Katholische Kirche in Rumänien: Diskriminiert, verfolgt, verboten

Vor 70 Jahren begann der offene Kampf gegen die katholische Kirche in Rumänien

Eine Kirche in Rumänien im Winter.

Eine Kirche in Rumänien im Winter.

Ende 1947 zwangen die Kommunisten Rumäniens König Michael I. zum Rücktritt und schickten ihn ins Exil.

Schon vorher war der Druck auf die Kirche spürbar, seitdem nach der Kapitulation Rumäniens am 23. August 1944 das mit dem Deutschen Reich verbündete Land die Fronten wechselte.

Dadurch gewannen die Kommunisten zunehmend an Macht und begannen, das kirchliche Vereinswesen und Gemeindeleben zu ersticken.

Über die Zeit nach dem erzwungenen Rücktritt des Königs schrieb der Priester Hieronymus Menges, der als Hochschullehrer und Prälat die Verfolgung und Jahre im Gefängnis erlebte: „Mit einem Schlag füllten sich die Gefängnisse, da es galt, alle Etablierten der alten Ordnung politisch und gesellschaftlich auszuschalten.

Der Parlamentspalast in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.

Der Parlamentspalast in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.

Die Macht der Geheimpolizei wuchs ins Ungeheure, jeder zitterte vor ihr. Im April 1948 wurden die Fabriken und größeren Landgüter verstaatlicht, im Juli die katholischen Schulen, Einrichtungen und Klöster. Die römisch-katholische Kirche wurde von fünf auf zwei Diözesen zusammengestrichen, das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl einseitig gekündigt.

„Der orthodoxen Kirche einverleibt”

Im Oktober 1948 wurde die Unierte Kirche glattwegs aufgelöst und der orthodoxen Kirche einverleibt; die sechs Bischöfe, viele Prälaten, Priester und Gläubige wurden verhaftet, die Kirchen und Pfarrhäuser wurden der orthodoxen Kirche übergeben, das Vermögen verstaatlicht. Jeder Widerstand wurde unbarmherzig niedergemetzelt.“

Dieser Zustand dauerte bis Ende 1989, als der Diktator Ceausescu gestürzt und hingerichtet wurde.

Blick vom Parlamentspalast in Bukarest.

Blick vom Parlamentspalast in Bukarest.

Über kein Land Osteuropas gab es im Westen so irrige Meinungen wie über Rumänien. Dieses Land mit seiner stalinistischen Innenpolitik und dem raffiniertesten Spitzelsystem der kommunistischen Welt wurde oft für relativ freiheitlich gehalten, weil die außenpolitischen Manöver Ceausescus von westlichen Beobachtern und Ceausescu-Biografen innenpolitisch falsch gedeutet werden.

Stalinistische Innenpolitik und raffiniertes Spitzelsystem

Diese falsche Einschätzung galt auch von der Lage der Kirchen in Rumänien. Man muss die regelmäßigen Berichte der internationalen Kongresse „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus lesen, um das Ausmaß der Verfolgung zu ermessen.

Göttliche Liturgie in einer griechisch-katholischen Kirche in Rumänien.

Göttliche Liturgie in einer griechisch-katholischen Kirche in Rumänien.

Nach der Verfassung der Sozialistischen Republik Rumänien vom 21. August 1965 war allen Bürgern die Gewissensfreiheit garantiert. „Jeder ist frei, seinen religiösen Glauben frei zu bekennen. Die Freiheit der religiösen Kultausübung ist gewährleistet.

Die religiösen Kultausübungen organisieren sich und funktionieren auf freie Weise. Der Gang der Organisation und Ausübung der religiösen Kulte ist durch Gesetz geregelt.“

Das Kultusgesetz, das die Ausübung regelte, stammte bereits vom 4. August 1948. Es enthielt die eindeutige Bestimmung in Artikel 51, dass „dem Kultusministerium uneingeschränkte Kontrolle des kirchlichen Unterrichts und der kirchlichen Verwaltung zusteht“.

Weiter hieß es: „Keine Religionsgemeinschaft und keiner ihrer Würdenträger darf Beziehungen zu Religionsgemeinschaften des Auslandes unterhalten, es sei denn mit Genehmigung des Kultusministeriums und durch Vermittlung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten.“

Eine orthodoxe Kirche in Rumänien.

Eine orthodoxe Kirche in Rumänien.

Von über 21 Millionen rumänischen Staatsbürgern der Volkszählung 1977 waren etwa 16 Millionen orthodox, sodass die Rumänische Orthodoxe Kirche nach der Russischen die zweitgrößte orthodoxe Nationalkirche ist.

Zweitgrößte orthodoxe Nationalkirche

Drei Millionen rumänische Staatsbürger sind katholisch, doch von ihnen durften sich nur knapp die Hälfte als Katholiken bekennen, da die Unierten des byzantinischen Ritus wie in der Ukraine zwangsweise aufgelöst und in die orthodoxe Kirche gezwungen wurden.

Nach dem Päpstlichen Jahrbuch zählte Rumänien sechs lateinische Diözesen, von denen aber nur Karlsburg (Alba Julia) und Bukarest einen Bischofssitz hatten.

Orthodoxe Holzkirche in Rumänien.

Orthodoxe Holzkirche in Rumänien.

Die übrigen Diözesen, nämlich Jassy (Iași), Sathmar (Satu Mare), Großwardein (Oradea) und Temeschburg (Timișoara), waren ohne Bischof. Diese verwaisten Diözesen waren vom Staat nicht einmal als solche anerkannt, da Artikel 22 des Kultusgesetzes anordnete, dass jeder Diözese eine Anzahl von 750 000 Gläubigen zugrunde zu legen sei.

Es gab in Rumänien keine katholischen Klöster mehr, seitdem am 1. August 1949 der Erlass Nummer 810 die Auflösung der Orden der lateinischen Kirche vorgeschrieben hatte.

Auflösung der Orden der lateinischen Kirche

Es hieß in Artikel 1 dieses Erlasses: „Im gesamten Gebiet der Volksrepublik Rumänien hören Zusammenschluss und Organisation folgender römisch-katholischer Orden und Kongregationen und alle Einrichtungen, die ihnen unterstellt sind, auf zu bestehen, sei es, dass sie als juristische oder als faktische Vereinigung anerkannt sind.“

Es folgen die Namen der 15 in Rumänien verbreiteten Orden und Kongregationen. Bis zur Wende war dieser Erlass gültig.

Die Wallfahrtskirche Maria Radna in Rumänien.

Die Wallfahrtskirche Maria Radna in Rumänien.

Es ist für die Lage der Kirche in Rumänien bezeichnend, dass der Staat orthodoxe Klöster zur Pflege der alten rumänischen Klöster und ihrer Kirchen duldet, jedes katholische klösterliche Gemeinschaftsleben aber unterdrückt. So ist jungen Frauen, die dazu bereit wären, der Eintritt in ein Kloster verwehrt.

Ordensschwestern in Isolation

Und die alten Schwestern aus der Zeit vor 1948? Wer könnte das Leid beschreiben, das diese Schwestern mitzumachen hatten, wenn sie nicht bereit waren, in Zivil und getrennt von der Schwesterngemeinschaft Unterricht zu erteilen.

Da die meisten ehemaligen Schwestern aus Angst, den Atheismus lehren zu müssen, dazu nicht bereit waren, gingen sie den harten Weg der Entbehrung und der Isolation, als stille Bekennerinnen und Dulderinnen für den katholischen Glauben.“ So umriss ein Kenner die Lage, der donauschwäbische Prälat Josef Haltmayer, die Situation.

Ordensschwestern aus Rumänien.

Ordensschwestern aus Rumänien.

Wie in der Ukraine und Tschechoslowakei war auch in Rumänien die unierte griechisch-katholische Kirche verboten.

Nur 38 von 1810 Priestern konnten vom Staat so unter Druck gesetzt werden, am 1. Oktober 1948 ein Dokument zu unterschreiben, das ausgerechnet 250 Jahre nach der Union von Alba Julia diese Union auflösen und die „Rückkehr“ in die orthodoxe Kirche beschließen sollte.

Verbot der unierten Kirche

Bischof Hossu von Klausenburg (Cluj) hatte aber schon am Vorabend dieser Versammlung alle eventuellen Teilnehmer exkommuniziert. Zudem hatte diese von den kommunistischen Behörden erzwungene Versammlung keinerlei rechtmäßigen Charakter und schon gar nicht die Autorität einer Synode, wie von kommunistischer und orthodoxer Seite immer wieder behauptet wurde.

Eine Weihe während einer griechisch-katholischen Göttlichen Liturgie in Rumänien.

Eine Weihe während einer griechisch-katholischen Göttlichen Liturgie in Rumänien.

Ein Regierungsdekret hob am 1.12.1948 die mit Rom unierte Kirche Rumäniens auf. Bis nach der Wende durfte im Lande nichts mehr an die Unierten erinnern. Die verhafteten Bischöfe starben in der Folgezeit im Kerker.

Der letzte Bischof der unierten Hierarchie Rumäniens war Julius Hossu. 1969 wurde er von Papst Paul VI. zum Kardinal in petto ernannt, das heißt sein Name wurde nicht veröffentlicht.

Bischöfe starben im Kerker

Erst drei Jahre nach seinem Tod wurde im Konsistorium sein Name genannt, „als Symbol und Repräsentant des Glaubens vieler Bischöfe, Priester, Mönche und Gläubigen der rumänischen Kirche des byzantinischen Ritus“, wie der „L‘Osservatore Romano“ vom 5./6. März 1973 meldete.

Die nach 1950 geheim geweihten Bischöfe waren bis 1964 im Gefängnis und wurden nie im Päpstlichen Jahrbuch genannt.

Gruppenbild der Seminaristen aus Alba Iulia/Rumänien.

Gruppenbild der Seminaristen aus Alba Iulia (Karlsburg)/Rumänien.

Als kirchliche Lehranstalten existierten in Rumänien nur die beiden Priesterseminare in Karlsburg und Jassy. Der freiwillige Religionsunterreicht durfte nur in kirchlichen Räumen, meist Pfarrhäusern, stattfinden und war Schikanen unterworfen.

Gebrauch der Bibel im Unterricht war verboten

So durften die Geistlichen beim Religionsunterricht keinerlei Hilfsmittel, nicht einmal die Bibel, gebrauchen. Den Kindern war es verboten, sich in der Glaubenslehre Notizen zu machen. Grundlage dieser strengen Bestimmungen war Artikel 51 des Kultusgesetzes, wonach dem Staat „uneingeschränkte Kontrolle des kirchlichen Unterrichts und der kirchlichen Verwaltung zusteht“.

Erzbischof Györgyi Jakubinyi aus Alba Iulia/Rumänien bei einem Gottesdienst.

Erzbischof Györgyi Jakubinyi aus Alba Iulia/Rumänien bei einem Gottesdienst.

Das Leben in Rumänien war geprägt von der Angst und dem Misstrauen vor der allgegenwärtigen Geheimpolizei. Bekanntlich war jeder rumänische Staatsbürger verpflichtet, jedes Gespräch und jeglichen Kontakt mit einem westlichen Besucher binnen 24 Stunden der Polizei zu melden.

Gegenüber Gläubigen und vor allem Geistlichen wurde die Maßnahme besonders streng angewandt. Nichteinhaltung wurde bestraft.

Dennoch lebte die katholische Kirche Rumäniens in einer für uns beschämenden Gläubigkeit und Treue. Der Besuch der Sonntagsmesse war sehr gut. Durch die totale Überwachung und Kontrolle des Staates war Laienarbeit im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils in Rumänien nicht möglich.

Doch setzten sich mutige Laien für die Rechte der Kirche ein. Denn auch in Rumänien hatten religiöse Dissidenten die Mauer des Schweigens durchbrochen und wandten sich an die Öffentlichkeit.

Eine Wallfahrt nach Maria Radna ist für viele Rumänen ein besonderer Höhepunkt im Jahr.

Eine Wallfahrt nach Maria Radna ist für viele Rumänen ein besonderer Höhepunkt im Jahr.

Wir erfuhren durch ihre Dokumente von den blutigen Jahren nach 1948, von Priestern im Untergrund, vom Armee-Einsatz gegen Gläubige, wie zum Beispiel in der Umgebung von Bakau (Bacău), sowie von Morden an Priestern und Gläubigen.

Dokumente von Priestern im Untergrund

Auch über verhinderte Renovierungen von Kirchen und Verbote von Kirchenneubauten wurden wir informiert, wobei Namen von Personen und Örtlichkeiten angegeben wurden und nachkontrolliert werden konnten.

Es waren erschütternde Fakten. Aber auch in Rumänien ist die Kirche wieder aufgeblüht.

Rudolf Grulich

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29.Nov 2018 13:49 · aktualisiert: 31.Mai 2019 14:12
KIN / S. Stein