Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.

Joh 8,31b-32

Nahostkrieg: KIRCHE IN NOT weitet Nothilfe im Libanon aus

Angesichts der jüngsten Eskalation im Libanon intensiviert KIRCHE IN NOT seine Hilfe vor Ort deutlich. Im Zentrum stehen derzeit der Aufbau medizinischer Versorgungsstrukturen, die Unterstützung von Vertriebenen sowie konkrete Hilfsprojekte für besonders betroffene Regionen.

Ein Schwerpunkt ist der Aufbau neuer medizinischer Anlaufstellen im umkämpften Süden des Landes. Gemeinsam mit der maronitisch-katholischen Kirche plant KIRCHE IN NOT die Einrichtung eines medizinischen Versorgungszentrums, unter anderem in der Region Qlayaa, wo entsprechende Strukturen bereits vorhanden sind. Qlayaa liegt wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt und ist ein überwiegend christlich geprägtes Dorf. Der am 9. März bei einem Bombenangriff getötete Priester Pfarrer Pierre al-Raï war dort Pfarrer.

Beisetzung des getöteten Priesters Pierre al-Raï in Qlayaa.
Beisetzung des getöteten Priesters Pierre al-Raï in Qlayaa.

In Qlayaa stehen Freiwillige bereit, auch medizinisches Personal ist verfügbar – es fehlt jedoch an Medikamenten, Ausrüstung und finanzieller Absicherung. Genau hier setzt die Hilfe von KIRCHE IN NOT an: Das Hilfswerk will Gehälter für Ärzte finanzieren sowie notwendige Medikamente und Ausstattung bereitstellen. Hintergrund ist eine dramatische Erfahrung der vergangenen Wochen: Verwundete sind gestorben, weil eine schnelle medizinische Versorgung nicht möglich war.

Hilfe für verwundete Menschen dringend benötigt

Parallel dazu hat KIRCHE IN NOT neue Nothilfeprojekte für Vertriebene auf den Weg gebracht. In der maronitischen Diözese (Eparchie) Sidon im Südwesten des Libanon sollen rund 1500 Binnenvertriebene mit Lebensmitteln und grundlegenden Gütern versorgt werden.

Ein weiteres Projekt in der Region Baalbek in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Landes richtet sich an bis zu 8000 Menschen, die aufgrund der Kämpfe ihre Heimat verlassen mussten. Beide Initiativen werden gemeinsam mit lokalen kirchlichen Partnern umgesetzt und befinden sich derzeit in der finalen Abstimmung.

Ein libanesischer Priester zeigt zerstörte Gebäude in in Alma Sha’b nahe der israelischen Grenze.
Ein libanesischer Priester zeigt zerstörte Gebäude in in Alma Sha’b nahe der israelischen Grenze.

Die Hilfe erfolgt über ein weit verzweigtes Netzwerk kirchlicher Einrichtungen: Pfarreien, Diözesaneinrichtungen und Klöster nehmen Vertriebene auf und organisieren Versorgung und Unterkünfte. Viele Menschen leben derzeit in kirchlichen Gebäuden, bei Gastfamilien oder in angemieteten Wohnungen. Die Kirche hilft ausdrücklich allen Bedürftigen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Hilfe für Flüchtlingskinder

Die Versorgungslage im Libanon entwickelt sich ebenfalls dramatisch. Neben der Lebensmittelversorgung rückt aktuell ein weiteres Problem in den Fokus: der Mangel an Treibstoff. Aufgrund der anhaltenden Stromausfälle sind viele Einrichtungen auf Generatoren angewiesen. KIRCHE IN NOT bereitet sich darauf vor, auch diesen Bereich verstärkt zu unterstützen.

Neben der unmittelbaren Nothilfe reagiert KIRCHE IN NOT auch auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Familien. Ein weiteres geplantes Projekt sieht vor, Pakete mit Bibeln und Spielen zu verteilen. Sie sollen Kindern helfen, die Erlebnisse von Flucht und Gewalt besser zu verarbeiten und Familien in der Ausnahmesituation Halt geben.

Binnenvertriebene Familie aus Deir Mimas, einem christlichen Dorf im Süden, die Zuflucht in einer Wohnung in Beirut gefunden hat.
Binnenvertriebene Familie aus Deir Mimas, einem christlichen Dorf im Süden, die Zuflucht in einer Wohnung in Beirut gefunden hat.

Die aktuellen Maßnahmen bauen auf der langjährigen Hilfe des Hilfswerks im Libanon auf. Bereits bei der Eskalation im Jahr 2024 infolge des Gazakriegs stellte KIRCHE IN NOT mehr als vier Millionen Euro für 72 Projekte bereit – darunter Hilfen für Schulen, Lebensmittelversorgung, medizinische Betreuung und Traumabegleitung. Angesichts der aktuellen Entwicklung rechnen die Partner vor Ort nun mit einem deutlich höheren Bedarf.

„Unsere Stärke ist, dass wir bleiben“

Charakteristisch für die Arbeit von KIRCHE IN NOT ist der langfristige Ansatz. „Unsere große Stärke ist, dass wir bleiben“, betonen die Verantwortlichen. Viele laufende Projekte – etwa die Unterstützung katholischer Schulen oder pastorale Angebote mit psychologischer Begleitung – haben bereits einen ausgeprägten Notfallcharakter und werden auch in der aktuellen Situation fortgeführt.

Die Lage im Libanon bleibt unterdessen angespannt. Vertriebene sind im ganzen Land verteilt, die Zahl der Hilfsbedürftigen verändert sich ständig. Umso wichtiger ist die enge Abstimmung mit lokalen Partnern und anderen Hilfsorganisationen. Klar ist jedoch: Die Kirche bleibt für viele Menschen ein zentraler Anlaufpunkt – und KIRCHE IN NOT unterstützt sie dabei, diese Rolle auch unter erschwerten Bedingungen wahrzunehmen.


Schlagworte

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Wochen nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela benötigen hunderttausende Menschen weiterhin dringend Hilfe. KIRCHE IN NOT hat umfangreiche Soforthilfen ...
Ab sofort können sich Pfarreien mit Aktionen, Gottesdiensten und Veranstaltungen zum Red Wednesday 2026 anmelden. An diesem „roten Mittwoch“ ruft ...
Während die Folgen der verheerenden Erdbeben in Venezuela immer deutlicher zutage treten, ist die katholische Kirche zu einem zentralen Anlaufpunkt ...
Newsletter

Bleiben Sie gut informiert

Wir informieren Sie in unregelmäßigen Abständen über die Notlage der Weltkirche, geben aktuelle Tipps zu Veranstaltungen, zu Radio- und Fernsehsendungen und neuem Medienmaterial. Sie können sich jederzeit vom Newsletter abmelden.