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Christenverfolgung

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KIRCHE IN NOT ist entsetzt über einen erneuten Anschlag auf eine Kirche in Burkina Faso. „Wir stehen fassungslos vor diesem blutigen Beginn der Adventszeit“, erklärte Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland.

 

„Wieder wurden Christen an einem zeitlich neuralgischen Punkt, nämlich zu Beginn des Kirchenjahres, getroffen. Was wir schon bei den schrecklichen Osteranschlägen im April 2019 auf Sri Lanka gesehen haben, setzt sich fort: Terroristen wählen bewusst Tage und Orte, die Christen heilig sind“, sagte Ripka.

Nach dem Anschlag auf eine Kirche in Negombo (Sri Lanka) am Ostertag 2019 (Foto: Roshan Pradeep & T. Sunil).
Medienangaben zufolge haben Angreifer am ersten Adventssonntag einen Gottesdienst im Ort Hantoukoura im Osten des Landes gestürmt. 14 Gläubige seien dabei getötet worden, so lokale Behörden.

 

„Vatican News“ zufolge habe der Anschlag der protestantischen Gemeinde gegolten. Auch der Pastor und Kinder seien unter den Ermordeten. Der Ort Hantoukoura befindet sich in der Provinz Komondjari nahe der Grenze zu Niger.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Burkina Faso werde seit vier Jahren mit Terror überzogen, so Ripka. „Unsere Projektpartner richten immer wieder Appelle an die internationale Gemeinschaft, die Gewaltwelle zu beenden und die Lieferung von Waffen und Terrorfinanzierung aus dem Ausland einzudämmen. Nichts ist passiert! Die Christen in Burkina Faso bezahlen weiter mit ihrem Leben.“

 

2019: eines der blutigsten Jahre für Christen Burkina Fasos

2019 war eines der bislang blutigsten für die Christen Burkina Fasos. Im Mai hatten Attentäter einen katholischen Gottesdienst in der Gemeinde Dablo gestürmt und dabei den Gemeindepriester und weitere Gläubige getötet.

Ein spanischstämmiger Salesianer-Missionar kam Mitte Februar bei einer Attacke ums Leben. Ein weiterer katholischer Priester wurde an der Grenze zu Mali verschleppt. Ende April hatte bereits ein Anschlag auf eine protestantische Gemeinde im Norden des Landes stattgefunden.

Vertriebene Christen in Burkina Faso.
Als Urheber der Gewaltakte werden von den lokalen Behörden und Kirchenvertretern islamistische Söldnerbanden benannt, die seit 2015 über die Nachbarländer vordringen. Die anhaltenden Attacken auf Christen dienten als Vorwand, um das Land zu spalten, vermuten die lokalen Partner von KIRCHE IN NOT.

 

Bislang gutes Zusammenleben der Religionen

Bislang habe das Zusammenleben der Religionen ohne größere Zwischenfälle funktioniert. In Burkina Faso sind rund ein Viertel der Bevölkerung Christen, über die Hälfte muslimisch. Etwa 20 Prozent gehören Stammesreligionen an, so der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT.

Der erneute Angriff sei ein Weckruf, betonte Ripka: „Wir haben es in der Hand, die Friedensarbeit und den pastoralen Einsatz der Kirche zu stärken, damit die Menschen in einem Advent der Angst und Trauer die Solidarität von Christen auf der ganzen Welt spüren.“

Bitte helfen Sie

Um den pastoralen Einsatz der katholischen Minderheit in Burkina Faso weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Burkina Faso

Am 10. Dezember erhält Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis. Damit wird vor allem sein Einsatz für den Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea gewürdigt – eine sensationelle Wende im Verhältnis der jahrzehntelang verfeindeten Staaten.

 

Im eigenen Land aber sind im Oktober schwere Unruhen ausgebrochen, die sich auch gegen den Präsidenten richten. Dabei sind Polizeiangaben zufolge mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen. Auslöser waren schwelende ethnische Konflikte in der Oromia-Region rund um die Hauptstadt Addis Abeba.

Petros Berga, katholischer Priester aus der Erzdiözese Addis Abeba.
Die ist ein Konflikt, in dem auch religiöser Fundamentalismus eine Rolle spielt und der sich auch gegen Christen richtet, findet der Priester Petros Berga aus der Erzdiözese Addis Abeba.

 

In Äthiopien sind rund 60 Prozent der Einwohner Christen. Die meisten gehören der orthodoxen Kirche an, die Zahl der Katholiken liegt bei maximal einer Million Menschen, etwa einem Prozent der Bevölkerung.

Berga ist ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT. Amélie de La Hougue hat mit ihm gesprochen.

Eine Moschee in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
AMÉLIE DE LA HOUGUE: Wie hat sich die Situation in Addis Abeba und im Land entwickelt?

 

PETROS BERGA: Die Lage ist sehr unbeständig. Es gibt in einigen Regionen ethnische Probleme. Aber das wahre Problem kommt aus dem Nahen Osten. Ein ethnisch-religiöser Aktivist namens Jawar Mohammed ist zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Äthiopien geworden. In mehreren Orten wurden bereits Kirchen, Priester und Gläubige attackiert. Mohammed wird mutmaßlich illegal aus dem Nahen Osten finanziert.

Er hat einen eigenen Fernsehsender und ein großes Netzwerk in den sozialen Medien. Die Zahl seiner Anhänger ist groß. Die Aktivisten benutzen die Jugendlichen in der Oromo-Region als Instrument, um Konflikte zu schüren. Die Jugendlichen erhalten sogar kostenlose Mobiltelefone, gespendet aus den Golfstaaten.

Bereits Kirchen, Priester und Gläubige attackiert

Wie entwickeln sich die Demonstrationen?

Langsam verebbt die Protestwelle. Die weitere Entwicklung ist jedoch ungewiss. Radikale Politiker und selbsternannte Aktivisten rufen zur Gewalt auf. Sowohl die Regionalverwaltung als auch die Regierung greifen kaum ein, selbst wenn Menschen angegriffen, vertrieben, ausgeraubt, bedroht oder belästigt werden. Am Stadtrand von Addis Abeba haben Anhänger von Jawar Mohammed Anwohner angegriffen.

Dorthin sind in den vergangenen Jahren viele Menschen im Zuge der städtebaulichen Entwicklung ausgesiedelt. Ihre Lage, vor allem die der Jugendlichen, ist von Arbeits- und Hoffnungslosigkeit geprägt. Jetzt sind sie auch noch der Gewalt ausgesetzt. Das macht es für uns als Kirche noch dringender, den Jugendlichen in den Außenbezirken beizustehen.

Katechese für Kinder im Apostolischen Vikariat Nekemte (Äthiopien).
Die Medien haben von ethnischen und religiösen Konflikten als Auslöser der Gewalt gesprochen. Stimmen Sie dem zu?

 

Die Gewalt richtet sich derzeit gegen Christen, vor allem gegen die orthodoxe Kirche. Hauptakteure sind der genannte Jawar Mohammed und Dawed Ibsa, Anführer der sogenannten Oromo-Befreiungsfront. Beide sind Muslime und gehören der Volksgruppe der Oromo an. Sie nutzen die ethnische Zugehörigkeit, um die Jugendlichen zu mobilisieren.

Aber die Angriffe haben eher eine religiöse als eine ethnische Dimension. Die traditionelle Form des Islam in Äthiopien ist vom Sufismus geprägt. Er zeichnet sich durch Toleranz und eine hohe Integrationsfähigkeit gegenüber den Stammeskulturen aus. Diese Form des Islam wird nun durch militantere und fundamentalistische Strömungen ersetzt.

 

Haben Sie Hoffnung, dass sich die Situation verbessern wird?

Die Äthiopier verschiedener Religionen und Ethnien leben seit Jahrhunderten Seite an Seite. Ich bin zuversichtlich, dass die gemeinsamen Werte sie in dieser schwierigen Situation zusammenhalten werden.

Gottesdienst unter freiem Himmel bei Dhadim (Äthiopien).
Was ist die Rolle und die Botschaft der katholischen Kirche in diesem Konflikt?

 

Die katholische Kirche ist zwar eine Minderheit, spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Förderung des friedlichen Zusammenlebens. Der Erzbischof von Addis Abeba, Berhaneyesus Demerew Kardinal Souraphiel, wurde vom Premierminister zum Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Frieden und Versöhnung ernannt.

Wir organisieren Workshops zu Friedensarbeit und Dialog. Als Minderheitskirche, die der Gesellschaft ohne ethnische oder religiöse Unterscheidung dient, ist die katholische Kirche am besten in der Lage, eine Rolle bei der Vermittlungsarbeit zu spielen.

Bitte helfen Sie den bedrängten Christen in Äthiopien!

Um die Friedensarbeit und den pastoralen Einsatz für die katholische Minderheit in Äthiopien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Äthiopien

Die Situation der Christen in Syrien und in Ägypten stand im Zentrum eines „Abends der Zeugen“, den KIRCHE IN NOT Deutschland am 22. November im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main veranstaltete.

 

Erzbischof Joseph Tobji aus Aleppo (Syrien) sowie der koptische Erzdiakon Mina Ghattas berichteten über die herausfordernde Lage der Christen in Syrien und in Ägypten.

Erzbischof Joseph Tobji (rechts) berichtete beim „Abend der Zeugen“ über die Lage der Christen in Syrien. Links: Daniele Piccini von KIRCHE IN NOT.
Der maronitisch-katholische Erzbischof aus Aleppo fasste die Situation in seiner Gemeinde so zusammen: „Als wir verstanden haben, dass die Bomben keinen Teil der Stadt verschonen, haben wir uns unserem Schicksal ergeben.“

 

Die Sorge um die einfachsten Dinge des Alltags wie Strom und Wasser, der Einsatz um Hinterbliebene von Kriegsopfern und körperlich versehrte Menschen mache den Alltag zu einer ständigen Tortur. „Hier kennt man den wahrhaftigen Tod“, sagte Tobji.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo. Die Kirche wird derzeit wiederhergerichtet.
Neben Not, islamistischem Terror und der Frage nach dem „Warum“ habe er aber auch ermutigende Erfahrungen gemacht, so Tobji: Christen, die sich neu dem Glauben zugewandt haben, Menschen, die sich für ihre notleidenden Nachbarn engagieren oder pastorale Initiativen, die auch im Bombenhagel nicht eingestellt wurden. „Wir haben persönlich erfahren, dass alles vergeht. Nur Gott bleibt!“

 

Die über 100 Teilnehmer im Kaiserdom rief der Erzbischof auf, weiterhin für die Menschen in Syrien zu beten und ihnen zu helfen – zumal niemand wisse, wie sich die Lage im Norden des Landes entwickle.

Über 100 Gäste sind der Einladung von KIRCHE IN NOT in den Frankfurter Dom gefolgt. Er war im Innenraum rot beleuchtet. Die Farbe symbolisiert das Blut, das Märtyrer für ihren Glauben vergossen haben.
Den koptischen Christen Ägypten lieh Erzdiakon Mina Ghattas aus Wiesbaden seine Stimme. Die Kopten seien die letzte große christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten, würden aber von ihren Mitmenschen oft wie Bürger zweiter Klasse behandelt.

 

Kirchen in Ägypten niedergebrannt

Die Regierungsbehörden seien zum Beispiel von Anhängern der Muslimbrüder durchsetzt, auch gebe es widersprüchliche Aussagen führender islamischer Gelehrter zum Umgang mit den Christen. Immer wieder werden Anschläge auf sie verübt, so Ghattas.

„Vor kurzem wurden in Oberägypten zwei Kirchen niedergebrannt. Offiziell heißt es, es sei keine Brandstiftung gewesen.“ Auch den koptischen Christen gebe der Glaube und die weltweit erfahrende Gemeinschaft große Kraft.

Der koptische Erzdiakon Mina Ghattas berichtete über die Situation der Christen in Ägypten.
Diese Verbundenheit im Gebet und der Hilfe stellte auch Florian Ripka, der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, in seiner Ansprache heraus: „Sie zeigen mit Ihrer Teilnahme: Die verfolgten und notleidenden Christen sind nicht vergessen. Sie haben einen Platz in unseren Gedanken und unseren Gebeten!“

 

Lage für Christen in Südostasien hat sich verschlimmert

KIRCHE IN NOT erreichten beinahe täglich erschütternde Nachrichten: Christen litten unter einem fundamentalistischen Islamismus, aber auch unter autoritären Regimen und nationalistischen Bewegungen.

Dies gelte zum Beispiel für Südostasien, wo sich die Lage für Christen am meisten verschlimmert habe, so Ripka. Zu diesem Ergebnis komme der Bericht „Verfolgt und vergessen?“, den KIRCHE IN NOT Anfang November herausgebracht habe.

Im Altarraum war die Ikone „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ aufgestellt. Das Original wurde von Papst Franziskus gesegnet und wird durch alle Diözesen Syriens gereicht.
Zum „Abend der Zeugen“ war der Innenraum des Frankfurter Kaiserdoms rot angestrahlt getaucht. Die rote Farbe symbolisiert das Blut der christlichen Märtyrer, die wegen ihres Glaubens getötet wurden.

 

Innenraum des Doms rot angestrahlt

Für diese bedrängten Glaubensgeschwister beteten die Anwesenden unter Leitung von Pater Martin Barta, dem Geistlichen Assistent von KIRCHE IN NOT International. Eine Gesangsgruppe von Mitarbeitern und Freunden des Hilfswerks umrahmte die Gebetsstunde musikalisch.

Die rot beleuchtete St-Mary’s-Kathedrale in Sydney.
Der „Abend der Zeugen“ in Frankfurt war Teil einer weltweiten Gebetsakation, die KIRCHE IN NOT ins Leben gerufen hat. Unter dem Namen „Rote Woche“ („Red Week“) macht das Hilfswerk auf die weltweite Christenverfolgung aufmerksam. Dazu werden öffentliche Gebäude rot beleuchtet.

 

Aktion „Rote Woche” von KIRCHE IN NOT

So wurden in diesem Jahr zum Beispiel 120 Gebäude in Großbritannien in rotes Licht getaucht, auf den Philippinen über 2000 Pfarrkirchen sowie die Kathedralen von Melbourne und Sydney in Australien.

Folgen werden am 27. November der Wiener Stephansdom und öffentliche Gebäude in der österreichischen Hauptstadt. Auch in Deutschland fanden in diesem Jahr bereits „Abend der Zeugen“ in München, Berlin, Neumarkt in der Oberpfalz und an weiteren Orten statt, bei denen Gebäude öffentlichkeitswirksam rot angestrahlt wurden.

Bitte helfen Sie

Um weiterhin der notleidenden Bevölkerung in Syrien und Ägypten helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder direkt online oder auf folgendes Spendenkonto:

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Noch immer warten mehrere Zehntausend christliche Flüchtlinge darauf, in ihre Heimatorte in der Ninive-Ebene im Nordirak zurückkehren zu können.

 

Das berichtete der syrisch-katholische Priester Georges Jahola aus Karakosch (Irak) in einem Gottesdienst in Neumarkt in der Oberpfalz.

Der syrisch-katholische Priester Georges Jahola aus Karakosch im Irak berichtete über die Situation der Christen in seinem Land.
Für diese Aktion waren das Münster St. Johannes und das Neumarkter Rathaus rot angestrahlt worden. Die Farbe symbolisiert das Blut unzähliger Menschen weltweit, die wegen ihrer Religion Gewalt erleiden, verfolgt oder gar getötet werden.

 

Initiator dieser Aktion war der Ökumenische Arbeitskreis Religionsfreiheit, der schon seit Jahren auf die Lage verfolgter Christen aufmerksam macht. Diesmal wurde er unterstützt von KIRCHE IN NOT.

Die Münsterkirche St. Johannes in Neumarkt.
Rund 300 Gläubige waren dem Aufruf gefolgt. In einem Schweigemarsch zogen sie von der evangelischen Christuskirche zum katholischen Münster. Domkapitular Norbert Winner leitete dort einen Gottesdienst, in dem auch Georges Jahola über die Lage der Christen im Irak sprach.

 

Im Sommer 2014 waren rund 90 000 Christen durch islamistische Kämpfer des IS aus ihrer Heimat in der Ninive-Ebene vertrieben worden. Zwar sei der IS militärisch inzwischen besiegt, doch in den christlichen Gebieten habe er schwere Verwüstungen hinterlassen, so Jahola.

Alle Wohnhäuser der Christen seien vom IS geplündert, viele Häuser in Brand gesteckt oder dem Erdboden gleichgemacht worden.

Die Münsterkirche St. Johannes in Neumarkt wurde rot angestrahlt. Die Farbe symbolisiert das Blut, das Märtyrer für den christlichen Glauben vergossen haben.

Seit 2017 werden diese Häuser auch mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT wiederaufgebaut. Georges Jahola leitet diese Arbeiten in Karakosch. Früher war sie die größte christliche Stadt im ganzen Irak.

 

Viele Christen haben noch Angst vor einer Rückkehr

Immerhin sind inzwischen die Hälfte der christliche Flüchtlinge in die Ninive-Ebene zurückgekehrt. Die anderen Flüchtlinge halten sich noch in der nahegelegenen kurdischen Region des Iraks auf. Viele von ihnen trauen der Lage nicht, haben Angst vor einer Rückkehr des IS oder ihre Häuser sind einfach noch nicht wieder bewohnbar.

Ansprache von Berthold Pelster.
Viele Christen im Irak „sind müde von den endlosen Konflikten und der andauernden Verfolgung“, so Jahola. Sie spielten mit dem Gedanken, den Irak zu verlassen. Die Zahl der Christen im Irak sei von früher einmal 1,5 Millionen drastisch geschrumpft auf heute vielleicht noch 200 000 oder weniger.

Wolle man das vollständige Verschwinden des Christentums im Irak verhindern, müsse dringend gehandelt werden.

Die Märtyrer nicht im Stich lassen

Berthold Pelster von KIRCHE IN NOT machte in einer kurzen Ansprache die geistliche Dimension dieser Verfolgungssituation im Irak deutlich. Eine Kirche, die ihre Märtyrer im Stich lasse, so Pelster, verhalte sich nicht nur unsolidarisch gegenüber ihren Gläubigen in Not, sondern verrate zugleich ihren Herrn Jesus Christus, der das Haupt der ganzen Kirche und aller ihrer Glieder sei.

Bei einem bewaffneten und vermutlich gezielten Überfall auf ein Auto eines Priesters sind in Syrien der Geistliche und dessen mitgereister Vater getötet worden. Ein weiterer Mitfahrer wurde verletzt, einem vierten Insassen gelang die Flucht.

 

Wie der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, gegenüber KIRCHE IN NOT berichtete, waren die vier Männer auf dem Weg in die Stadt Deir ez-Zor. Sie liegt rund 350 Kilometer östlich von Aleppo. Derzeit werden hier Häuser und auch die armenisch-katholische Kirche wieder aufgebaut.

Der armenisch-katholische Priester Hovsep Hanna Bedoyan bei einer Veranstaltung in seiner Pfarrei. Er wurde am 11. November 2019 kaltblütig in einem Auto in Syrien erschossen.
Kurz vor ihrem Ziel seien die Reisenden von zwei bewaffneten Personen auf einem Motorrad überholt worden, die sofort das Feuer eröffnet hätten. Pfarrer Hovsep Hanna Bedoyan (43) wurde so schwer verletzt, dass er auf dem Weg zum Krankenhaus starb. Sein Vater war sofort tot.

 

Priester starb auf dem Weg ins Krankenhaus

Die Untersuchungen des Vorfalls seien noch im Gange. Daher wisse man noch nicht, wer sie getötet habe, so der Erzbischof. Offenbar habe sich der IS aber zu dem Überfall bekannt.

„Sicher ist, dass Pfarrer Hovsep einen Priesterkragen trug und daher erkennbar war, ebenso sein Auto, das auf dem Heck die Aufschrift ,Armenisch-katholische Kirche‘ trug.“

Boutros Marayati, armenisch-katholischer Erzbischof von Aleppo.
So könne man davon ausgehen, dass der Geistliche wegen seines Priesteramts und aufgrund seines Beitrags zur Wiederherstellung der christlichen Präsenz in Deir ez-Zor getötet worden sei, vermutet Erzbischof Marayati.

 

Die Stadt im Osten Syriens ist seit Beginn des Krieges besonders umkämpft. Der IS eroberte Deir ez-Zor im Jahr 2014, erst drei Jahre später konnten syrische Streitkräfte die IS-Kämpfer vertreiben.

Blick auf ein zerstörtes Stadtviertel von Aleppo.
Der armenisch-katholische Priester Hovsep Hanna Bedoyan wurde in der Stadt Kamischli (Qamishli) im Nordosten Syriens beigesetzt. Die Stadt liegt in der Grenzregion zur Türkei und zum Irak. Hier komme es aufgrund der Kämpfe zwischen Türken und Kurden derzeit zu schweren Spannungen, sagt Erzbischof Marayati.

 

„Die Situation ist chaotisch”

„Die Situation ist chaotisch. Es sind Türken, Kurden, Amerikaner und Russen vor Ort. Die Christen haben große Angst. Bei jedem Gewaltausbruch entscheiden sich viele Familien für eine Auswanderung.“

Vor dem Krieg hätten 5000 armenische Katholiken in der Stadt gelebt, heute seien es nur noch etwa 2000. Von den einst fünf Kirchen seien noch zwei geöffnet.

Kinder aus Syrien bitten um Frieden in ihrem Heimatland.
Erzbischof Marayati appellierte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT an die internationale Gemeinschaft: „Wir bitten nur darum, dass dieser Krieg aufhört. Aber das kann nicht geschehen, wenn Sie weiterhin den Terroristen helfen und Waffen nach Syrien schicken.“

 

An die Christen in der Welt gewandt sagte er: „Ich bitte Sie: Beten Sie für uns und unser Volk! Wir durchleben eine extrem schwierige Zeit.“

Bitte helfen Sie

Um weiterhin der notleidenden Bevölkerung in Syrien helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder direkt online oder auf folgendes Spendenkonto:

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Verwendungszweck: Syrien

KIRCHE IN NOT Deutschland lädt am Freitag, 22. November, um 18 Uhr in den Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main zu einem „Abend der Zeugen“ ein.

 

Dabei berichten Gäste in persönlichen Zeugnissen über die oft prekäre und unsichere Lage der Christen in Syrien und in Ägypten.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo. Die Kirche wird derzeit mit Hilfe von KIRCHE IN NOT renoviert.
Eingeladen sind der maronitisch-katholische Erzbischof aus Aleppo in Syrien, Joseph Tobji, sowie Minha Ghattas, Erzdiakon der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland.

 

Neben den Berichten über das Leben der Christen in Syrien und Ägypten wird der Abend auch mit Gebeten, Kreuzweg-Stationen und Liedern begleitet.

Während der Veranstaltung im Dom wird das Gotteshaus innen auch rot beleuchtet sein. Die Farbe symbolisiert das Blut, das die Märtyrer für ihren Glauben vergossen haben.

Kreuz in der zerstörten koptischen Kirche in Luxor (Ägypten).
Nach dieser Veranstaltung im Kaiserdom laden wir zu einem Imbiss und zur persönlichen Begegnung in den Pfarrsaal der Domgemeinde ein.

 

Sie erleichtern uns die Planung, wenn Sie sich formlos bei uns im Büro anmelden. Sie können uns anrufen unter der Telefon-Nummer 089 – 6424 8880 oder auch eine kurze E-Mail senden an: info@kirche-in-not.de.

Geben Sie diesen Termin gerne an Personen in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiter.

Der Countdown bis zum Ende des Christentums in Teilen des Nahen Osten tickt immer lauter – und kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt handelt.

 

Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht „Verfolgt und vergessen?“ von KIRCHE IN NOT. Er wurde vom britischen Nationalbüro des weltweiten päpstlichen Hilfswerks erstellt und liegt nun in deutscher Übersetzung vor.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von 2017 bis 2019 und stellt die Entwicklung der Christenverfolgung in zahlreichen Weltregionen vor. Was die Entwicklung für die einzelnen Christen bedeutet, wird anhand zahlreicher Fallbeispiele und kurzer Länderberichte illustriert.

Titelseite des neuen Berichts „Verfolgt und vergessen?”.
Ein zentraler Befund von „Verfolgt und Vergessen?“: In den Ländern des Nahen Ostens ist nach dem militärischen Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ der Völkermord an Christen und anderen Minderheiten gestoppt.

 

Zahl der Christen im Irak um bis zu 90 Prozent gesunken

Allerdings hält der Exodus der Christen aus der Region weiterhin an – die Angst vor einem Wiederaufflammen des Terrors ist zu groß. Die jüngsten Meldungen aus dem Nordosten Syriens zeigen, wie real diese Angst ist.

Vor dem Jahr 2003 gab es im Irak noch rund 1,5 Millionen Christen. Bis Mitte 2019 ist die Zahl auf deutlich unter 150 000 gefallen – ein Rückgang von bis zu 90 Prozent innerhalb nur einer Generation. Auch in Syrien ist die Anzahl der Christen seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 um zwei Drittel zurückgegangen.

Junge aus der irakischen Ninive-Ebene entzündet eine Kerze (© Manweel Banna/KIRCHE IN NOT).
Der Bericht von KIRCHE IN NOT hebt hervor, dass die Weltöffentlichkeit in den vergangenen Jahren dem Thema Christenverfolgung mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ursachen waren neben dem Genozid im Irak unter anderem das Schicksal von Asia Bibi in Pakistan. Die Christin war wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt und nach Jahren der Einzelhaft im Oktober 2018 freigesprochen worden.

 

Mehr Aufmerksamkeit, aber Hilfen stocken

Die für Christen wie andere religiöse Minderheiten erforderlichen Hilfen wurden von der internationalen Gemeinschaft jedoch zu wenig gewährt, so der Bericht. Für den Wiederaufbau im Irak seien zum Beispiel von den USA umfangreiche Mittel zugesagt worden, die Auszahlung jedoch stockte.

KIRCHE IN NOT und weitere Organisationen setzen sich für die Wiederbesiedelung christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene ein. Dort ist mittlerweile rund die Hälfte der ehemaligen Bewohner zurückgekehrt.

Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri in Nigeria in einer durch Boko Haram zerstörten Kirche.
„Verfolgt und Vergessen?“ arbeitet ebenfalls heraus, dass sich in zahlreichen asiatischen Ländern die Situation für Christen und anderer religiöse Minderheiten deutlich verschärft hat. Die Anschläge am Ostersonntag auf Sri Lanka mit über 250 Toten und mehr als 500 Verletzen haben dies gezeigt.

 

Neben islamistischen Gruppen sind ein zunehmender Nationalismus und autoritäre Regime für das gewaltsame Vorgehen gegenüber Christen verantwortlich. In Indien sind allein 2017 über 450 antichristliche Überfälle gemeldet worden, die meist auf das Konto von nationalistischen Hindus gehen.

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland (links), überreichte den Bericht an die Bundestagsabgeordneten Prof. Heribert Hirte (Mitte) und Michael Donth.
Auch in China hat sich trotz eines vorläufigen Übereinkommens mit dem Vatikan Lage für Gläubige verschärft. Die kommunistische Regierung geht rigoros gegen religiöse Aktivitäten vor, die nicht staatlich genehmigt sind.

Bestellen Sie den neuen Bericht „Verfolgt und vergessen?“

Der Bericht „Verfolgt und Vergessen?“ ist für ein Euro (zuzüglich Versandkosten) erhältlich im Internet-Bestelldienst von KIRCHE IN NOT oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München
Telefon: 089 / 64 24 888 0
Fax: 089 / 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de
In rotes Licht getaucht war der Klinkerbau der Dominikanerkirche St. Paulus in Berlin-Moabit. KIRCHE IN NOT Deutschland hatte dort zu einem „Abend der Zeugen“ geladen. Die rote Beleuchtung symbolisiert das Blut und die tagtägliche Hingabe von Christen auch unter widrigsten Umständen.

 

Zwei Gäste aus der Weltkirche sprachen zu den über 100 Teilnehmern an dem Gebetsabend: Pallottiner-Schwester Cécile Bimenyimana aus Ruanda und Asif John Khokar, Generalvikar der Diözese Rawalpindi in Pakistan.

Asif John Khokar, Generalvikar der Diözese Rawalpindi (vorne), berichtete über die Situation der Christen in Pakistan.
in Pakistan sind nur zwei Prozent Christen. Strenge Konversionsgesetze verbieten die Hinwendung zum christlichen Glauben. „Christen werden auf vielfache Weise unterdrückt“, berichtete Khokar. Falsche Beschuldigungen wegen Blasphemie seien gängige Praxis. Auch würden Christen bei Behörden, Schulen und der medizinischen Versorgung diskriminiert.

 

„Durch unser Leben den Auftrag Christi weitergeben“

Der Einsatz der Christen vollziehe sich vor diesem Hintergrund durch das gelebte Beispiel, erklärte Khokar: „Wir sind nicht dort, um Menschen zur Konversion zu bringen, sondern durch unser Leben den Auftrag Christi weiterzugeben.“

Diese geschehe zum Beispiel durch die christlichen Schulen, die KIRCHE IN NOT unter anderem unterstützt. Sie stehen wie alle christlichen Einrichtungen unter strenger Bewachung.

Die Dominikanerkirche St. Paulus in Berlin-Moabit wurde rot angestrahlt. Die Farbe symbolisiert das Blut, das Märtyrer für den christlichen Glauben vergossen haben.
Khokar war selbst Zeuge eines Bombenanschlags auf eine Kirche im März 2015. Bei zwei parallelen Anschlägen wurden damals mindestens 14 Menschen getötet, 70 verletzt. Der Priester habe eine Mutter in den Armen gehalten, deren Sohn von der Explosion zerfetzt worden war.

 

„Das Wort Gottes gibt uns Mut und Hoffnung“

Er was als Sicherheitsmann am Eingang der Kirche eingesetzt. Die Mutter habe ihm gesagt, erzählte der Generalvikar: „,Mein Sohn hat sein Leben geopfert, um das Leben anderer zu schützen. Mein Sohn wird für immer leben, weil meine Hoffnung bei Gott ist.῾“

Dieser Glaube und diese Hoffnung zeichne viele Christen Pakistans aus. „Das Wort Gottes gibt uns Mut und Hoffnung. Es ist schwer mit der Situation umzugehen. Aber ich habe die Kraft erlebt, die in der Zusage Jesu liegt: Hab keine Angst!“

Schwester Cécile Bimenyimana berichtet über ihre Arbeit und die aktuelle Situation in ihrem Heimatland Ruanda.
In Ruanda ist die Mehrheit der Bevölkerung Christen; es gibt keine offene Verfolgung. Das Thema Versöhnung spiele jedoch eine große Rolle für den Einsatz der Kirche, auch 25 Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi, berichtete Schwester Cécile: „Es gibt spezielle Versöhnungsseminare. Qualifizierte Trainer unterstützen die traumatisierten Menschen.“

 

Versöhnung nach dem Völkermord in Ruanda

Die Pallottinerin lebt nahe der ruandischen Hauptstadt Kigali und setzt sich dort vor allem für ältere und pflegebedürftige Menschen ein. Um sie mit Lebensmitteln, Medikamenten oder anderen Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen, erhalte ihre Gemeinschaft Hilfe von KIRCHE IN NOT.

Als nächstes sein ein festes Beratungszentrum geplant – dafür fehlten noch die Mittel. „Seit meiner Kindheit, war ich bereit, notleidenden Menschen zu helfen. Ich versuche mein Bestes. Und wo ich schutzbedürftige Menschen nicht erreichen kann, lege ich sie durch meine täglichen Gebete in Gottes Hände.“

Die Band PAX hatte den Abend musikalisch gestaltet.
Auf den spirituellen Aspekt der Hilfe von KIRCHE IN NOT wies auch Geschäftsführer Florian Ripka hin. „Das Zeugnis der verfolgten Christen kann unseren eigenen Glauben stärken. Unsere Anteilnahme an ihrem Schicksal kommt bei ihnen an.“

 

„Zeugnis der verfolgten Christen kann eigenen Glauben stärken“

Eine Ikone aus Syrien stand unter dem Kreuz in der Dominikanerkirche. Sie zeigt die „Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“.

Diese Ikone wurde eigens für eine Aktion von KIRCHE IN NOT gefertigt, die sich dem geistlichen Trost für die Betroffenen des Syrienkriegs widmet – eine Unterstützung, die angesichts der türkischen Militäroffensive im Norden des Landes neue Brisanz gewonnen hat.

Weihbischof Dr. Matthias Heinrich während der Predigt.
Dem Gebetsabend vorausgegangen war eine heilige Messe, die der Berliner Weihbischof Dr. Matthias Heinrich zelebrierte. „Jesus richtet an uns die Mahnung im Glauben und im Gebet nicht müde zu werden“, sagte Heinrich in seiner Predigt.

 

Das gelte gerade auch dann, wenn es gefährlich wird. „Die notleidende Kirche ist uns darin ein Vorbild. Sie zeigt, wie tief der Glaube reichen kann“, so der Weihbischof. Die Botschaft, die vom Lebenszeugnis verfolgter und notleidender Christen ausgehe, laute: „Habt keine Angst, Gott lässt uns nicht allein.“

„Es war nicht klug, den Truppenabzug einzuleiten. Es war klar, dass den Kurden niemand helfen würde. Jetzt werden sie alles verlieren, wie es bereits in Afrin geschehen ist.“

 

Jacques Behnan Hindo, der emeritierte syrisch-katholische Erzbischof von Hassaké-Nisibi, macht sich im Gespräch mit KIRCHE IN NOT keine Hoffnung, was die jüngste Invasion der Türkei im Nordosten Syriens angeht.

Jacques Behnan Hindo (rechts), emeritierter Erzbischof von Hassaké-Nisibi, feiert die heilige Messe.
Die Entscheidung von US-Präsident Trump, seine Truppen aus dem Nordosten Syriens abzuziehen, hat eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, von denen die türkische Offensive nur ein erstes Fanal sein könnte. Verlierer aber werden nicht nur die Kurden sein.

 

„Wir Christen werden die Konsequenzen tragen”

„Wie immer hat jede Kriegspartei ihre eigenen Interessen, aber wir Christen werden die Konsequenzen tragen“, sagt Hindo. Im Nordosten Syriens leben rund 30 000 bis 40 000 Christen verschiedener Konfessionen.

Trotz Einschränkungen waren sie unter dem Schutz kurdischer Truppen relativ sicher in der Region, die sich zwischen dem Euphrat und der Grenze zur Türkei und der irakisch-türkischen Grenze erstreckt. Die Kurden waren nicht zuletzt wichtige Partner im Kampf gegen den Terror des sogenannten „Islamischen Staates“.

In der Altstadt von Aleppo/Syrien.
Beides scheint nun unter türkischem Militärfeuer ausgelöscht. Nun, da die Kurden um ihr eigenes Überleben kämpfen, stehen die Christen wie die anderen Minderheiten, zum Beispiel die Jesiden, ohne Schutz da. Ein neuer Exodus sei vorprogrammiert, so Bischof Hindo.

 

„Ein neuer Exodus ist vorprogrammiert”

Hinzu komme jedoch noch eine weitere, weit gefährlichere Entwicklung. „Es wurde gemeldet, dass eines der Gefängnisse, in dem IS-Kämpfer festgehalten wurden, im Kampf getroffen wurde und weitgehend unbewacht ist. Die meisten von den Terroristen werden jetzt frei sein.

Das folgt einem Plan, Syrien zu zerstören – und nicht nur Syrien. Jetzt werden die Terroristen nach Europa kommen, durch die Türkei und mit der Unterstützung Saudi-Arabiens.“

Erzbischof Bashar Warda von Erbil (2. von rechts) verteilt Hilfsgüter, die KIRCHE IN NOT zur Verfügung gestellt hat.
Eine neue Flüchtlingswelle, die vor allem den Irak mit voller Härte trifft, befürchtet auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, der Hauptstadt der Region Kurdistan, Bashar Warda, ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT.

 

Steigende Zahl von vertriebenen Menschen aus Nordsyrien

„Wir bereiten uns auf eine neue Flüchtlingswelle vor. In Erbil haben wir in den vergangenen beiden Jahren schon eine steigende Zahl von Vertriebenen aus Nordsyrien festgestellt“, schreibt Warda in einer Erklärung, die dem Hilfswerk vorliegt.

„Wir hoffen und beten, dass sich die Regierung und die internationale Gemeinschaft sich nicht abwenden, sondern uns unterstützen, den Christen und den anderen unschuldigen Menschen zu beizustehen, welche Religion sie auch haben.“

Kind in einem Flüchtlingslager.
Erschwerend kommt hinzu, dass für viele Flüchtlinge nur der Irak die nächstgelegene Zufluchtsoption darstellt. Der Libanon, der seit Ausbruch des Syrienkriegs die höchste Zahl von Flüchtlingen aus Syrien aufgenommen hat, beginnt nun Berichten zufolge mit einem verstärkten Rückführungskurs.

 

Es droht die Ausrottung des Christentums in der Region

Warda befürchtet deshalb: „Sollten Christen keine ausreichende Versorgung im Nordirak finden, werden sie den Nahen Osten ganz verlassen.“

Einmal mehr ist die Gefahr der Auslöschung des Christentums in einer seiner Ursprungsregionen zum Greifen nah. Letztlich könnte die erneute Eskalation sogar einem der Hauptziele des IS doch noch zum Erfolg verhelfen, macht Warda deutlich: „Der Ausrottung des Christentums in der Region.“

Ein Mann betet in einer zerstörten Kirche in Syrien.
Offen bleibt, ob der Plan der Türkei, eine Sicherheitszone im Nordosten Syriens einzurichten, auf die Region begrenzt bleibt.

 

„Die Menschen leiden unsäglich”

Sollte der Konflikt auch auf den Nordwesten überschwappen, wäre unter anderem Aleppo betroffen, wo derzeit rund 30 000 Christen leben. „Das könnte der Anfang vom Ende sein“, erklärt der in Aleppo ansässige armenisch-katholische Priester Mesrob Lahian gegenüber KIRCHE IN NOT.

„Die politischen Interessen sind, wie seit Beginn des Syrienkrieges, unübersichtlich. Eins aber ist Fakt: Die Menschen leiden unsäglich, manchmal noch mehr als zu Beginn des Krieges“, erklärt Florian Ripka, der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland.

- Erzbischof Bashar Warda
„Unser Hilfswerk hat in den vergangenen acht Kriegsjahren immer an der Seite der syrischen Christen gestanden. Wir werden sie auch jetzt nicht verlassen, während die Politik noch diskutiert, was jetzt zu tun ist.“

 

„Nächstenliebe fragt nicht nach einem Taufschein”

Nicht vergessen werden dürfe, dass die Kirchen oft die einzigen Anlaufstellen für die kriegsgeplagte Bevölkerung sind. Lebensmittel- und Medikamentenhilfen, Beiträge für Lebenshaltungskosten und Unterbringung von Flüchtlingen komme nicht exklusiv den Christen zugute, so Ripka.

„Nächstenliebe fragt nicht nach dem Taufschein. Sie fragt nach der konkreten Not. Und die ist jetzt nochmals unermesslich gestiegen.“

In Pakistan werden immer mehr Mädchen aus buddhistischen und christlichen Familien entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen.

 

Dies bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, gegenüber KIRCHE IN NOT: „In jüngster Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Die Mädchen sind etwa 14 oder 15 Jahre alt.“ Es handle sich dabei um schwere Verbrechen, die nur unzureichend geahndet würden, erklärte Shaw.

Eine Ordensfrau aus Pakistan zündet eine Kerze an.
In der Provinz Punjab, deren Hauptstadt Lahore ist, sollen lokalen Quellen zufolge innerhalb eines Jahres bis zu 700 Mädchen verschleppt worden sein.

 

Entführte Mädchen aus buddhistischen oder christlichen Familien

Erzbischof Shaw zufolge handle es sich bei den Entführern meist um verheiratete Männer. Bei den Verschleppungen gebe es eine religiöse Komponente, da die meisten der Mädchen buddhistisch oder christlich seien.

Doch dies sei nicht die ausschließliche Motivation der Täter, glaubt Shaw: „Es ist Begierde. Die Männer denken: ,Sie sieht toll aus, und ich will sie.‛“

Sebastian Shaw, Erzbischof von Lahore.
Da die Entführungen zunähmen, hätten er und weitere Geistliche wiederholt die Polizei alarmiert, „doch die hört überhaupt nicht zu“, berichtete der Erzbischof.

 

Daraufhin habe er sich direkt an die Regierung gewandt. „Sie haben ein Treffen zwischen mir und den Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinden organisiert. Ein junger islamischer Gelehrter hat die Entführungen kritisiert und erklärt, Zwangskonversionen seien nicht erlaubt.“

Schülerinnen einer katholischen Schule in Pakistan (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung sieht Erzbischof Shaw die Entwicklung Pakistans positiv. Die Regierung unter Premierminister Imran Khan setze sich für Gleichheit ein. Das betreffe auch die religiösen Minderheiten.

 

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

Die Badshahi-Moschee in Lahore ist die zweitgrößte Moschee Pakistans.
Dennoch sei die Minderheit der Katholiken aktiv, berichtet Shaw. Das gelte besonders im Bildungsbereich. „Fast 60 Prozent der Einwohner sind junge Menschen. Wir verhelfen ihnen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung“, sagte Shaw.

 

Ein weiteres Anliegen der Kirche seien Glaubensunterweisung und der interreligiöse Dialog. Hilfe erfahre die pakistanische Kirche dabei durch KIRCHE IN NOT, so der Erzbischof: „KIRCHE IN NOT‛ unterstützt uns vor allem bei pastoralen Aktivitäten. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir freuen uns über die finanzielle Unterstützung, die Gebete und die Ermutigung.’“

Im Norden Burkina Fasos spitzt sich die Gewalt gegen Christen weiter zu. Terroristen durchkämmten dort Dorf für Dorf und stellten den christlichen Einwohner ein Ultimatum: Konversion zum Islam oder Vertreibung. Zahlreiche Christen würden auch getötet.

 

Das berichten lokale Ansprechpartner, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchten, gegenüber KIRCHE IN NOT.

Die Terroristen verfolgten einen Plan: „Sie töten einzelne Gemeindemitglieder und drohen den Hinterbliebenen an, sie würden in drei Tagen wiederkommen“, erklärten die Gesprächspartner. Fänden sie dann noch einen Christen vor, würde dieser getötet. Den Menschen bleibe nur die Flucht.

Kinder aus Burkina Faso. Sie leiden besonders unter der Gewalt im Land.
Zuletzt seien zwei schwer zugängliche Dörfer in der Provinz „Nord“ von Terroristen heimgesucht worden. Mehr als 2000 Einwohner seien von dort geflohen.

 

Die Gesprächspartner beschreiben das Vorgehen im Dorf Hitté: „Anfang September kamen 16 Männer dorthin. Sie warteten, bis die Bewohner von der Feldarbeit heimkehrten. Einige Terroristen zwangen die Menschen in die Kirche und drohten ihnen. Währenddessen brannten ihre Komplizen Häuser und Ställe nieder.“ Diese seien keine Einzelfälle, so die Gesprächspartner.

Eine Gruppe vertriebener Christen und ihrer Helfer in Titao.
Die Gewaltwelle hält seit Anfang Mai an. Damals überfielen Terroristen im Dorf Toulfé einen Gottesdienst und brachten fünf Menschen um. „Von dort aus rückten die Extremisten in das nächste Dorf vor, wo sie den Christen ebenfalls ein Ultimatum stellten“, so die anonymen Quellen.

 

Ultimatum für christliche Dorfbewohner

Viele Christen seien geflohen – aber nicht alle. „Die geblieben waren, wurden Zeugen, wie drei Menschen ermordet wurden, darunter auch ein Katechet, der die kleine Gemeinde leitete und Gebetsgruppen organisierte“, beschrieben die Gesprächspartner.

Zuflucht fänden die Dorfbewohner in nahegelegenen Ortschaften. Eine davon ist Titao, etwa 50 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Ouahigouya. 7000 Vertriebene seien allein in Titao untergekommen.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Sie würden durch die Kirche materiell, aber auch psychologisch versorgt. Die humanitäre Situation sei angespannt. „Sie hat jedoch auch eine große Solidarität der Einwohner hervorgebracht – einschließlich der Muslime“, berichten die Quellen.

 

Humanitäre Situation ist angespannt

Ihnen ist wichtig, nicht alle Muslime vorzuverurteilen, auch nicht die Angehörigen des Nomandenvolkes der Fulani, aus dem die meisten Terroristen mutmaßlich stammen und die auch im Norden Nigerias für gewalttätige Übergriffe auf Christen verantwortlich gemacht werden.

Sie seien auch nicht die Alleinverantwortlichen, denn: „Diese Menschen werden manipuliert. Ihre Waffen stammen nicht aus Burkina Faso. Wir wissen, dass die Waffen von internationalen Unternehmen stammen, für die nur der Profit zählt“, so die anonymen Quellen.

Christen aus der Gemeinde Dablo/Burkina Faso bei einer Prozession.
Kirchenvertreter fordern seit langem ein Vorgehen gegen Waffenschmuggel und Terror. Doch die Regierung bleibt weiterhin untätig.

 

Das gelte auch für Ordnungskräfte wie die Polizei, konnten die Gesprächspartner beobachten: „Sie helfen kaum dabei, die Leichen der ermordeten Menschen aus den Dörfern abzuholen, um sie anständig zu bestatten.“ Die Angehörigen nähmen zum Teil große Gefahren und unmenschliche Bedingungen auf sich, um ihren Toten die letzte Ehre zu erweisen.

In den Straßen von Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos.
Die Gefahr von Vergeltungsakten sei hoch, erklären die Gesprächspartner, denn die Menschen würden die Täter oft kennen, da sie aus der gleichen Gegend stammen. Die Menschen hätten alles verloren – auch die Ernte. Nun drohe eine Hungersnot. „Bitte beten Sie dafür und helfen Sie, dass der Friede zurückkehrt“, appellieren die Ansprechpartner aus Burkina Faso an die Öffentlichkeit.

 

In Burkina Faso bekennt sich rund ein Viertel der über 18 Millionen Einwohner zum christlichen Glauben. Über die Hälfte der Bevölkerung sind Muslime. Nachdem das Zusammenleben weitgehend ohne Zwischenfälle verlief, kommt es seit 2015 vermehrt zu islamistischen Attentaten. Beobachter vermuten, es solle ein Krieg zwischen den Religionen geschürt werden.

Am 15. September wurde in Rom und in zahlreichen christlichen Kirchen Syriens der im Syrienkrieg getöteten Christen gedacht und ein Zeichen des Trostes für die Hinterbliebenen gesetzt. Im Vatikan segnete Papst Franziskus eine Ikone, auf der die „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ zu sehen ist.

 

Gestaltet wurde sie von dem griechisch-orthodoxen Priester Spiridon Kabbasch aus Homs speziell für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“, die KIRCHE IN NOT gemeinsam mit den katholischen und orthodoxen Christen in Syrien auf den Weg gebracht hat.

Ziel der Aktion ist es, den syrischen Christen materiell und geistlich beizustehen – besonders den Menschen, deren Angehörige im Krieg getötet oder entführt worden sind.

Papst segnet die Ikone „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“. Neben dem Papst: Mauro Kardinal Piacenza, Präsident von KIRCHE IN NOT.
Bei der Segnung in Rom war auch der internationale Präsident von KIRCHE IN NOT, Mauro Kardinal Piacenza, der Ikonen-Künstler sowie Mitarbeiter des Hilfswerks anwesend. Papst Franziskus setzte mit der Segnung seine Unterstützung für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“ fort.

 

Bereits am 15. August hatte der Heilige Vater beim Angelusgebet 6000 Rosenkränze gesegnet, die von christlichen Kunsthandwerkern aus Bethlehem und Damaskus hergestellt wurden. Im Dezember 2018 hatte der Papst beim Angelusgebet eine große Kerze entzündet und damit seine Teilnahme an der Gebetskampagne „Kerzen für den Frieden in Syrien“ ausgedrückt.

Der griechisch-orthodoxe Priester Spiridon Kabbasch beim Schreiben der Ikone.
„Der Heilige Vater hat erneut seine liebende Nähe zu den Menschen in einer Weltregion gezeigt, wo viele Tränen getrocknet werden müssen. Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte Mauro Kardinal Piacenza nach der Segnung. Diesen Menschen beizustehen, wisse sich KIRCHE IN NOT weiterhin verpflichtet.

 

Zeichen der Anteilnahme und des Trostes

Die vom Papst gesegneten Rosenkränze wurden am 15. September als Zeichen der besonderen Nähe des Papstes bei Gottesdiensten in katholischen und orthodoxen Kirchen Syriens an Hinterbliebene von Kriegsopfern verteilt.

Auch ein aus dem Heiligen Land stammendes Kreuz aus Olivenholz und Bibeln in arabischer Sprache, die von KIRCHE IN NOT gestiftet wurden, haben die Angehörigen als äußeres Zeichen der Anteilnahme und des Trostes erhalten.

Ein Priester verteilt in der melkitischen griechisch-katholischen Kathedrale in Homs die vom Papst gesegneten Rosenkränze an Angehörige von Kriegsopfern.
Neben den Gottesdiensten fanden an diesem Tag auch zahlreiche Prozessionen statt, bei denen hunderte Gläubige für ihre getöteten und entführten Mitchristen und ihre Familien gebetet haben. Die neue Ikone „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ wird in den kommenden Wochen in allen 34 Diözesen Syriens zu Gast sein.

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