Nach fast drei Jahren Krieg hat die katholische Schule „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt Mitte September wieder mit dem Unterricht für rund 1000 Schülerinnen und Schüler begonnen. Für den Pfarrer der katholischen Pfarrei in Gaza, Pater Gabriel Romanelli, ist die Wiederaufnahme des Schulbetriebs ein wichtiges Hoffnungszeichen. „Für mich ist die Schule ein Licht in der Dunkelheit“, erklärte Romanelli dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN). „Wenn die Menschen die Kinder und Jugendlichen zur Schule kommen sehen, zeigt ihnen das, dass es eine Zukunft gibt.“
Die Schule „Heilige Familie“ ist aktuell die einzige christliche Bildungseinrichtung im Gaza-Streifen. Vor Beginn des Kriegs im Jahr 2023 gab es dort fünf christliche Schulen – drei in katholischer, eine in orthodoxer und eine in evangelischer Trägerschaft. Aktuell besuchen rund 130 christliche Schüler verschiedener Konfessionen die Schule, die auch Kindern aus muslimischen Familien offensteht.

Noch bis vor wenigen Monaten hatten mehr als 450 Binnenvertriebene in dem Schulgebäude Schutz gesucht. Nun soll dort wieder Unterricht stattfinden. Die Verantwortlichen hätten große Anstrengungen unternommen, um den Kindern eine sichere und saubere Umgebung zu bieten, erklärte Pater Romanelli. „Für die Schüler und ihre Familien wird die Wiedereröffnung der Schule ein Stück Normalität zurückbringen“, sagte der Priester. Zugleich machte er deutlich: „In Gaza ist nichts normal.“ Überall seien Zerstörung und Trümmer zu sehen.
Der Krieg habe tiefe seelische Spuren hinterlassen – bei Kindern und Erwachsenen. Deshalb sollen psychologische Begleitung und Traumahilfe künftig einen festen Platz im Schulalltag erhalten. „Früher gehörte die psychosoziale Betreuung nicht zu unserem Programm. Jetzt wird sie ein wesentlicher Bestandteil unserer Schularbeit sein“, erklärte Romanelli. Auch viele Lehrer seien durch die Kriegserlebnisse schwer traumatisiert. „Jeder in Gaza trägt schwere Traumata mit sich.“

Die Schule soll deshalb weit mehr sein als ein Ort des Unterrichts. Auch nach Schulschluss sollen dort Freizeitaktivitäten und Kurse angeboten werden. Von den Kindern höre er immer wieder: „Wir haben keinen Ort, an den wir gehen können“, berichtete Romanelli.
Auch seine Pfarrei versucht, den Familien kleine Auszeiten vom Alltag zu ermöglichen. Nach der Sonntagsmesse gehe er mit Gemeindemitgliedern beispielsweise an den Strand von Gaza-Stadt, sagte der Priester. Obwohl auch dort überall Trümmer lägen, sollten die Familien wenigstens für kurze Zeit Erholung finden.
KIRCHE IN NOT unterstützt in enger Zusammenarbeit mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem die christliche Minderheit in Gaza wie im gesamten Heiligen Land. Das Hilfswerk fördert dort unter anderem kirchliche und pastorale Projekte und hilft christlichen Familien, die angesichts von Krieg, wirtschaftlicher Not und fehlenden Zukunftsperspektiven vor großen Herausforderungen stehen.