Länderbericht Rumänien

Seminaristen aus Alba Julia.

Seminaristen aus Alba Julia.

Einwohner: 21,2 Millionen

Fläche: 238 391 qkm (etwa so groß wie die alte Bundesrepublik)

Religion:
Christen: 98,5 Prozent (darunter 1,8 Millionen Katholiken)
Sonstige: 1,5 Prozent

Im Laufe des vergangenen Jahres gab es Berichte über eine Reihe von Einschränkungen der Religionsfreiheit von einigen Minderheitengruppen. Sie beschwerten sich über das Eingreifen von Regierungsbeamten, die ihre missionarischen Bemühungen verhinderten und sich in ihre Gottesdienste einmischten.

In der Tat behandelt die Regierung die Gruppen, die rechtlich anerkannt sind, und diejenigen, die es nicht sind, immer noch sehr unterschiedlich. Die Bedingungen für die Registrierung und die Anerkennung des rechtlichen Status stellt zahlenmäßig kleinere Gruppen immer noch vor große Probleme.

Aus diesem Grund kritisieren eine Reihe von internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und religiösen Minderheiten das Gesetz zur Religionsfreiheit, das im Dezember 2006 verabschiedet wurde und seit Januar 2007 in Kraft ist, weil sie der Auffassung sind, dass es dazu tendiere, Diskriminierung zu „institutionalisieren“. Es gibt nur 18 offiziell anerkannte religiöse Gruppen, auch wenn das offizielle Register noch nicht existiert.

Das Problem der Rückgabe der Besitztümer der Griechisch-Katholischen Kirche, die im Jahr 1948 durch das kommunistische Regime konfisziert und der Rumänisch-Orthodoxen Kirche übertragen worden waren, ist noch nicht gelöst. Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche weigert sich, diese Besitztümer zurück zu geben. Die Griechisch-Katholische Kirche war die einzige Kirche, deren Besitz während jener Zeit konfisziert wurde. Es gibt auch Berichte über Vorfälle, bei denen die Orthodoxe Kirche sich gegenüber nicht orthodoxen christlichen Gruppen feindlich gezeigt und die Missionstätigkeit von Protestanten und anderen religiösen Gruppen kritisiert hat.

Auch die Zeugen Jehovas beklagten sich über Diskriminierungen in Sighisoara (Schäßburg), wo die Behörden sie daran hinderten, Gebäude für religiöse Zwecke zu errichten, ohne ihnen einen stichhaltigen Grund dafür anzugeben. Die Griechisch-Katholische Kirche berichtete über einen ähnlichen Vorfall in Sapinta.

Auf der anderen Seite gibt es bei den bürokratischen Angelegenheiten seit etwa einem Jahr Verbesserungen, wie religiöse Gemeinschaften berichteten. Beispielsweise gaben einige Minderheitengruppen an, dass sie keine Schwierigkeiten hatten, öffentliche Säle für ihre Versammlungen zu nutzen.

Ein anderes ungelöstes Problem ist die Militärseelsorge. Derzeit sind die einzigen Militärpfarrer orthodoxe Priester, mit der Ausnahme je eines Vertreters der Katholischen Kirche und der Evangelischen Allianz (Baptisten). Diese Situation wird von der Griechisch-Katholischen und der Reformierten Kirche als diskriminierend angesehen. Die Griechisch-Katholische Kirche berichtete, dass ihre Forderung nach einem Vertreter in der Militärseelsorge im März 2008 vom Verteidigungsministerium zurückgewiesen wurde.

Am 12. Februar 2009 veröffentlichte der Osservatore Romano ein Interview mit dem Erzbischof von Bukarest, Ioan Robu, dem Präsidenten der Rumänischen Bischofskonferenz, in dem er die Bedingungen für die Katholische Kirche in Rumänien beschrieb. Erzbischof Robu sprach voll Stolz über die harmonische Koexistenz der unterschiedlichen katholischen Gemeinschaften, die, obwohl sie eine Vielzahl von Sprachen sprechen „ … die katholische Kommunion gemeinsam haben, sie im Rahmen einer Vielzahl von kirchlichen Traditionen erfahren: byzantinisch, lateinisch und armenisch. Wir erleben den Katholizismus wirklich in dieser Vielfalt.“

Er betonte auch die Dringlichkeit des ökumenischen Dialogs, vermied jegliche Polemik und betonte dagegen die Notwendigkeit, den Gläubigen die gemeinsamen Elemente zwischen Katholiken und Orthodoxen in Bezug auf Doktrin, Spiritualität und täglichem Leben zu vermitteln.

Dann erinnerte er an die Heerscharen von Märtyrern der Katholischen Kirche in Rumänien. Weil sie ihr Blut vergossen hätten, sei es zum Teil ihnen zu verdanken, dass sogar in den dunkelsten Jahren des kommunistischen Regimes der Glaube niemals vollständig aus der rumänischen Gesellschaft verschwunden sei. Schließlich sprach er von der grundlegenden Rolle jener rumänischen Priester, die den Ruf erhalten hätten, in ganz Europa als Missionare unter ihren Landsleuten zu wirken.

Am 24. und 25. August 2009 berichtete der Osservatore Romano über eine Forderung des orthodoxen Patriarchen Daniel gegenüber dem rumänischen Präsidenten Traian Baiescu. In einem offenen Brief verlangte der Patriarch, dass Religionsunterricht ein Pflichtfach in rumänischen Sekundarschulen werde.

Er betonte, dass freier Zugang zu Religionsunterricht durch die Verfassung ausdrücklich vorgesehen sei. Das steht im Gegensatz zu dem, was die präsidiale Kommission für die Analyse und Erarbeitung von Bildungspolitik feststellt; sie erklärt, dass Religion kein Pflichtfach sei und keinen offiziellen Status habe.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

19.Aug 2009 15:42 · aktualisiert: 12.Jun 2012 12:00
KIN / S. Stein