80. Todestag am 14. August

Ein Sonnenstrahl sein für alle

Zum Gedenken an Mutter Maria Annuntiata Chotek

Annuntiata Chotek, Gründerin der Eucharistie-Schwestern (Foto: Eucharistie-Schwestern).

Annuntiata Chotek, Gründerin der Eucharistie-Schwestern (Foto: Eucharistie-Schwestern).

Am 8. August 1890 kam Komtesse Ada Chotek, die spätere Mutter Maria Annuntiata Chotek und Gründerin der Kongregation der Schwestern von der Heiligsten Eucharistie der Diözese Leitmeritz, im nordböhmischen Großpriesen zur Welt.

Als jüngstes von drei Kindern wuchs die kleine Komtesse auf dem herrschaftlichen Sitz ihrer Familie unbeschwert auf. Nach ihrer Schulzeit bei den Sacré-Coeur-Schwestern in Riedenburg schien Ada einem sorglosen Leben entgegenzusehen.

In ihrer Jugend hatte sie bereits den Entschluss gefasst: „Ich will heilig werden! Immer mehr nach Vollkommenheit zu streben, an mir zu arbeiten, besser und reiner zu werden!“.

Dunkle Wolken zogen jedoch in der Familie auf, als Nini, Adas ältere Schwester, nach einer Blinddarmoperation starb. Die Ironie des Schicksals wollte es wohl so, dass deren Vater Nini den Eintritt bei den Sacré-Coeur-Schwestern kurz zuvor verboten hatte. Stattdessen sollte sie zusammen mit Ada bei der Verwaltung der Güter helfen.

Blick auf die Altstadt und den Dom von Leitmeritz (Litomerice, Foto: pixabay.com).

Blick auf die Altstadt und den Dom von Leitmeritz (Litomerice, Foto: pixabay.com).

Dieser schicksalshafte Tod der Schwester, mit dem der Vater nur schwer fertig wurde, ebnete für Ada dagegen den Weg in ein frommes Leben, das ganz der Liebe zum Heiland und zum Nächsten gelten sollte. Ada genügte es aber nicht, „nur“ in eine klösterliche Gemeinschaft einzutreten. Sie wollte Gründerin eines eigenen Werkes sein.

Weg in ein frommes Leben geebnet

Auch die Zusammenarbeit mit  einem ihrer engsten Vertrauten, dem pensionierten Priester und Erzdechant Anton Kubath, weckte in ihr die Motivation zur pastoralen Arbeit. In der Folge gründete Ada die marianische Kinder- und Jungfrauenkongregation und führte die Ministranten sowie den Tarcisius-Bund.

Innerlich bereits auf einen Klosterberuf fixiert, holte Ada bei verschiedenen Vertrauten Ratschläge und Empfehlungen bezüglich ihrer Bestimmung ein, so auch bei Pater Lang und beim Bischof der Diözese Leitmeritz, Dr. Josef Groß. Daneben nahm sie an Exerzitien teil.

Innenraum des Doms in Leitmeritz.

Innenraum des Doms in Leitmeritz.

1922 legte die 32-jährige Komtesse ihr Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Ihr innigster Wunsch war es, in einem Klosterleben dieser Berufung nachzugehen, doch Pater Lang sah schon früh in ihr viel mehr: Ada sollte selbst ein apostolisches Werk für Böhmen gründen.

Aufnahme in einem österreichischen Anbetungskloster

Nach einer Absage zum Eintritt in das Kloster in Steyl erhielt Ada den Hinweis auf das Anbetungskloster in Hall in Tirol bei Innsbruck, das den „Töchtern des Herzens Jesu“ gehörte. Hier bat Ada erneut um Aufnahme und erhielt mit der Zusage auch die Aufforderung, die endgültige Entscheidung mit der Familie vorzubereiten und anschließend bekanntzugeben.

Letztlich erhielt sie von ihren Eltern die Erlaubnis für den Klosterberuf, Ada sollte jedoch in der Heimat bleiben und selbst ein Kloster gründen. Die zwei Bedingungen von Bischof Dr. Josef Groß waren erfüllt, denn die Zustimmung der Eltern war vorhanden, ebenso hatte Adas Vater ihr ein Haus sowie einen vorgezogenen Teil des Erbes zugesichert.

Hall in Tirol bei Innsbruck (Foto: pixabay).

Hall in Tirol bei Innsbruck (Foto: pixabay).

In ihrem weiteren Leben sollte Pater Karl Maria Andlau SJ ein wichtiger Berater für Ada werden. Im Buch „Antwort der Liebe” sieht Rudolf Grulich in Andlau sogar „fast einen Mitbegründer der Kongregation, da er mit aufopfernder Liebe das Werk förderte, der Gründerin mit dem reichen Schatz seiner Erfahrungen zur Seite stand und manche Schwierigkeiten überwinden half.“

Ihr war der Dienst am Nächsten wichtig

Grundlegend für das gegründete Eucharistische Sühnewerk war wohl der Dienst am Nächsten, den Ada Chotek besonders gut verstand und der ihr sehr wichtig war. Darunter fielen die Betreuung von Kranken- und Armenhäusern sowie von körperlich behinderten Kindern, aber auch Erholungs- und Ferienheime für Kinder und Mütter, später auch als „Chotek’sche Fürsorgestätten“ bekannt.

Der nächste Schritt geistlicher Gemeinschaft war die Anfertigung der ersten Ordenskleider. Unterdessen waren auch die Arbeiten am Mutterhaus abgeschlossen im Teil des Chotek’schen Schlosses, den Ada von ihrem Vater zugesprochen bekommen hatte. Am Christkönigsfest 1933 konnte es eingeweiht werden.

Bei einem Ausflug nach Leitmeritz zum 70-jährigen Ordensbestehen im Jahr 2007. Der offizielle Name des Ordens ist “Kongregation der Schwestern von der Heiligsten Eucharistie von Leitmeritz”. Im Hintergrund: der ehemalige Bischof von Litoměřice, Pavel Posád.

Bei einem Ausflug nach Leitmeritz zum 70-jährigen Ordensbestehen im Jahr 2007. Der offizielle Name des Ordens ist “Kongregation der Schwestern von der Heiligsten Eucharistie von Leitmeritz”. Im Hintergrund: der ehemalige Bischof von Litoměřice, Pavel Posád (Foto: Eucharistie-Schwestern).

Nachdem die kleine Schwesterngemeinschaft schon bald gewachsen war und hatte ihren Weg gefunden, bemühte sich Bischof Dr. Anton Weber, der Nachfolger des inzwischen verstorbenen Bischof Groß, um die kirchliche Bestätigung des Werkes durch den Heiligen Stuhl.

Dazu einigte man sich zunächst auf einen Namen: „Kongregation der Schwestern von der Heiligsten Eucharistie“ und entwarf ausführliche Konstitutionen. Am 30. Juni 1937 erfolgte die Anerkennung durch Rom und der 21. November 1937 wurde für die feierliche Errichtung gewählt.

Ada nimmt den Ordensnamen Mutter Maria Annuntiata an

Dabei wurde auch die Leitung der Kongregation offiziell bestimmt, Generaloberin wurde Ada Chotek, die nun den Namen Mutter Maria Annuntiata trug. Noch vor der offiziellen Anerkennung der Kongregation hatte sich die Gemeinschaft schon ausgebreitet.

Blick auf die St.-Nikolaus-Kirche in Trnava (Tyrnau).

Blick auf die St.-Nikolaus-Kirche in Trnava (Tyrnau).

Es entstanden außerdem in der Folgezeit Filialen im nordböhmischen Bodenbach an der Elbe, in Schwaden („Marienburg“) und zwei Niederlassungen in Böhmisch-Leipa und Niemes sowie in Dolna Krupa in der Slowakei, die später noch nach Bucany bzw. Tyrnau verlegt wurde.

Mit dem Münchner Abkommen 1938 gelangten Großpriesen und die meisten Filialen zum Deutschen Reich. Es folgten Verfolgungen durch die Nationalsozialisten. Auch die „Chotek’schen Fürsorgestätten“ wurden aufgelöst; das Haus der Schwestern in Schwaden wurde beschlagnahmt.

Körperlich ohnehin geschwächt durch ein Unterleibskrebsleiden taten die „Aktionen“ der Nationalsozialisten ihr übriges dazu, dass sich der Gesundheitszustand von Mutter Maria Annuntiata zusehends verschlechterte, obgleich sie mit einer enormen Energie gegen die Krankheit ankämpfte und sogar noch im Rollstuhl an Wallfahrten teilnahm.

Überführung des Leichnams nach Leitmeritz

Am 14. August 1939 verstarb Mutter Maria Annuntiata Chotek im Kreise ihrer Mitschwestern und wurde am 17. August unter großer Anteilnahme in der Chotek’schen Familiengruft in Waltirsche beigesetzt. Im Jahr 1987 erfolgte die Überführung Mutter Annuntiatas auf den Friedhof von Leitmeritz.

Grab von Annuntiata Chotek (Foto: Eucharistieschwestern).

Grab von Annuntiata Chotek (Foto: Eucharistieschwestern).

1946 wurden die Schwestern nach Salzburg ausgesiedelt und konnten nach langem Suchen und Umbauen das neue Mutterhaus in Salzburg-Herrnau beziehen. Die erste Hilfe zum Neubau eines Mutterhauses für die wachsende Gemeinschaft bot die Erzdiözese Salzburg durch Überlassung des Baugrundes in der Josefiau.

Unterstützung durch Pater Werenfried van Straaten

Da kreuzte auch Pater Werenfried van Straaten, Gründer von KIRCHE IN NOT, auf einer seiner Reisen den Weg der Flüchtlings­schwestern in Salzburg. Durch eine Sammlung großmütiger Spenden des niederländischen Zweiges des Hilfswerk half er, den Bau des neuen Mutterhauses zum großen Teil zu finanzieren.

Pater Werenfried mit seinem „Millionenhut“.

Pater Werenfried mit seinem „Millionenhut“.

So konnte mit Hilfe vieler Wohltäter am 25. April 1959 das neue Mutterhaus von den Schwestern bezogen, einge­weiht und die erste heilige Messe als Dankopfer gefeiert werden. Ein Jahr später war auch die Kapelle fertiggestellt und wurde am 26. und 27. April 1960 eingeweiht.

Bereits zuvor, 1957, war im Kloster Herrnau das erste Büro von KIRCHE IN NOT in Österreich gegründet worden, das hier bis 1985 seinen Sitz hatte, bevor es nach Wien übersiedelte.

„Ein Sonnenstrahl für alle sein“, das war Mutter Annuntiatas sehnlichster Wunsch, dem sie mit Hingabe nacheiferte – und es gelang ihr auch. Dass nämlich diese Gemeinschaft in Österreich noch heute besteht, spricht für den Geist ihrer Gründerin und ihr selbsterklärtes Prinzip: „Heute, nicht morgen, soll angefangen werden!“

Von Julia Nagel

Buch-Tipp:

Wenn Sie mehr über das Leben und Werk von Mutter Maria Annuntiata Chotek und vor allem über den geschichtlichen Hintergrund ihrer Zeit erfahren möchten, so sei Ihnen das Buch „Antwort der Liebe. Leben und Werk von Mutter Maria Annuntiata Chotek ”(Für Kirche und Volksgruppe; 9), Königstein 1997) empfohlen.

Sie können es beziehen im

Haus Königstein
Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien
Alte Burgstr. 4
61169 Friedberg

E-Mail: haus-koenigstein.nidda@t-online.de
Telefon: 06031/4780

13.Aug 2019 10:30 · aktualisiert: 13.Aug 2019 10:31
KIN / S. Stein