Ich habe gerade darum Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut erweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.

1 Tim 1,16

Christen in Syrien: Teilhabe und Bildung stärken, um Abwanderung zur verhindern

Viele Christen in Syrien sehen für sich keine Zukunft mehr in ihrer Heimat. Krieg, wirtschaftliche Not und Unsicherheit bewegen besonders junge Menschen zur Abwanderung. KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt kirchliche Bildungs- und Begegnungsangebote, die neue Perspektiven eröffnen. Jesuitenpater Gerald Baumgartner ist überzeugt: Neben materieller Hilfe brauchen Christen die Möglichkeit, ihre Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Gleichzeitig warnt der Jesuit: „Unser Ziel ist nicht, die Christen materiell besserzustellen, damit sie sich einigeln und eine Parallelgesellschaft bilden.“ Eine solche Entwicklung gefährde langfristig gerade das, was Hilfswerke erhalten wollten: eine lebendige christliche Präsenz in Syrien. „Ausschließlich mit materieller Hilfe werden viele ausreisen.“

„Es geht nicht darum, Menschen zum Bleiben zu drängen. Jeder muss diese Entscheidung frei treffen“, betont der österreichische Jesuit im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Entscheidend sei, Hoffnung zu wecken und den Menschen zu vermitteln: „Es liegt auch an euch, dieses Land zu verändern.“

Warum junge Christen Syrien verlassen

Mehr als ein Jahrzehnt Krieg, Vertreibung, Wirtschaftskrise, die Pandemie und das schwere Erdbeben von 2023 haben das Leben vieler junger Syrer geprägt. Hinzu kommt die Unsicherheit nach dem politischen Machtwechsel. Für viele ist Abwanderung deshalb der Versuch, überhaupt eine Zukunft zu finden.

„Niemand will einfach so nach Deutschland“, sagt Baumgartner über junge Menschen, die er beim Abschied begleitet hat. „Sie können nicht in Syrien bleiben, weil sie dort keine Hoffnung haben. An einem anderen Ort haben sie zumindest die Hoffnung auf Hoffnung.“

Der Jesuit Pater Gerald Baumgartner lebt und arbeitet in Aleppo.

Pater Gerald Baumgartner arbeitet heute in Aleppo. Zuvor war er ab 2021 in Homs tätig und koordinierte dort unter anderem die Nothilfe nach dem Erdbeben. Seine Erfahrungen zeigen ihm: Materielle Unterstützung ist notwendig. Um die christliche Präsenz in Syrien langfristig zu sichern, braucht es jedoch auch Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Zukunftsperspektiven.

Hilfe durch Bildung und Begegnung

Die Jesuiten betreiben in Syrien Kultur- und Bildungszentren, die KIRCHE IN NOT mit unterstützt. Dort gibt es neben der Seelsorge unter anderem Sprachkurse, berufliche Weiterbildungen und Kurse zur Konfliktbewältigung.

Menschen unterschiedlicher Religionen und Herkunft lernen gemeinsam und kommen miteinander ins Gespräch. Anschließend sollen sie in ihrem eigenen Umfeld Brücken bauen können. In einer Gesellschaft, die von Krieg und tiefem Misstrauen geprägt ist, schafft diese Begegnung eine Grundlage für das Zusammenleben.

Der Jesuit Pater Gerald Baumgartner lebt und arbeitet in Aleppo. © SJ-Bild

„Unser Ziel ist nicht, die Christen materiell besserzustellen, damit sie sich einigeln und eine Parallelgesellschaft bilden“, erklärt Baumgartner. Christen seien ein Teil Syriens und sollten sich aktiv in die Zukunft ihres Landes einbringen. Die soziale Hilfe der Kirche steht deshalb Menschen unabhängig von ihrer Religion offen.

Christen in Syrien zwischen Unsicherheit und Aufbruch

Die Lage nach dem Ende der Assad-Herrschaft beurteilt Baumgartner differenziert. In mancher Hinsicht könne die Kirche heute freier arbeiten. Unter dem früheren Regime hätten selbst kirchliche Sommercamps aufwendige Genehmigungen der Sicherheitsdienste benötigt. An Kontrollpunkten sei es immer wieder zu Schikanen und Korruptionsversuchen gekommen.

Gleichzeitig warnt der Jesuit davor, die heutige Situation schönzureden. Staatliche Strukturen befinden sich noch im Aufbau, die Sicherheitslage ist regional unterschiedlich. Nach dem Machtwechsel gab es schwere Gewalttaten gegen Minderheiten. „Wohin die Reise geht, wissen wir nicht“, sagt Baumgartner.

Feier der heiligen Messe bei einem Sommercamp mit Pfadfinderinnen in Syrien. © SJ-Bild

Für ihn ist diese Unsicherheit ein Grund, die Hilfe für Syrien fortzusetzen: „Gerade jetzt muss man unterstützen.“ Kirchliche Bildungs- und Begegnungsarbeit könne dazu beitragen, dass Menschen unterschiedlicher Religionen und Volksgruppen gemeinsam eine Zukunft aufbauen.

Ihre Hilfe gibt Christen in Syrien Perspektiven

KIRCHE IN NOT unterstützt die Arbeit der Kirche in Syrien, darunter Bildungs- und Begegnungsangebote der Jesuiten sowie Sommercamps. Solche Angebote begleiten junge Menschen, stärken ihre Fähigkeiten und helfen ihnen, neue Hoffnung für ihr Leben in der Heimat zu schöpfen.

Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Syrien und die Projekte von KIRCHE IN NOT mit Ihrer Spende. Helfen Sie mit, Christen in Syrien Perspektiven zu eröffnen und das Zusammenleben über religiöse Grenzen hinweg zu stärken.


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