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Die deutsche Produktion „Watu Wote – All of us“ ist für einen „Oscar©” in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ nominiert. Unser Hilfswerk hat die Produktion unterstützt.

„KIRCHE IN NOT hat diesen Traum möglich gemacht“, sagt Produzent Tobias Rosen. Der 22-minütige Kurzfilm erzählt von der Rettung christlicher Geiseln vor islamistischer Gewalt – durch das Eingreifen von Muslimen.

Dahinter steht eine wahre Begebenheit: Im Dezember 2015 wurde ein Bus in der kleinen Stadt Mandera im Nordosten Kenias im Grenzgebiet zu Somalia von der islamistischen al-Shabaab-Miliz angegriffen.
Produzent Tobias Rosen bei den Dreharbeiten (Foto: Hamburg Media School/Eric Mwangi).

Die Terroristen gingen nach einem Muster vor, dass sie bereits bei einem vorherigen Überfall angewandt hatten: Sie forderten die Passagiere auf, christliche Mitreisende zu identifizieren. Diese sollten dann von der Gruppe getrennt und ermordet werden.

Bei einem Überfall im Dezember 2014 war es so zu einem Massaker mit 28 Toten gekommen. Doch nun weigerten sich die muslimischen Passagiere, ihre christlichen Mitreisenden zu verraten. So wurden die Christen gerettet.

Der 34-jährige Tobias Rosen war durch eine Zeitungsnotiz darauf aufmerksam geworden. Daraus entstand „diese unglaubliche Geschichte der Drehbuchautorin Julia Drache, die zeigt, wie Solidarität zwischen Menschen und das Handeln jedes Einzelnen den Verlauf der Geschichte ändern können“, so Rosen.

„Ich wollte einen authentischen Film produzieren“

Auf der Suche nach Unterstützern wandte er sich unter anderem an KIRCHE IN NOT: „Ich kenne und verfolge deren Einsatz für verfolgte Christen schon lange.“ Das Hilfswerk unterstützt in über 140 Ländern weltweit verfolgte und notleidende Christen, auch über Medien- und Öffentlichkeitsarbeit.

„Ich wollte einen authentischen Film produzieren“, erklärt Rosen. „KIRCHE IN NOT hat mich dabei sehr unterstützt und war für diesen Film wirklich ein Segen.“ Als Schauplatz hatte das Filmteam unter Regisseurin Katja Benrath und Kameramann Felix Striegel die kenianische Magadi-Wüste ausgewählt. Auch die Darsteller stammen aus Kenia und Somalia – es sind Muslime wie Christen darunter.

Regisseurin Katja Benrath und Produzent Tobias Rosen bei den Dreharbeiten (Foto: Hamburg Media School/Eric Mwangi).
Während der Dreharbeiten (Foto: Hamburg Media School/Eric Mwangi).
Regisseurin Katja Benrath (rechts) und Produzent Tobias Rosen bei der Verleihung des Gold Student Academy Award.

Viele haben auch im realen Leben Erfahrungen religiöser Gewalt gemacht: Die Hauptdarstellerin des Films Adelyne Wairimu ist eine junge Christin, die bei einem islamistischen Angriff ihren Mann und ein Kind verlor. „Alle unsere Filmkollegen aus Afrika, Christen und Muslime, wurden von dieser Gewalt und ihren Folgen heimgesucht: Bei den einen waren Familienmitglieder bei Attentaten schwer verletzt oder getötet wurden. Andere hatten Verwandte, die sich den Terroristen von al-Shabaab angeschlossen hatten“, erzählt Produzent Rosen.

„Das ist ein Dilemma, das die kenianische Gesellschaft zerreißt.“ Das Klima des Misstrauens und der Furcht, dem die verschiedenen Gruppen gewöhnlich ausgesetzt sind, gibt auch der Kurzfilm wieder.

Die Gemeinschaft der verschiedenen Religionen und Ethnien am Filmset gehören für Rosen zu den „bewegendsten Erfahrungen.“ Eine davon benennt er: Bei Ende der fünftägigen Dreharbeiten hätten „die Somalier unseres Filmteams zu tanzen begonnen. Kurz darauf schlossen sich die Kenianer an. Dann wir. Diese Szene von Christen und Muslimen, die zusammen unter der glühenden Sonne tanzten, wird mir immer in Erinnerung bleiben.“

Dass Zusammenhalt, aber auch der Glaube etwas ändern können, ist auch die Kernbotschaft von „Watu Wote – All of us“. Der Film wurde 2016 an der Hamburg Media School als Abschlussarbeit eingereicht.

Seither hat der Kurzfilm bereits mehr als 60 Preise gewonnen, darunter die Auszeichnung als „Bester afrikanischer Film“ beim Filmfestival von Sansibar und Durban sowie den Gold Student Academy Award, der als „Oscar der Filmstudenten“ gilt. Die Nominierung für den „großen Oscar“ ist ein weiterer großer Schritt auf der Erfolgsleiter. „Dieses Projekt, bei dem wir auch mit vielen Schwierigkeiten kämpfen mussten, wäre ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT nicht vorangekommen“, ist Rosen überzeugt.

Ob „Watu Wote – All of us“ auch den Oscar einholen kann, wird sich in der Nacht vom 4. auf 5. März zeigen. Dann wird der begehrte Filmpreis zum neunzigsten Mal in Los Angeles verliehen.

Sehen Sie jetzt den Filmtrailer zu „Watu Wote – All of us“!

So können Sie helfen

Der maronitisch-katholische Erzbischof Joseph Tobji aus Aleppo gehört mit seinen 47 Jahren zu den jüngsten geistlichen Würdenträgern des Nahen Ostens. Trotz seiner jugendlichen Freundlichkeit ist ihm die Last anzumerken, die auf ihm ruht: Tobji trat das Bischofsamt 2015 an, als der Kampf um die nordsyrische Stadt seinem Höhepunkt zustrebte. Seine Bischofskirche wurde durch Granaten schwer zerstört, viele Gemeindemitglieder wurden getötet, andere flohen. Mittlerweile ist in Aleppo eine Phase des Aufatmens angebrochen, doch der Krieg in Syrien hält unvermindert an. Im März geht er bereits in sein achtes Jahr.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT steht an der Seite der Christen, die in ihrer Heimat Syrien ausharren. Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion des Hilfswerks, Karin Maria Fenbert, hat Erzbischof Tobji bei Reisen nach Aleppo im Januar und August 2017 getroffen. Anfang dieses Jahres war Tobji nun in Deutschland zu Gast – bei einem Begegnungstag von KIRCHE IN NOT in Köln. Im Interview gibt er Auskunft über die aktuelle Lage in Aleppo, das Machtspiel um sein Heimatland, christlichen Märtyrermut – und warum er nie an Flucht dachte. Das Interview führte Karin Maria Fenbert.
Ordensschwestern mit Schützlingen eines Kindergartens in Aleppo danken für die Hilfe von KIRCHE IN NOT.
Erzbischof Joseph Tobji in seiner zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo.
Erzbischof Tobji, Ihre Erwählung zum maronitischen Erzbischof fiel mitten in eine der schwersten Phasen des Krieges. Was gibt Ihnen Kraft?

Als ich zum Bischof geweiht wurde, habe ich mit Tränen in den Augen gesagt: „Herr, was hast du mit mir vor?“ Es ist wirklich der Herr allein, der entscheidet. Ich selbst bin nur ein kleiner Teil von Gottes Plan.

Was steckt Ihrer Meinung nach hinter dem Drama in Syrien, das jetzt seit sieben Jahren andauert?

Syrien lässt sich mit einer Torte vergleichen. Jeder politische Machthaber in Ost und West hätte gern ein Stück davon. Denn Syrien hat eine wichtige strategische Position: Wichtige Erdöl- und Gasleitungen durchziehen unser Land, die vom arabischen Raum bis nach Europa reichen. Die Nationen, die diese Torte wollen, halten sich weitgehend zurück. Aber trotzdem ist es ihnen gelungen, in Syrien Einfluss zu nehmen. Zum Bespiel, indem die Religionen instrumentalisiert worden sind.

Ein Lichtblick im Syrienkrieg war die Waffenruhe, die im Dezember 2016 für Aleppo ausgerufen wurde. Davor teilte eine lebensgefährliche Ost- und West-Linie die Stadt. Hält die Waffenruhe auch gut 15 Monate später noch an?

Ja, seither ist es weitgehend ruhig geblieben in Aleppo. Es ist wie ein Aufatmen, nachdem wir über Jahre hinweg so viel Leid erlitten haben. Das heißt aber nicht, dass der Krieg vorbei ist: In der Region wurde und wird nach wie vor gekämpft, wie aktuell in Afrin, das nur etwa 20 Kilometer von Aleppo entfernt liegt.

Wie kann man sich die aktuelle Situation in Aleppo vorstellen?

Die Lage ist nach wie vor ernst, aber es gibt kleine Verbesserungen. Die wichtigste ist, dass es jetzt wieder für ein paar Stunden am Tag Strom gibt. Während der Kämpfe lebten wir im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Einige Bewohner haben auch schon damit begonnen, kleine Unternehmen aufzubauen. Es ist sehr mühselig, eine Arbeit zu finden. Denn auch die gesamte Infrastruktur ist zerstört. Unsere Wirtschaft ist in der Rezession. Die Inflation ist enorm. Es ist schwer, in die Zukunft zu planen.

Wie steht es um den Wiederaufbau der zerstörten Häuser?

Gut die Hälfte des Stadtgebiets liegt in Trümmern. Einige Bewohner fangen an, ihre Wohnhäuser wiederaufzubauen. Andere suchen nach Mietwohnungen. Aber das ist sehr schwer. Die Mieten steigen von Monat zu Monat. Auch der Wiederaufbau der Kirchen kommt in Gang. Zum Beispiel bei meiner Kathedrale. KIRCHE IN NOT hilft uns dabei.

„Der Krieg lehrt uns, dass andere Gesicht Gottes zu sehen“
Bleiben wir bei den Christen in Aleppo. Was haben die sechs Jahre der Kämpfe in Aleppo mit dem Glauben der Christen gemacht?

Nach den traumatischen Kriegserlebnissen stehen die Christen am Scheideweg. Einige haben ihren Glauben verloren. Sie sahen Gott als Wundertäter, der verhindern muss, dass eine Bombe auf ihr Wohnhaus stürzt. Diese Menschen sagen: „Ihr habt uns doch gelehrt, dass Gott gut, barmherzig und allmächtig ist. Wieso schweigt er jetzt?“

Was erwidern Sie?

Meine Antwort lautet: Der Krieg lehrt uns, das andere Gesicht Gottes zu sehen. Gott ist Mensch geworden, ein Gott der weint, der leidet, der am Kreuz hängt – und völlig unschuldig ist. Dieser Gott will unser Heil, unser Glück. Dieses Glück kann man nicht einfach durch Wunder herstellen. Nein, das Glück entsteht nur dann, wenn wir unseren Weg gemeinsam gehen, gemeinsam mit Christus unser Kreuz tragen und gemeinsam die Nächstenliebe praktizieren. Und ich bin sehr froh, dass die Mehrheit der Christen diesem Weg folgt.

Das heißt, die schreckliche Erfahrung des Krieges hat auch sehr viele Christen in ihrem Glauben gestärkt?

Ja, immer wieder treffe ich unglaublich beeindruckende Menschen, ganz einfache Leute. Die Terroristen des „Islamischen Staates“ haben ihnen das Messer an die Kehle gehalten, um sie zu zwingen, dem christlichen Glauben abzuschwören. Diese Menschen haben gesagt: „Nein, niemals! Ihr könnt meinen Leib vernichten, aber nicht meine Seele.“ Sie sind Gott treu geblieben.

Beeindruckende Glaubenserfahrungen – mitten im Krieg …

Ich sage ganz offen: Auch ich habe durch den Krieg eine Bekehrung erfahren! Es ist eine Bekehrung durch Tränen. Im Krieg muss man immer bereit sein für den Tod. Diese Bereitschaft geschieht durch Gebet, Beichte, Reue. Diese Bereitschaft war mein persönliches Bekehrungserlebnis.

Erzbischof Joseph Tobji von Aleppo.
Zerschossenes Kreuz in einem christlichen Viertel im Ostteil von Aleppo.
„Ich musste Gott gehorchen“
Sie sind erst 2015 zum Bischof geweiht worden. Vorher hätte durchaus noch die Möglichkeit bestanden, Syrien zu verlassen. Warum sind Sie geblieben?

Weil es mein Auftrag ist! Ich bin in Syrien geboren, um dort Gottes Volk zu dienen. Ich musste Gott gehorchen. Sonst hätte ich seine Herde ohne Hirten gelassen und damit große Schuld auf mich geladen.

Sie haben es eingangs angesprochen: Im syrischen Krieg spielt auch die Religion eine unheilvolle Rolle. Viele islamistische Gruppierungen setzen Gewalt ein, um ihre Ziele zu erreichen. Häufig rechtfertigen sie ihre Taten mit Verweis auf den Koran und ihre religiöse Tradition. Was ist Ihr Eindruck?

Der Koran ist ein wenig mit einem Supermarkt zu vergleichen, in dem es Schmackhaftes gibt und weniger Schmackhaftes. Da gibt es Passagen, die Frieden predigen. Aber da gibt es eben auch Passagen wie diese: „Tötet sie, die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet.“ Das wirkt wie eine Art Gehirnwäsche. Wir müssen versuchen, uns gegen diese Gehirnwäsche zu wenden und Aufklärung und Dialog zu betreiben.

Um den Frieden zu erlangen, rufen die katholische und die orthodoxe Kirche Maria als Fürsprecherin an. 2017 war das 100. Jubiläum der Marienerscheinungen von Fatima. Am 13. Mai haben die Christen Aleppos eine Statue Unserer Lieben Frau von Fatima durch die zerstörten Straßen ihrer Stadt getragen. Welche Hoffnung haben Sie damit verbunden?

Wir haben unsere Stadt der Gottesmutter geweiht, wie wir es drei Jahre vorher auch schon gemacht hatten. Unsere Hoffnung dahinter war, dass wir uns alle unter den Schutzmantel der Muttergottes stellen wollen. Wir haben unser ganzes Sein, unser Leben, das Schicksal unserer Stadt und des Landes in ihre Hand gelegt.

Unterstützen Sie die notleidenden Christen in Syrien

Seit dem Kriegsausbruch in Syrien im März 2011 hat KIRCHE IN NOT über 21 Millionen Euro für die christliche Bevölkerung des Landes zur Verfügung gestellt. Neben Lebensmittelhilfen, Kleidungs- und Medikamentenspenden finanziert das Hilfswerk auch Mietbeihilfen, Stipendien und Ausbildungsprogramme sowie Projekte zur Stromversorgung. Auch dem Wiederaufbau zerstörter Kirchengebäude und die Unterstützung der Seelsorge für die traumatisierte Bevölkerung gilt ein besonderes Augenmerk. Helfen Sie Syriens Christen, zu überleben! Spenden Sie an KIRCHE IN NOT.

So können Sie helfen

Als einen „weiteren Meilenstein“ im Dialog zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche wertet der geschäftsführende Präsident der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, Johannes Freiherr Heereman, das hochrangige katholisch-orthodoxe Gipfeltreffen am 12. Februar in Wien. Auf katholischer Seite hatte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch teilgenommen; von orthodoxer Seite war Metropolit Hilarion Alfejew, der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, angereist.

KIRCHE IN NOT, das sich bereits seit über 25 Jahren für den Dialog der katholischen mit der russisch-orthodoxen Kirche einsetzt, war mit einer Delegation vertreten. Das Hilfswerk stellte eine in katholisch-orthodoxer Zusammenarbeit entstandene Dokumentation über das Ausmaß der Schäden an kirchlichen Einrichtungen und die Zahl christlicher Kriegsopfer in Syrien vor.
Kurt Kardinal Koch (links) begrüßt Metropolit Hilarion auf dem katholisch-orthodoxen Gipfeltreffen am 12. Februar 2018 in Wien.
Blick in die Reihen der Tagungsteilnehmer am 12. Februar in Wien.
Johannes Freiherr Heereman (rechts) stellt Metropolit Hilarion die Syrien-Studie vor.
Zwei Jahre nach der Jahrtausendbegegnung

Das Gipfeltreffen in Wien fand am 12. Februar statt, dem zweiten Jahrestag des historischen Treffens zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kirill auf Kuba. „Für uns ist dieser Jahrestag nicht die Feier eines historischen Ereignisses, sondern eine Etappe auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft“, sagte Heereman.

Hauptthema des Treffens war die Lage der Christen im Nahen Osten und die gemeinsame Antwort der katholischen und der orthodoxen Kirche auf die Christenverfolgung in der Region. Beeindruckt zeigte Heereman sich davon, dass sowohl Metropolit Hilarion als auch Kardinal Koch ausgeführt hatten: Christen werden heute nicht verfolgt, weil sie einer bestimmten Konfession angehören, „sondern einfach deshalb, weil sie Christen sind. In diesem gemeinsamen Leid sind die Kirchen geeint.“ Kardinal Koch sprach von dem „alarmierenden Phänomen“, dass Christen den Nahen Osten verlassen. Es sei deshalb notwendig, den Christen zu helfen, in ihrer Heimat zu bleiben.

Gemeinsame Untersuchung zu Kriegsschäden in Syrien vorgestellt

„Dies ist auch ein großes Anliegen von KIRCHE IN NOT“, erklärte Heereman. Kardinal Koch hatte in seiner Ansprache die Hilfe hervorgehoben, die KIRCHE IN NOT im Nahen Osten leistet: In den vergangenen sieben Jahren flossen Hilfsgelder in Höhe von fast 36 Millionen Euro in den Irak, nach Syrien über 21 Millionen.

Metropolit Hilarion betonte, dass die russisch-orthodoxe Kirche im vergangenen Jahrhundert selbst Opfer von Verfolgung geworden sei und nun in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche verfolgten Christen helfen wolle. Er lobte die effektive Zusammenarbeit beider Kirchen auf diesem Gebiet. Dies habe dazu beigetragen, dass in nie dagewesener Intensität die heutige Christenverfolgung in den Medien thematisiert werde.

Vor der zerstörten syrisch-orthodoxen Kirche in Homs/Syrien.

Bei der Konferenz stellte KIRCHE IN NOT auch neue Wege in der Zusammenarbeit mit der russisch-orthodoxen Kirche vor. Inspiriert durch die Begegnung der Kirchenoberhäupter hatte das Hilfswerk eine Arbeitsgruppe mitinitiiert, der neben katholischen und orthodoxen Vertretern auch Fachleute von KIRCHE IN NOT angehören. Der Russland-Referent des Hilfswerks, Peter Humeniuk, führte aus: „Diese neue Form der Zusammenarbeit betrifft zum einen die Hilfe für die Christen im Nahen Osten und zum anderen den Einsatz für die gemeinsamen christlichen Werte, besonders für den Schutz des menschlichen Lebens und der traditionellen christlichen Familie – beides brennende Probleme der Gegenwart.“ In diesen Punkten seien sich die beiden Kirchen einig.

Als erstes Ergebnis legte die Arbeitsgruppe bei der Konferenz eine von KIRCHE IN NOT herausgegebene Studie vor, die erstmals einen Überblick über die kriegszerstörten Kirchen in Syrien, die Anzahl der zerstörten Privathäuser und über die Zahl entführter sowie getöteter Christen informiert. Außerdem zeigt die Broschüre, wie KIRCHE IN NOT der christlichen Minderheit Syriens hilft.

Das vorgestellte Werk ist Teil einer großangelegten Untersuchung, die in Syrien Kriegsschäden an kirchlichen Gebäuden aller vor Ort vertretenen Konfessionen dokumentiert. Ziel ist es, den Wiederaufbau zu organisieren. Für KIRCHE IN NOT-Präsident Heereman wird mit dieser Zusammenarbeit die historische Begegnung auf Kuba mit Leben erfüllt: „In der gemeinsamen Sorge um die Zukunft des Christentums im Nahen Osten verwirklicht sich die Ökumene der Märtyrer.“

So können Sie helfen

Obwohl sich die Regierung Nigerias bemüht, die von der islamistischen Terrorsekte „Boko Haram“ besetzten Gebiete des Landes unter Kontrolle zu bekommen, finden immer wieder Übergriffe auf Christen und ihre Gemeinden statt, vor allem im Norden und Nordosten Nigerias.

Das sagte Matthew Man-Oso Ndagoso, Erzbischof der nordnigerianischen Diözese Kaduna gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Auch er selbst war bereits von Attacken durch Boko Haram betroffen: Das Bischofshaus in seiner früheren Diözese Maiduguri wurde von der Terrorsekte zerstört. Boko Haram entstand in einer Moschee in der Nachbarschaft des Bischofshauses. Nach der Veröffentlichung von islamkritischen Karikaturen in Dänemark im Herbst 2005 radikalisierte sich die nigerianische Terrorgruppe.
Gräber der Opfer des Anschlags auf die St.-Rita-Kirche in Kaduna.
Seminaristen am Priesterseminar von Kaduna.
Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso aus Kaduna.
1,8 Millionen Binnenflüchtlinge in Nigeria

Im November 2017 besuchte Erzbischof Ndagoso in seine ehemalige Diözese. Zwei Tage nach seiner Abreise gab es dort erneut einen Angriff. Zwar ist der heutige Erzbischof von Maiduguri mit dem Leben davongekommen, „doch es gab wieder viele Tote – solche Angriffe machen unseren Alltag unsicher“, sagt Ndagoso. In Nigeria gibt es derzeit laut internationalen Angaben rund 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge, mindestens 140 000 sind aufgrund anhaltender Überfälle allein im vergangenen Jahr hinzugekommen.

Attackiert werden vor allem Märkte sowie Kirchen und in letzter Zeit laut Ndagoso auch Moscheen. „Terroristengruppen geben vor, beten zu wollen. Sie mischen sich unter die Versammelten in Gebetsräumen, wo üblicherweise niemand Bombenattentate vermutet.“ So werde Konfusion verbreitet. Der Erzbischof nennt Entführungen und Lösegelder, die erpresst werden, als eines der größten Probleme.

Inzwischen haben sich weitere Gruppen radikalisiert, darunter Mitglieder des Nomaden-Hirtenvolkes der Fulani. Zwar gehe es im Konflikt zwischen den islamischen Viehhirten und den meist christlichen Bauern um Weideland, erklärt Erzbischof Ndagoso. Doch es falle auf, dass die Fulani mit modernen Waffen ausgestattet sind – ein Umstand der darauf deuten könnte, „dass hinter solchen Gruppen starke Kräfte stehen, die Beziehungen zu den Terrororganisationen IS und al-Qaida haben“, vermutet Ndagoso.

Nach Attacken ist der Glaube noch stärker geworden

Doch so sehr auch die Attacken Christen treffen, „desto stärker werden sie im Glauben“. Nicht nur die Zahl der Studenten in den Priesterseminaren in Nigeria sei gewachsen, sondern auch die der Christen insgesamt. „In den vergangenen vier Jahren habe ich jährlich mindestens drei neue Pfarreien gegründet“, berichtete der Erzbischof aus Kaduna. Dabei ist das Umfeld in seiner Diözese im Norden Nigerias für Christen alles andere als einfach: Sie sind eine Minderheit innerhalb einer muslimischen Mehrheit; es gilt teilweise die islamische Gesetzgebung der Scharia. Es gibt immer wieder Anschläge auf Kirchen. Der Bau neuer Kirchen wird staatlicherseits nicht genehmigt.

Für die Christen seiner Diözese seien die Aktivitäten von Boko Haram wie „ein Weckruf“ gewesen, so Ndagoso. Ein Beispiel sei der Anschlag auf eine Kirche in Kaduna im Jahr 2012 mit mehreren Toten und über 100 Verletzten. Vor dem Anschlag habe es dort drei Gottesdienste pro Woche gegeben, jetzt werde fast täglich eine heilige Messe gefeiert. Seit dem Anschlag habe sich die Zahl der Gläubigen in der Pfarrei verdreifacht. Dank der Hilfe von KIRCHE IN NOT konnte das benachbarte zerstörte Pastoralzentrum wiederaufgebaut werden.

Mit Blick auf die Rolle der Christen in seinem Land betonte Ndagoso: „Wir müssen so geduldig sein, wie Gott es mit allen Menschen über Jahrtausende war: Wir müssen selbst die Initiative für den Frieden ergreifen – denn unser Gott ist ein Gott des Friedens und nicht der Gewalt.“

Unterstützen Sie die verfolgten Christen in Nigeria

KIRCHE IN NOT unterstützt die verfolgten Christen Nigerias seit über zehn Jahren. Das westafrikanische Land gehört zu den Schwerpunkten der Hilfe von KIRCHE IN NOT auf dem afrikanischen Kontinent. Neben dem Wiederaufbau gewaltsam zerstörter kirchlicher Gebäude hat das weltweite katholische Hilfswerk in Maiduguri in Nordnigeria ein Hilfsprogramm für Witwen und Waisen der Opfer durch Anschläge von Boko Haram eingerichtet.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

So können Sie helfen

Leise betritt eine junge Ordensfrau das lärmende Lokal. Sie gehört zur Kongregation der „Kleinen Schwestern der Armen“ und sammelt Almosen.

Als sie einem stadtbekannten Kirchenhasser bittend die offene Hand hinhält, spuckt dieser ihr höhnisch lachend ins Gesicht. Stille.

Sie wischt sich das Gesicht ab und sagt: „Das war für mich. Geben Sie mir jetzt etwas für die Armen?“ Im Gesicht des Mannes gefriert das Grinsen. Er schaut sie mit großen Augen an, bittet um Verzeihung und gibt – mehr als sie zu hoffen wagte.
Pflanzen und Ackern gegen den Hunger: Seminaristen auf dem Feld.
Singen für den Herrn: Seminaristen bei der Chorprobe.
Rüsten sich gegen die geistliche Armut: Seminaristen aus Venezuela.
Raul Castillo, Bischof von La Guaira, zusammen mit Jugendlichen (Foto: Raul Castillo).

Raul Castillo, Bischof von La Guaira/Venezuela, erzählt diese wahre Geschichte gern. Es gehöre viel Mut dazu, seine Würde in die offene Hand zu legen und zu betteln. Aber er weiß: „Christus bettelt mit.“ Denn es geht, wie Papst em. Benedikt XVI. in seinem Jesusbuch schreibt, um „Gottes erste Liebe, die Armen“.

Dazu zählt Bischof Castillo auch die Priester, Schwestern und Seminaristen. Sie aber sind es, die die große geistliche Armut von heute, von der Papst Franziskus in Evangelii Gaudium spricht, bekämpfen. „Die schlimmste Diskriminierung, unter der die Armen leiden, ist der Mangel an geistlicher Zuwendung.“

Selbst das Notwendige zum Überleben fehlt

Die 19 künftigen Priester im Seminar Sankt Petrus sind sich dessen bewusst. Sie sehen die Armut im Land, den Mangel an Lebensmitteln und den Überfluss an Gewalt. Sie selber leiden unter dem Mangel.

Bischof Castillo bittet für sie um das Notwendigste: Seife, Eier, Milch, Mehl, Papier … Geld haben sie nicht, es wäre auch nicht viel wert. Die Inflation ist die höchste der Welt. Mit Geld von draußen könnten sie die materielle Not wenden und sich auf die kommende geistliche Not vorbereiten.

Mancher von ihnen kennt Leiden und Schmerz. Als Luis Carlos den Ruf Gottes spürte, war er verlobt. Die Trennung war nicht leicht. Cesar Rafael erkrankte mit zehn Jahren an Lymphknotenkrebs. Eine Chemotherapie rettete ihn. Mit 14 kam der Krebs wieder. Diesmal folgte der Chemo auch eine Strahlentherapie. Seither ist er gesund. Das Studium zum Maschinenbauingenieur gab er nach vier Semestern auf, um ins Seminar zu gehen.

An die Liebe Gottes glauben

Esteban Marcanos Mutter starb, als er ein Jahr alt war. Sein Vater zog ihn bei den Großeltern auf. Als der Vater starb, war er 16. Dennoch glaubte er weiter an die Liebe Gottes. Heute ist er im Seminar.

Niemand weiß, wie es im Land weitergeht. Aber sicher ist, dass die geistliche Armut zunehmen wird. Luis, Cesar und Esteban wollen sie mit den Sakramenten, Zeichen der Liebe, auflösen. Dafür rüsten sich auch die mittlerweile 20 jungen Männer im Seminar „Mutter des Erlösers“ in Carupano. Auch sie haben keine Angst vor der Zukunft, auch ihnen fehlt heute das Nötigste zum Überleben.

Wir haben 12.000 Euro für Carupano und 15.000 für La Guaira zugesagt. Damit helfen wir, dem Ziel näher zu kommen, das der Papst so formuliert: „Die bevorzugte Option für die Armen muss sich hauptsächlich in einer religiösen Zuwendung zeigen“ (Evangelii Gaudium, 200).

So können Sie helfen

Das Apostolische Vikariat Iquitos liegt mitten im Dschungel Amazoniens. Selbst die Hauptstadt mit mehr als 400 000 Einwohnern ist nur mit dem Flugzeug oder per Boot erreichbar.

Was für Abenteuerurlauber möglicherweise attraktiv klingt, stellt die katholische Kirche vor große Herausforderungen. Denn die Pfarreien bestehen aus vielen kleinen Ortschaften, die ebenfalls nur mit dem Boot erreichbar sind, Die Möglichkeit, die Gemeinden zu besuchen, hängt vom Wasserpegel der Flüsse ab. Im Sommer, wenn es kaum regnet und der Wasserstand niedrig ist, können viele Pfarreien nicht angefahren werden.
Pfarrer Jacek Zygala (rechts) mit seinem Pasoralteam. Sie gelangen nur mit dem Boot zu den Gläubigen im Urwald.
Zu Besuch in der Pfarrei Santa Clara von Nanay.
Eine Schwester beim Religionsunterricht für Kinder

Eine wichtige Rolle im Leben der Kirche spielen hier Katecheten. Sie beten mit den Menschen in den Dörfern und unterweisen sie im Glauben. Sie tragen für lange Zeiten im Jahr das kirchliche Leben, denn die Priester kommen nicht so oft in jedes einzelne Dorf, wie es notwendig wäre, um die Gläubigen seelsorglich zu betreuen.

Regelmäßige Treffen der Katecheten

In der Pfarrei Santa Clara von Nanay konnte nun dank der Hilfe der Wohltäter von KIRCHE IN NOT die Ausbildung der Katecheten verbessert werden.

Manche Gemeinden sind nur schwer zu erreichen.

Jeden Monat findet ein Treffen aller Katecheten statt, bei dem es Workshops und verschiedene Fortbildungsveranstaltungen gibt. Außerdem können sich die Katecheten über ihre Erfahrungen austauschen. Unsere Wohltäter haben 5.600 Euro zur Verfügung gestellt. Pfarrer Jacek Zygala schreibt uns: „Es ist noch zu früh, um über die Früchte unserer Arbeit zu sprechen. Wir säen, und Gott ist es, der die Früchte gibt.

Wir sind aber froh und zufrieden, dass wir dieses Projekt verwirklichen konnten. Ohne die finanzielle Unterstützung, die wir von Ihnen erhalten haben, wäre unsere Missions- und Evangelisierungsarbeit unmöglich.“

Ein herzliches Dankeschön an alle, die geholfen haben!

So können Sie helfen

Auf die dramatische und aktuelle Situation der Christen in Nigeria und Syrien haben Erzbischöfe aus diesen beiden Ländern bei einer Pressekonferenz dvon KIRCHE IN NOT am Freitag in Köln hingewiesen.

Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso aus dem nordnigerianischen Kaduna und der maronitische Erzbischof von Aleppo/Syrien, Joseph Tobji, warnten angesichts der anhaltenden Bedrohungen und Gewalt sowie der vielen geflüchteten Einwohner sogar vor einer Auslöschung des Christentums in ihren Heimatregionen.

Auch wenn der „Islamische Staat“ in Syrien beinahe am Ende sei, existierten viele ähnliche aktive Gruppen, so Erzbischof Tobji. Er betonte zwar, dass in Syrien und Aleppo langsam das Leben erwachen würde und die Menschen wieder lebensmutiger wären, jedoch seien die Folgen des Krieges immer noch zu spüren.
Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso aus Kaduna/Nigeria.
Blick auf das Podium der Pressekonferenz (von links): Karin Maria Fenbert, Geschäftsführerin von KIRCHE IN NOT Deutschland, Dolmetscherin Ina Breuing, Erzbischof Joseph Tobji, Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso, Dolmetscherin Ann Pasternack, Berthold Pelster, Menschenrechts-Experte von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Erzbischof Joseph Tobji aus Aleppo/Syrien.
Berthold Pelster, Menschenrechts-Experte von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo.

„Das ganze syrische Volk hat verloren“, so der Erzbischof. „Überall herrschen Armut, Arbeitslosigkeit, unvorstellbare Zerstörung der Häuser, des gesellschaftlichen und moralischen Zusammenlebens, Mutlosigkeit und Misstrauen gegenüber der Zukunft.“

Hier sei besonders die Unterstützung der Kirche wichtig. Besonders dankte er dem Engagement und der Großherzigkeit von KIRCHE IN NOT. „Viele Menschen in Syrien geben offen zu: Ohne Kirche wären wir schon tot“, gestand Erzbischof Tobji.

„Schmutziges Spiel der Weltwirtschaft”

Er kritisierte die Rolle der internationalen Gemeinschaft: „Es ist jedem vollkommen klar, dass die Gründe für ein solches Kriegs-Desaster, das wir jetzt seit sieben Jahren durchmachen, nichts mit der Forderung nach Demokratie oder Freiheit zu tun haben. Es geht vielmehr um ein schmutziges Spielchen der Weltwirtschaft.“

Faktoren seien vor allem der Waffenhandel, Ressourcen wie Erdöl und Gas, die günstige wirtschaftsgeografische Stellung des Landes und Gegensätze in der politischen Welt. Syrien sei für die Weltmächte wie eine Torte, von der jeder das größte Stück haben möchte. Vor allem junge und gut ausgebildete Menschen seien wegen des Krieges und der mangelnden Zukunftsperspektiven in Syrien geflohen.

Zahl der Christen auf ein Drittel reduziert

Die Folgen der Abwanderung seien dramatisch: Die Zahl der Christen habe sich in Syrien auf ein Drittel reduziert. Binnenflüchtlinge kehrten zwar langsam in die Heimat zurück, jedoch seien die ins Ausland gezogenen Menschen dortgeblieben.

Auch im Norden Nigerias sind Tausende Menschen vor Krieg, Bedrohung und Unterdrückung geflüchtet. Die Christen seien dort nicht nur Angriffen durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ausgesetzt, sondern auch einer systematischen Diskriminierung und Benachteiligung von staatlicher Seite, so Erzbischof Matthew Mano-Oso Ndagoso aus Kaduna.

Gräber als Mahnmal: Bei einem Autobombenanschlag auf eine Kirche in der Stadt Kaduna kamen vier Menschen ums Leben.
„Systematische Benachteiligung durch den Staat”

Nigeria sei das einzige Land der Welt, in dem der Bevölkerungsanteil von Christen und Muslimen mehr oder weniger gleich sei, wobei im Süden mehr Christen lebten und im Norden vor allem Muslime. Vor allem seine Bischofsstadt Kaduna sei ein wichtiges Zentrum des Islam in Nigeria, so der Erzbischof.

In einigen Bundesstaaten im Norden Nigerias sei auch die islamische Gesetzgebung der Scharia eingeführt worden. Ebenfalls sei der christliche Religionsunterricht in einigen nordnigerianischen Provinzen nicht erlaubt; islamischer Religionsunterricht dagegen schon.

Muslimische Religionslehrer seien beim Staat angestellt und würden aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Auch Moscheen würden mit öffentlichen Geldern gebaut, während man den Christen Grundstücke verweigere, auf denen sie Kirchen bauen könnten.

Daher forderte Ndagoso insbesondere für die christliche Minderheit im Norden „eine gerechte Behandlung, basierend auf Gerechtigkeit und ehrlichem Umgang miteinander, unabhängig von religiösem Bekenntnis, Stammeszugehörigkeit, politischer Zugehörigkeit und sozialem Status. Die Christen Nigerias wollen, dass ihre grundlegenden Menschenrechte und ihre Freiheit überall im Land gewahrt und respektiert werden.“

„KIRCHE IN NOT ist Sprachrohr der verfolgten Christen”

Ausdrücklich lobte der Erzbischof die Unterstützung und Solidarität durch KIRCHE IN NOT, „das in Zeiten der Not immer für unser Volk da gewesen ist.“ Selbst einige Bischöfe hätten sich aufgrund der unsicheren Lage nicht in den Norden Nigerias getraut. KIRCHE IN NOT sei ein „Sprachrohr“, das die Befürchtungen, Ängste, Sorgen und Nöte der verfolgten christlichen Minderheit international lautstark an die Öffentlichkeit bringe.

Auf die dringende Notwendigkeit der Solidarität mit den verfolgten Christen weltweit verwies auch der Menschenrechtsexperte des Hilfswerks KIRCHE IN NOT, Berthold Pelster, in seinen Ausführungen auf der Pressekonferenz. „Einen Vormarsch intoleranter religiöser Ideologien beobachten wir seit etwa dreißig, vierzig Jahren vor allem in Teilen der islamischen Welt. Durch die Umbrüche im arabischen Raum seit 2011 kam es zu extremen Auswüchsen. Radikal-islamisches Gedankengut breitet sich inzwischen verstärkt auch auf dem afrikanischen Kontinent aus.“

Daher sei es entscheidend, dass in der Weltöffentlichkeit immer wieder auf die Verletzungen des Grundrechts auf Religionsfreiheit hingewiesen werde. Die verfolgten und bedrängten Christen schöpften besonders Kraft in ihrem Glauben durch das Wissen, in ihrer Not von der Weltkirche nicht alleingelassen zu werden.

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„Wir bitten sofort um internationale Unterstützung für die Gläubigen unserer Stadt“, heißt es in dem Appell einer evangelikalen Gemeinde der „Kirche zum Guten Hirten“, der nach eigenen Angaben rund 250 Familien angehören. „Wir flehen darum, dass die Bombardierungen von türkischen Truppen sofort gestoppt werden.“
Ihre Hilfe kommt an. Kinder aus Syrien sagen Danke.
Straßenszene in Aleppo.

Um die Stadt und die Region im Nordwesten Syriens, die mehrheitlich von Kurden besiedelt wird, toben seit Mitte Januar schwere Kämpfe. Im Rahmen der „Operation Olivenzweig“ geht das türkische Militär gegen kurdische Einheiten vor.

Gleichzeitig rücken auch islamistische Truppen in die Region vor, berichten die Christen Afrins. Die Stadt gehört zum Gouvernement Aleppo. Lokalen Kirchenvertretern zufolge leben dort insgesamt 30.000 Christen.

Auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus sei es Anfang vergangener Woche wieder zu Angriffen auf das christliche Viertel gekommen. Dies berichten lokale Projektpartner von KIRCHE IN NOT, darunter das maronitische Erzbistum von Damaskus. Einen Verantwortlichen für diese Angriffe nennen die Quellen nicht.

Zerschossenes Kreuz in Aleppo.
Rückschlag für den Friedensprozess

Mehrere Personen – dem Erzbistum zufolge 24 – seien dabei verletzt und mindestens eine getötet worden. Darunter hätten sich auch Kinder befunden, die beim Betreten ihrer Schule von herabstürzenden Gebäudeteilen verletzt wurden.

Dies ist ein schwerer Rückschlag, denn seit vergangenem Herbst hatte sich die Sicherheitslage im Süden Syriens wieder normalisiert und die Wiederaufnahme des Schulbetriebs möglich gemacht.

Helfen Sie den Christen in Syrien

Seit Kriegsausbruch in Syrien hat KIRCHE IN NOT über 16 Millionen Euro für die christliche Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Neben Lebensmittelhilfen, Kleidungs- und Medikamentenspenden finanziert das Hilfswerk auch Mietbeihilfen, Stipendien und Ausbildungsprogramme sowie Projekte zur Stromversorgung.

Auch dem Wiederaufbau zerstörter Kirchengebäude und die Unterstützung der Seelsorge für die traumatisierte Bevölkerung gilt ein besonderes Augenmerk.

Um das Überleben der christlichen Minderheit in Syrien weiterhin gewährleisten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Bereits seit 1999 besteht die römisch-katholische Pfarrei St. Pater Pio in Saporischschja, sie hatte bislang aber keine eigene Kirche.

Die heilige Messe wurde zunächst in den Privatwohnungen einiger Mitglieder der Pfarrei und schließlich, als die Missionssalesianer die Seelsorge übernahmen, in der Hauskapelle der Patres gefeiert.
Weihbischof Jan Sobilo bei der Feier eines Gottesdienstes in der Kapelle in Saporischschja.
Die Kapelle der Pfarrei St. Pater Pio in Saporischschja wurde zuvor als Bäckerei genutzt.
Die Kapelle der Pfarrei St. Pater Pio in Saporischschja.

Nun bestand das Problem aber darin, dass die Patres in einem normalen Wohnblock wohnen und somit die Messbesucher durch das Treppenhaus laufen mussten. Dies erregte natürlich Aufsehen und Misstrauen, und auf die Nachbarn machte es den Eindruck, als versammelte sich eine Sekte.

Zudem war die Kapelle schwer zu finden, da kein Hinweisschild angebracht werden konnte. Personen, die sich der Gemeinde neu anschließen wollten, wurde dadurch der Zugang erschwert.

Der Platz für die rund 60 regelmäßigen Messbesucher reichte nicht aus, und auch weitere pastorale Aktivitäten wie Kinder- und Erwachsenenkatechese, Treffen von Jugendgruppen und vieles andere, was zum Leben einer Pfarrei dazugehört, war nahezu unmöglich.

Kein Platz für pastorale Aktivitäten

Die Folge: Manche Pfarreimitglieder kamen im Laufe der Zeit nicht mehr, weil sie die Gegebenheiten nicht akzeptabel fanden. Doch dann ergab sich die Gelegenheit, in einem großen und recht zentral gelegenen Wohnviertel mit Wohnblöcken ein Gebäude zu erwerben, das in der Vergangenheit als Bäckerei diente, um es zu einer Kapelle umzubauen.

Der Vorteil bestand darin, dass es hier bereits Strom, Wasser und Kanalisation gab und lediglich einige Umbaumaßnahmen notwendig waren, um das Gebäude in ein Gotteshaus und Gemeindezentrum mit Wohnräumen für die Priester sowie Räumlichkeiten für die Katechese und verschiedenen Treffen umzuwandeln.

Grundlegende Arbeiten schon ausgeführt

Mit insgesamt 50.000 Euro haben unsere Wohltäter hier geholfen. Ein Großteil der Arbeiten konnte bereits durchgeführt werden. Auch wenn noch nicht alles fertiggestellt ist, kann sich die Gemeinde nun schon hier versammeln.

Pfarrer Jerzy Cyrul schreibt uns: „Im Namen der Pfarrei des heiligen Pater Pio möchte ich Ihnen von Herzen danken. Dank Ihrer Hilfe konnten die grundlegenden Arbeiten bereits ausgeführt werden. Ich versichere Ihnen, dass wir regelmäßig in den Anliegen aller unserer Wohltäter beten.“

Helfen Sie mit Ihrer Spende

Um vor allem verfolgten Christen weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Kirchenvertreter in der Demokratischen Republik Kongo erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitskräfte: Bei Attacken auf über 130 katholische Kirchen seien mindestens vier Personen getötet und weitere verletzt worden.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 12. Januar, berichtete der Sekretär der Bischofskonferenz der Kirchenprovinz Kananga, Apolinaire Cibaka Cikongo, gegenüber KIRCHE IN NOT.
Seminaristen in der Demokratischen Republik Kongo.

„In der Kathedrale der Hauptstadt Kinshasa fand gerade ein Gedenkgottesdienst für die Opfer der Übergriffe am Silvestertag statt. Nach dieser Messe setzten Armee und Polizei erneut Tränengas an, wodurch mindestens zwei Menschen verletzt wurden“, schilderte er.

Hintergrund für die Attacken sind die friedlichen Proteste gegen Präsident Kabila, zu der katholische Laienorganisationen am 31. Dezember aufgerufen hatten. Der Präsident hatte nach Vermittlung durch die katholische Kirche seinen Verzicht auf eine dritte Amtszeit zugesagt und Neuwahlen bis Ende 2017 versprochen.

Friedliche Proteste gegen den Präsidenten

Als der Termin verstrich, gingen die Menschen nach den Sonntagsgottesdiensten auf die Straße. Polizei und Militär trat ihnen mit erbitterter Härte entgegen.

In 134 Fällen sollen die Menschen auch in Kirchen und auf kirchlichen Grundstücken attackiert worden sein, zum Beispiel in der Pfarrei St. Dominikus in Limete, einem Stadtteil von Kinshasa. Cikongo zufolge wirft der dort tätige Pfarrvikar, Dominikanerpater Jean Nkongolo, Polizei und Armee vor, mit teilweise scharfer Munition auf die Gottesdienstbesucher geschossen zu haben, als sie nach dem Gottesdienst die Kirche verließen.

Munition, die bei den Übergriffen auf Gottesdienstbesucher zum Einsatz kam.

„Die Gemeindemitglieder suchen jeden Sonntag nach der heiligen Messe die Mariengrotte auf dem Kirchengelände auf, um dort zu beten und den Segen zu empfangen. Genau in diesem Moment wurden die Gläubigen angegriffen“, berichtet er. Als der Pfarrvikar dazu aufforderte, das Feuer einzustellen, sei er von einem Gummigeschoss im Gesicht getroffen und verletzt worden. „Ein Polizist zielte direkt auf seine Augen“, erzählt Cikongo. „Aber Pfarrvikar Nkongolo reagierte schnell und drehte den Kopf zur Seite. Das Geschoss traf ihn ins Gesicht.“

Auch Elektroschockpistolen und Tränengas seien zum Einsatz gekommen. Eine Frau wurde lebensgefährlich verletzt, so Cikongo. „Sie wurde in den Kopf getroffen. Alle haben gedacht, sie sei tot, aber sie hat überlebt.“ Zwei weitere Personen seien ebenfalls verletzt worden.

Elektroschockpistolen und Tränengas

An manchen Orten seien die Gläubigen dadurch gezwungen gewesen, die Protestmärsche vorerst einzustellen. Doch mittlerweile überwiegt die Entschlossenheit, wie eine Mitteilung des Laien-Koordinations-Komitees der Demokratischen Republik Kongo zeigt. Dort heißt es: „Unser Marsch wird nicht aufhören, bis unsere Rechte respektiert werden und unsere Würde wiederhergestellt wird.“

Das Stadtviertel Shabat Al-Jadida im Ostteil Aleppos wurde im Laufe des Syrienkriegs zu einem Ort des Todes. Es gehört zu den stark betroffenen Gebieten. Straßenkämpfe, Raketen- und Bombenbeschuss forderten unzählige Menschenleben. Jetzt, ein gutes Jahr nach Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen in der Stadt, kehrt das alltägliche Leben langsam zurück. Der Straßenverkehr ist tagsüber sehr lebhaft, auf den Gehwegen drängen sich auffallend viele junge Leute. In dem Viertel befindet sich die Universität von Aleppo.

„Ich wollte nicht hierher. Aber ich bekam nur in Aleppo einen Studienplatz“, erzählt Angel Samoun, Studentin der Luftfahrttechnik. „Drei Monate weigerte sich mein Vater, mich gehen zu lassen. Aber ich gab nicht nach.“ Angel ist Christin und stammt aus Kamischli an der Grenze zur Türkei.
Studenten mit Pater David Fernandez.
Wohnheim für christliche Studenten in Aleppo.
Angel und Lara studieren in Aleppo.
Weeam Panous will Ingenieur werden.
Student in Aleppo.
Studenten in der Kapelle des Wohnheims.
Blick auf den Universitätscampus von Aleppo.

Auch für Lara Lias aus dem Süden Syriens war Aleppo nicht die erste Wahl. „Ich hatte große Angst – ich kannte ja die furchtbaren Nachrichten aus Aleppo. Als ich ging, verabschiedete sich meine Familie von mir, als würde ich sterben.“

Doch trotz dieser schwierigen Situation sind die beiden Frauen nicht allein. Direkt gegenüber der Universität leben sie in einem Studentenwohnheim, das zum katholischen Vikariat von Aleppo gehört und von argentinischen Ordensfrauen geleitet wird.

„Gottvertrauen ist beeindruckend”

„Der Eifer, mit dem die jungen Leute hier trotz des Krieges und der Angst studieren, ist nicht zu übersehen“, sagt Schwester Laudis Gloriae, die Leiterin der kleinen Gemeinschaft. „Das Gottvertrauen der Bewohner von Aleppo ist beeindruckend und ihr Beispiel inspiriert mich jeden Tag, im Vertrauen zu wachsen“, fügt die Ordensfrau hinzu.

Eine der schlimmsten Kriegserinnerungen stammt aus dem Jahr 2013. Damals traf eine Rakete ein Gebäude zwischen Universität und Wohnheim. 400 Personen kamen ums Leben, darunter auch eine der Schwestern. „Selbst bei Bombenalarm ging ich zu den Vorlesungen“, erzählt Angel. „Aber am schlimmsten war die Trennung von der Familie und die Ungewissheit, wenn sie mich mehrere Tage lang nicht erreichen konnten.“ Das Zusammenleben im Wohnheim gab ihr Halt.

Trotz Bombenalarms zur Vorlesung

Die Studentinnen leben mit den Schwestern zusammen, essen gemeinsam, beten und feiern Gottesdienst, obwohl sie unterschiedlichen Konfessionen angehören: syrisch-orthodox, griechisch-katholisch, armenisch-katholisch, römisch-katholisch – die ganze Vielfalt der orientalischen Kirchen ist vertreten.

Ähnlich ist die Situation im Wohnheim für junge Männer, das in der Nachbarschaft des katholischen Pfarramts liegt. „Zurzeit leben wir hier zusammen mit 30 Studenten aus verschiedenen christlichen Konfessionen“, erzählt Pater David Fernandez. Er stammt ebenfalls aus Argentinien und kümmert sich zusammen mit einem Mitbruder um das Wohnheim, die Seelsorge an der katholischen Kathedrale und eine weitere Pfarrei in einem benachbarten Stadtviertel.

Studenten verschiedener Konfessionen

Dazu gehört auch die Koordination von Lebensmittel-, Kleidungs- und Medikamentenspenden an über 600 Familien. KIRCHE IN NOT sichert die Finanzierung.

Auch hier ist die Erinnerung an die schlimmsten Kriegstage allgegenwärtig: „Genau auf diesen Dächern gegenüber“, erzählt Pater Fernandez und zeigt aus dem Fenster, „kamen mehrere Menschen bei einem Bombenangriff ums Leben. Ich musste die Leichen bergen.“

In einem der Studentenzimmer treffen wir Albert. Seinen richtigen Namen möchte er nicht preisgeben – die Gründe erzählt er später. Albert stammt ebenfalls aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet und steht kurz vor dem Abschluss seines Ingenieursstudiums. Die ganze Kriegszeit hat er hier ausgeharrt. „Einige meiner Freunde haben es nicht mehr ausgehalten und sind weggegangen“, erzählt Albert. „Ich aber entschied mich, mein Leben aufs Spiel zu setzen und mein Studium zur Ende zu bringen.“

„Freunde sind wegen des Krieges weggegangen”

Momentan steht für Albert jedoch genau das auf der Kippe: Er hat seinen Einberufungsbescheid zum Militär erhalten. Studenten sind davon eine gewisse Zeit befreit. Aber jetzt ist die Frist abgelaufen, und die Regierung gewährt keine Ausnahme.

Albert traut sich jetzt kaum noch auf die Straße aus Angst, von der Militärpolizei aufgegriffen und direkt an die Front geschickt zu werden. Pater Fernandez tut, was ihm möglich ist: „Wir versuchen, direkt mit den Behörden zu verhandeln und einen Aufschub zu erwirken.“

Wohnheim und Studenten auf Unterstützung angewiesen

Von überall her, wo es nur geht, versucht der Ordensmann Unterstützung für „seine jungen Männer“ zu bekommen, wie er sagt. Wichtige Anlaufstelle ist KIRCHE IN NOT. „Dank dieser Hilfe konnten wir zum Beispiel Computer für die Studenten anschaffen und die Studiengebühren bezahlen.“

Die Studenten leisten auch selber einen kleinen Beitrag, umgerechnet etwa vier Euro im Monat. „Das ist aber eher symbolisch, um die jungen Leute nicht zu reinen Almosenempfängern zu erniedrigen.“ Die wirtschaftliche Situation bleibe weiterhin sehr angespannt. Ohne Hilfe aus dem Ausland müsste das Wohnheim seine Pforten schließen, erklärt Fernandez. „Der argentinische Pater ist für uns wirklich wie ein Vater“, sagt Antarik Kaspar, der Wirtschaftswissenschaften studiert.

„Wir schätzen diese Menschen sehr, die ihr Heimatland verlassen haben und hier in das Kriegsgebiet gekommen sind, um mit uns zu leben und uns zu helfen. Und dank der finanziellen Hilfe können wir unser Studium abschließen und für den Frieden in Syrien arbeiten.“ Wann auch immer dieser Friede kommen wird.

Unterstützen Sie die jungen Christen in Syrien

Um den Studenten Aleppos weiterhin helfen und der christlichen Minderheit materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Wie in vielen Ländern des Subkontinents sind auch in Peru die prekären Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung und die Verelendung in den Vororten der Städte, Ausbeutung der Umweltressourcen, aber auch die Inkulturation des katholischen Glaubens sowie die Auseinandersetzung mit Sekten wichtige Themen.

Im Interview mit Amélie Berthelin-de la Hougue spricht der Lateinamerikareferent von KIRCHE IN NOT, Marco Mencaglia, über die aktuelle Situation und die Rolle der katholischen Kirche, zu der 80 Prozent der Peruaner gehören.
Papst Franziskus
Eine Ordensfrau besucht eine ältere Dame im peruanischen Hochland.
Eine Ordensschwester in Peru leitet ein Begräbnis.
Taufe in einer abgelegenen Pfarrei in Peru.
Die Kathedrale in der peruanischen Hauptstadt Lima.

AMÉLIE BERTHELIN-DE LA HOUGUE: In welcher Verfassung findet Papst Franziskus die Kirche Perus bei seinem Besuch vor?

MARCO MENCAGLIA: Der Glaube ist in Peru tief verankert. Die volkstümliche Religiosität ist ein Schatz. Die Kirche ist vielerorts der einzige Anwalt und Anlaufstelle der überwiegend armen Bevölkerung.

Um die Verhältnisse der Kirche in Peru zu beschreiben, muss man die große geografische Vielfalt des Landes berücksichtigen. Riesige Städte einerseits, gigantische Waldgebiete mit indigener Bevölkerung andererseits, schaffen unterschiedliche pastorale Herausforderungen.

Worin bestehen diese Herausforderungen?

Die wichtigste ist wohl, Einheit zu schaffen. Das heißt auch, die Kirche Perus noch stärker in der Gesellschaft zu verwurzeln. Denn noch haben nicht überall die einheimischen Kleriker die volle Verantwortung. Gut die Hälfte der peruanischen Bischöfe kommt aus dem Ausland.

Es gibt positive Erfahrungen der Evangelisierung in schwierigem Umfeld. Aber es bleiben zwei weitere Herausforderungen: Die Berufungspastoral verstärken und den Glauben vertiefen.

„Die Kirche kämpft gegen Armut und Verelendung”

In welchem Bereich engagiert sich die katholische Kirche derzeit am stärksten?

Eine Priorität liegt auf der Seelsorge für die Menschen in den Vororten der Großstädte. Hunderttausende Peruaner verlassen jedes Jahr die Bergregionen und ziehen in die Städte. Die Vororte dehnen sich immer weiter aus. Die Kirche kämpft gegen Armut und Verelendung.

Sie setzt sich auch dafür ein, dass die Zuwanderer zu einer Gemeinschaft werden. Denn die Leute kommen ja aus verschiedenen Regionen und haben aufgrund der Arbeitssituation wenig Zeit, sich kennenzulernen. Das schafft dann wieder neue Probleme.

Und was tut die Kirche für die Menschen in den Bergregionen?

In den entlegensten Dörfern, auf 4000 Metern Höhe oder im Amazonasgebiet, ist die Kirche oft die einzige Institution, die die Bewohner zu Gesicht bekommen.

Diese Menschen zu erreichen, ist von grundlegender Bedeutung. Eine Pfarrei betreut bis zu fünfzig entlegene Außenstellen. Der Besuch eines Priesters oder einer Ordensschwester ist dort ein echtes Ereignis!

Marco Mencaglia, Lateinamerika-Referent von KIRCHE IN NOT.
Manche Gemeinden sind nur schwer zu erreichen.
„Der Besuch eines Priesters ist ein echtes Ereignis”

Wie in vielen anderen Ländern Lateinamerikas verzeichnen Sekten und evangelikale Bewegungen ein großes Wachstum. Papst Franziskus hat mehrmals darauf hingewiesen. Eine „Konkurrenz“ für die Kirche?

Bei meinen Reisen nach Lateinamerika hatte ich immer den Eindruck, dass das Gefühl der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche sehr stark ist.Besonders in den ländlichen Gebieten konnte ich feststellen, dass gerade die volkstümlichen Frömmigkeitsformen wie Heiligenverehrung, religiöse Feste, Rosenkranz und Andachten den Glauben lebendig halten, obwohl die offizielle Präsenz der Kirche nur schwach ausgeprägt ist.

Gleichzeitig haben die evangelikalen Sekten mit teilweise abstrusen Heilsversprechungen Fortschritte gemacht – vor allem in den Vororten der Städte. Dort ist das schwindelerregende Bevölkerungswachstum der Grund, warum die Kirche nicht mehr alle Menschen erreichen kann.

Das ist eine große Zukunftsaufgabe: Die Familien wieder ansprechen, die den Kontakt zur Kirche verloren haben.

Dazu braucht die Kirche natürlich Personal …

Das stimmt. Wenn in Europa als Optimum gilt, die Zahl der Priester und pastoralen Mitarbeiter in etwa auf dem gleichen Stand zu halten, dann reicht das in Lateinamerika nicht aus.

Ein simpler Zahlenvergleich zeigt, warum: In Peru ist die Bevölkerung in den letzten 50 Jahren um 170 Prozent gewachsen, in den 28 Mitgliedsländern der Europäischen Union waren es im selben Zeitraum unter 20 Prozent.

Darum unterstützt KIRCHE IN NOT zum Beispiel aktuell die Ausbildung von 650 peruanischen Priesteramtskandidaten in zwanzig Seminaren, die Ausbildung und den Unterhalt von Ordensschwestern und Katecheten.

Peru hat in den vergangenen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Das Land war mehrmals Spitzenreiter in der Region, was die Wachstumsraten angeht. Hat sich dadurch auch die Situation der Einwohner gebessert?

Das Wachstum verläuft in den Regionen des Landes keineswegs gleich. Wie schon angesprochen, sind die ländlichen Regionen weitgehend abgehängt. Immer mehr Menschen gehen von dort weg. Städte wie Lima und Arequipa wachsen unaufhörlich.

Es gibt viele Familien, in denen Eltern ihre Kinder tagelang allein zu Hause lassen, um weit entfernt zu arbeiten. Diese traurige Realität führt zu einem Wachstum von Banden, Drogenhandel und Kriminalität.

In Peru ist der Aufschwung von der Lebenswirklichkeit entkoppelt. Da gibt es kaum Verbesserungen. Und hier muss die Kirche natürlich einen wichtigen Beitrag leisten.