Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

2 Tim 1,7

Libanon: Kirche überrascht Muslime mit christlicher Nächstenliebe

Der Krieg im Libanon hat nach Beobachtung eines maronitischen Erzbischofs nicht nur neue Spannungen und Leid verursacht, sondern an manchen Orten auch unerwartete Begegnungen ermöglicht: Christen und schiitische Muslime seien sich inmitten von Flucht, Angst und Vertreibung nähergekommen. Viele Muslime seien von der Hilfsbereitschaft der Kirche positiv überrascht und berührt. Darauf hat Erzbischof Hanna Rahmé von der maronitischen Erzdiözese Baalbek-Deir El-Ahmar im Gespräch mit KIRCHE IN NOT (ACN) hingewiesen.

„Die Gewalt, die sich anfangs gegen die Schiiten gerichtet hat, greift inzwischen auch auf Christen über“, erklärte der Erzbischof. Noch immer würden Dörfer angegriffen und Menschen seien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Zugleich habe die Krise jedoch Erfahrungen ermöglicht, die viele überrascht hätten.

Zum Hintergrund: Die Angriffe gegen Stellungen der schiitischen Hisbollah im Südlibanon ziehen immer mehr auch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft. Betroffen sind Muslime und Christen, da es in der Region einige christlich geprägte Dörfer gibt. Durch die Rolle der schiitischen Hisbollah im Konflikt begegnen sich die Bevölkerungsgruppen teilweise mit Misstrauen.

Erzbischof Hanna Rahmé aus Baalbek, im Vordergrund eine muslimische Frau. © Ismael Martinez Sanchez/ Kirche in Not

Wie Rahmé berichtete, seien viele Christen überrascht gewesen, als schiitische Muslime sie um Hilfe baten. Dennoch habe die Kirche Hilfesuchende unabhängig von ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit in Pfarrzentren und Privathäusern aufgenommen. „Wir alle wollen den Terrorismus beenden, aber nicht durch Gewalt“, sagte der Erzbischof. Die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen seien aufgerufen, Wege des Dialogs zu fördern und zu begleiten.

Kirche nimmt Menschen aller Religionen auf

Rahmé zeigte sich besonders beeindruckt von der Geschichte einer vertriebenen muslimischen Familie. Sie habe große Sorge gehabt, wie sie von Christen aufgenommen würde. Ein Priester habe ihnen jedoch die Türen geöffnet und geholfen, ein neues Leben aufzubauen.

Einige Tage später habe der Priester gehört, wie die Tochter zu ihren Eltern sagte: „Es scheint, als seien die Christen freundlich und als würden sie uns wirklich mögen.“ Die Familie habe zuvor offenbar ein anderes Bild von Christen vermittelt bekommen. „Wenn Menschen in einem isolierten Umfeld aufwachsen, glauben sie letztlich jede Lüge, die ihnen erzählt wird“, sagte Rahmé.

Auch muslimische Flüchtlinge sind einer Suppenküche von Ordensfrauen in der Bekaa-Ebene herzlich willkommen.

Nach Einschätzung des Erzbischofs habe der Krieg vielen Menschen die besondere Rolle der Kirche neu vor Augen geführt. „Der Krieg hat vielen Menschen bewusst gemacht, dass es das Charisma der Kirche ist, zu Frieden und Zusammenleben aufzurufen, auch wenn andere Stimmen Gewalt propagieren.“ Neben der Hilfe für Vertriebene versucht die Kirche im Libanon weiterhin, jungen Menschen Perspektiven zu geben. Mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT organisiert sie Sommercamps für Jugendliche aus verschiedenen Regionen des Landes sowie für syrische Flüchtlinge.

„Ohne Jesus hätte ich es nicht durchgestanden“

Trotz der schwierigen Situation zeigte sich Rahmé hoffnungsvoll: „Ohne Jesus hätte ich die Situation, die der Libanon durchlebt, nicht durchgestanden. Ich habe großes Glück, denn ich habe Hoffnung.“

„Seit vier Jahren reißt die Hilfsbereitschaft für die Ukraine nicht ab. Dank dieser Hilfe bleibt die katholische Kirche in der Ukraine lebendig und handlungsfähig“, sagte Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland. „Wie lange auch immer dieser Krieg noch dauern mag, und auch wenn eines Tages die Waffen schweigen sollten: Wir vergessen unsere Brüder und Schwestern in der Ukraine nicht – unsere Spender und Wohltäter sind der Beweis dafür.“

Am Ende ihres Briefes formuliert Julia einen Satz, der für viele Ukrainer steht: „Jeden Tag träume ich von der Rückkehr in mein geliebtes Charkiw. Und wir werden zurückkehren. Der Krieg wird enden.“


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