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Joh 15,9

Bischof Meier: „Berührt uns das Leid nur dort, wo es unsere eigene kleine Welt trifft?“

Gebetstag für Christen im Heiligen Land in Augsburg

Einem Nahen Osten ohne Christen ginge ein Stück Hoffnung und Zukunft verloren. Das betonte Bischof Dr. Bertram Meier am vergangenen Sonntag in Augsburg auf einem vom Bistum gemeinsam mit KIRCHE IN NOT (ACN) organisierten Gebetstag. Schwerpunkt des Tages war die Situation der Christen im Heiligen Land. Die Veranstaltung hatte nachmittags mit Hintergrundinformationen zum Thema im Haus St. Ulrich begonnen und endete mit einer von Bischof Meier geleiteten Kreuzwegandacht im Hohen Dom zu Augsburg.

„Infolge der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der vergangenen zwei Jahrzehnte sind Christen in vielen Ländern des Nahen Ostens heute nur noch kleine und kleinste Minderheiten“, erklärte Bischof Meier in seinem Grußwort. Zugleich verstünden sich die Christen im Heiligen Land weiterhin als lebendige Zeugen ihres Glaubens.

Bernard Poggi, Rektor des Priesterseminars in Beit Jala (Foto: KIRCHE IN NOT).

Bischof Meier, der auch Vorsitzender der Weltkirchenkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist, hob zudem die komplexe Situation hervor, in der die christlichen Minderheiten des Nahen Ostens um ihr Überleben kämpfen. Die Kriege in Gaza, im Libanon und Iran hätten schwere Spuren hinterlassen. „Parallel dazu nehmen die Gewalttaten extremistischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland zu, während der Ausbau israelischer Siedlungen vorangetrieben wird“, sagte Meier.

Gast aus Jerusalem schildert „Verachtung, Gewalt und fehlende Arbeitsgrundlagen“

Sehr konkret wurde diese Realität in der Schilderung des eigens für diesen Tag angereisten Abgesandten des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Bernard Poggi. Der Geistliche, der das bei Bethlehem gelegene Priesterseminar von Beit Jala leitet, beschrieb die Kernprobleme, die viele Christen zur Auswanderung zwingt. „Verachtung macht Zugehörigkeit von Bedingungen abhängig“, sagte er. „Gewalt durch Siedler macht das Land unzugänglich. Genehmigungsverfahren und Kontrollpunkte entziehen den Menschen die Arbeitsgrundlage. Der Tourismus bricht zusammen, und Schulen, Kliniken sowie Kirchengemeinden müssen unter dauerhaften Notstandsbedingungen funktionieren.“

Bischof Bertram Meier, Bernard Poggi und KIRCHE-IN-NOT-Geschäftsführer Florian Ripka während der Kreuzweg-Andacht (v. l. n. r.)

„Einen Olivenhain kann man nicht nur zweimal im Jahr bewirtschaften“

Die Bewirtschaftung eigener landwirtschaftlicher Flächen sei für christliche Bauern inzwischen fast unmöglich, da ihre Olivenhaine durch die israelischen Barrieren von ihren Dörfern abgetrennt seien und die Durchgänge zu landwirtschaftlichen Zwecken nur sehr selten erlaubt würden. „Oft erhalten die Bauern nur zweimal im Jahr Zugang. Aber einen Olivenhain kann man nicht nur zweimal im Jahr bewirtschaften“, erklärte Bernard Poggi.

Vor allem für die Christen in Bethlehem und Jerusalem desaströs sei der immer noch darniederliegende Pilgertourismus. „Die Arbeitslosenquote speziell unter Christen ist dort mit über 50 Prozent fast doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt“, betonte Bernard Poggi. Hinter diesen Zahlen stünden Menschen: Reiseführer, Ladenbesitzer, Kunsthandwerker, Hotelangestellte und Hochschulabsolventen. „Wenn die Arbeit wegfällt, stellt sich für die Familien nicht mehr die Frage, wer bleiben kann, sondern wer gehen kann“, sagte der Priester.

Kreuzwegandacht im Augsburger Dom (Foto: KIRCHE IN NOT)

Zudem wies Poggi auf die zwischenmenschlich „verwilderte“ Atmosphäre in Jerusalem hin, die er anhand eines Erlebnisses schilderte, das er bei einem Ausflug mit jugendlichen Priesterseminaristen gemacht habe. Für die große Mehrheit der jungen Leute sei es das erste Mal gewesen, dass sie aufgrund einer Sondererlaubnis Jerusalem und die heiligen Stätten besuchen konnten. „Als wir vom Berg Zion herabstiegen, spuckten Kinder einer Siedlergemeinschaft auf uns“, berichtete Poggi. „Diese Kinder waren ähnlich gekleidet wie unsere Seminaristen, doch sie spuckten sie an, nur weil unsere Seminaristen Kreuze trugen.“ Verachtung habe sich in die Begegnung eingeschlichen, noch bevor ein Gespräch überhaupt hätte beginnen könne, stellte Poggi fest.

Zwischenmenschlich „verwilderte“ Atmosphäre in Jerusalem

Im Anschluss an diese eindrücklichen Schilderungen zogen die knapp 100 Teilnehmer des Gebetstags in den Augsburger Dom, wo die Anliegen der Christen im Heiligen Land ins Gebet einer Kreuzwegandacht hineingenommen wurden.

Friedenstaube auf der Mauer, die Israel von den Palästinensischen Gebieten trennt.
Friedenstaube auf der Mauer, die Israel von den Palästinensischen Gebieten trennt.

In seiner Ansprache zu Beginn des Kreuzwegs erinnerte der Augsburger Bischof Bertram Meier daran, dass die christliche Haltung der Friedfertigkeit und die Fähigkeit, Leid anzunehmen, nicht heiße, auf politische Lösungen und humanitäre Hilfe zu verzichten. „Vielmehr müssen wir alles daransetzen, um Not zu lindern und zukünftiges Leid zu verhindern“, rief der Bischof aus und fragte: „Sind wir nicht abgestumpft von den medialen Bilderfluten, die uns das Elend der Welt zeigen? Berührt uns am Ende Leid doch nur dort, wo es unsere eigene kleine Welt trifft?“ Es sei das Kennzeichen von Christen, dass sie sich gewaltfrei für andere einsetzen. „Mit jedem Menschen, der in der Nachfolge Christi steht, lebt die Hoffnung auf, dass die Welt heil wird“, betonte Bischof Meier.

Der Gebets- und Informationstag für Christen in Not wird jährlich vom Bistum Augsburg in Zusammenarbeit mit KIRCHE IN NOT (ACN) veranstaltet. Der Termin orientiert sich am Kirchenfest „Kreuzerhöhung“, das 2026 am 14. September gefeiert wird.

Mehr Informationen über die weltweite Lage des Menschenrechts der Religions- und Weltanschauungsfreiheit gibt KIRCHE IN NOT auf www.religionsfreiheit-weltweit.de.


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