Länderbericht Brasilien

Taufe eines Kindes in Brasilien.

Taufe eines Kindes in Brasilien.

Einwohner:
186,8 Millionen

Fläche:
8 514 215
(24-mal größer als Deutschland)

Religion:
Christen: 91,4 Prozent
Spiritisten: 4,9 Prozent
Sonstige: 3,7 Prozent

Die Verfassung Brasiliens gestattet und schützt mit Artikel 5 die Religionsfreiheit. Darüber hinaus definiert das im Dezember 1998 verabschiedete Strafrecht bestimmte Verstöße gegen das religiöse Empfinden und gegen die Achtung der Toten als kriminelle Handlung.

Es gibt keine Staatsreligion, und ebenso wenig existiert eine Verpflichtung, sich registrieren zu lassen. Im Gegenteil: Sämtliche religiösen Gruppierungen können ihre Aktivitäten vollkommen frei organisieren. Die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Staat werden seit 1945 durch ein Konkordat geregelt.
Auch in der Praxis liegen keine Berichte über Verstöße der Behörden
gegen das Recht auf Religionsfreiheit vor.

Das Problem der Abtreibung
Seit das Ständige Komitee der Bischofskonferenz Brasiliens (CNBB) am 23. Februar 2005 eine entsprechende Verlautbarung veröffentlichte, bekämpft die katholische Kirche intensiv die Gesetzesvorlage der Regierung zur Liberalisierung der Abtreibung. Gegenwärtig – seit dem Besuch Papst Benedikts XVI. im Mai 2007 – steht die Vorlage nicht mehr auf der Agenda des brasilianischen Kongresses.

So verwies auch die Sonderversammlung für Amerika des Generalsekretariats der Bischofssynode im Oktober 2007 auf das Problem einer massiven, aggressiven “säkularistischen” Mobilisierung durch eine Handvoll politischer Gruppierungen sowie durch Regierungseinrichtungen und Institutionen, wie die Agentur ACI am 16. Oktober 2007 berichtete. Diese Angriffe schienen sich vor allem gegen die katholische Kirche zu richten, und zwar nicht nur in Brasilien, sondern in ganz Lateinamerika.

Die Teilnehmer der Versammlung verwiesen auf “Drogenproduktion und -handel, Gewalt und politische Korruption, Förderung einer Reihe von Gesetzen – zur Abtreibung und zur Euthanasie –, die sämtlichen ethischen Normen widersprechen”.

Die Bischöfe verwiesen des Weiteren auf die Verbreitung einer politischen Ideologie “neo-marxistischer Ausrichtung”, die zu einem “Ungleichgewicht auf internationaler Ebene ebenso wie zwischen den inländischen Institutionen führt, gleichzeitig die katholische Kirche an den Rand zu drängen sucht und diese nicht mehr als Partnerin im sozialen Dialog behandelt”.

Die Ausbreitung von Gewalt
Ein allgemeines Klima der Gewalt, der unterschiedliche Motivationen zugrunde liegen, sorgt für schwierige Bedingungen für Priester und Gemeindehelfer, wofür hier exemplarisch der Mord an Pater Bruno Baldacci stehen soll, einem italienischen Priester, der in der Diözese São Salvador da Bahia tätig war. Wie die Nachrichtenagentur Zenit am 31. März 2006 berichtete, wurde er in Victoria da Conquista im Bundesstaat Bahia in seiner eigenen Wohnung ermordet.

Die Bischöfe der katholischen Kirche von Brasilien haben ihre Besorgnis angesichts der ansteigenden Gewalt in verschiedenen Landesteilen in einer Botschaft mit der Überschrift “Gerechtigkeit und Frieden werden sich küssen” zum Ausdruck gebracht (Agenzia Fides, 03.07.2006). “Wir bedauern zutiefst, dass in dieser traurigen Situation die Menschenrechte so vieler Menschen nicht respektiert werden”, so die Bischöfe in diesem Schreiben.

Dabei beziehen sie sich speziell auf die neuesten Gewaltausbrüche in São Paulo und Rio de Janeiro und in den Staaten Espirito Santo, Pará Bahia und Maranhao. Den Bischöfen zufolge hatte sich die Situation vor allem deshalb verschlechtert, weil “die nötigen Richtlinien fehlten und die Regierungsgewalt nicht angemessen ausgeübt wurde”.

Ständige Verunglimpfungen und Todesdrohungen gegen “Kirchenbedienstete, Bischöfe, Priester und Mönche sowie gegen die Führer von Volksbewegungen, vor allem in den Regionen Altamira und Santaerm”, schufen “ein Klima der Unsicherheit und Angst in diesem friedlichen, fleißigen Land”. Angesichts dieser Situation appellierten die brasilianischen Bischöfe an die Behörden, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und die Verteidigung der Rechte sämtlicher Bürger zu garantieren.

Quellen:
Agenzia Fides
Agenzia ACI
Nachrichtenagentur Zenit
Rivista Popoli e missioni
www.cnbb.org.br

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008. Stand: 2008)

19.Aug 2009 12:55 · aktualisiert: 9.Feb 2010 11:42
KIN / S. Stein