Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus. 

1 Kor 15,55-58

Ukraine: Nuntius warnt vor wachsender Erschöpfung der Bevölkerung

Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, hat die Lage im Land angesichts des anhaltenden Krieges als „sehr schwierig“ beschrieben. Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT sprach der Botschafter des Heiligen Stuhls von wachsender Erschöpfung in der Bevölkerung und schweren Belastungen für Familien – aber auch von einer zunehmenden Suche nach Glauben und Orientierung.

Nach über vier Jahren Krieg würden die Folgen der Dauerbelastung immer deutlicher spürbar. Viele Menschen litten unter Schlafmangel wegen nächtlicher Angriffe und seien psychisch erschöpft. Dennoch versuchten zahlreiche Familien weiterhin, ihren Alltag unter schwierigsten Bedingungen aufrechtzuerhalten.

Besonders die zurückliegenden Wintermonate seien für viele Menschen hart gewesen. „Viele Familien hatten weder Heizung noch Strom“, erklärte Kulbokas. Zwar unterstützten humanitäre Organisationen die Bevölkerung weiterhin etwa mit Generatoren oder Kochgeräten, doch bleibe der Bedarf groß.

Erzbischof Visvaldas Kulbokas, Apostolischer Nuntius in der Ukraine.

Vor allem in Frontnähe sei der Alltag weiterhin von Angst und Unsicherheit geprägt. Wegen Drohnenangriffen und Minengefahr könnten sich Menschen oft nur zu bestimmten Tageszeiten bewegen, sagte der Nuntius. Auch der Zugang zu Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Versorgung bleibe vielerorts problematisch.

Schulunterricht im Bunker

Besonders betroffen seien Kinder und Familien. In einigen Regionen finde Unterricht weiterhin in unterirdischen Schutzräumen statt. Gleichzeitig veränderten Fluchtbewegungen ganze Städte und Gemeinden: Während manche Orte stark an Bevölkerung verloren hätten, nähmen andere Regionen zahlreiche Vertriebene auf.

Trotz der schwierigen Lage bleibe die Kirche in vielen Regionen präsent. Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter leisteten weiterhin humanitäre Hilfe und begleiteten die Menschen seelsorglich. Auch an der Front seien Priester im Einsatz. „Manchmal besteht ihre Aufgabe einfach darin, bei den Menschen zu bleiben; sie beten und feiern die Messe in Luftschutzkellern und Bunkern – oft in Situationen ständiger Gefahr aufgrund drohender Angriffe“, sagte Kulbokas.

Ein Priester besucht Soldaten und Bewohner im Frontgebiet. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not

Zugleich beobachte er eine wachsende Offenheit für religiöse Fragen. „Die Sehnsucht nach Gott nimmt in der Nähe der Front signifikant zu“, erklärte der Nuntius. Als Beispiel schilderte Kulbokas die Geschichte eines jungen Mannes, der durch den Krieg vertrieben worden sei und ursprünglich weder ein Kreuz noch eine Kirche gekannt habe. Durch die Begegnung mit einem Priester habe er zum Glauben gefunden und sei später ins Priesterseminar eingetreten.

„Sehnsucht nach Gott nimmt zu“

Der Heilige Stuhl engagiere sich weiterhin bei humanitären Fragen, etwa mit Blick auf Gefangene, Vertriebene und die Rückführung ukrainischer Kinder aus Russland, betonte der Nuntius. Diese Bemühungen seien jedoch komplex und von der internationalen Zusammenarbeit abhängig.

KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Kirche in der Ukraine seit Beginn des Krieges mit umfangreichen Hilfsmaßnahmen. Das Hilfswerk fördert unter anderem die Ausbildung und den Einsatz von Priestern und Ordensleuten, die Betreuung von Binnenflüchtlingen, Traumahilfe sowie die Versorgung kirchlicher Einrichtungen mit Generatoren und Heizmaterial.

„Seit vier Jahren reißt die Hilfsbereitschaft für die Ukraine nicht ab. Dank dieser Hilfe bleibt die katholische Kirche in der Ukraine lebendig und handlungsfähig“, sagte Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland. „Wie lange auch immer dieser Krieg noch dauern mag, und auch wenn eines Tages die Waffen schweigen sollten: Wir vergessen unsere Brüder und Schwestern in der Ukraine nicht – unsere Spender und Wohltäter sind der Beweis dafür.“

Am Ende ihres Briefes formuliert Julia einen Satz, der für viele Ukrainer steht: „Jeden Tag träume ich von der Rückkehr in mein geliebtes Charkiw. Und wir werden zurückkehren. Der Krieg wird enden.“


Schlagworte

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Wochen nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela benötigen hunderttausende Menschen weiterhin dringend Hilfe. KIRCHE IN NOT hat umfangreiche Soforthilfen ...
Ab sofort können sich Pfarreien mit Aktionen, Gottesdiensten und Veranstaltungen zum Red Wednesday 2026 anmelden. An diesem „roten Mittwoch“ ruft ...
Während die Folgen der verheerenden Erdbeben in Venezuela immer deutlicher zutage treten, ist die katholische Kirche zu einem zentralen Anlaufpunkt ...
Newsletter

Bleiben Sie gut informiert

Wir informieren Sie in unregelmäßigen Abständen über die Notlage der Weltkirche, geben aktuelle Tipps zu Veranstaltungen, zu Radio- und Fernsehsendungen und neuem Medienmaterial. Sie können sich jederzeit vom Newsletter abmelden.