in ein Noviziat und somit an der Verwirklichung ihrer Berufung gehindert werden.

Es handelt sich um Mädchen, denen die Möglichkeit fehlt, sich in einem gemeinschaftlichen Leben, das dem Gebet und der Nächstenliebe gewidmet ist, Gott zu weihen.

Beim Einkleiden der Novizinnen.

Beim Einkleiden der Novizinnen.

Es handelt sich um Eltern denen es verwehrt ist, ihren Kindern eine ihrem Glauben entsprechende Erziehung zuteilwerden zu lassen.

Es handelt sich um Arbeiter und Arbeiterinnen, um Intellektuelle oder Angehörige anderer Berufszweige, die nur weil sie ihren Glauben bekennen, riskieren, in ihrer Karriere oder ihren Studien geschädigt zu werden.

Zerschossenes Kreuz in Aleppo.

Zerschossenes Kreuz in Aleppo.

In allen Zeiten ihrer Geschichte hat die Kirche jene, die „für den Namen Christi“ leiden, mit außerordentlicher Aufmerksamkeit, großer Sorge und besonderer Liebe umgeben. Die Kirche hat sie unverwischbar in ihr Gedächtnis eingeprägt und niemals versäumt, Sorge für sie zu tragen.

Unser heutiges Zusammensein zu Füßen der Unbefleckten Mutter Christi in Lourdes gibt uns die Möglichkeit, dieser dauernden Verbundenheit einen besonderen Ausdruck zu geben. Lasset uns beten für alle, die, wo und wie auch immer, um ihres Glaubens willen verfolgt werden.

Wir haben die Worte von Christus selbst in Erinnerung gerufen. Mögen diese Brüder und Schwestern Ermutigung und Kraft darin finden! Möge der Heilige Geist mit ihnen sein, der den Geist dieser Bekenner erleuchtet und ihr Herz mit heroischer Kraft erfüllt.

„Den inneren Frieden und christlichen Geist bewahren”

Mögen sie alle den inneren Frieden und einen wahrhaft christlichen Geist bewahren! Möge das Gefühl der Würde, das aus der inneren Treue zum Gewissen und zur Wahrheit hervorgeht, in ihnen immer stärker werden! Möge der Herr ihnen Gnade verleihen, ihren Verfolgern zu verzeihen und ihre Feinde zu lieben!

O Mutter Christi, die du unter dem Kreuz deines Sohnes gestanden hast, sei allen nahe, die heute in der Welt Verfolgung erleiden! Möge deine mütterliche Gegenwart ihnen helfen, die Leiden zu ertragen und durch das Kreuz zu siegen! Amen.

Helfen Sie mit Ihrer Spende

Um vor allem verfolgten Christen weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online oder auf folgendes Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

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13.Aug 2018 09:29 · aktualisiert: 16.Aug 2018 06:55
KIN / S. Stein