Nach Luftangriffen auf die Hafenstadt Tyros im Süden des Libanon hat die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), Regina Lynch, vor einer weiteren Eskalation gewarnt. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei einem Luftangriff auf Tyros am 9. Juni mindestens acht Menschen getötet und zahlreiche weitere Personen verletzt. Erstmals war auch das historische christliche Viertel der Stadt von Evakuierungsaufrufen betroffen.
Lynch lief die Verantwortlichen auf beiden Seiten dazu auf, „alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um weiteres Leid, Vertreibung und Zerstörung zu verhindern“. Zivilisten müssten geschützt und religiöse Stätten vor weiterer Zerstörung bewahrt werden. Auslöser der Stellungnahme war ein Appell des melkitischen griechisch-katholischen Erzbischofs von Tyros, Georges Iskandar, der gemeinsam mit weiteren Kirchenvertretern vor einer Gefährdung der Altstadt und ihrer christlichen Gemeinden gewarnt hatte.

„In diesem kritischen Moment bringen wir unsere Solidarität mit der Ortskirche und mit allen Zivilisten zum Ausdruck, die in der Stadt geblieben sind – besonders mit Familien, Kindern, älteren Menschen und den Schutzbedürftigsten“, erklärte Lynch. Besondere Sorge gelte „der Sicherheit der Bewohner des christlichen Viertels und dem Erhalt einer christlichen Präsenz, die seit apostolischer Zeit in Tyros verwurzelt ist“.
Sorge um Erhalt der christlichen Präsenz
Tyros nehme einen besonderen Platz in der Geschichte des Christentums und im geistlichen Erbe des Libanon ein, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT. Die Gotteshäuser und historischen Viertel seien „lebendige Zeugnisse jahrhundertelangen Glaubens, des Zusammenlebens und der Widerstandskraft“. Jede Bedrohung von Zivilisten, religiösen Stätten oder dieses kulturellen Erbes erfülle sie mit großer Sorge.

Lynch verwies zugleich auf die langjährige Verbundenheit von KIRCHE IN NOT mit den Christen in Tyros und im Süden des Libanon: „Wir kennen diese Gemeinden persönlich. Wir haben ihre Häuser besucht, in ihren Kirchen gebetet und ihre Entschlossenheit erlebt, trotz zahlreicher Herausforderungen die christliche Präsenz in dieser historischen Stadt aufrechtzuerhalten.“
KIRCHE IN NOT steht den Gemeinden im Libanon bei
Abschließend bekräftigte die Geschäftsführende Präsidentin die Unterstützung für die Arbeit der Kirche im Libanon und die verbliebenen Christen: „Wir beten um Frieden, Sicherheit und Stabilität und bekräftigen unsere Verpflichtung, an der Seite der Ortskirche zu stehen, während sie weiterhin den von Angst, Unsicherheit und Konflikt betroffenen Menschen dient.“ Die Erklärung endet mit den Worten: „Möge Gott die Menschen von Tyros schützen, den Libanon bewahren und der Region Frieden schenken.“