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In Pakistan werden immer mehr Mädchen aus buddhistischen und christlichen Familien entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen.

 

Dies bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, gegenüber KIRCHE IN NOT: „In jüngster Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Die Mädchen sind etwa 14 oder 15 Jahre alt.“ Es handle sich dabei um schwere Verbrechen, die nur unzureichend geahndet würden, erklärte Shaw.

Eine Ordensfrau aus Pakistan zündet eine Kerze an.
In der Provinz Punjab, deren Hauptstadt Lahore ist, sollen lokalen Quellen zufolge innerhalb eines Jahres bis zu 700 Mädchen verschleppt worden sein.

 

Entführte Mädchen aus buddhistischen oder christlichen Familien

Erzbischof Shaw zufolge handle es sich bei den Entführern meist um verheiratete Männer. Bei den Verschleppungen gebe es eine religiöse Komponente, da die meisten der Mädchen buddhistisch oder christlich seien.

Doch dies sei nicht die ausschließliche Motivation der Täter, glaubt Shaw: „Es ist Begierde. Die Männer denken: ,Sie sieht toll aus, und ich will sie.‛“

Sebastian Shaw, Erzbischof von Lahore.
Da die Entführungen zunähmen, hätten er und weitere Geistliche wiederholt die Polizei alarmiert, „doch die hört überhaupt nicht zu“, berichtete der Erzbischof.

 

Daraufhin habe er sich direkt an die Regierung gewandt. „Sie haben ein Treffen zwischen mir und den Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinden organisiert. Ein junger islamischer Gelehrter hat die Entführungen kritisiert und erklärt, Zwangskonversionen seien nicht erlaubt.“

Schülerinnen einer katholischen Schule in Pakistan (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung sieht Erzbischof Shaw die Entwicklung Pakistans positiv. Die Regierung unter Premierminister Imran Khan setze sich für Gleichheit ein. Das betreffe auch die religiösen Minderheiten.

 

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

Die Badshahi-Moschee in Lahore ist die zweitgrößte Moschee Pakistans.
Dennoch sei die Minderheit der Katholiken aktiv, berichtet Shaw. Das gelte besonders im Bildungsbereich. „Fast 60 Prozent der Einwohner sind junge Menschen. Wir verhelfen ihnen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung“, sagte Shaw.

 

Ein weiteres Anliegen der Kirche seien Glaubensunterweisung und der interreligiöse Dialog. Hilfe erfahre die pakistanische Kirche dabei durch KIRCHE IN NOT, so der Erzbischof: „KIRCHE IN NOT‛ unterstützt uns vor allem bei pastoralen Aktivitäten. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir freuen uns über die finanzielle Unterstützung, die Gebete und die Ermutigung.’“

Zu den aktuellen Pressemeldungen, wonach die vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochene pakistanische Katholikin Asia Bibi ihr Heimatland verlassen hat, erklärt Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland:

 

„Wir sind heute Morgen mit der hoffnungsvollen Nachricht aufgewacht, dass Asia Bibi nach monatelangem Tauziehen Pakistan verlassen hat.

Das hat lokalen Medienangaben zufolge jetzt auch das pakistanische Außenministerium bekanntgegeben. Die endgültige Bestätigung, dass sie sicher in Kanada angekommen ist, steht noch aus und bleibt abzuwarten.

Ehemann und Tochter von Asia Bibi.
KIRCHE IN NOT freut sich sehr darüber, dass Asia Bibi nun voraussichtlich endlich in Freiheit leben kann. In Pakistan war das durch die islamistischen Bedrohungen gegen sie und ihre Familie nicht möglich. Die Ausreise ist der Erfolg eines jahrelangen Einsatzes verschiedener Fürsprecher in zahlreichen Ländern, darunter auch KIRCHE IN NOT.

 

Ausreise ist der Erfolg eines jahrelangen Einsatzes

Wir wünschen Asia Bibi und ihrer Familie, dass sie jetzt endlich in Ruhe und ohne Nachstellungen durch religiöse Extremisten leben kann. Sie wird nach wie vor den Schutz der Sicherheitsbehörden brauchen. Dass es vom Freispruch bis zur Ausreise über ein halbes Jahr gedauert hat, zeigt: Der Einsatz für Religionsfreiheit ist schwer.

KIRCHE IN NOT vergisst deshalb über die Freude des heutigen Tages auch die zahlreichen weiteren Christen und Angehörigen anderer Religionen nicht, die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie angeklagt und inhaftiert sind oder denen im Alltag das Leben schwer gemacht wird. Ihnen wie den bedrängten Christen weltweit gelten unser Einsatz, unsere volle Aufmerksamkeit und unser Gebet.“

Asia Bibi (Foto: British Pakistani Christian Association).
Die Katholikin Asia Bibi war 2009 wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed festgenommen, der Blasphemie angeklagt und zum Tode verurteilt worden. Acht Jahre verbrachte sie in der Todeszelle, bevor das höchste pakistanische Gericht sie in einer Revisionsverhandlung freisprach.

 

Daraufhin brachen in einigen Städten Pakistans gewalttätige Proteste extremistischer Muslime aus. Die Regierung sicherte daraufhin zu, eine nochmalige Revision des Urteils zu prüfen. Dies wurde jedoch gerichtlich abgelehnt. Auch die Ausreise Asia Bibis war wiederholt verzögert worden.

Unbekannte haben das Haus beschossen, in dem sich die Töchter der freigesprochenen pakistanischen Christin Asia Bibi aufhalten. „Wir erhalten ständig Drohungen, und mehr als einmal bin ich verfolgt worden.“ Dies berichtet Joseph Nadeem gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Er kümmert sich seit der Verurteilung von Asia Bibi um die Familie und hat ihren Mann Ashiq und Tochter Eisham mehrfach bei Auslandsreisen begleitet – zum Beispiel im Oktober zu einem Aufenthalt in Großbritannien auf Einladung von KIRCHE IN NOT.

Nadeem und seine Familie wohnen aktuell mit Aisa Bibis Töchtern Esha und Eisham zusammen – und sind ebenso wie sie bedroht. „Sobald Asia freigesprochen war, mussten wir fliehen“, erzählt er. Dabei wurde die Familie getrennt: „Asia und ihr Mann befinden sich an einem sicheren Ort und werden bewacht. Doch wir können sie nicht besuchen.“ Innerhalb eines Monats hätte die Familie Nadeem mit den Töchtern von Asia Bibi viermal den Aufenthaltsort wechseln müssen.
Eisham Ashiq und Ashiq Masih, Tochter und Ehemann von Asia Bibi bei einer Kundgebung von „Kirche in Not“ im Februar 2018 in Rom.
Joseph Nadeem (rechts) mit Eisham Ashiq und Ashiq Masih, Tochter und Ehemann von Asia Bibi.
“Die Islamisten sind hinter uns her”

„Die Islamisten sind hinter uns her und jedes Mal, wenn wir merken, dass wir in Gefahr sind, fliehen wir sofort“, erzählt Joseph Nadeem. „Wir können nicht einmal nach draußen, um Lebensmittel einzukaufen. Ich verlasse das Haus nur bei Nacht und verhülle dabei mein Gesicht.“ Die Katholikin Asia Bibi war wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt worden. Fast zehn Jahre hat sie im Gefängnis verbracht. Am 31. Oktober hatte das höchste pakistanische Gericht das Urteil aufgehoben. Asia Bibi kam auf freien Fuß. Militante Islamisten liefen dagegen Sturm. Eine mögliche Ausreise verzögert sich.

„Eine unglaubliche Frau“

Asia Bibi wisse um die schwierige Situation ihrer Angehörigen, erklärt Nadeem. „Ich habe sie kurz nach ihrer Freilassung getroffen und wir telefonieren täglich mit ihr. Sie ist sehr in Sorge um ihre Töchter.“ Esha und Eisham hätten ihre Mutter noch nicht persönlich in die Arme schließen können. „Ich werde nie ihr erstes Telefonat vergessen“, berichtet Nadeem. „Esha und Eisham haben stundenlang vor Freude geweint. Asia wartet sehnsüchtig darauf, ihre Töchter zu sehen und hofft, bald zusammen mit ihnen und ihrem Mann das Land verlassen zu können.”

Obwohl der Albtraum noch nicht zu Ende sei, zeige Asia Bibi eine ungewöhnliche Kraft, berichtet der Freund der Familie: „Sie ist eine unglaubliche Frau. Es mag seltsam klingen, aber sie ist es, die uns in diesen schwierigen Momenten hilft. Sie bittet uns, nicht den Mut zu verlieren.“

Weihnachten in Rom?

Asia Bibi und ihre Familie hätten laut Nadeem die internationale Berichterstattung und das große Interesse an ihrem Schicksal aufmerksam verfolgt. „Die internationale Solidarität stärkt uns. Asia ist allen dankbar, die ihre Stimme erheben, um die aktuelle Situation anzuprangern.“

KIRCHE IN NOT hatte mehrfach bei internationalen Aktionen auf die Entwicklungen im Fall Asia Bibi aufmerksam gemacht – in Deutschland zum Beispiel bei einer Aktion zum „Roten Mittwoch“ in Mainz, bei der Dominikanerpater James Channan aus Pakistan über das Schicksal Asia Bibis und weiterer angeklagter Christen berichtete. Er dankte dabei auch der deutschen Regierung, die Asia Bibi Asyl angeboten hat. Auch aus anderen Ländern kam Angebote.

Die Familie zieht es offensichtlich nach Italien, wie Nadeem berichtete: „Wir warten darauf, schnell Pakistan verlassen und an einem sicheren Ort leben zu können. KIRCHE IN NOT war die erste Institution, die uns Gastfreundschaft angeboten hat. Und wir hoffen, dass unsere Familien dieses Weihnachtsfest in Rom verbringen können, zusammen mit Euch.“

Die Lebensgefahr für Asia Bibi und ihre Familie hält an – auch nach einer möglichen Ausreise nach Deutschland oder in ein anderes europäisches Land.

Dies betonte Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit bei KIRCHE IN NOT Deutschland im Gespräch mit dem Kölner Domradio. Derzeit hält sich die 47-jährige Katholikin Asia Bibi noch immer in Pakistan an einem geheimen Ort auf. Diese könne sich jedoch bald ändern, so Pelster: „Ich glaube, dass es sehr realistisch ist, dass sie Pakistan verlassen wird. Da hat sich jetzt eine breite Form an Unterstützern aufgetan.“
Sicherheitskontrolle vor einer Kirche in Pakistan.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat mitgeteilt, dass es in Kontakt mit pakistanischen Behörden stehe, um eine Ausreise zu ermöglichen.

Auch in Frankreich und den Niederlanden gab es ähnliche Bemühungen – zuletzt auch von muslimischer Seite: „Sogar der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich dafür ausgesprochen. Sie wollen Asia Bibi einladen und den Weg zu einer Ausreiseerlaubnis ebnen“, erklärte Pelster.

Asia Bibi und ihre Familie weiterhin bedroht

Trotz dieser hoffnungsvollen Entwicklung sei Asia Bibi und ihre Familie weiterhin bedroht: „Möglicherweise müsste sie eine neue Identität annehmen: Sie kann nicht einfach als freier Mensch in Deutschland oder einem anderen europäischen Land leben“, sagte Pelster. Die Gefahr, die von religiösen Fanatikern ausgehe, sei hoch.

Dies gelte auch für Asia Bibis Familie. KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit den Angehörigen. Das italienische Büro von KIRCHE IN NOT hatte eine Videobotschaft von Eisham Mashiq, einer Tochter von Asia Bibi, veröffentlicht. Darin sagte die junge Frau unter anderem: „Wenn ich meine Mutter endlich wiedersehe, dann werde ich sie ganz, ganz fest in den Arm nehmen, und wir werden sicherlich lange miteinander weinen.“

Die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanische Katholikin Asia Bibi (Foto: British Pakistani Christian Association).
Tochter und Ehemann von Asia Bibi.
Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit bei KIRCHE IN NOT Deutschland.

Pelster erinnerte auch an die Situation der christlichen Minderheit in Pakistan, die sich durch die Geschehnisse um Asia Bibi nochmals verschärft habe: „Die Christen in Pakistan brauchen weiterhin Unterstützung, weil sie immer mit Racheakten rechnen müssen.“ Es säßen „dutzende weitere Opfer“ in pakistanischen Gefängnissen, die auf Grundlage des pakistanischen Blasphemiegesetzes angeklagt sind.

„Stärkerer Einsatz notwendig”

„Auch hier müsste man sich noch viel stärker einsetzen“, sagte Pelster mit Blick auf die jüngsten Bemühungen der ausländischen Regierungen. „Religionsfreiheit muss weiterhin auf der Tagesordnung der Politik bleiben.“

Die Katholikin Asia Bibi wurde im Jahr 2010 wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tod verurteilt. Nach mehreren gescheiterten Revisionsverfahren hob das höchste pakistanische Gericht am 31. Oktober die Todesstrafe für die fünffache Mutter auf.

Daraufhin kam es in zahlreichen pakistanischen Städten zu gewalttätigen Protesten radikal-islamischer Gruppen. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, kündigte die Regierung daraufhin an, einen weiteren Revisionsprozess zu ermöglichen und Asia Bibi an der Ausreise zu hindern.

In Pakistan spitzt sich die Lage um die Katholikin Asia Bibi (51) erneut zu. Nachdem das höchste pakistanische Gericht am 31. Oktober die Todesstrafe für die wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod verurteilte fünffache Mutter aufgehoben hatten, liefen Anhänger der radikalislamischen Gruppe Tehreek-e-Labaik (TLP) gegen diese Entscheidung Sturm.

In zahlreichen Städten Pakistans kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, die sich auch gegen die Regierung richteten. Am Freitagabend wurde dann ein Kompromiss geschlossen: Die Regierung will einen erneuten Revisionsantrag gegen die Entscheidung des obersten Gerichts zulassen und Asia Bibi am Verlassen des Landes hindern. Im Gegenzug beendeten die TLP-Anhänger ihre Proteste.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT hatte sich seit der Festnahme Bibis vor neun Jahren für die Freilassung der Katholikin eingesetzt. Asia Bibis Mann und eine ihrer Töchter hatten auf Vermittlung des Hilfswerks beim Papst vorgesprochen und waren mehrfach auf Veranstaltungen von KIRCHE IN NOT in Italien und Großbritannien zu Gast. Im Interview mit DOMRADIO-Redakteur Jan-Jakob Loos äußerte sich Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit bei KIRCHE IN NOT Deutschland zur aktuellen Entwicklung.
Christliche Familie aus Pakistan mit dem Bild des Gekreuzigten.
Eisham Ashiq (links) und Ashiq Masih, Tochter und Eheman von Asia Bibi.
Jan-Jakob Loos, DOMRADIO: Nach Asia Bibis Freispruch haben Islamisten so lange lauthals auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken gewütet, bis die Regierung des neuen pakistanischen Premierministers Imran Khan doch nachgegeben hat. Was zeigt uns das?

Berthold Pelster: Wir sind erschüttert über diese neue Wendung in diesem doch schon sich über Jahre hinziehenden Prozess. Der Druck der Islamisten scheint wirklich immens gewesen zu sein. Vielfach hatten die Islamisten angedroht, die Richter zu ermorden, falls sie Asia Bibi freisprechen würden. Ebenso haben sie angedroht, Asia Bibi selbst und ihre Familie zu ermorden, falls sie freigelassen werden würde.

Offensichtlich hat die Regierung noch versucht, mit den Islamisten zu verhandeln. Aber sie musste dann wohl dem Druck nachgeben und hat ein Ausreiseverbot für Asia Bibi verhängt. Sie haben wohl auch die Möglichkeit eingeräumt, dass gegen diesen Freispruch Berufung eingelegt werden kann.

Dabei war dieser Freispruch ja ein Urteil der höchsten Instanz. Kann man Pakistan vor diesem Hintergrund noch als Rechtsstaat bezeichnen?

Das ist sehr schwierig. Es ist natürlich in gewisser Weise ein demokratischer Staat. Aber die Regierung hat enorme Schwierigkeiten, mit islamistischen Gruppen und mit der islamistischen Stimmung im Land fertig zu werden. Von einem Rechtsstaat würde man etwas Anderes erwarten.

Asia Bibis Schutz sei erhöht worden und ihr Leben nicht in Gefahr, das versichert zumindest die Regierung. Wie wird es Ihrer Einschätzung nach nun weitergehen in dem Fall?

Das ist schwer zu sagen. Niemand weiß genau, wo Asia Bibi sich jetzt überhaupt aufhält. Eine Möglichkeit ist, dass sie noch in ihrer Gefängniszelle sitzt. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie das Gefängnis letzte Woche nach dem Freispruch verlassen konnte. Sie hätte ja theoretisch gehen können. Möglicherweise hat sie das Land auch schon längst verlassen. All das ist völlig unklar. Es gibt da keine genauen Informationen. Falls sie sich noch im Land befinden sollte, ist ihre Situation ziemlich fatal.

Der Prozess geht ja schon seit ungefähr neun Jahren und es hat immer wieder Berufungsverhandlungen gegeben. Immer wieder sind die Anhörungen verschoben worden. Das Ganze hat sich sehr in die Länge gezogen und im schlimmsten Fall wird es jetzt wieder Monate oder – noch schlimmer Jahre – dauern, bis etwas vorangeht.

Und wie wird sich das auf die Situation im Land auswirken?

Die Lage im Land ist wirklich sehr undurchschaubar. Der jetzige Premierminister Imran Khan hat in seinem Wahlkampf immer auch Aussagen getroffen, die den Islamisten entgegenkamen. Möglicherweise war das nur Wahlkampftaktik. Möglicherweise steckt aber auch mehr dahinter. Wir wissen wirklich nicht, wie sich die Situation im Land entwickeln wird.

Die pakistanische Katholikin Asia Bibi. Foto: British Pakistani Christian Association.
Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit bei KIRCHE IN NOT Deutschland.
Der Anwalt von Asia Bibi hat Pakistan aus Angst um sein Leben bereits verlassen. Der Ehemann hat an westliche Staaten appelliert, ihn und seine Familie aufzunehmen. Viele sehen da auch Deutschland in der Pflicht. Wie sehen Sie das?

Die internationale Staatengemeinschaft muss meines Erachtens sehr viel mehr Druck auf die pakistanische Regierung ausüben und deutlich mehr Solidarität zeigen, auch mit verfolgten Christen – gerade auch in diesem exemplarischen Fall. Da passiert vielleicht noch zu wenig. Ja, auch die Bundesregierung ist da gefordert.

Das gesamte Interview können Sie auch nachhören unter: Domradio.de

Helfen Sie den Christen in Pakistan

KIRCHE IN NOT steht der verfolgten christlichen Minderheit in Pakistan bei.

Unser Hilfswerk unterstützt unter anderem den Bau von Kirchen und Pfarrhäusern sowie die Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Katecheten.

Außerdem leistet KIRCHE IN NOT Hilfe, wenn Christen angegriffen oder aufgrund des Blasphemie-Gesetzes beschuldigt werden.

Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden.

Die Familie der in Pakistan wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod verurteilen Katholikin Asia Bibi (49) erwartet, dass der Oberste Gerichtshof des Landes in der Revisionsverhandlung einen Freispruch verkünden wird. Das höchste Gericht des mehrheitlich muslimischen Landes hatte nach einer erneuten Anhörung am 8. Oktober die Entscheidung zunächst vertagt; ein Urteil soll jedoch noch in diesem Monat fallen.

Asia Bibis Mann Ashiq Masih und ihre Tochter Eisham Ashiq halten sich zurzeit auf Einladung des weltweiten päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT in Großbritannien auf. Begleitet werden sie von Pater Emanuel Yousaf. Dieser erklärte im Namen der Familie gegenüber KIRCHE IN NOT: „Die Richter haben zwar noch kein Urteil gesprochen. Das war jedoch auch bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit so – und alle endeten positiv.“
Pater Emanuel Yousaf, Asia Bibis Tochter Eisham und Asia Bibis Ehemann Ashiq Masih (v.l.).
Stacheldraht und Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Lahore.

Die Familie sei weiterhin in großer Ungewissheit, das Urteil könne jetzt jeden Tag fallen. „Wir hängen wieder einmal in der Luft. Aber, so Gott will, ist es bald vorbei und Asia wird wieder bei ihrer Familie sein“, sagte Yousaf. Christen auf der ganzen Welt rief er dazu auf, in diesen Tagen weiterhin intensiv für Asia Bibi zu beten. „Wir haben jetzt neun Jahre lang für unsere Schwester Asia gebetet. Ich bin zuversichtlich, dass wir erhört werden und das Urteil zugunsten von Asia, ihrer Familie und der gesamten christlichen Gemeinschaft in Pakistan ausfällt.“

Demonstranten forderten Vollstreckung des Urteils

Die fünffache Mutter Asia Bibi wurde 2009 festgenommen. Ihr wurde vorgeworfen, bei einem Nachbarschaftsstreit den Propheten Mohammed und den Koran beleidigt zu haben. Asia Bibi bestreitet dies. Auf Grundlage des in Pakistan gültigen Blasphemiegesetzes wurde sie 2010 zum Tod verurteilt. Sie war die erste Frau, über die ein solches Urteil verhängt wurde. Die Berufung gegen das Urteil wurde im Oktober 2014 zurückgewiesen, die Revisionsverhandlung vier Jahre lang immer wieder vertagt.

Während des nun angelaufenen Wiederaufnahmeverfahrens fand eine Demonstration islamischer Gruppen vor dem Gerichtsgebäude statt. Dabei wurde gefordert, das Todesurteil endgültig zu bestätigen. Das Gericht hat die Bekanntgabe des Urteils jedoch nochmals vertragt.

Rosenkranz von Papst Franziskus als Trost

Wegen seiner Härte erfährt das Blasphemiegesetz in Pakistan aber auch Kritik. Unterstützer von Asia Bibi, die eine Änderung des Gesetzes herbeiführen wollten, wurden jedoch ermordet. Auch Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus hatten sich für die Verurteilte eingesetzt. Papst Franziskus hatte auf Vermittlung von KIRCHE IN NOT im Februar 2018 den Mann und die Tochter von Asia Bibi empfangen und ihnen einen Rosenkranz mitgegeben. Wider Erwarten habe man ihr erlaubt, diesen Rosenkranz zu behalten und zu beten, ließ Asia Bibi wissen. „Dieser Rosenkranz wird für mich ein großer Trost sein; es tröstet mich zu wissen, dass der Papst in dieser schwierigen Lage für mich betet und an mich denkt“, ließ Bibi KIRCHE IN NOT wissen.

Asia Bibi aus Pakistan. Foto: British Pakistani Christian Association
Helfen Sie den Christen in Pakistan

KIRCHE IN NOT steht der verfolgten christlichen Minderheit in Pakistan bei. Unser Hilfswerk unterstützt unter anderem den Bau von Kirchen und Pfarrhäusern sowie die Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Katecheten.

Außerdem leistet KIRCHE IN NOT Hilfe, wenn Christen angegriffen oder aufgrund des Blasphemie-Gesetzes beschuldigt werden.

Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden.

Kainut ist Pakistanerin, 20 Jahre alt und hat einen erbitterten Kampf hinter sich: als Muslima wollte sie Christin werden. Dieses Vorhaben handelte der Medizinstudentin Bedrohungen und Diskriminierung ein. Gemäß islamischer Rechtsprechung kann ein Mensch, der den Islam verlässt, ungestraft getötet werden. Die Tochter einer christlichen Mutter und eines muslimischen Vaters erzählt der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ von ihrer folgenschweren Entscheidung.
Kainut (r.) studiert mittlerweile an einer Universität Medizin.

Meine ursprünglich christliche Mutter war noch eine Schülerin, als sie von Muslimen entführt wurde, den Islam annehmen und meinen Vater heiraten musste. Es ist in meiner Provinz in Pakistan eine übliche Praxis, christliche und hinduistische Mädchen zum Islam zwangszukonvertieren. Meine Mutter akzeptierte schließlich meinen Vater als ihren Ehemann und begann, mit ihm ein normales Leben zu führen. Sie hatten vier Kinder – ich bin die Älteste und habe zwei jüngere Brüder und eine jüngere Schwester.

Meine Mutter ging aber heimlich in die Kirche, und oft ging ich mit ihr. Sie las zuhause in der Bibel. Es war klar, dass sie den Islam nicht angenommen hatte; in ihrem Herzen war sie Christin geblieben. Auch ich begann, in der Bibel zu lesen. Einmal war ich in der Kirche und die Menschen stellten sich in einer Reihe auf, um die heilige Kommunion zu empfangen. Ich stellte mich dazu, doch jemand sagte mir, dass ich nicht zur Kommunion gehen könne, da ich keine Christin sei. Ich brach daraufhin in Tränen aus.

“Jesus Christus ist auch mein Retter”

Ich sagte meiner Mutter, dass ich die heilige Kommunion empfangen wolle, und dass Jesus Christus auch mein Retter sei. Doch irgendwie bekam mein Vater dies mit und verbot uns, zur Kirche zu gehen. Ein Jahr lang gingen wir nicht mehr hin. Dann starb mein Vater. Meine Großeltern zwangen meine Mutter, einen Cousin meines Vaters zu heiraten, auch dies eine übliche Praxis, da nach Ansicht der Muslime Frauen den Schutz eines Mannes benötigen. Meine Mutter sträubte sich, doch sie hatte keine Wahl und heiratete meinen Großcousin. Ich war zu der Zeit 14.

Dieser Mann war ebenfalls sehr streng, doch ich begann täglich zuhause in der Bibel zu lesen. Mein Stiefvater versuchte oft, mich daran zu hindern, aber meine Mutter unterstützte mich. Als ich die ganze Bibel durchgelesen hatte, sagte ich meiner Mutter, ich wolle Christin werden. Meine Mutter war sehr in Sorge, dass meine Großeltern oder andere Verwandte uns töten würden.

Trotzdem ging ich mit meiner Mutter in die Kirche und bat einen Priester, mich zu taufen. Doch er war unschlüssig: ‚Das ist ein großes Risiko. Es tut mir leid, aber ich kann dich nicht taufen‘, sagte er. Der Priester hatte Angst, dass meine Verwandten oder andere muslimische Fanatiker uns töten würden, wenn sie herausfänden, dass er mich getauft hatte, und er wollte auch seine eigenen Gemeindemitglieder nicht in Gefahr bringen. Ich sagte ihm: ,Herr Pfarrer, ich bin bereit, für Christus zu sterben‘.

Kainut taucht bei ihrer Taufe dreimal unter.
Das Wahrzeichen des Christentums ragt nur vereinzelt im muslimisch geprägten Pakistan empor.

Dann begannen die Sommerferien und wir fuhren in eine andere Provinz, um meine Tante, die Schwester meiner Mutter, zu besuchen. Wir gingen mit ihr in die Kirche und wieder traf ich einen Priester und erzählte ihm von meinem Wunsch, Christin zu werden. Er war sehr nett und gab mir ein paar Bücher zum Lesen mit. Wir verbrachten drei Monate im Haus meiner Tante und gingen täglich in die Kirche. Eines sonntags nach der Messe fragte mich der Priester: ‚Mädchen, bist du bereit für die Taufe?‘ Ich war sehr glücklich und sagte Ja. Schließlich empfingen im Jahr 2013 wir alle – meine beiden Brüder, meine Schwester und ich – das Sakrament der Taufe, weit weg von zuhause.

Als wir wieder in unsere Heimatstadt zurückkamen, hatte mein Stiefvater auf welchen Wegen auch immer herausgefunden, dass wir konvertiert waren, und bot meiner Mutter die Scheidung an, die sie freudigen Herzens akzeptierte. Meine Mutter fand eine Arbeitsstelle und mietete eine Wohnung; alles ging einen guten Gang. Wir gingen regelmäßig zur Kirche.

“Ich möchte gerne Ärztin werden”

Eines Abends im Jahr 2016 aber stürmten auf einmal mein Stiefvater und seine Angehörigen in unsere Wohnung. Er sagte meiner Mutter, er käme, um mich mitzunehmen, denn sie würden es nicht zulassen, dass ich eines Tages einen christlichen Jungen heirate. Stattdessen wollten sie mich einem 54-jährigen muslimischen Mann zur Frau geben – ich war gerade 18. Meine Mutter stritt mit ihrem Ex-Mann, rief unseren Priester und die Polizei. Als die Polizei kam, gingen die unliebsamen Besucher weg.

Ich berichtete meinem geistlichen Begleiter von der Begebenheit. Er brachte mich in einem von Ordensschwestern geführten Wohnheim unter, wo ich mich auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereitete. Ich möchte gerne Ärztin werden und der Menschheit dienen.

Unsere Schwierigkeiten sind aber noch nicht vorbei. Im Oktober 2017 schossen meine muslimischen Verwandten auf einen meiner konvertierten Brüder. Die Kugel verletzte seine Lunge und einige Rippen; er ist immer noch im Krankenhaus und kämpft dort um sein Leben. Meine Familie erhält Morddrohungen und ich weiß nicht, was uns in Zukunft geschehen wird – doch unsere Hoffnung steht fest in unserem Herrn Jesus Christus.

Robin Mahanga ist 16 Jahre alt und besucht die zehnte Klasse der katholischen St.-Paul-Highschool in Karatschi, der größten Stadt Pakistans. Er hört gern angesagte Musik, liest Thriller und Fantasy-Romane und interessiert sich für Technik, besonders für die aktuellsten Smartphones. Es ist also alles wie bei Millionen Jugendlichen seines Alters überall auf der Welt.

Doch Robin lebt in einem Land, in dem er in ständiger Lebensgefahr schwebt: „In Pakistan bin ich wegen des islamistischen Terrors nicht in Sicherheit. Es gibt auch viele Überfälle: Mir wurde schon mal das Smartphone mit vorgehaltener Pistole aus der Hand gerissen.“ Hinzu kommt, dass Christen in Pakistan als Bürger zweiter Klasse gelten. Sie stellen nur gut zwei Prozent der Gesellschaft. „Muslime geben uns Schimpfnamen; sie essen nicht vom selben Tisch, wenn Christen dabeisitzen“, erzählt Robin.
In einem Elendsviertel in Karatschi.
Kinder vor einer Mariengrotte in Pakistan.
Kinder in einer katholischen Schule in Pakistan.

Auch die Schulbücher zeichneten ein fürchterliches Bild von den Christen. Doch die Diskriminierung ist noch nicht alles: „Ich fürchte, ich oder meine Familie könnten Opfer des Blasphemie-Gesetzes werden“, sagt Robin.

Schändung des Korans wird mit lebenslanger Haft bestraft

Das auch in Pakistan umstrittene Blasphemie-Gesetz wurde 1986 zur Zeit der islamistischen Militärdiktatur eingeführt. Es sieht bei Verstößen gegen den Islam drakonische Strafen vor: Die Schändung des Korans wird mit lebenslanger Haft bestraft, für abschätzige Bemerkungen über den Propheten Mohammed wird die Todesstrafe verhängt. Oft reichen schon vage Anschuldigungen aus, damit Verdächtige verhaftet werden. Nicht selten stehen hinter solchen Anschuldigungen persönliche Streitigkeiten.

Religiöse Minderheiten wie Christen oder Hindus werden besonders häufig der Blasphemie beschuldigt: Internationale Aufmerksamkeit erlangte der Fall der Christin Asia Bibi, die im November 2010 wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod verurteilt wurde.

Unter anderem hatten sich Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus für die fünffache Mutter eingesetzt. Die Berufung gegen das Urteil wurde im Oktober 2014 zurückgewiesen, ein weiteres Verfahren vor dem höchsten pakistanischen Gericht wurde immer wieder vertagt und steht bis heute aus.

Robin kennt einige Beispiele, wie auch Jugendliche unter die Räder des Blasphemie-Gesetzes kommen können: „Mein Kumpel Raja wurde von seinen Mitschülern in der staatlichen Oberschule beschuldigt, er habe den Koran geschändet. Sie erzählten unsinnige Dinge darüber.“

Das habe aber die Schulleitung nicht gehindert, drastisch zu handeln: „Er musste die Schule verlassen, sonst hätte man ihn wohl umgebracht. Jetzt arbeitet er als Hilfsarbeiter in einer Fabrik. Seine Zukunft sieht nicht gut aus“, sagt Robin. Was seine eigenen Entwicklungsmöglichkeiten in Pakistan angeht, ist er sehr pessimistisch: „Eigentlich möchte ich nicht hierbleiben. Die religiöse Gewalt wird immer brutaler.“

Viele Menschen, die sich für Frieden und Gleichberechtigung eingesetzt hätten, seien ermordet worden. „Der Rest der Welt sieht uns Pakistaner doch nur als Terroristen“, stellt Robin fest. Seine Familie jedoch würde nie die Heimat verlassen.

Die jungen Frauen im Mädchenheim der Schwestern vom Guten Hirten hoffen auf Ihre Hilfe.
Robin Mahanga aus Pakistan.
Asia Bibi wurde wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod verurteilt (Foto: British Pakistani Christian Association).
Hoffnung auf Solidarität aus dem Ausland

Und so bleibt auch er – in der Hoffnung auf Solidarität aus dem Ausland: „Ich wünsche mir, dass wir mithilfe der Christen im Westen sicherer und freier leben – und etwas über moderne Technologien lernen können“, bringt es Robin auf den Punkt, wieder ganz Sechzehnjähriger.

Immerhin kann er mit seiner Familie in einem Stadtteil von Karatschi wohnen, in dem Christen relativ sicher sind. Es ist eine Wohnsiedlung für Angestellte der indischen Küstenwache. Viele Christen arbeiten dort als Reinigungskräfte.

„Ich vertraue stets auf Gott”

Der Arbeitgeber sorgt für Sicherheitskräfte an den Eingängen. So ist ein Hauch von Normalität möglich, erzählt Robin: „Die schönste Zeit verbringe ich mit meiner kleinen Schwester – sie ist meine ganze Freude!“

Er selbst würde später gern in einer Bank arbeiten – ein gewagter Wunschtraum, wie er selbst zugibt. „Aber was auch immer geschieht: Ich vertraue stets auf Gott. Ich habe immer einen Rosenkranz bei mir. Wenn ich mich fürchte oder leide, bete ich das Vaterunser.“

Helfen Sie den Christen in Pakistan

KIRCHE IN NOT steht der verfolgten christlichen Minderheit in Pakistan bei. Unser Hilfswerk unterstützt unter anderem den Bau von Kirchen und Pfarrhäusern sowie die Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Katecheten.

Außerdem leistet KIRCHE IN NOT Hilfe, wenn Christen angegriffen oder aufgrund des Blasphemie-Gesetzes beschuldigt werden. Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden.

Ferienzeit, Sommerspaß, unbeschwert die Kindheit genießen: Für Kinder hierzulande ist das weitgehend selbstverständlich. Für Millionen ihrer Altersgenossen weltweit ist das jedoch ein unerreichbarer Wunschtraum. Sie leben in Krieg, Armut, Elend und Gefahr.

Die Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT stoßen bei ihrer Projektarbeit in über 140 Ländern immer wieder auf beeindruckende Zeugnisse kindlichen Glaubens. Drei Berichte aus unterschiedlichen Weltregionen haben wir aufgezeichnet.
Kinder aus Aleppo mit Luftballons.
Straßenszene in Aleppo.

Aleppo, Syrien

Jad Abed ist zehn Jahre alt und lebt in Aleppo. Seine Heimatstadt wurde zum Inbegriff von Krieg und Terror. Seit eineinhalb Jahren schweigen dort die Waffen weitgehend, während andernorts noch Krieg tobt. Aleppo ist schwer gezeichnet.

Abeds Schule wurde von Bomben verwüstet. Er berichtet: „Ich bin in der fünften Klasse. Unsere Klassenzimmer befinden sich jetzt in einem Keller ohne Heizung und Strom.“ Jad ist begeisterter Basketballer und singt gerne.

Schule von Bomben verwüstet

KIRCHE IN NOT hat die Kirchengemeinden unterstützt, damit sie auch während des Krieges Sport- und Freizeitprogramme anbieten konnten. „Ich glaube, dass böse Menschen nicht singen“, sagt Jad, „deshalb war Musik während des Krieges sehr wichtig.“

Jad hat seinen besten Freund während der Kämpfe verloren. „Er starb durch einen Bombenangriff, als er auf den Schulbus wartete. Ich habe jetzt einen Fürsprecher im Himmel.“ Auch das Wohnhaus seiner Familie wurde von Raketen getroffen.

„Dabei stürzte ein Teil des Hauses ein“, berichtet Jad. „Mein Vater holte mich und meine Mutter heraus. Viele Bilder und Erinnerungsstücke sind verbrannt. Ich hoffe, dass nicht alle meine Spielzeuge kaputt sind.“

Heute lebt Jad mit seinen Eltern in einer Notunterkunft und wird durch die Kirchengemeinde versorgt. KIRCHE IN NOT hilft dabei in vielfältiger Weise.

„Mein Vater bekommt jeden Monat ein Lebensmittelpaket von der Kirche“, erzählt Jad. „Meine Eltern bekommen auch etwas Geld, damit sie die Schulgebühren für mich bezahlen können.“

Unterstützung bei Schulgebühren

Noch wichtiger aber als diese Hilfe ist Jad, dass er in der Kirche Antwort auf seine Fragen bekommt: „Ich habe angefangen, schwierige Fragen zu stellen. Ich fragte, ob Gott wirklich existiert, warum er uns ausgewählt hat, in diesen schwierigen Zeiten zu leben.

Die Kirche antwortet auf diese Frage in der Sonntagsschule und bei einigen Aktivitäten und Spielen. Sie zeigen uns, wie sehr Gott uns liebt.“

Jad Abed aus Aleppo.

Karatschi, Pakistan

Die 11-jährige Dolly Sarwar Bhatti kommt aus Karatschi, der größten Stadt Pakistans. Ihr Heimatland gehört zu den gefährlichsten Brennpunkten der Christenverfolgung weltweit. Ein rigides Blasphemiegesetz stellt jede kritische Äußerung gegen den Islam unter Todesstrafe.

„Christen in Pakistan leben nicht sicher”

Immer wieder kommt es zu Lynchjustiz an Christen; eine Situation, unter der auch Dolly und ihr Bruder leiden: „Christen in Pakistan leben nicht sicher. Deshalb dürfen wir niemals ohne unsere Eltern aus dem Haus. Wir spielen nicht auf der Straße.“

Auch vor der Kirche, die Dolly mit ihrer Familie regelmäßig besucht, stehen immer zwei Aufseher. KIRCHE IN NOT fördert aufgrund der Gefahrenlage in Pakistan ebenfalls Maßnahmen, die der Sicherheit von Gläubigen und kirchlichen Gebäuden dienen.

Außerdem unterstützt unser Hilfswerk den Neubau von Kirchen und religiösen Zentren, christliche Bildungsprogramme und den Unterhalt von Ordensgemeinschaften.

Sicherheitskontrolle vor einer Kirche in Pakistan.
Kinder in einer katholischen Schule in Pakistan.
Pakistanisches Mädchen liest in einer Kinderbibel auf Urdu.
Diskriminierung bereits in der Schule

Trotz ihres jungen Alters hat Dolly in der Schule bereits Diskriminierung erlebt: „Die muslimischen Kinder bezeichnen die christlichen Mädchen als „cheap“ (billig). Sie trinken nicht aus demselben Wasserhahn wie wir und setzen sich nie neben uns.“

Seit einem Jahr jedoch kann sie die Schule gar nicht mehr besuchen: „Mein Vater wurde schwer krank und verlor seine Arbeit. Wir konnten das Schulgeld nicht mehr bezahlen. Das war der traurigste Augenblick in meinem Leben.“ Denn trotz der Schikanen lernt Dolly gern und träumt von ihrem großen Berufswunsch: „Ich möchte gern Flugbegleiterin werden. Ich habe noch Hoffnung, dass mein Leben erfolgreich sein wird, weil ich eine gute Schülerin und Tochter Gottes bin.“

„Ich lese regelmäßig in der Bibel”

Der Glaube an Gott sei in aller Gefahr ihre große Kraft, erzählt das Mädchen: „Ich lese regelmäßig in der Bibel und gehe jeden Nachmittag mit meiner Mutter in die Kirche. Es sind Augenblicke der Freude und des Glücks, weil ich weiß, dass Gott Gutes für uns tut und uns hilft.“

Jeden Tag betet auch die Familie gemeinsam. „Ich spüre, dass Gott uns nie verlassen hat, obwohl wir schwierige Zeiten durchmachen.“ Denn ob sie im nächsten Schuljahr wieder zum Unterricht gehen kann, ist fraglich.

Dass die Politiker in Pakistan nichts unternehmen, um armen Kinder einen Schulbesuch zu ermöglichen, macht Dolly traurig. Auch vermisst sie die Solidarität der Christen in anderen Ländern der Welt. „Ich habe lange geglaubt, dass es im Westen nur Muslime gibt. Denn wenn es dort auch Christen gibt, warum kommen nicht mehr von ihnen, um unsere Not zu lindern?“

„Sobald es zu einer Schießerei kommt, laufen wir in das nächstgelegene Haus. Hier kennt jeder jeden, und so hat auch jeder Verständnis für die Angst, die man in solch einem Moment hat.“

Dolly aus Pakistan.

Rio de Janeiro, Brasilien

Tagtäglich von Gewalt umgeben

Wenn Laís Maria Pereira da Silva von der Gewalt erzählt, die sie tagtäglich umgibt, kann der Gegensatz zum übrigen Erscheinungsbild und Temperament der 12-Jährigen nicht größer sein. Laís ist ein aufgewecktes Mädchen, das es nach eigenen Angaben liebt, „zu laufen und zu tanzen“.

Doch die Gefahr läuft mit: „Immer, wenn wir auf der Straße sind, habe ich Angst, mich oder eine meiner Freundinnen könnte eine Kugel treffen.“

Laís lebt in einen Stadtteil von Río de Janeiro namens „Complexo da Maré“. Er umfasst 17 verschiedene Gemeinden mit insgesamt 130 000 Einwohnern. Eine eigene Stadt in der Metropole – und eines der gefährlichsten Pflaster Ríos. Die Elendsviertel werden von kriminellen Gruppen kontrolliert, die mit Drogenhandel ihr Geld verdienen.

Blick auf Rio de Janeiro mit Christusstatue und dem Zuckerhut im Hintergrund.
Laís Maria Pereira da Silva.
„Wir sind nirgendwo sicher”

Blutige Straßenkämpfe sind an der Tagesordnung – und wehe dem, der unbeteiligt zwischen die Fronten gerät. So wie Laís´ Cousin Ian: „Er spielte gerade im Innenhof unseres Hauses, als plötzlich ein Feuergefecht begann. Er wurde von einem Schuss am Kopf getroffen. Meine Tante lief die Treppen herunter und sah ihren Sohn, der blutüberströmt dalag.“

Der Junge war damals 12 Jahre alt. Mehrere Operationen konnten zwar sein Leben retten, aber seither ist Ian gehbehindert und kann nicht richtig sprechen. Die Erinnerung an jenen Schicksalstag hat der junge Mann verloren – in der Familie jedoch ist alles präsent, ebenso wie die Gewalt nach wie vor überall präsent ist.

„Die Bandenmitglieder eröffnen auf der Straße das Feuer“, erzählt Laís. Dann müssen wir uns auf den Boden werfen – auch wenn wir im Haus sind. Denn wir sind nirgendwo sicher.“

Häufig fällt die Schule aus

Die Gewalt macht für Laís nicht nur den Alltag zum Überlebenskampf, sondern verdüstert auch ihre Zukunft. Denn aus Sicherheitsgründen muss der Unterricht oft ausfallen. Dennoch träumt Laís davon, eines Tages Medizin zu studieren. „Ich will anderen Menschen helfen und dazu beitragen, dass meine Familie in ein besseres Viertel umziehen kann – mit Gottes Hilfe.“

Um den Beistand und die Barmherzigkeit Gottes erfahrbar zu machen, unterstützt KIRCHE IN NOT die Arbeit verschiedener Missionsgemeinschaften, die sich der Menschen in den Elendsvierteln annehmen. Eine davon ist die „Allianz der Barmherzigkeit“ mit über 2000 Freiwilligen und rund 350 Sozialarbeitern.

Eine solche „Lektion der Barmherzigkeit“ erteilt auch die 12-jährige Laís. Der Glaube gebe ihr und ihrer Familie Kraft und einen Blick für die Nöte der anderen Menschen, obwohl alles um sie herum „zum Verzweifeln“ sei. „Selbst mitten in einem Schusswechsel kann man einen ,kugelsicheren Glaubenʼ bewahren und für andere ein Zeichen der Hoffnung sein.“

Kleiner Junge aus Brasilien.
KIRCHE IN NOT unterstützt den Bau einer ersten Etage in dem bereits bestehenden Gebäude des Maria-Droste-Mädchenheims in der Stadt Multan.
Die Einrichtung wird von den Schwestern vom Guten Hirten geleitet. Unser Hilfswerk möchte den Bau unterstützen, damit es – besonders in Pakistan – einen geschützten Platz für christliche Mädchen gibt, in dem sie sicher leben und sich vor allem geschützt fühlen können.
Eine Straßenszene in Multan.
Bisher können die Ordensschwestern nur 20 Mädchen in ihrem Haus aufnehmen.
Die Schwestern vom Guten Hirten sind seit 1989 im Bistum Multan tätig.

Das Bistum im Zentrum Pakistans ist ungefähr doppelt so groß wie Niedersachsen. Der Katholikenanteil liegt gerade einmal bei ungefähr einem halben Prozent. Die Stadt Multan ist die sechstgrößte Stadt des Landes und hat ähnlich viele Einwohner wie München.
Die Ordensschwestern kümmern sich um die pastorale Arbeit in der Pfarrei La-Salle in Multan. Sie besuchen Familien und leiten Katechesen für die Gläubigen. Wichtig ist ihnen aber auch die Bildung für Kinder und vor allem Mädchen, die in armen Gegenden von Multan leben.

Viele Mädchen aus den Dörfern rund um Multan kommen in ihrem Gästehaus unter. Sie profitieren also nicht nur von der Bildung durch die Schwestern, sondern sie erhalten auch pastorale Unterstützung in einer christlichen Umgebung. So können sie in ihrem Glauben gestärkt werden.

Nicht genügend Übernachtungsmöglichkeiten

Während ihres Aufenthalts im Maria-Droste-Mädchenheim erhalten die Mädchen nicht nur die Sakramente. Die Schwestern bieten ihnen auch Gesundheitstipps oder Kurse für Persönlichkeitsentwicklung und bringen ihnen Fertigkeiten wie Näharbeiten, Gartenarbeit und Kochen bei. Der Konvent ist mittlerweile jedoch überfüllt. Es gibt nicht genügend Platz, um diejenigen Mädchen übernachten zu lassen, die eine Übernachtung brauchen.

In der lokalen Kultur ist es üblich, dass Mädchen nicht alleine auf die Straße gehen. Meistens können ihre Eltern aufgrund ihrer Armut nicht für deren Bildung aufkommen, da es auch in vielen ländlichen Regionen kaum lokale Bildungsmöglichkeiten gibt.

Die jungen Frauen im Mädchenheim der Schwestern vom Guten Hirten hoffen auf Ihre Hilfe.
Die Kathedrale in Multan.
Kaum Schulen auf dem Land

Viele der Mädchen, um die sich die Schwestern kümmern, haben einen oder beide Elternteile verloren. Ihre Chancen für die Zukunft wären stark eingeschränkt, wenn sie nur in den eigenen vier Wänden leben würden und nicht in dem Schwesternheim. Wenn sie dort leben, können sie auch die nahe gelegenen Schulen in Multan besuchen.

Momentan haben die Schwestern nur Platz für 20 Mädchen. Daher ist die Erweiterung des bestehenden Hauses eine wichtige Initiative, die KIRCHE IN NOT unterstützen möchte. Die Mädchen, die im Haus übernachten, bezahlen eine minimale Gebühr, um die Kosten ein wenig zu decken, aber größtenteils kommt das Geld durch die Missionsarbeit der Schwestern vom Guten Hirten.

Der Plan ist, eine weitere Etage auf dem bereits bestehenden Erdgeschoss zu bauen. Dies vergrößert und verbessert die Möglichkeiten der Mädchen, die dort gerne wohnen und die Schule besuchen möchten. Ein kleiner Teil der Kosten kann durch die Schwestern getragen werden, aber sie benötigen auch unsere Hilfe.

Sie haben sich an KIRCHE IN NOT gewandt. Wir haben 14.000 Euro zugesagt. Bitte helfen Sie den Schwestern bei diesem Bau, damit die Mädchen in ihrem Heim eine bessere Zukunft haben können.

Wir helfen mit 14.000 Euro und Sie?
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