Länderbericht Tschad

Eine Schwester bei der Impfung von Kindern.

Eine Schwester bei der Impfung von Kindern.

Einwohner: 11,5 Millionen

Fläche: 1 284 000 qkm (ca. 3,5-mal so groß wie Deutschland)

Religion:
Muslime: 57,3 %
Christen: 25,5 %
Animisten: 16,2 %
Sonstige: 1,0 %

In der Verfassung ist der Säkularismus des Staates festgeschrieben und die Religionsfreiheit garantiert. Im Allgemeinen respektiert der Staat dieses Prinzip, obwohl er Gruppen, die als gewaltsam eingestuft werden, Restriktionen auferlegt beziehungsweise verbietet. Mit Ausnahme von indigenen Religionen sind alle religiösen Gruppierungen verpflichtet, sich zu registrieren. Die Registrierung ist eine formale Angelegenheit, die von den Behörden in keinster Weise missbraucht wird.

Die religiöse Unterweisung ist sowohl in muslimischen wie christlichen Privatschulen erlaubt, in staatlichen Schulen ist sie jedoch untersagt. Darüber hinaus möchte die Regierung solche Koranschulen schließen, die Schüler missbrauchen und sie sogar zwingen, auf der Straße zu betteln.

Die Koexistenz zwischen Muslimen und Christen verläuft im Allgemeinen friedlich, obwohl es sporadisch durch die Anwesenheit extremistischer islamischer Gruppen zu Spannungen sowohl zwischen ihnen als auch zwischen moderaten und radikalen Muslimen kommt. Der Bürgerkrieg, der seit einigen Jahren in diesem Land andauert, hat ernste Folgen auf alle Bereiche des sozialen Lebens auch was die Ausübung der religiösen Aktivitäten betrifft.

Trotz des Einsatzes von UN-Friedenstruppen werden weiterhin zivile Bürger und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen gekidnappt und umgebracht (nach UN-Quellen wurden zwischen Januar und Oktober 2009 mindestens 192 Angriffe gegen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen verübt). Frauen und junge Mädchen werden Opfer jedweder Gewalt und Kinder werden gezwungen, als Soldaten zu kämpfen.

Die Armee liefert sich mit Rebellengruppen und gewöhnlichen Kriminellen weiterhin bewaffnete Auseinandersetzungen. Die Regierung übt durch den Hohen Rat für Islamische Angelegenheiten eine indirekte Kontrolle über die Aktivitäten islamischer Gruppen aus. Im Einverständnis mit dem Präsidenten der Republik ernennt dieser Rat den großen Imam, den geistlichen muslimischen Leader. Er überwacht auch die allgemeinen religiösen Aktivitäten einschließlich der arabischen muslimischen Schulen und Hochschulen.

Ein Vertreter der religiösen Gemeinschaften ist Mitglied des Revenue Management College; dieses Gremium ist an der Verteilung der Öleinnahmen beteiligt. Dieser Sitz wird in einem Rhythmus von vier Jahren abwechselnd von einem islamischen Leiter und einem christlichen Leiter geführt.

Die Regierung verbietet alle Aktivitäten, die «die [friedliche] Koexistenz zwischen den Menschen nicht fördert.» Außerdem hat die Regierung in den vergangenen Jahren folgende muslimische Gruppen wegen Anstiftung von Gewalt aus religiösen Motiven verboten: die Al-Mountada Al-Islami, die World Association for Muslim Youth, die Mecca Al-Moukkarrama Charitable Foundation und die Al-Haramain Charitable Foundation.

Um soziale Konflikte zu vermeiden, ist das Verbot von 2007 über öffentliche Missionierung immer noch in Kraft. Lokale Gruppen können bei den Behörden eine Erlaubnis zur Missionierung beantragen.

Am 4. April 2009 wurde ein Gebäude in Biltine, das auch von Protestanten als Gottesdienstraum genutzt wurde, beschädigt und in Brand gesetzt. Aus bisher ungeklärten Gründen gibt es bislang keine Polizeiberichte über die Untersuchung dieses Vorfalls oder die Identifizierung von Verdächtigen.

Quellen
Amnesty International
U.S. Department of State, Annual Report on International Religious Freedom, ed. 2009; ed. 2010
Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen über die Friedensmission im Tschad (14. Juli 2009)

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

27.Okt 2009 17:43 · aktualisiert: 12.Jun 2012 16:26
KIN / S. Stein