Die Invasion des IS im Sommer 2014 hat Jahola aus der Ferne miterlebt – sein Bischof hatte ihn zum Studium nach Rom gesandt. Nach der Befreiung war ihm aber sofort klar: „Ich muss zurück. Es gibt so viel zu tun.“ Am Erfolg seiner Mission habe er nie gezweifelt, sagt er. In der Tat ist nur eineinhalb Jahre nach Beginn der Wiederaufbauarbeiten gut die Hälfte der Christen in die Ninive-Ebene zurückgekehrt. Mit Tobias Lehner sprach Father Jahola darüber, wie dies möglich wurde, welche neuen Herausforderungen jetzt vor den Christen im Irak liegen – und warum ein starkes Christentum in Europa auch die Position der Christen im Nahen Osten stärkt.
TOBIAS LEHNER: Wie geht der Wiederaufbau in der Ninive-Ebene voran?FATHER GEORGES JAHOLA: Der Wiederaufbau geht sehr gut voran – dank der vielen Unterstützung, die wir erhalten. Unser wichtigster Partner dabei ist und bleibt „Kirche in Not“. Ich bewundere sehr, wie viel Hilfe wir von den Wohltätern erhalten. Das ist für uns ein großes Zeichen der Hoffnung. In meiner Heimatstadt Karakosch haben wir in nur 16 Monaten bereits 35 Prozent der Häuser wiederhergerichtet. In der Ninive-Ebene insgesamt sind es schon über 41 Prozent. Sehr viele Ehrenamtliche machen mit. Die Renovierung der teilweise beschädigten und einsturzgefährdeten Häuser ist fertig. Jetzt nehmen wir die niedergebrannten und komplett zerstörten Häuser in Angriff.
Und wie steht es um die Kirchen und die Pfarreigebäude?Der Hass der Islamisten richtete sich ja in besonderer Weise gegen die Gotteshäuser.
Die Kirchen haben eine enorme Bedeutung – nicht nur kulturell. Sie geben den Menschen Mut und Zuversicht. Wir feiern auch jetzt schon unsere Gottesdienste und Feste in den Kirchen, obwohl sie fast alle schwer beschädigt und teilweise zerstört sind. Ich zum Beispiel feiere die Liturgie mit der syrisch-katholischen Gemeinde von Karakosch in einer rußgeschwärzten Kirche, in der immer wieder Betonteile von der Decke fallen. In einigen Orten wurden bereits die ersten Gotteshäuser wiederhergerichtet. Das ist der nächste große Schritt. „Kirche in Not“ hilft auch hier.
Wie geht es den Menschen, die zurückgekehrt sind? Wie leben sie?Seit gut einem Jahr kommen immer mehr Menschen zurück, Läden und Restaurants öffnen. Der Alltag hat wieder begonnen – allerdings mit viel weniger Menschen als vor der IS-Invasion. Gut die Hälfte der Vertriebenen ist zurück. Die größte Herausforderung ist das Thema Arbeit. So lange die Wiederaufbauarbeiten laufen und wir sie finanzieren können, stehen die Menschen in Lohn und Brot. Es gibt ja genug zu tun. Aber die große Frage ist: Wie können wir gerade den jungen Leuten neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen? Wir haben da auch schon konkrete Pläne …
Zum Beispiel?Das betrifft vor allem die Landwirtschaft, denn sie ist ein großer Wirtschaftsfaktor für die Ninive-Ebene und könnte vielen Menschen Arbeit bieten, zum Beispiel in der Geflügel- und Viehzucht. Die Kämpfer des IS haben jedoch viele Bauernhöfe zerstört. Wir wollen deshalb auch eine Untersuchung starten, wie wir es schon mit den zerstörten Wohnhäusern gemacht haben: Wie hoch ist die Zerstörung der landwirtschaftlichen Betriebe? Was brauchen die Familien jetzt am dringendsten, um die Arbeit aufnehmen zu können? Wir denken auch über Anschubfinanzierungen und Kredite nach – aber das kostet viel …
Ein weiteres riesiges Aufgabenfeld – zusätzlich zu dem, was die Kirche in der Ninive-Ebene sonst noch stemmt. Gibt es denn gar keine staatliche Hilfe?Nur die Kirche kümmert sich um die Menschen. Wir bekommen nichts vom Staat. Aber als Kirche sind wir nah dran an den Menschen. Wir haben sehr konkrete Vorstellungen davon, was die Menschen in der Ninive-Ebene für die Zukunft brauchen.
Sie sprachen davon, dass die Hälfte der Christen zurückgekehrt ist. Sehen Sie irgendeine Chance, dass auch die andere Hälfte zurückkommt?Hier muss man unterscheiden: Nach wie vor halten sich einige tausend Christen in Erbil in der Autonomen Region Kurdistan auf, wohin viele nach der IS-Invasion geflüchtet waren. Ihre Zahl ist rückläufig. Die Menschen, die dortbleiben, haben dafür gute Gründe: Die meisten haben in der Region feste Arbeit gefunden. Es hängt also auch von der wirtschaftlichen Situation in der Ninive-Ebene ab, ob sie zurückkehren. Die Mehrheit der übrigen Vertriebenen lebt in Jordanien, im Libanon oder der Türkei. Sie haben natürlich die Möglichkeit zurückzukommen, scheuen aber den Schritt. Sie halten den Irak noch für zu unsicher. Ich arbeite dafür, das Gegenteil zu beweisen!
Nur zehn Prozent der Christen sind in den Westen gegangen. Natürlich hoffen wir, dass auch sie heimkehren. Aber man muss realistisch bleiben: Viele jungen Leute haben in Europa ein Studium begonnen, junge Familien haben ihre Kinder dort in der Schule oder im Kindergarten. Ich denke aber weder, dass diese christlichen Einwanderer eine Belastung für den Westen sind, noch, dass sie für uns im Nahen Osten „verloren“ sind. Wenn sie beispielsweise für ein europäisches Unternehmen arbeiten, das mit dem Irak Geschäfte macht, wird das vielleicht auf die Expertise der irakischen Christen zurückgreifen. Sie können also Brückenbauer sein!
Sie haben mehrmals das Thema Schule und Studium angesprochen – essentielle Bereiche, um junge Menschen zur Rückkehr zu bewegen. Wie steht es um die Schulen in der Ninive-Ebene?Alle öffentlichen Schulen in der Ninive-Ebene haben wieder geöffnet. Allerdings wollen die Eltern ihre Kinder viel lieber auf kirchliche Privatschulen schicken, weil dort die Ausbildung besser ist. Die Bildungsarbeit, die vor der Vertreibung vor allem in der Hand der Ordensschwestern war, ist ein weiterer großer Baustein für die Zukunft in der Ninive-Ebene.
Kritiker behaupten ja, der Wiederaufbau sei zu früh erfolgt, Anhänger des IS oder anderer islamistischer Gruppen könnten jederzeit wieder losschlagen. Wie sehen Sie das?Der IS im Irak ist vernichtet. Ich sehe auch nicht, dass von anderen Gruppen die Gefahr einer militärischen Eroberung ausgeht. Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme gibt. Es gibt viel Radikalisierung in den Köpfen. Es gibt eine weitreichende Diskriminierung der Christen. Das betrifft vor allem die öffentliche Verwaltung und die Universitäten. Wenn zum Beispiel ein Christ einen guten Studienabschluss hat und weiterstudieren möchte, kommt es häufig vor, dass ein muslimischer Student vorgezogen wird. Das ist eine verdeckte Diskriminierung und sie ist eine viel größere Gefahr. Und dann gibt es auch noch eine Art „demografische Invasion“ …
Was verstehen Sie darunter?Wenn Christen die Ninive-Ebene verlassen, versuchen sehr oft Muslime, deren Eigentum zu erwerben. Diese Tendenz reicht schon bis in die achtziger und neunziger Jahre zurück. So war zum Beispiel die Kleinstadt Telkef, etwa 20 Kilometer nördlich von Mossul, früher eine mehrheitlich christliche Stadt. Heute leben dort nur noch 20 Prozent Christen. Ähnliche Entwicklungen gibt es aktuell in Bartella. Dort versuchen Angehörige der ethnischen Gruppe der Schabak immer mehr Gebäude aufzukaufen. Es fragt sich natürlich, woher die Gelder dafür kommen. Die Schabak sind mehrheitlich schiitische Muslime und es bestehen sehr enge Kontakte zum Iran, das sich ja als eine Art „Schutzmacht“ der Schiiten versteht. Das ist eine sehr reale Gefahr!
Sie sprechen den Einsatz der ausländischen Regierungen für die Rechte der Christen in der Ninive-Ebene an. Fühlen Sie sich angemessen unterstützt?Die Hilfen, die wir bekommen, sind ein großes Zeichen der Brüderlichkeit! Jeder einzelne Beitrag zeigt uns, dass irgendwo auf der Welt jemand an uns denkt. „Kirche in Not“ macht das für uns sichtbar. Wir wissen natürlich auch um die Herausforderungen für Glaube und Kirche in der westlichen Welt. Wir beten dafür, dass das Christentum in Europa stark bleibt! Denn alles, was das Christentum in Europa stärkt, stärkt auch die Situation der Christen im Nahen Osten!
Bis zu den neun Dörfern, deren Einwohner schon getauft sind, sind es bis zu 15 Kilometer. Die drei anderen, in denen sich die Bewohner noch auf die Taufe vorbereiten, sind sogar bis zu 30 Kilometer entfernt.
Da die Leute fast alle tagsüber hart als Tagelöhner, landlose Feldarbeiter oder Hausangestellte arbeiten, kann der Priester sie nur abends besuchen. So musste er mit seinem Rad oft spät nachts die weiten und schlechten Wege zurücklegen.
An Sonn- und Feiertagen kam der Priester oft zu spät zur heiligen Messe, weil er es mit dem Fahrrad nicht schaffte, rechtzeitig einzutreffen. „Die Menschen sind sehr arm und einfach, aber sie sind offen für die Botschaft Christi“, sagt der Priester. Aber auch Sekten kommen in das Gebiet.
Wenn die Kirche es aufgrund mangelnder Mittel nicht schafft, die Menschen seelsorglich zu betreuen, sind die Menschen eine leichte Beute für die Sekten, die oft über wesentlich mehr Mittel und Personal verfügen und den Leuten unrealistische Versprechungen machen, auf die sie hereinfallen.
Dank des Mopeds kann der Priester die Leute nun viel häufiger besuchen. „Ich bin sehr glücklich, meinen priesterlichen Dienst hier ausüben zu dürfen“, sagt Ravi Kumar Devarapalli, der erst 2016 zum Priester geweiht wurde.
Und unseren Wohltätern sollen wir ausrichten: „Manche Menschen treffen Entscheidungen, die Leben verändern. Danke, dass Sie solche Menschen sind! Ihre Spende wird mir und unserer Diözese dabei helfen. Dank Ihrer Großzügigkeit können wir weiterhin das Leben der Gläubigen in geistlicher Hinsicht verbessern. Ich danke Ihnen für Ihr gutes und freundliches Herz.“
KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Indien solidarisch bei.
Seit den Überfällen 2008 hat unser Hilfswerk beim Wiederaufbau zahlreicher zerstörter Kirchen im Bundesstaat Odisha geholfen. Zudem fördert KIRCHE IN NOT die Seelsorge und kirchliche Sozialarbeit unter den Dalits, die in der indischen Gesellschaft ohne Stimme und Beistand sind.
Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.
Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein nationales Erwachen ein, nachdem in Latgalien die Russifizierungspolitik heftiger war als in den baltischen Provinzen. Latgalien gehörte zum Gouvernement Witebsk. Die Russifizierung nach der Aufhebung der Leibeigenschaft ging Hand in Hand mit einem Sprach- und Druckverbot des Latgalischen bis 1904, während das Lettische von diesem Verbot nicht betroffen war (wohl aber das Litauische).
Am 18. November 1918 wurde die Republik Lettland gegründet, in der Latgalien den dritten Stern über dem Staatswappen bildete. In der harten Zeit der sowjetischen Okkupation (ab 1949) stand die katholische Kirche zum Latgalentum. Kardinal Julijans Vajvods ließ als Bischof von Riga nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil neben dem Lettischen auch das Latgalische als Kirchen- und Liturgiesprache zu.
Kardinal Vajvods, der als über 90-jähriger Bischof noch das Ende des Kommunismus erlebte, wollte in Aglona begraben sein, ebenso der Bischof Boleslaus Sloskans, der im Exil 1981 in Belgien starb und ein enger Freund von Pater Werenfried van Straaten war.
1986, als Lettland noch unter sowjetischer Herrschaft stand, konnten nur die Letten im Exil den 800. Jahrestag des Beginns ihrer Christianisierung feiern. Sie taten dies in Rom mit Papst Johannes Paul II., der damals die Hoffnung aussprach, bald Lettland und das Marienheiligtum in Aglona zu besuchen. Erst 1993 war ihm dies möglich.
Im Jahre 1186 hatte Erzbischof Hartwig II. von Bremen den Augustiner-Chorherren Meinhard aus Bad Segeberg in Holstein zum Bischof der Liven geweiht. Ihm waren nach seiner Bischofsweihe noch zehn Jahre der Wirksamkeit vergönnt, ehe er am 14. August 1196 starb. Sein Fest wird an seinem Todestag begangen, also einen Tag vor dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, dem Tag der traditionellen Wallfahrt in Aglona.
Obwohl sich in der Reformation der größte Teil des heutigen Lettlands von der Katholischen Kirche trennte, ist Lettland immer ein marianisches Land geblieben. Das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes in Riga blieb erhalten.
Zahlreich sind die Mariengedichte und Lieder lettischer evangelischer Dichter. Das gilt noch mehr von dem Teil Lettlands, der unter polnischer Herrschaft katholisch blieb und erst bei den polnischen Teilungen an Russland kam: Latgalien mit seinem Hauptheiligtum Aglona im Osten Lettlands.
Das 1699 gegründete Dominikanerkloster Aglona beherbergt in der 1780 gebauten Kirche ein Gnadenbild, das eine Nachbildung der Muttergottes von Trakai in Litauen ist. Vor dem Zweiten Weltkrieg, als Lettland wie Litauen und Estland unabhängige Staaten waren, besuchten jährlich bis zu 200 000 Pilger diesen Gnadenort.
Nach der Besetzung durch die Russen wurde 1940/41 auch hier das Kloster samt der wertvollen Klosterbibliothek völlig zerstört. Die Kirche mit dem Gnadenbild jedoch ist erhalten geblieben und wurde trotz der bolschewistischen Okkupation weiter von zahlreichen Pilgern besucht.
Heute ist Aglona das Herz des Katholizismus in Lettland, wo auch der polnische Papst bei seinem Besuch zur Muttergottes betete und wohin auch viele Polen, Litauer und Weißrussen wallfahren. Diesem Geist der Völker-Versöhnung hatte auch Bischof Boleslaus Sloskans sein Leben geweiht.
Nachdem er 1981 im belgischen Exil, starb, hat die Kirche Lettlands nach der Wende den Seligsprechungsprozess für ihn eingeleitet. Boleslaus Sloskans wurde am 31. August 1893 im damals vom Zaren beherrschten Lettland geboren und ist dort aufgewachsen. Als 18-jähriger trat er 1911 in das Priesterseminar von Sankt Petersburg ein, wo er am 21. Januar 1917 von Erzbischof Johann Cieplaks zum Priester geweiht wurde.
In dieser Zeit der Verfolgung schickte Papst Pius XI. den Jesuiten Michel d’Herbigny nach Moskau. Pater d’Herbigny verhandelte offiziell wegen Hilfsmaßnahmen für die notleidende Bevölkerung, hauptsächlich für die hungernden Kinder, er hatte aber auch von Nuntius Eugenio Pacelli in Berlin die Bischofsweihe erhalten und hatte Vollmacht und Auftrag des Papstes, Bischöfe für die Kirche in Russland geheim zu weihen.
Hinter den verschlossenen Türen der St. Ludwigskirche in Moskau legte er am 10. Mai 1926 dem jungen Priester Boleslaus Sloskans die Hände zur Bischofsweihe auf und ernannte ihn zum Apostolischen Visitator für Mohilev und Minsk.
Der geheim Geweihte kehrte in seine nun Leningrad genannte Pfarrei zurück, wo er als einfacher Priester lebte, aber seine Diözese zu bereisen versuchte, um heimlich zu firmen. Schon nach einem Jahr wurde Sloskans am 11. Mai 1927 verhaftet. Sechs Jahre lang wurde er gefoltert und gequält, darunter auch auf der berüchtigten KZ-Insel Solowki im Weißen Meer.
Pater Werenfried schrieb über dieses Schicksal: „In 17 Sowjetgefängnissen hat er um des Glaubens willen gelitten. In dem Moskauer Lubjanka-Gefängnis wurde er, nackt auf einen Tisch gebunden, bis aufs Blut gegeißelt. Er wurde aufrecht stehend in einen schmalen Käfig gepresst, worin ihm keine einzige Bewegung möglich war und Tag und Nacht eiskaltes Wasser auf seinen Kopf tropfte.
Wochenlang lag er unter dem blendenden Licht eines Scheinwerfers platt auf dem Rücken an den Boden gekettet. Drei Monate wartete er in der stockfinsteren Todeszelle auf seine Hinrichtung. Seine einzige Nahrung war eine faule Suppe, und die Zeit konnte er nur an den Schritten der Gefangenen abschätzen, die aus den Nachbarzellen zum Erschießen abgeführt wurden.
Trotz all dieser Marterung blieb sein Geist ungebrochen. Ohne Nachlassen meditierte er betend den Kreuzweg und die Mysterien des Rosenkranzes. Als ein Wärter sein Lächeln sah und erstaunt ausrief: ‚Du bist glücklich?!’ antwortete der Bischof: ‚Ja, denn ich bin völlig frei, während Sie es nicht sind’.“
Etwas weiter heißt es: „Im Jahre 1933 erwirkte die Regierung von Lettland im Tausch gegen einen russischen Spion seine Freilassung. Der Bischof weigerte sich, die Sowjetunion zu verlassen, weil er sich dazu verpflichtet fühlte, als Hirte bei seiner Herde zu bleiben.
Als ein kirchlicher Diplomat ihm wahrheitswidrig mitteilte, der Papst habe ihn nach Rom gerufen, gehorchte er mit blutendem Herzen. In Rom musste er erleben, dass Papst Paul Pius XI. die Erklärung seines Nuntius Lügen strafte und den Grundsatz bestätigte, dass ein Bischof bei seiner Herde zu bleiben hat.
Als viele Jahre später diesem Prinzip von neuem zuwider gehandelt wurde, hat mir Bischof Sloskans sein Geheimnis anvertraut mit der Erlaubnis, es nach seinem Tode bekannt zu geben. Das tue ich jetzt aus Liebe zur Kirche, in der die Diplomaten keine führende, sondern eine untergeordnete Rolle spielen müssen.“
Von Rom kehrte Sloskans nach Lettland zurück, wo er an der Theologischen Fakultät in Riga Moral und Aszetik lehrte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges brachten ihn die Nationalsozialisten nach Deutschland. Einige Zeit verbrachte er in Eichstätt (Bayern).
1947 ging er nach Belgien, wo er bei Brüssel ein Seminar für lettische Priester gründete. Im Jahre 1952 ernannte ihn Pius XII. zum Apostolischen Visitator für die Russen und Weißrussen, 1955 auch zum Moderator für Letten und Esten im Exil.
In dieser Zeit bis 1979 wohnte Sloskans in der Abtei Keyserberg in Löwen. Er nahm regelmäßig an den Internationalen Kongressen „Kirche in Not“ in Königstein teil, wo ihm der Leiter der Königsteiner Anstalten, Prälat (und seit 1966 Weihbischof) Kindermann die Eröffnung des Kongresses anvertraute, weil er ihn als lebendes Symbol der verfolgten Kirche betrachtete.
Bis zu seinem Tode 1981 blieb Bischof Sloskans ein Mann der Innerlichkeit und des Gebetes. Er war der letzte Zeuge der frühen Vatikanischen Ostpolitik der 1920er-Jahre. Die Sowjets ermordeten seine ganze Familie. Kein Leid konnte ihn verbittern.
Pater Werenfried konnte es noch erleben, dass die Sowjetunion 1991 zerfiel, Lettland wieder seine Freiheit erhielt, dass der tote Bischof in seine Heimat zurückkehren und in der Krypta der Basilika von Aglona ruhen konnte.
Zu Beginn des Aktionstages berichtete Pater Georges Jahola aus dem Nordirak bei einem Podiumsgespräch über die Lage der Christen in der Ninive-Ebene. Diese hätten nach dem Einmarsch der Kämpfer des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) im August 2014 Schreckliches zu erleiden gehabt.
Zahlreiche Christen seien zur Konversion genötigt oder getötet worden. Viele Frauen und Mädchen seien versklavt worden und mussten einen IS-Terroristen heiraten. Hunderttausende seien vor dem Terror geflohen. Auch die Schäden an Gebäuden seien immens gewesen.
Fast 13 000 Privathäuser von Christen sowie rund 360 kirchliche Gebäude habe der IS ganz oder teilweise zerstört. Die Kosten der Wiederherstellung bezifferte Jahola, der den Wiederaufbau koordiniert, auf 250 Millionen US-Dollar.
Dieser Wiederaufbau sei es, der den christlichen Familien, die jetzt nach und nach in ihre verlassenen Dörfer zurückkehren, Mut und Hoffnung gebe. „Es gibt eine große Solidarität unter den Christen“, so Jahola. „Viele haben sich bei den Kirchen gemeldet, um als Freiwillige zu helfen.“
Diese Unterstützung sei aber bei Weitem nicht ausreichend, denn „wir Christen erhalten vom irakischen Staat nicht die geringste Hilfe.“ Nur christliche Hilfswerke wie KIRCHE IN NOT, das einen „Marshall-Plan“ für den Irak ins Leben gerufen hat, würden Geld geben.
„Durch die Hilfe von KIRCHE IN NOT konnten bereits gut die Hälfte der vertriebenen Christen zurückkehren – und wir hoffen, dass es noch mehr werden“, dankte Jahola den anwesenden Wohltätern der päpstlichen Stiftung.
Befragt nach den Zukunftsaussichten, sagte der irakische Priester: „Die Zeit des IS ist vorbei, aber seine Ideologie ist noch immer präsent.“ Jahola forderte eine neue Verfassung für den Irak, in der der Minderheitenschutz verankert sein müsse: „Nur das Gesetz kann uns schützen.“
Andernfalls seien die Früchte der geleisteten Wiederaufbauarbeit gefährdet. Als Christ habe er aber immer Hoffnung, weil er wisse: „Aus der Asche wird neues Leben geboren.“
Der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka, überreichte an Jahola eine Figur der Gottesmutter von Altötting. „Dieses Gnadenbild soll einen Platz in einer der wiederaufgebauten Kirchen in der Ninive-Ebene finden und die bleibende Verbundenheit der deutschen Wohltäter mit unseren irakischen Brüdern und Schwestern verdeutlichen“, sagte Ripka.
Beim zweiten Programmpunkt im Tagungshaus Sankt Ulrich verschaffte Berthold Pelster, der Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT, den rund 150 Besuchern einen Überblick auf einige Brennpunkte der Christenverfolgung weltweit.
Dies seien nach seiner Erkenntnis neben den Krisenländern des Nahen Ostens vor allem viele afrikanische Staaten, in denen sich ein einstmals friedlicher Islam radikalisiert habe.
Als Beispiel führte er Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, an, wo die islamistische Terror-Sekte „Boko Haram“ seit ihrem Aufkommen im Jahr 2009 bis zu 30 000 Menschen ermordet habe.
Pelster, Autor der Dokumentation „Christen in großer Bedrängnis“, betonte, dass in vielen islamischen Ländern Muslime am meisten unter dem Terror von radikalen Islamisten zu leiden hätten und nannte als Beispiel den Anschlag auf eine Sufi-Moschee in Ägypten, dem im November 2017 mehr als 300 Menschen zum Opfer fielen.
Es sei daher wichtig, den Dialog mit gemäßigten Muslimen zu suchen und moderate Strömungen des Islam zu fördern.
Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit müsse noch mehr auf die Agenda der Politik, aber auch ins Blickfeld von Christen in freien Ländern. „Wenn wir nicht alles tun, um verfolgten Christen zu helfen, droht ihnen in vielen Ländern die Auslöschung“, appellierte Pelster an die Zuhörer.
Den Abschluss des Solidaritätstages bildete im gut besuchten Augsburger Dom ein ökumenisches Kreuzweggebet.
Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier, der im Bistum Augsburg als Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog zuständig ist, betonte in seiner Ansprache die „Ökumene des Leidens und der Solidarität“ mit den Verfolgten und forderte die Anwesenden zum aktiven Handeln auf.
„Wissen wir, was die Stunde geschlagen hat? Haben wir Mut, zu Jesus Christus und seiner Botschaft zu stehen? Wo Christen unterdrückt und verfolgt werden, da dürfen ihre Glaubensgeschwister in den Ländern, wo Freiheit herrscht, nicht schweigen“, so Meier.
Dann aber wurde ihr großer Traum Wirklichkeit, denn ihr Pfarrer hatte KIRCHE IN NOT schließlich um Hilfe gebeten. Unsere Wohltäter haben die Gläubigen in Indien nicht enttäuscht: 10.000 Euro haben sie für den Bau des Gotteshauses gespendet.
Die Bauarbeiten dort haben die Gläubigen unter der Aufsicht eines Baufachmanns selbst durchgeführt, aber dank der Hilfe unserer Wohltäter konnte das notwendige Baumaterial beschafft werden.
West-Vipparu ist eines der Dörfer, die zu der Pfarrei von Tadepalligudem gehören. In elf Dörfern sind bereits nahezu alle Bewohner getauft, in anderen gibt es viele Taufbewerber. Der Priester muss also die Menschen in vielen Dörfern besuchen.
Die Kapelle ist aber auch außerhalb von Gottesdienst- und Katechesezeiten das Herz der Gemeinde. Der Pfarrer berichtet: „Die Gläubigen sind vollkommen überzeugt, dass Gott dort wohnt. So gehen sie auch dann, wenn der Priester nicht kommen kann, in die Kapelle und bringen ihre Sorgen zu Jesus.“
Das neue Gotteshaus ist dem Prager Jesuskind geweiht, das von den Gläubigen in Indien überaus verehrt wird. In Indien gibt es mehrere große Heiligtümer des Prager Jesuskindes. Ihm werden auch bis in die entlegensten Gegenden immer mehr Kapellen und Kirchen geweiht.
„Die Einweihung war ein unvergesslicher Tag“, schreibt uns Pfarrer Dharma Raju Matta. Bischof Jaya Rao Polimera war eigens aus Eluru gekommen, um die Kapelle einzuweihen. Nach der Feier nahm er sich noch viel Zeit, um mit den Gläubigen zusammenzusein.
„Wir möchten unseren aufrichtigen und tief empfundenen Dank für den großartigen Beitrag, den Sie zu unserer Mission geleistet haben, zum Ausdruck bringen“, schreibt der Pfarrer weiter. Die Gläubigen beten regelmäßig den Rosenkranz für alle, die geholfen haben.
KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Indien solidarisch bei.
Seit den Überfällen 2008 hat unser Hilfswerk beim Wiederaufbau zahlreicher zerstörter Kirchen im Bundesstaat Odisha geholfen. Zudem fördert KIRCHE IN NOT die Seelsorge und kirchliche Sozialarbeit unter den Dalits, die in der indischen Gesellschaft ohne Stimme und Beistand sind.
Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.
Die Kongregation ist missionarisch ausgerichtet, das heißt, die Schwestern sind bereit, ihre Heimat zu verlassen und dorthin zu gehen, wohin die Kirche sie ruft. Inzwischen sind die Bene-Mariya Schwestern (= Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens) nicht nur in Burundi, sondern auch in Tansania, im Tschad, in Frankreich und Italien tätig.
Um anderen dabei zu helfen, im christlichen Geist zu leben, müssen die Schwestern diesen Geist jedoch vor allem auch selbst leben und eine tiefe persönliche Beziehung zu Jesus Christus pflegen. Dazu gehört ein intensives Gebetsleben, das aus dem persönlichen und dem gemeinschaftlichen Leben besteht.
In Tansania wächst die Gemeinschaft rasant an. Im Moment sind 33 junge Frauen im Noviziat, und weitere Mädchen wollen sich der Kongregation anschließen. Insgesamt gibt es in Tansania zurzeit 92 Schwestern der Kongregation.
Nun haben aber die Gebetbücher für die vielen neuen Schwestern nicht gereicht. Aber ohne Gebetbücher ist das gemeinschaftliche Gebet nahezu unmöglich. Daher haben uns die Schwestern um Hilfe gebeten, und unsere Wohltäter haben 1.100 Euro für den Kauf von 60 neuen Gebetbüchern gespendet.
Jetzt sind sie erst einmal für die vielen Berufungen gerüstet. Die Schwestern freuen sich riesig und beten für alle, die ihnen geholfen haben.
Um die Arbeit der katholischen Kirche in Tansania weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.
Das sind die ethnischen Minderheiten in Bangladesch, die meist als Tagelöhner in den Teeplantagen ihr karges Leben fristen. Für 23 Kilo gepflückte Teeblätter – mehr schafft man nicht an einem Tag – bekommen sie 83 Cent; für die Teeplantagen gelten die Arbeitsgesetze nicht.
Die meisten der „Teeleute“ sind Christen und Hindus, also auch religiös aus einer kleinen Minderheit. Neunzig Prozent der Einwohner von Bangladesch sind Muslime, neun Prozent Hindus. Die halbe Million Christen (meist Katholiken) machen gerade mal 0,3 Prozent aus.
Vor allem sie, Christen und Hindus, sollen in der neuen Schule der Maristenbrüder in Sylhet, eine geistige Heimat finden. Vor anderthalb Jahren haben die Maristen mit der Schule in dieser Diözese im Nordosten des Landes begonnen.
Von den 98 Schülern sind 32 Christen, 43 Hindus, 23 Muslime. In drei Jahren sollen es 450 Schüler sein, ein Drittel davon Christen. Drei von vier Schülern kommen aus den armen Familien der „Teeleute“, viele von ihnen sind Waisenkinder.
In der St.-Marcellin-Schule finden sie Geborgenheit und eine liebevolle Atmosphäre. Was fehlt, ist eine Kapelle, die reale Gegenwart des Herrn, die Quelle der Liebe. Aus ihr entspringt auch die Offenheit für eine Kultur der Toleranz, des Miteinanders und der gegenseitigen Achtung, was zu den Zielen der Schule zählt.
Durch das Zusammenleben in der Schulgemeinschaft entsteht solch eine Kultur wie von selbst. Mit den Schülerzahlen wird der Wunsch, vor dem Herrn und zu ihm zu beten, zur Sehnsucht wachsen.
Hier soll nicht nur die heilige Messe gefeiert, sondern auch der Rosenkranz gebetet, das gemeinsame Morgen- und Abendgebet gesprochen und der Katechismus gelehrt werden. Die Kapelle wird das Herz der Schule sein. Sie ist auch als geistliches Zentrum für die Nachbarschaft und die Sonntagsmesse der „Teeleute“ geplant.
Alle sollen aus der Quelle der Liebe schöpfen. Wir haben für diesen Herzenswunsch der Maristenbrüder unsere Hilfe versprochen. Bitte unterstützen Sie sie mit Ihrer Spende.
Der syrische-katholische Priester wird bei der Veranstaltung im Haus St. Ulrich über die aktuelle Lage der Christen in seiner Heimat und den Stand der Dinge beim Wiederaufbau berichten.
Nach einer kurzen Pause spricht Berthold Pelster, Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT Deutschland, zum Thema „Christen in großer Bedrängnis – Aktuelle Brennpunkte”. KIRCHE IN NOT hat im Sommer eine Dokumentation über Christenverfolgung herausgegeben, die Berthold Pelster redaktionell betreut hat.
Zum Abschluss des Solidaritätstages lädt das Hilfswerk um 18:00 Uhr zu einem „Kreuzweg für die verfolgte Kirche“ in den Augsburger Dom. Er wird geleitet vom Bischofsvikar Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier.
Die Veranstaltung beginnt um 15:00 Uhr im Haus St. Ulrich in der Nähe der St.-Ulrich-Kirche (Kappelberg 1, 86150 Augsburg). Ende des Solidaritätstages ist voraussichtlich gegen 19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Es handelt sich vor allem um ältere, kranke und behinderte Menschen sowie um Familien, die ihre Einkommensquelle verloren haben, weil die Männer arbeitslos sind.
Pater Alberto Rojas besucht sie, betreut sie seelsorglich, organisiert Aktivitäten für die Kinder und versucht, sie mit den grundlegenden Hilfsgütern auszustatten, vor allem mit Medikamenten und sauberem Trinkwasser.
Er betreut aber nicht nur die Familien in diesem Stadtviertel, sondern er feiert die heilige Messe auch im Karmelitinnenkloster in der Stadt. Pater Alberto Rojas selbst wohnt in der Nähe der Kathedrale. Er muss daher für seinen Dienst die ganze Stadt durchqueren.
Dank der Hilfe unserer Wohltäter hat Pater Alberto sich nun ein Auto anschaffen können, um auch weitere Personen und Hilfsgüter transportieren zu können. 9.300 Euro haben unsere Wohltäter dafür gespendet. Allen, die geholfen haben, ein großes Dankeschön aus dem zerstörten Aleppo!
Um das Überleben und die pastorale Betreuung der christlichen Minderheit in Aleppo und anderen syrischen Städten weiterhin gewährleisten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden
Für ihre Tätigkeit besucht die Ordensfrau die Menschen in den Dörfern, in denen sie leben. Doch das ist gar nicht so einfach. Die Entfernungen in dem bergigen Gebiet sind groß. Nur zweimal in der Woche fährt ein sogenanntes „Jeepney“, ein öffentlicher Kleinbus, über die Dörfer in die Stadt und zurück.
Dieses Jeepney ist stets heillos überfüllt. Die Leute quetschen sich mit Reis- und Zementsäcken und mit Kartons hinein, und sogar auf dem Dach sitzen Passagiere. Die Fahrt dauert sehr lange, auch weil das Fahrzeug immer wieder be- und entladen werden muss, wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen wollen.
Verpasst man die Ankunft des Jeepneys, muss man drei Tage auf das nächste warten. Dies hat die Arbeit von Schwester Anita sehr erschwert, und sie hatte uns um Hilfe gebeten.
Unsere Wohltäter haben 25.000 Euro gespendet, um beim Kauf eines Fahrzeuges zu helfen. Es ist für die nicht asphaltierten Straßen geeignet. Sie sind uneben und bei Regen regelrechte Schlammpisten.
Schwester Anita schreibt: „Ihre Hilfe ist ein Segen und eine große Unterstützung für unser Apostolat unter den einheimischen Volksstämmen. Vielen Dank! Wie glücklich wir sind! Wir sind jetzt umso eifriger, zu den Gläubigen zu gelangen und der Kirche zu dienen.“
Um die Arbeit und das Leben der Kirche auf den Philippinen weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.
Polizei und Militär sprangen diesen „Unberührbaren“ nicht bei. Schon bei Angriffen vorher waren sie weitgehend tatenlos geblieben. Juristisch geahndet wurden nur Einzelfälle.
Zehn Jahre nach den Ausschreitungen leben die Christen im Osten Indiens noch immer in Lebensgefahr. Die Übergriffe nehmen sogar zu – vor allem, seitdem die hindu-nationalistische Partei BJP die politische Mehrheit im indischen Parlament erringen konnte und mit Narendra Modi den Premierminister stellt. Strikte Antikonversionsgesetze schränken die Religionsfreiheit stark ein. Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ hat 2017 über 822 Übergriffe auf Christen und andere religiöse Minderheiten gezählt. 111 Menschen seien dabei getötet, 2384 verletzt worden.
Tarun Kumar Nayak war 2008 neun Jahre alt, als die Ausschreitungen begannen. Er hat das Morden gesehen, wurde mit seiner Familie vertrieben. Der 19-Jährige studiert heute Naturwissenschaften. Die Erinnerungen an damals prägen sein Leben bis heute. Sie beginnen für ihn schon vor den flächendeckenden Ausschreitungen, nämlich an Heiligabend 2007. Tarun hat uns seine Geschichte erzählt:
„In meinem Geburtsort Bamunigoan machen Christen und Hindus je die Hälfte der Bewohner aus. Wir lebten friedlich und harmonisch zusammen – bis zum 24. Dezember 2007. Wir Christen hatten die Hauptstraße weihnachtlich geschmückt, wie auch in den Vorjahren. Hindus hatten früher sogar dabei geholfen.
Diesmal war es anders: Eine Gruppe von etwa 200 Menschen kam zum Marktplatz. Sie forderten uns auf, den Weihnachtsschmuck zu entfernen. Außerdem sollten die Geschäfte der Christen sofort schließen. Als sich die Eigentümer weigerten, kam es zur Eskalation: Rund 20 Geschäfte von Christen wurden geplündert und zerstört. Dabei starb ein Mann.
Da wir fürchten mussten, dass die Extremisten auch uns angreifen, mussten wir noch am Heiligabend fliehen: meine Mutter, meine Geschwister und ich zusammen mit vielen weiteren Gemeindemitgliedern. Stundenlang rannten wir in absoluter Dunkelheit und großer Kälte. Es waren sogar neugeborene Babys in unserer Gruppe. Das Schlimmste war: Wir mussten unseren Vater zurücklassen. Er war Sprecher der Christen in unserem Dorf und hoffte darauf, mit den Angreifern verhandeln zu können. Er weigerte sich mitzukommen.
Schließlich erreichten wir nach zwei Tagen ein Dorf, indem wir Unterschlupf und Obdach erhielten. Ich habe erlebt, wie sehr der Satz in der Bibel stimmt: ,Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?῾ Über eine Woche blieben wir dort versteckt.
Von unserem Vater hörten wir nichts. Auch er hatte mittlerweile fliehen müssen. Mehr als 40 Kilometer war er durch den Wald gelaufen und fuhr dann mit einem Bus in die Stadt Berhampur zu Verwandten, weil er meinte, wir seien dort. Als die Lage in unserem Dorf sich wieder beruhigt hatte, kehrten wir nach Hause zurück. Jeden Tag weinten wir um meinen Vater. Denn wir dachten, die Extremisten hätten ihn getötet. Wir waren so glücklich, als er eine Woche später gesund zurückkam!
Nach den Übergriffen stellte unser Bürgermeister Sicherheitspersonal an, das zweimal am Tag durch den Ort patrouillierte, um uns ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Nach und nach öffneten die Christen auch wieder ihre Geschäfte, und ich ging wieder zur Schule. Doch allen war bewusst: Das war noch nicht das Ende der Gewalt.
So kam es dann auch knapp ein Dreivierteljahr später, am 24. August 2008. Ein bedeutender Hindu-Führer war zusammen mit vier Schülern ermordet worden. Obwohl sich gleich nach der Tat eine linksextremistische Guerilla zu den Morden bekannt hatte, schoben die nationalistischen Hindus die Tat den Christen in die Schuhe. Sie formierten sich, wurden über Nacht mit Waffen ausgestattet und begannen, die Christen anzugreifen.
Ein Haus nach dem anderen wurde geplündert und zerstört – auch unsere Kirche, für die sich mein Vater so viele Jahre eingesetzt hatte. Erneut mussten wir fliehen. Wir hatten alles verloren. Viele unserer Nachbarn waren ums Leben gekommen.
Dennoch hielten wir an unserem Glauben fest. Nur in der Gewissheit, dass Gott mit uns ist, waren wir in der Lage, dem Terror und der Gewalt standzuhalten. Aber letztlich mussten wir wieder bei null anfangen. Meinen Vater hat das schwer getroffen. Im vergangenen Jahr ist er gestorben.
Unser damaliger Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar setzte sich sehr dafür ein, dass die Christen für das erlittene Unrecht entschädigt werden. Er ging sogar bis zum Obersten Gerichtshof Indiens und bekam Recht.
Die Regierung, die sich bislang geweigert hatte, zahlte dann einige Hilfen für den Wiederaufbau – auch wenn diese sehr niedrig waren. In meinem Dorf ist die Lage nun seit einigen Jahren wieder weitgehend unter Kontrolle.
Bei kirchlichen Festen gibt es nun aber festes Sicherheitspersonal vor den Kirchen und in unseren Straßen. Die Erinnerung und die Angst sind noch immer allgegenwärtig.“
KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Indien solidarisch bei.
Seit den Überfällen 2008 hat unser Hilfswerk beim Wiederaufbau zahlreicher zerstörter Kirchen im Bundesstaat Odisha geholfen.
Zudem fördert KIRCHE IN NOT die Seelsorge und kirchliche Sozialarbeit unter den Dalits, die in der indischen Gesellschaft ohne Stimme und Beistand sind. Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.
ERZBISCHOF PETER LOY CHONG: Der Wasserspiegel des Pazifischen Ozeans steigt Jahr für Jahr. In 50 Jahren werden viele Siedlungen untergangenen sein. Das können wir nicht nur Statistiken entnehmen.
Das sehen wir selbst: Früher versuchte jeder Bewohner auf den Fidschi-Inseln, sein Haus möglichst nah am Wasser zu bauen. Nicht nur das Klima, auch die Arbeitsmöglichkeiten durch den Fischfang waren besser als in den Bergregionen.
Mein Großvater zum Beispiel baute sein Häuschen 50 Meter vom Meer entfernt. Heute steht es fast schon im Wasser! In vielen Orten müssen die Häuser bereits jetzt in der Nähe von Hügeln wiederaufgebaut werden, weil das Wasser gefährlich nahekommt.
Handelt es sich bei solchen Ereignissen um Einzelfälle oder ist es auf allen Inseln so, die zur Republik Fidschi gehören?Es handelt sich nicht um Einzelfälle. In den kommenden Jahren werden die Einwohner von 34 Küstenortschaften mit den Veränderungen konfrontiert sein, die der steigende Meeresspiegel mit sich bringt.
Die Regierung hat bereits Umsiedlungspläne gemacht. So musste ein ganzes Dorf in der Provinz Tabua, der zweitgrößten Insel von Fidschi, auf eine benachbarte Insel umgesiedelt werden. Andernorts gibt es bereits Vorbereitungen.
Papst Franziskus hat wiederholt auf die dramatischen Folgen des Klimawandels hingewiesen. Trotzdem glauben auch viele Katholiken, dass das Problem nicht so schwerwiegend ist. Was sagen Sie ihnen?Vor kurzem habe ich an einer internationalen Erklärung von Kirchenvertretern zu diesem Thema mitgearbeitet. Im ersten Entwurf stand: „Der Klimawandel wird unsere Entwicklungsmöglichkeiten betreffen.“ Es ging um Wirtschaft und Tourismus.
Aber diese einseitige Sicht ist falsch! Der Klimawandel bedeutet für uns nicht in erster Linie, dass wir wirtschaftliche Chancen verpassen. Es geht um unsere Nahrungsgrundlagen, unsere Zukunft. Es geht um Leben und Tod!
Immer wieder ist auch die Rede davon, dass wir lernen sollen, mit dieser Situation zu leben. Aber wir sprechen von großem Leid, vom Aussterben ganzer Regionen. Wie soll ich meinen Leuten sagen, dass sie damit leben lernen sollen?
Ich glaube, dass die Kirche in zwei Bereichen eine wichtige Rolle spielt. Erstens geht es um ein Problem, das einen Kern unseres Glaubens betrifft: Die Schöpfung ist ein Geschenk, das uns der Schöpfer gemacht hat – verbunden mit dem Auftrag, sie zu bewahren. Wir müssen uns als Christen fragen, ob wir uns da richtig verhalten oder nicht.
Zweitens, und das betrifft mich als Bischof und Seelsorger ganz besonders: Wie können wir die Menschen in ihrem Leid begleiten und trösten? Ihr ganzes Leben, ihr Überleben ist durch die Umweltveränderungen ins Wanken gekommen.
Der Glaube lässt uns Schmerz und Todesangst in Gebet verwandeln – in die Bitte, dass Gott das Weinen seines Volkes hört. Es geht also nicht nur um Politik und Wirtschaft. Es geht um die Achtung vor der Schöpfung und darum, die Not der Menschen zu lindern.
Papst Franziskus mahnt eine „ökologische Umkehr“ an. Das klingt erstmal sehr abstrakt. Was verstehen Sie darunter?Umkehr betrifft uns alle – auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Unsere Inseln werden verwüstet, unsere Flüsse sind verunreinigt, unsere Wälder werden abgeholzt. Die Folgen erleben wir auf den Fidschi-Inseln ebenfalls drastisch: Die Plätze für den Fischfang, der ja bei uns Haupteinnahmequelle ist, sind immer weiter entfernt.
Als Folgen brauchen die Menschen ein Boot, um dorthin zu gelangen. Das kostet Geld, was wiederum viele Familien weiter in die Armut treibt. Es stellt sich die Frage: Wovon sollen die Menschen künftig leben? Die „ökologische Umkehr“ muss also auch auf lokaler Ebene erfolgen.
Und sie muss eine Umkehr der Herzen sein. Wir brauchen eine Annäherung an Gott, Achtung vor der Schöpfung, einen nüchternen Blick auf die Fakten und eine Großherzigkeit gegenüber denjenigen, die unter den Folgen leiden. Mein Volk auf den Fidschi-Inseln weint. Wer wir diese Tränen trocken?
Die Inselwelt Ozeaniens, zu der die Republik Fidschi gehört, besteht aus über 7500 Inseln auf einer Fläche von über 70 Millionen Quadratkilometern. Glaubensverkündigung und Seelsorge angesichts weiter Entfernungen und der Vielzahl unterschiedlicher Sprachen und Kulturen stellt eine besondere Herausforderung für die Kirche dar.
KIRCHE IN NOT unterstützt die Seelsorge in diesem Gebiet zum Beispiel mit Transporthilfen, gewährt Existenzhilfen und unterstützt die religiöse Bildung.
Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden