Die Christen im Heiligen Land stehen vor großen Herausforderungen. Ausbleibende Pilger, Arbeitslosigkeit und zunehmende Unsicherheit bedrohen die Existenz vieler christlicher Familien. Nach einem Besuch in Bethlehem, Jerusalem und weiteren Orten ruft Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), dazu auf, die christlichen Gemeinden durch Gebet, konkrete Hilfe und Besuche zu unterstützen.

© Lateinisches Patriarchat von Jerusalem
Ausbleibende Pilger bedrohen christliche Familien in Bethlehem und Jerusalem
Für viele Christen im Heiligen Land ist der Pilgertourismus eine wichtige Lebensgrundlage. Doch seit dem Rückgang der Pilgerreisen fehlt zahlreichen Familien ihr Einkommen. Besonders in Bethlehem und der Altstadt von Jerusalem ist die wirtschaftliche Not groß.
Bei ihrem Besuch begegnete Regina Lynch christlichen Familien, die von kleinen Beschäftigungsprojekten profitieren, die KIRCHE IN NOT unterstützt.
„Das sind Menschen, die arbeiten und ihre Familien versorgen wollen. Wir trafen Frauen, deren Ehemänner bereits alles verkauft hatten, was sich noch zu Geld machen ließ. Trotzdem reicht es nicht, um ihre Familien zu ernähren“, berichtete Lynch.
Die Begegnungen machten deutlich, wie dringend die Christen vor Ort Unterstützung benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und in ihrer Heimat bleiben zu können.

© KIRCHE IN NOT
KIRCHE IN NOT unterstützt die christliche Präsenz im Heiligen Land
Anlass der Reise war ein Aufruf von Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Er hatte dazu ermutigt, gerade angesichts der ausbleibenden Pilger ins Heilige Land zu reisen und Solidarität mit den christlichen Gemeinden zu zeigen.
Während ihres Aufenthalts traf Regina Lynch auch den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa. Dieser bedankte sich für die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT und betonte, dass nicht nur die finanzielle Hilfe, sondern auch die Gebete und die Anteilnahme der Wohltäter von großer Bedeutung seien.
Für Lynch geht es darum, den Menschen eine Zukunft in ihrer Heimat zu ermöglichen und gleichzeitig ihren Glauben zu stärken.
„Ihnen zu helfen, Arbeit zu finden und in ihren Gemeinden zu bleiben, ist von entscheidender Bedeutung“, erklärte sie.

Christen im Westjordanland: Unsicherheit erschwert den Alltag
Auch in christlichen Dörfern im Westjordanland, darunter Taybeh, erfuhr die Reisegruppe von den zunehmenden Schwierigkeiten der Bevölkerung.
Obwohl die Gruppe vor Ort eine weitgehend ruhige Atmosphäre erlebte, berichteten Bewohner von Übergriffen militanter israelischer Siedler und wachsenden Einschränkungen im Alltag. Die Ausweitung nahegelegener Siedlungen sei deutlich sichtbar gewesen.
Besonders schwierig ist die Situation für Familien, deren Kinder täglich lange Schulwege zurücklegen müssen.
„Ein Lehrer erzählte uns, dass Schülerinnen und Schüler morgens um sechs Uhr das Haus verlassen und erst abends um sechs Uhr zurückkehren, weil sie für ihre Ausbildung in andere Orte fahren müssen“, berichtete Lynch.
Kontrollpunkte machen die Fahrtzeiten unberechenbar. Auch Landwirte sorgen sich darum, ob sie ihre Felder erreichen und ihre Ernte einbringen können. Zudem hörte die Reisegruppe Berichte über niedergebrannte Olivenbäume.

Kirchliche Projekte schaffen Arbeitsplätze und stärken den Glauben
Trotz der schwierigen Situation gibt es für die Christen im Heiligen Land auch Zeichen der Hoffnung. Bei ihrer Reise besuchte Regina Lynch mehrere Projekte, die KIRCHE IN NOT unterstützt.
Druckerei in Bethlehem sichert Arbeitsplätze
Ein Beispiel ist eine von der katholischen Kirche betriebene Druckerei in Bethlehem, deren Ausstattung mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT modernisiert wurde.
Die Druckerei ermöglicht die Herstellung kirchlicher Veröffentlichungen und schafft gleichzeitig Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung. Gerade angesichts der hohen Arbeitslosigkeit sind solche Projekte für christliche Familien von großer Bedeutung.
Ausbildung für christliche Pilgerführer im Heiligen Land
Ein weiteres Projekt ist ein Ausbildungsprogramm des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem für Menschen, die früher als Fremdenführer gearbeitet haben.
Viele von ihnen verloren durch das Ausbleiben der Pilger ihre Beschäftigung. Das Programm bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Glaubenskenntnisse zu vertiefen und sich auf eine spätere Rückkehr in den Pilgertourismus vorzubereiten.
Ziel ist es, Pilgern die heiligen Stätten künftig aus einer christlichen Perspektive näherzubringen.
Besonders beeindruckt zeigte sich Lynch von einer Teilnehmerin, die berichtete, dass ihre Familie früher nur gelegentlich die Sonntagsmesse besucht habe. Durch das Ausbildungsprogramm sei ihr Glaube inzwischen deutlich gewachsen.
Auch der Besuch im Priesterseminar von Beit Jala gehörte für Lynch zu den ermutigenden Begegnungen ihrer Reise.
„Solche Begegnungen zeigen mir, dass es selbst in dunklen Zeiten Licht geben kann“, sagte sie.

„Die Christen im Heiligen Land dürfen nicht vergessen werden“
Für Regina Lynch steht fest: Die christlichen Gemeinden im Heiligen Land brauchen weiterhin die Solidarität der Weltkirche.
Ein Heiliges Land ohne Christen wäre nach ihren Worten ein verheerender Verlust. Deshalb sei es wichtig, den Menschen nicht nur wirtschaftlich zu helfen, sondern ihnen auch zu zeigen, dass sie Teil einer weltweiten Glaubensgemeinschaft sind.
„Die Christen dort müssen spüren, dass sie nicht vergessen sind“, betonte Lynch.
Seit ihrer Rückkehr ermutigt die Präsidentin von KIRCHE IN NOT deshalb zu Pilgerreisen ins Heilige Land. Sie selbst habe sich während ihres gesamten Aufenthalts zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt.
Ihre Botschaft an alle, die den Christen vor Ort helfen möchten, lautet:
„Beten, unterstützen und besuchen.“