Aktuell nehmen die Kämpfe wieder zu, berichtet Pfarrer Nowak. Und ob die Zukunft einen Waffenstillstand oder gar Frieden bringt, kann niemand absehen. Täglich spendet er den Segen für Soldaten, die in die Frontkämpfe geschickt werden – keiner weiß, ob sie lebend zurückkommen. „Sie stellen die Frage nach dem Sinn des Lebens in einer Intensität wie niemals zuvor. Ich möchte ihnen Sicherheit vermitteln. Aber mehr als meine Präsenz ist es die Gegenwart Gottes, die ich ihnen schenke.“
Obwohl offiziell über 80 Prozent der Ukrainer Christen sind, sind die Folgen der Sowjetzeit nach wie vor sichtbar: Viele Soldaten wissen kaum etwas vom Christentum. „Ich versuche, sie behutsam anzusprechen und teile mit ihnen ein paar Gedanken aus dem Evangelium.“ Jeder Soldat bekommt von ihm auch einen Rosenkranz und eine Wundertätige Medaille, die auf eine Marienerscheinung der französischen Ordensschwester Katharina Labouré im Jahr 1830 zurückgeht. Pfarrer Nowak erklärt den Soldaten, dass diese beiden Andachtsgegenstände ein Zeichen für Gottes Nähe seien und sie nicht allein sind. „Wenn sie dann wieder vom Fronteinsatz zurückkommen, sagen sie mir oft: ,Der Rosenkranz und die Medaille waren meine ständigen Begleiter. Ich habe mich an das erinnert, was sie mir gesagt haben, und habe zu Gott gebetet.’“
Aber es gibt auch die gegenteilige Erfahrung: Soldaten, die früher religiös waren, wenden sich aufgrund der erlebten Grausamkeiten von Gott ab. Die Seelsorger sind weiterhin für sie da, zumal es oft keine psychologische Hilfe gebe, berichtet Pfarrer Nowak. Gut die Hälfte der rund 300 Priester des griechisch-katholischen Ritus in der Ukraine haben seit Kriegsbeginn eine Fortbildung absolviert, um traumatisierte Menschen besser betreuen zu können. KIRCHE IN NOT finanziert diese Kurse. Seit 2022 hat das Hilfswerk in der Ukraine fast 1000 Projekte mit einem Umfang von über 3,5 Millionen unterstützt. Mittlerweile ist auch Netzwerk von kirchlichen Erholungszentren für ehemalige Frontsoldaten entstanden.
In den Gesprächen tauche auch immer wieder die Frage nach der Gewissensverantwortung auf, berichtet Pfarrer Nowak: „Wenn man dem Feind gegenübersteht, ist es dann Hass, der einen leitet, oder der Wunsch, das Land und die eigene Familie zu schützen?“ Sorgsam geht der Priester auch mit seinen Formulierungen um. Vom Schutz des Himmels zu sprechen, ist angesichts allgegenwärtiger Drohnen, die das Leben vom einen auf den anderen Moment auslöschen, schwierig geworden.
Unterwegs ist Pfarrer Nowak mit einem neuen Fahrzeug, das KIRCHE IN NOT finanziert hat: Einem Transporter, der bei Bedarf auch in ein Gesprächszimmer oder eine Kapelle umgewandelt werden kann. Diese Gefährte stehen in der Tradition der „Fahrzeuge für Gott“, die KIRCHE IN NOT in den 1950er-Jahren zur Seelsorge unter den katholischen Heimatvertriebenen in der deutschen Diaspora auf die Reise geschickt hat. „Natürlich bete ich nicht nur mit den Soldaten, ich koche auch mit Ihnen, verbringe ihre wenige Freizeit mit ihnen“, erzählt Pfarrer Nowak. Unterwegs ist er nicht nur dem Auto, sondern auch in der digitalen Welt. Täglich postet er Fotos, kurze Ermutigungstexte oder Bibelverse in den sozialen Medien und kann so viele „seiner“ Soldaten erreichen.
Aber auch ein schwerer Dienst hinter der Front gehört zu seinen täglichen Aufgaben: Er nimmt Kontakt mit der Familie auf, sobald ein Soldat verletzt wird – oder in den Kämpfen umkommt. „Das ist das Schwierigste“, gibt der Seelsorger zu. Gemeinsam mit den Angehörigen plant er auch die Beerdigung. Diese ist aber nicht immer sofort möglich, vor allem dann, wenn jemand in den besetzten Gebieten gefallen ist.
Außerdem hätten sich viele Familien im Ausland in Sicherheit gebracht und könnten nur aus der Ferne trauern. Dabei erlebt Pfarrer Nowak auch, „das viele Menschen in Wut und Hass gefangen sind“. Dem versucht der Seelsorger entgegenzuwirken, ohne zu beschwichtigen: mit einem offenen Ohr, einem offenen Herzen und dem Trost aus dem Glauben.
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Die Diözese Kafanchan würdigte Okechukwu als „hingebungsvollen Diener Gottes“. Er habe sich für Frieden und Versöhnung eingesetzt. Der Tod des Pfarrers „hat uns untröstlich und am Boden zerstört zurückgelassen“, heißt es in der Aussendung des Bistums.
Christen in Nigeria klagen über ein Klima der Unsicherheit und Angst. Neben Spannungen zwischen Religionen und Ethnien treiben kriminelle Banden ihr Unwesen. Auf ihr Konto sollen zahlreiche Entführungen gehen, um Lösegeld zu erpressen.
Diese Einschätzung untermauerte der Geschäftsführer des Lateinische Patriarchats, Sami El-Yousef, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Wir beobachten mehr Landenteignungen im Westjordanland sowie die Vertreibung von etwa 16 000 Menschen aus Flüchtlingslagern in Dschenin.“ 185 Grenzübergänge und über 900 Kontrollpunkte „fragmentierten“ mittlerweile das Westjordanland und schränkten das Alltagsleben weiter ein, „doch wegen der Ereignisse in Gaza findet dies international kaum Beachtung“, sagte El-Yousef. „Die Entwicklungen verlaufen stark zu unseren Ungunsten.“
Auch Pater Louis Salman, der für die Jugendseelsorge im Westjordanland verantwortlich ist, weist auf die Einschränkungen hin, denen die Menschen täglich ausgesetzt seien: „Seit dem Waffenstillstand in Gaza sind noch mehr Straßen gesperrt. Es ist noch schwieriger zu reisen.“ Viele der im Zuge des Waffenstillstandabkommens freigelassenen palästinensischen Gefangenen seien in das Westjordanland zurückgekehrt, was weitere Einschränkungen mit sich bringe: „Der Gefangenenaustausch hat zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen geführt“, erklärte Pater Louis.
Unter den Jugendlichen mache sich Mut- und Hoffnungslosigkeit breit. „Wir möchten ihnen neue Zuversicht geben“, betont der Jugendseelsorger. „Als Christen aus der Heimat Jesu tragen wir die Verantwortung, hier zu bleiben.“ Wichtig seien auch Veranstaltungen, die den Jugendlichen das Gefühl geben, „dass sie auf globaler Ebene keine Minderheit sind“. Pater Louis plant deshalb im Sommer mit 85 Jugendlichen zu den Feierlichkeiten des Heiligen Jahres nach Rom zu reisen. Da der Flughafen in Tel Aviv für palästinensische Reisende gesperrt ist, muss die Gruppe eine Busreise nach Jordanien und deutliche höhere Kosten auf sich nehmen.
Trotz der widrigen Umstände sieht der Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats, Sami El-Yousef, die Kirche nach über einem Jahr Krieg gestärkt: „Wir konnten unsere Dienste aufrechterhalten und teilweise sogar ausbauen. Wir bereiten uns darauf vor, nach Kriegsende noch mehr Unterstützung zu leisten.“ Es sei zum Beispiel gelungen, viele Menschen im Gaza-Streifen mehrere Monate lang mit Obst und Gemüse zu versorgen – nicht nur die kleine christliche Gemeinde. „Die Menschen sprechen noch heute darüber, wie sich die Kirche für sie eingesetzt hat. Wir sind sehr stolz auf das, was wir in dieser Zeit erreicht haben.“
Ein Großteil dieser Hilfe sei erst durch die Hilfe von KIRCHE IN NOT möglich geworden, betonte El-Yousef: „Die vergangenen eineinhalb Jahre haben bestätigt, was wir Christen im Heiligen Land bereits wussten: Wir haben weltweit Freunde, die uns nicht nur mit Geld, sondern auch moralisch unterstützen.“
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Der Bischof von Donezk, Maksym Rjabucha, lebt wegen der russischen Besatzung seiner Stadt aktuell in Saporischschja. Er schrieb KIRCHE IN NOT: „Der Krieg verursacht großen Schmerz, ein Gefühl der Hilflosigkeit, Trauer durch Verlust. Die Ukraine ist allen dankbar, die während dieser schwierigen Kriegsjahre an unserer Seite waren. Ohne Sie würden wir nicht mehr existieren.“
25 Millionen Euro für die Kirche in der Ukraine
KIRCHE IN NOT hat die katholische Kirche in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion vor drei Jahren mit über 25 Millionen Euro unterstützt. Die Art der Unterstützung hat sich im Laufe der Zeit verändert: Lag der Fokus zunächst auf Hilfe bei der Versorgung von Binnenvertriebenen, wurde der Schwerpunkt inzwischen auf die pastorale Begleitung der Kriegsopfer verlagert. Die Hauptbereiche der Unterstützung sind nun Existenzhilfen für Priester und Ordensfrauen, die Ausbildung von Seminaristen sowie Projekte zur Traumabewältigung.
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Am 23. September hatten dort israelische Luftangriffe begonnen, da die Region neben dem Südlibanon und der Hauptstadt Beirut als Hochburg der Hisbollah gilt. Die Militäroperation treffe neben militärischen Zielen auch die Zivilbevölkerung, wie Schwester Joselyne Jumaa, die Generaloberin der Schwestern „Notre Dame du Bon Service“, berichtet: „In der ersten Nacht der Angriffe strömten bereits dutzende Menschen zu uns.“ Ein paar Tage später seien es bereits über 800 Flüchtlinge gewesen. „Wir sind am Limit und können keine weiteren Personen mehr aufnehmen.“ Viele Menschen hätten infolge der Angriffe ihr Hab und Gut verloren oder seien traumatisiert.
Die 15 Ordensfrauen, die der unierten melkitischen griechisch-katholischen Kirche angehören, betreiben in Jabboulé eine Schule und ein Waisenhaus. Beide Einrichtungen stehen Christen wie Muslimen offen. So hätten auch jetzt zahlreiche muslimische Nachbarn um Obdach gebeten, berichtet Schwester Joselyne: „Sie haben so viel Vertrauen zu uns, dass wir häufig von ihnen hören: ,Euer Kreuz wird uns schützen’.“
KIRCHE IN NOT hat der Schwesterngemeinschaft Soforthilfen zur Verfügung gestellt, um Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und Unterkünfte für die Schutzbedürftigen zu finanzieren. Mittlerweile sind die ersten Hilfsgüter angekommen.
Viele Menschen suchten das Gespräch mit den Ordensfrauen: „Die Menschen vertrauen uns ihre Ängste und ihre Angst vor dem nächsten Tag an. Wir sind immer ansprechbar, wenn es irgendwo ein Problem gibt.“ Die Flüchtlinge packten in der Unterkunft auch selbst mit an, betonen die Ordensfrauen: Die Männer hacken Holz und helfen beim Verteilen der Hilfsgüter, die Frauen helfen in der Küche. Die Solidarität sei hoch.
Lokalen Berichten zufolge hätten die Terroristen zunächst die Mobilfunknetze unterbrochen und anschließend einen Markt angegriffen, auf dem sich viele Christen nach dem Sonntagsgottesdienst versammelt hatten. Die Angreifer hätten wahllos in die Menge geschossen, Geschäfte geplündert und in mehreren Gebäuden Feuer gelegt; einige Personen seien dabei verbrannt. Am nächsten Tag hätten die Angreifer das örtliche Krankenhaus attackiert, in dem zahlreiche Verletzte behandelt wurden. Am Dienstag, 8. Oktober, seien die Terroristen ein drittes Mal zurückgekehrt und hätten alle „Männer massakriert, die sie finden konnten“, so die lokalen Berichte.
Viele der Getöteten stammten aus den umliegenden Dörfern und hätten in Manni vor den Terroristen Zuflucht gesucht. In einer Botschaft verurteilte der Bischof der katholischen Diözese Fada N’Gourma, Pierre Claver Malgo, die jüngsten Angriffe als „barbarisch“. Er betonte, dass „jede Bedrohung der Würde des Menschen und seines Lebens das Herz der Kirche selbst treffen“. Es sei wichtig, den Mut nicht zu verlieren und die „Hoffnung auf ein besseres Morgen“ am Leben zu erhalten.
Eine lokale Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, sagte gegenüber „Kirche in Not“: „Die Situation ist mehr als schrecklich. Doch auch wenn die Terroristen alles verbrannt haben, so konnten sie nicht unseren Glauben verbrennen.“ Die Massaker in Manni sind eine weitere Eskalation in der sich stetig verschlechternden Sicherheitslage in Burkina Faso. Extremistische Gruppierungen verstärken ihre Offensiven und nehmen dabei Sicherheitskräfte und Zivilisten ins Visier. Mittlerweile kontrollieren die Terroristen nach örtlichen Angaben mehr als die Hälfte des westafrikanischen Landes. Burkina Faso verzeichnet seit mehreren Jahren die höchste Zahl extremistischer Gewalttaten in der Sahelzone.
Ende August erlebte das Land den bislang schwersten Anschlag seiner Geschichte, als in der Stadt Barsalohgho nach von „Kirche in Not“ zusammengetragenen Informationen mindestens 400 Menschen getötet wurden. Die Zahl der Binnenvertriebenen in Burkina Faso wird auf über zwei Millionen geschätzt.
Wie lokale Beobachter berichten, versuchen die Terroristen, die Bevölkerung zu spalten, die früher für ihr harmonisches Zusammenleben von Christen und Muslimen bekannt war. Die katholische Kirche im Land setzt sich dafür ein, diese guten Beziehungen aufrecht zu erhalten. „Kirche in Not“ hat angesichts der jungen Eskalation die Hilfe für Burkina Faso verstärkt, insbesondere bei der Versorgung und pastoralen Begleitung von Binnenflüchtlingen.
Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Burkina Faso und den Einsatz für Terrorbetroffene mit Ihrer Spende:
Das glaubt auch Jugendseelsorger Louis, der in Ramallah im Westjordanland eine Gruppe der katholischen Organisation „Youth of Jesus’ Homeland“ leitet. „Wir bitten die Jugendlichen eindringlich, nicht auszuwandern. Wenn die Christen gehen, werden die heiligen Stätten wie kalte und verlassene Museen sein.“
Berechnungen des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2023“ von „Kirche in Not“ zufolge liegt die Zahl der Christen in den Palästinensischen Gebieten bei rund 50 000, in Israel unter 180 000, darunter sind auch zahlreiche arabische Christen mit israelischer Staatsbürgerschaft. Die Tendenz zur Abwanderung hält seit Jahren an und hat sich durch die Terroranschläge der islamistischen Hamas und den darauffolgenden Krieg verstärkt.
„Wie so viele Menschen wünschen wir uns einfach unser Leben vor dem 7. Oktober 2023 zurück, als die Hamas Israelis angriff“, berichtet der junge christliche Journalist Raffi Ghattas aus Ostjerusalem. Auch vor dem jüngsten Krieg sei der Alltag zwar von Kontrollen und verschärften Lebensbedingungen geprägt gewesen, aber das hätten die Christen als Normalität wahrgenommen, erzählt Ghattas. Viele arabischsprachige Christen seien in Jerusalem vom West- in den Ostteil der Stadt abgedrängt worden, wo sie wegen der hohen Immobilienpreise kaum Eigentum erwerben konnten. „Die Mieten verschlingen fast ein ganzes Einkommen“, erläutert Dima Khoury.
Auch im Westjordanland hat sich die Situation für viele Christen verschärft. Vor dem Krieg hatten rund 180 000 Palästinenser eine Arbeitserlaubnis für Israel; diese wurden aus Sicherheitsgründen zunächst alle widerrufen und bislang nur etwa für etwa 10 000 Personen erneuert. Das spüren auch zahlreiche junge Christen wie der Schmied Shaheen, der „Kirche in Not“ beim Treffen einer Jugendgruppe in Ain Arik bei Ramallah berichtet: „Vor dem Krieg habe ich in Israel umgerechnet etwa 100 Euro pro Tag verdient, heute komme ich auf etwa zehn Euro.“
Die jungen Erwachsenen treffen sich in einem verlassenen Gebäude, das mit Hilfe von „Kirche in Not“ zu einem neuen Jugendzentrum umgebaut werden soll. „Wir haben uns für diese Lage abseits der Stadt und im Zentrum des Westjordanlands entschieden, damit möglichst viele junge Leute zu Bibel- und Gruppenstunden, Exerzitien und Sommercamps kommen können“, erzählt Jugendseelsorger Louis.
Er baut aktuell mit Unterstützung von „Kirche in Not“ in Haifa ein Jugendgästehaus und ein Restaurant auf. Dieses Lokal richtet sich besonders an junge Menschen, die eher vor „offiziellen“ Veranstaltungen zurückschrecken. „Hierher können sie ganz ungezwungen kommen. Wenn sie sehen, dass ein Seelsorger da ist, fangen sie oft an, Fragen nach dem Glauben oder der Lebensgestaltung zu stellen“, stellt Khalil fest.
Schwierig ist aktuell die Lage auch für die Nachkommen von Migranten und Asylbewerbern, die oft zu den ärmsten Gesellschaftsschichten gehören. Unter ihnen sind zahlreiche Christen, deren Eltern in der Alten- und Krankenpflege tätig sind oder die einfach Hilfsarbeit verrichten. Von ihnen fühlen sich viele als Israelis, die Staatsbürgerschaft erhalten sie aber dennoch nicht.
Denn das israelische Bürgerrecht ist gegenüber nichtjüdischen Ausländern oft restriktiv, weiß Piotr Zelasko, der im Auftrag des Lateinischen Patriarchats für die kleine hebräischsprachige Gemeinde in Israel zuständig ist: „Die Nachkommen der Zuwanderer fühlen sich oft zu hundert Prozent als Israelis. Sie sprechen wie sie, kleiden sich wie sie, hören dieselbe Musik wie sie. Und doch droht ihnen die Abschiebung.“
Früher habe Israel jungen Migranten die Staatsbürgerschaft angeboten, wenn sie Militärdienst leisteten. Aber auch das ist jetzt im Krieg nicht mehr so. „Für einige nationalistische Politiker ist es wichtiger, ,Israel reinzuhalten’. Sie verwenden wirklich solche Begriffe; es ist sehr schmerzhaft, das zu hören.“ Für junge Christen in Israel würde die Lage dadurch immer prekärer.
Libanesischen Regierungsangaben zufolge sind bereits mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Von der Raketen- und Bodenoffensive im Kampf gegen die Terrormiliz Hisbollah sind neben dem israelischen Grenzgebiet im Südlibanon besonders die Hauptstadt Beirut, das Libanongebirge und der Norden des Landes betroffen. In diesen Regionen haben die christlichen Kirchen ihre Tore geöffnet und bieten Schutz für diejenigen, die aus Kampfgebieten fliehen mussten.
Nothilfe für sieben Diözesen und fünf Ordensgemeinschaften
KIRCHE IN NOT steht aktuell in Kontakt mit sieben libanesischen Diözesen und fünf Ordensgemeinschaften, die sich besonders für Flüchtlinge einsetzen. Aktuell besteht hoher Bedarf an Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Matratzen, Decken und Medikamenten. „Kirche in Not“ wird in einem ersten Soforthilfeprogramm Gelder zur Verfügung stellen, damit die Anlaufstellen das Nötigste erwerben können.
Viele Christen im Südlibanon sind Bauern, die aufgrund der Kämpfe ihre Oliven- und Tabakernte nicht einbringen konnten und nun ohne Einkommen dastehen. Auch katholische Schulen, die mittlerweile größtenteils auf Onlineunterricht umgestellt haben, werden weitere Hilfe benötigen, da die Eltern sich nicht mehr an den Kosten beteiligen können. Hinzukommt, dass viele Familien im Libanon durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre verarmt sind.
Im Libanon sind gut ein Drittel der sechs Millionen Einwohner Christen. Ihre Zahl geht seit Jahren zurück, dennoch ist die christliche Gemeinde im Libanon die größte im Nahen Osten.
Es gibt eine ganze Menge zu tun: Fünf Gefängnisse sind zu betreuen, darin sind über 12 000 Menschen inhaftiert – Tendenz steigend. Denn Ecuador, das einst als eines der sichersten Länder Lateinamerikas galt, versinkt in Bandenkrieg und Chaos. Die Mordrate stieg staatlichen Angaben zufolge im vergangenen Jahr um fast 70 Prozent.
Bereits zum zweiten Mal hat der seit November 2023 amtierende Präsident Daniel Noboa den Ausnahmezustand ausgerufen. Das Militär liefert sich Gefechte mit dem Organisierten Verbrechen. Doch das hat auch zahlreiche Schlüsselstellen in den Behörden infiltriert. Die Lage ist unübersichtlich, die Gefängnisse dementsprechend überfüllt. Teilweise brachen auch dort Revolten aus, die erst nach Wochen unter Kontrolle gebracht werden konnten.
Dafür setzt sich ein Team von gut 100 Personen ein, die in der Gefängnisseelsorge tätig sind. KIRCHE IN NOT unterstützt ihre Ausbildung und fachliche Begleitung. Außerdem fördert das Hilfswerk den Bau und den Unterhalt von Gefängniskapellen.
Eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen ist Aleida Mejia. Ob sie denn keine Angst habe, mit Schwerkriminellen zu arbeiten? Doch, bekennt sie, und ihrer Familie falle es jedes Mal schwer, sie in den Dienst gehen zu lassen. Aber dennoch ist sie überzeugt: „Genau hier will Jesus uns haben. Er ruft uns auf, alle seine Kinder zu lieben.“
Der Bedarf nach Gefängnisseelsorge ist enorm, deshalb sucht das Team händeringend neue Mitarbeiter. „Diese Mission ist so wichtig. Wir tragen das Wort Gottes weiter und verkünden, dass es einen Gott gibt, der uns liebt und uns befreit“, erklärt Aleida Mejia. Dennoch sei die Lage äußerst angespannt. Bei den Besuchen in den Gefängnissen erlebe sie viel Skepsis bis hin zu offener Ablehnung von Seiten des Personals.
Auch außerhalb der Gefängnismauern erachteten viele Menschen diese Tätigkeit als nutzlos. „Aber es lohnt sich; ich erlebe es täglich“, betont Maria Christina Santacruz. Sie sei dankbar, dass Gott sie zur Seelsorge an den Gefangenen berufen habe; ihr tägliches Gebet laute: „Hier bin ich, Herr, um deinen Willen zu tun und die Gefangenen zu trösten und in die Freiheit zu führen, wie du mich befreit hast.“
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Der Text ist von Assyrisch bis Zulu erhältlich, weitere Übertragungen sind in Vorbereitung. In einigen Fällen ist die Kinderbibel das einzige Schriftstück in einer regionalen Sprache. So zum Beispiel beim Hirtenvolk der Turkana im Norden von Kenia. Lilian Omaria von der Missionsgesellschaft des Apostels Paulus berichtet: „Viele Kinder sprechen und verstehen nur Turkana. Viele können nicht lesen. Weil die Bibel bebildert ist, können die Kinder das Buch ansehen, den Texten zuhören und sie verstehen. Die Kinderbibel hat uns sehr dabei geholfen, in dieser Region den christlichen Glauben zu vermitteln.“
In Südamerika und Afrika beherrschen bisweilen nicht alle Bewohner eines Landes die Amtssprache; viele Indigene leben relativ abgeschieden. Die Kinderbibel in ihrer eigenen Sprache kann ihnen vermitteln, dass das Christentum in ihrer Kultur beheimatet ist. So stellt der italienische Missionar Henrique Uggé, der mit dem indigenen Volk der Sateré-Mawé im brasilianischen Amazonasgebiet lebt, fest: „Wir alle hören das Wort Gottes gern in unserer eigenen Sprache, in unserem Lebenskontext.“ Die Kinderbibel sei auch ein bedeutendes kulturelles Werkzeug: „Manche Ausdrücke oder ganze Idiome drohen auszusterben. Durch die Übersetzung der Kinderbibel bleiben sie auch für kommende Generationen erhalten.“
Ein Katechet aus dem Südsudan stellt fest: „Mit der Kinderbibel sieht man, wie die Kinder mit Ehrfurcht vor dem Wort Gottes aufwachsen. Auf dieser Grundlage entwickeln sie andere positive Fähigkeiten für ihr Leben.“
Ein Lebensbegleiter ist die Kinderbibel von „Kirche in Not“ auch für den kubanischen Geistlichen Rolando Montes de Oca: „Ich erinnere mich noch, wo unser Pfarrer mir die Kinderbibel schenkte. Durch diese Bibel lernte ich Gott kennen.“ Langsam erwuchs daraus seine Berufung zum priesterlichen Dienst. Als er ins Priesterseminar ging, nahm er die Kinderbibel selbstverständlich mit, berichtet der Geistliche: „Natürlich habe ich später andere Bibelausgaben verwendet, aber die Kinderbibel ist mir nach wie vor am liebsten, denn durch sie hat meine Liebe zu Gott begonnen.“
Neben der Kinderbibel hat „Kirche in Not“ im Laufe der Jahre auch weitere Produkte herausgegeben, die Kinder an das Wort Gottes heranführen möchten: zum Beispiel die Reihe „Bibelgeschichten im Quadrat“ für Vorschulkinder, ein Malbuch, ein Quartett, ein Stickeralbum, ein Kinderbibel-Quiz und anderes mehr. Die gesamte Palette zur Kinderbibel ist im Bestelldienst von „Kirche in Not“ zu finden.
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Am 15. Mai überquerte Romanelli zusammen mit dem Lateinischen Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Kardinal Pizzaballa, erstmals wieder die Grenze zum Gaza-Streifen. „Es ist schwer, meine Gefühle zu beschreiben. Fast 19 Jahre bin ich als Missionar in Gaza tätig. Jetzt, wo ich endlich zurückkehren konnte, sind viele meiner Freunde und Gemeindemitglieder nicht mehr hier“, teilte Romanelli dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) mit.
Seinen Angaben zufolge seien bislang 36 Christen in Gaza ums Leben gekommen: „20 von ihnen wurden durch Bomben und Scharfschützen getötet. Die übrigen starben aufgrund von fehlenden Medikamenten. Unter der Toten ist auch ein Kind aus dem Waisenhaus, das von Missionarinnen der Nächstenliebe betrieben wird.“
Aktuell hielten sich in den Räumlichkeiten der katholischen Pfarrei in Gaza-Stadt rund 500 Flüchtlinge auf, darunter auch Kinder und Menschen mit Behinderung, erklärte Romanelli. Nicht nur diese Personen, sondern auch „tausende Menschen in der Nachbarschaft“ versorge die katholische Gemeinde mit Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Die Lieferungen koordiniert das Lateinische Patriarchat von Jerusalem, Organisationen wie „Kirche in Not“ übernehmen die Finanzierung.
Die Lage im Norden des Gaza-Streifens sei dramatisch: „Kein einziges Gebäude ist unversehrt. Wir brauchen weiterhin humanitäre Hilfe, um die tausenden Verwundeten zu heilen und den Vertriebenen die Rückkehr zu ermöglichen.“
Seine Aufgabe sieht der Seelsorger jetzt darin, den notleidenden Menschen ungeachtet ihres religiösen Hintergrunds „geistliche, moralische und existenzielle Unterstützung“ zu geben: „Ich bin überzeugt, dass mein Bestimmungsort Gaza ist. Es ist meine Pflicht als Gemeindepfarrer, hier zu sein und auf jede mögliche Weise zu helfen.“ Romanelli dankte für die Hilfe, welche die Menschen in Gaza erreiche: „Danke an alle Wohltäter; ich ermutige sie, weiterhin Hilfe zu leisten. Sie ist ein großer Trost.“
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Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN), das in Mexiko ein eigenes Büro unterhält, steht in Kontakt mit dem Priester José Filiberto Velázquez Florencio, den sie hier Pfarrer Fili nennen. Er leitet ein Zentrum für Opfer der Bandengewalt in der Diözese Chilpancingo-Chilapa. Sie liegt im Bundesstaat Guerrero im Süden Mexikos, die als Hauptschauplatz von Bandenkrieg und Gewalt gilt. Über 16 verschiedene kriminelle Gruppen kämpfen um Macht und die Kontrolle von Menschen- und Drogenhandel.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, sie sind für die katholische Kirche in Mexiko an der Tagesordnung: Drohungen, Erpressungen, Mordanschläge. Der Priester hat bereits zwei solcher Anschläge überlebt. Auf dem Weg zu einem Gottesdienst wurde er verschleppt und sollte hingerichtet werden.
Dennoch suchen Pfarrer Fili und seine Mitstreiter den Dialog mit den bewaffneten Gruppen, um mäßigend auf sie einzuwirken: „Wenn sie sich öffnen, gibt mir das die Gelegenheit, zu ihrem Herzen und ihrem Gewissen zu sprechen.“ So war es auch bei einem der schwersten Zusammenstöße zwischen kriminellen Gruppen und Militär im Januar und Februar dieses Jahres. Wochenlang legten die Kämpfe weite Regionen des Bundesstaats Guerrero lahm. „Es gab keinen Schulunterricht mehr, die Kranken konnten nicht mehr ins Krankenhaus gebracht werden. Dann begann die Kirche, mit den Anführern zu reden, und der Konflikt konnte gelöst werden“, berichtet Pfarrer Filiberto. Dennoch seien Kirchenvertreter von Behördenseite schikaniert und in Verbindung mit dem kriminellen Verbrechen gebracht worden.
Rund 100 Millionen Wahlberechtigte in Mexiko sind am 2. Juni aufgerufen, neben dem Präsidentenamt auch den Kongress, die Regierungen von neun Bundesstaaten sowie mehr als 20 000 öffentliche Ämter zu bestimmen. Der bisherige Präsident Andrés Manuel López Obrador von der linkspopulistischen Regierungsallianz Morena darf nicht erneut antreten. Um seine Nachfolge bewerben sich für Morena die ehemalige Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, sowie aufseiten des oppositionellen Rechtsbündnisses die indigene Politikerin Xóchitl Gálvez.
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