Wendet euch mir zu und lasst euch erretten, alle Enden der Erde, denn ich bin Gott und sonst niemand!

Jes 45,22

Christen­verfolgung heute: Wo werden Christen am meisten verfolgt?

© Ismael Martínez Sánchez / ACN

Verfolgte Christen

Unter Christenverfolgung wird die systematische Bedrängung von Christen verstanden. Sie ist weitreichender als Diskriminierung. Christen müssen in vielen Ländern der Welt mit Strafen, Folter oder dem Tod rechnen, wenn sie ihre christliche Religion leben möchten. Das betrifft vor allem Länder in Teilen Afrikas und Asiens.

Der Schutz der verfolgten Christen ist der Kern der Hilfe von KIRCHE IN NOT. Der Name unseres Hilfswerks nimmt darauf Bezug: Hilfe für die Kirche in Not, dort wo Christen verfolgt werden.

Christenverfolgung gibt es bereits seit der Urzeit des Christentums. Schon Jesus hatte seine Jünger gewarnt: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20). Auch an anderen Stellen der Bibel wird davon berichtet (zum Beispiel Apg 8).

Doch die Christenverfolgung ist kein Phänomen der Antike, sondern sie setzt sich heute in vielen Ländern fort. Die Umstände und Ausprägung sind sehr komplex und unterschiedlich. Es ist schwer, genaue Zahlen über verfolgte Christen zu ermitteln.

KIRCHE IN NOT gibt alle zwei Jahre die Studie „Verfolgt und vergessen?“ heraus. Darin werden Länder untersucht, wo die Situation für Christen besonders prekär ist.

Wo werden Christen verfolgt?

Der Schwerpunkt der Länder, in denen Christen verfolgt werden, liegt überwiegend in Teilen Afrikas und Asiens. War das „Epizentrum“ islamistischer Gewalt bis vor wenigen Jahren noch der Nahe Osten, so hat sich dieses mittlerweile nach Afrika verschoben. Teile von Burkina Faso, Nigeria, Mosambik und andere Länder Subsahara-Afrikas werden durch extremistische Gewalt terrorisiert.

Autoritäre Regime, darunter jene in China, Eritrea, Indien und Iran, verschärften die repressiven Maßnahmen gegen Christen. In Pakistan kommt es wiederholt zu groß angelegten Angriffen auf Christen, die durch Blasphemie-Anklagen ausgelöst wurden.

Aber auch in Nicaragua in Mittelamerika, einem überwiegend katholischen Land, gibt es extreme Unterdrückungsmaßnahmen gegen Christen, insbesondere Massenverhaftungen und Ausweisung von Geistlichen.

Shafqat Emmanuel und Shagufta wurden in Pakistan unter falschen Blasphemievorwürfen verhaftet.
© Greek Orthodox Patriarchate of Antioch

Welche Ursachen für Christenverfolgung gibt es?

Die Ursachen für Christenverfolgung heute sind breit gefächert. Vor allem in den Ländern Westafrikas breitet sich ein islamistischer Terrorismus immer weiter aus. Dschihadistische Gruppen kontrollieren in einigen Ländern große Teile des Territoriums. Hier kommt es zu Überfällen auf Gottesdienste, Kirchen, Priesterseminare und andere kirchliche Einrichtungen.
Schwerpunktländer sind vor allem Burkina Faso und Nigeria. Terrorgruppen wie Boko Haram, Islamischer Staat, radikale Fulani-Hirten und JNIM sind dort aktiv. Die Gewalt richtet sich nicht nur gegen Christen, sondern auch gegen Muslime, die den radikalen Weg der Terroristen nicht mittragen. Doch trotz der ständigen Terrordrohung sind die Christen gläubig und besuchen regelmäßig die Gottesdienste.

In immer mehr Ländern sind autoritäre Regime an der Macht. Dort kommt es häufig zu Maßnahmen gegen Christen. Das geschieht entweder im Namen des religiösen Nationalismus oder des staatlichen Säkularismus/Kommunismus. Zu den Restriktionen gehören harte Strafen für angebliche Beleidigungen der Staatsideologie, die Beschlagnahmund von Gotteshäusern, Verhaftungen und lange Haftstrafen.

Staatliche und nicht staatliche Akteure setzen bestehende oder neue Gesetze zur Kriminalisierung von Handlungen, die als respektlos gegenüber der im Staat vorherrschenden Religion gelten, zunehmend als Mittel zur Unterdrückung von Christen und anderen religiösen Minderheiten ein. So kommt es in Indien beispielsweise in manchen Bundesstaaten vor, dass die Behörden kirchliche Schulen schließen oder bestimmte Betretungsverbote aussprechen.

Wer hat Christenverfolgung erlebt?

Ngbeer Veronica (Nigeria), Mutter von 8 Kindern: Alles ging blitzschnell. Mein Mann und sein Bruder saßen auf dem Hof ​​und tranken ein Glas Wein. Plötzlich kamen Fulani-Hirten, die sie packten und wie Tiere abschlachteten. Ich konnte nicht mehr fliehen. Ich drehte mich um und sagte den Hirten, sie sollten auch mich töten. Wozu sollte ich noch leben, nachdem sie meinen Mann getötet hatten? Doch sie ließen mich in Ruhe. Ich blieb bis zum nächsten Tag bei den Leichen und weinte um Hilfe, die nie kam.

Ich war schockiert, als ich unter den Hirten bekannte Gesichter sah. Ich erkannte zwei der Männer, meine Nachbarn. Wir aßen zusammen, wir lebten ein friedliches, gemeinschaftliches Leben. Mein Mann gab ihnen Land, damit sie für sich und ihre Familien sorgen konnten. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass sie fähig waren, meinen Mann zu töten, nach allem, was wir für sie getan haben.

Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki (Demokratische Republik Kongo): Bei einem Terrorangriff auf ein kirchliches Krankenhaus im Nordosten des afrikanischen Landes wurde die Missionsärztin und Ordensschwester sowie mindestens ein Patient getötet. Die Dschihadistengruppe „Allied Democratic Forces“ (ADF) bekannte sich zu der Tat. Sie plünderte das Krankenhaus und setzte es in Brand. Schwester Marie-Sylvie verbrannte darin. Zuvor hatte sie noch Priester und Ordensleute aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Shagufta Kausar (Pakistan): Ein Mob drang in das Haus ein, in dem Shagufta Kausar mit ihrem gelähmten Ehemann und vier Kindern lebte. Zivilisten und Polizisten riefen nach ihr und beschuldigten sie der Blasphemie. Sie und ihr Mann wurden geschlagen und zur Polizeistation gebracht, wo sie gefoltert wurden. Ihnen wurde gesagt, dass Shagufta beschuldigt werde, eine blasphemische SMS an den Präsidenten der pakistanischen Anwaltskammer geschickt zu haben, einen Mann, den sie noch nie in ihrem Leben getroffen hatte und über dessen Kontaktdaten sie überhaupt nicht verfügte. „Das war schlichtweg Verfolgung aufgrund meines Glaubens, und dieser Mob skandierte vor der Polizeistation‚Tod für Shagufta und Shafqat Emanuel‘“, berichtet Shagufta. Obwohl es unwahrscheinlich war, dass die Anschuldigung den Tatsachen entsprach, wurden Shagufta und ihr Ehemann zum Tode verurteilt und verbrachten die folgenden acht Jahre in verschiedenen Gefängnissen in Einzelhaft. Nach ihrer Freilassung hat sie das Land verlassen.

Unser Bericht über Christenverfolgung

KIRCHE IN NOT gibt alle zwei Jahre den Bericht „Verfolgt und vergessen?“ heraus. Darin werden einige Länder vorgestellt, in denen die Situation für Christen besonders prekär ist. Diese Herausforderungen reichen von Schikanen über Inhaftierung und Zwangsumsiedlung bis hin zu Mord. Es ist keine Reihenfolge der gefährlichsten Orte, an denen man als Christ leben kann, sondern vielmehr Beispiele von besonderem Interesse im Berichtszeitraum.

Das Heft stellt einige Länder und Ereignisse vor, aber auch Fallstudien und Menschen, die aufgrund ihres christlichen Glaubens Einschränkungen, Gewalt, Bedrohung und Inhaftierung erlebt haben oder mitansehen mussten.

KIRCHE IN NOT bietet auch das kostenlose Faltblatt „Christenverfolgung heute“ aus der Reihe „Glaubens-Kompass“ an. Darin werden kurz zusammengefasst Ursachen, Ereignisse und einige Länder vorgestellt.

Außerdem können Sie bei KIRCHE IN NOT die Wanderausstellung „Verfolgte Christen weltweit“ kostenlos ausleihen. Auf 13 bedruckten Bannern werden einige Länder, in denen Christen diskriminiert und verfolgt werden, vorgestellt. Diese eignet sich zum Beispiel für Kirchen, Bildungshäuser, Pastoralzentren oder Schulen. Ein Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT kann bei Ihnen vor Ort einen Vortrag zum Thema Christenverfolgung heute halten.

© radio horeb

Aktiv werden und verfolgten Christen helfen!

Mit der Aktion „Red Wednesday“ macht KIRCHE IN NOT jedes Jahr an einem Mittwoch im November auf das Schicksal aufmerksam. Weltweit werden Kirchen an diesem Tag rot angestrahlt. Die Farbe steht dabei für das Blut, das verfolgte Christen für ihren Glauben vergießen.

KIRCHE IN NOT setzt sich seit rund 80 Jahren für verfolgte Christen ein. Unterstützen Sie die Arbeit mit Ihrer Spende.

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