Christen in Pakistan erleben Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung. Ein neuer Bericht der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der pakistanischen Bischofskonferenz dokumentiert schwere Menschenrechtsverletzungen aus dem Jahr 2025. Dazu gehören tödliche Übergriffe, Blasphemieanklagen sowie Entführungen und Zwangsverheiratungen von Mädchen. KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt die Arbeit der Kommission und ihren Einsatz für Menschenrechte seit Langem.
Christenverfolgung in Pakistan: Weitere Minderheiten unter Druck
„Pakistan ist ein Land, das reich mit vielfältigen Kulturen und einem tiefen religiösen Erbe gesegnet ist. Doch in seinem Innersten gibt es einen beunruhigenden Widerspruch“, schreibt Bischof Samson Shukardin aus Hyderabad, Vorsitzender der Kommission, im Vorwort.
Immer wieder erklärten Politiker und muslimische Geistliche öffentlich, Pakistan sei „ein Land von Muslimen für Muslime“. Damit machten sie die religiösen Minderheiten unsichtbar, kritisiert der Bischof. Für Christen und andere Minderheiten hat diese Ausgrenzung konkrete Folgen: Ihre Sicherheit, ihre Rechte und ihre Zukunft in der Heimat sind gefährdet.

Tödliche Gewalt gegen Christen in Pakistan
Der Bericht dokumentiert unter anderem die Ermordung zweier Christen im Jahr 2025. Der katholische Landarbeiter Kashif Masih starb am 12. Mai im Distrikt Sialkot in der Provinz Punjab nach schweren Misshandlungen. Nach Angaben seines Bruders hatten sein Arbeitgeber und weitere Männer ihn beschuldigt, ein Mobiltelefon gestohlen zu haben.
Afzal Masih wurde am 7. September auf dem Weg zum Marienwallfahrtsort Mariamabad erschossen. Er war mit einer Pilgergruppe aus Lahore unterwegs. Nach Angaben eines Mitreisenden belästigten Angreifer zunächst Frauen aus der Gruppe und schlugen Masih, als er einschritt. Bei einem späteren Zwischenhalt griffen sie die Pilger mit einer Schusswaffe an. Masih starb, sein Cousin wurde schwer verletzt.

Auch die Aufarbeitung der Angriffe in Jaranwala vom 16. August 2023 bleibt dem Bericht zufolge unzureichend. Nach Blasphemievorwürfen gegen zwei Christen hatten Menschenmengen Kirchen und christliche Wohnhäuser geplündert und in Brand gesetzt. Nach Angaben von KIRCHE IN NOT wurden 26 Kirchen und rund 80 Wohnhäuser beschädigt.
Blasphemiegesetze in Pakistan begünstigen die Verfolgung
Die pakistanischen Blasphemiegesetze sehen je nach Tatbestand Strafen bis hin zu lebenslanger Haft und zur Todesstrafe vor. Die niedrigen Hürden für Anschuldigungen begünstigen ihren Missbrauch zur Verfolgung religiöser Minderheiten oder zur Austragung persönlicher Konflikte. Auch Muslime sind davon betroffen.
Dem Bericht zufolge wurden 2025 acht Christen wegen angeblicher Blasphemie angeklagt. Zwei weitere kamen nach früheren Anschuldigungen gegen Kaution frei. Zugleich wurden acht Christen vom Blasphemievorwurf freigesprochen.

Als positives Signal nennt der Bericht die Ankündigung der Regierung, neue Schutzmaßnahmen einzuführen. Diese sollen den Missbrauch der Blasphemiegesetze verhindern und eine zügige Rechtsprechung ermöglichen. KIRCHE IN NOT verfolgt die Problematik seit vielen Jahren.
Entführung und Zwangsehen bedrohen Mädchen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gewalt gegen Frauen und Mädchen religiöser Minderheiten. Für 2025 dokumentiert die Kommission 35 Vorfälle. Dazu zählen Entführungen mit anschließender Zwangskonversion und Zwangsverheiratung.
In einigen Fällen stellten sich Behörden auf die Seite der Entführer und weigerten sich, Anzeigen der Eltern minderjähriger Mädchen aufzunehmen. Der Bericht nennt jedoch auch Entscheidungen zugunsten der Betroffenen: Richter verweigerten die Übergabe Minderjähriger an deren angebliche Ehemänner und ermöglichten ihre Rückkehr zu den Familien. In einzelnen Fällen wurden Täter verurteilt.
Fortschritte beim Schutz der christlichen Minderheit
Neben den Menschenrechtsverletzungen verzeichnet der Bericht positive Entwicklungen. Der für Minderheiten zuständige Minister der Provinz Punjab bezeichnete den Beitrag der christlichen Gemeinschaft als „vorbildlich“ und erklärte ihren Schutz zu einer der wichtigsten Aufgaben der Provinzregierung.

Zudem untersagte ein Gericht 2025 ausdrücklich die Formulierung „nur Christen“ in Stellenanzeigen für Reinigungskräfte. Damit wurde eine seit vielen Jahren verbreitete diskriminierende Praxis auf dem Arbeitsmarkt verboten.
Dennoch bleibt die Lage ernst. Im Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ ordnet KIRCHE IN NOT Pakistan der Kategorie „Verfolgung“ zu – der höchsten Stufe der Einschränkung der Religionsfreiheit. Die dokumentierten Fälle zeigen, warum der Einsatz gegen Christenverfolgung in Pakistan und für die Rechte aller religiösen Minderheiten weiter notwendig ist.
KIRCHE IN NOT unterstützt die christliche Minderheit und die Menschenrechtsarbeit der katholischen Kirche in Pakistan. Mit Ihrer Spende stärken Sie diesen Einsatz und stehen Menschen bei, die Diskriminierung und Verfolgung erleben.